Dielen umgedreht einbauen oder nicht?

09.04.2008



Ich stehe gerade in meiner neuen (120 Jahre alten) Wohnung vor der Frage: Sollen wir die alten Dielen, die (relativ!) vorsichtig herausgenommen wurden, mit der Lackseite oder der Unterseite nach oben wieder einbauen? Ich habe mit dem Umdrehen schon mal in einem anderen Haus schlechte Erfahrungen gemacht, weil sich dann langsam dünne Späne hochgehoben haben, üble Sache für Sockenläufer und Kinder! Irgendwann war es so schlimm, dass ein neuer Boden drübergelegt werden musste.
Inzwischen habe ich zwei gute Schreiner gefragt, die beide total entgegengesetzte Sachen gesagt haben. Der eine meint, keinesfalls umdrehen, Bretter einfach nebeneinander festschrauben, ohne Aneinanderdrücken! Der andere hat in der Wohnung unter uns alle Dielen umgedreht eingebaut, beim Anschrauben fest aneinandergezogen (was ich komisch finde, weil dann ja die Bretter tierisch unter Spannung stehen, oder nicht?) und er ist der Meinung, sie wären vorher sowieso falsch herum eingebaut gewesen. Ich bin gerade ETWAS verunsichert.
Unsere Bretter haben ganz unterschiedlichen Zustand, viele sind noch ganz gut, die Hälfte ist aber sehr abgelatscht (Außen 3, in der Mitte 1 cm). Tragen müssen sie aber nicht viel, weil sie auf einer neuen OSB-Platte aufgeschraubt werden (darunter sind Trittschallisolierung/Höhenausgleich).
Natürlich will ich den Arbeitsaufwand möglichst gering halten. Beide Methoden haben für mich so viele Vor- und Nachteile. Wer hat den eindeutigen Tipp???





Der eindeutige Tip? Ohne das Material zu sehen? Alte Fussbodendielen geben gutes Anfeuerholz.
Im Ernst: Wenn die Dielen so stark abgelaufen sind und man sie wendet, muss man sie sehr exakt unterlegen, sonst wird der Boden fürchterlich knarren. Ausserdem wird man die Austritsstellen der alten Nägel oder Schrauben sehen. Wendet man sie nicht, wird der Boden gleich uneben sein wie vorher. Das Unterlegen setzt einen pedantischen Charakter und eine enorme Geduld voraus. Falls Sie darüber nicht in der nötigen Vollkommenheit verfügen, wäre es vielleicht besser, sich von den geliebten alten Dielen zu trennen oder diese irgendwo einzubauen, wo es nicht so drauf an kommt. 2 cm Abschleifen dürfte nicht gehen.
Wenn Sie es trotzdem tun:
Bretter, die splittern, sollte man aussortieren. Es sind fast immer Seitenbretter. Dielen mit stehenden Jahren sind besser (wenn sie keine Flügeläste haben), diese in der Raummitte verlegen.



Die richtige Seite...



...wäre die linke Brettseite, also die Splintseite, nach oben. Aber das nur nebenher.

Wenn Sie das endlose Werkeln an einer schadhaften Dielung nicht zum Selbstzweck erklären wollen, üben Sie sich besser im Loslassen. Konstruktiv ist durch die OSB-Platte ohnehin alles verändert. Genießen Sie die damit verbundene Gestaltungsfreiheit und bauen Sie eine neue Dielung ein, Ölen Sie die Oberfläche mit einem guten Fußbodenöl aus dem Naturfarbenbereich - und freuen Sie sich darüber.

Der Wiedereinbau ist prinzipiell möglich, aber wesentlich aufwendiger und sollte für ein gutes Ergebnis von einem Fachmann gemacht werden - somit auch kein Schnäppschen.

Grüße

Thomas



@ Thomas:



Du kannst die gleiche Botschaft einfach netter rüberbringen :-)



Vielen Dank für die Antworten,



aber die Frage "alt oder neu" stand eigentlich gar nicht zur Debatte. Natürlich hatte ich das überlegt, mich aber dagegen entschieden. Wir haben uns zum Wiedereinbau entschlossen, weil dadurch Originalmaterial wiederverwendet wird, der Charakter des Altbaus also weitgehend erhalten bleibt. Außerdem wird Holz gespart - und als Anmachholz würde ich lackierte Dielen auch nicht wirklich nehmen!! Verschiedene Schreiner lecken sich schon die Finger danach.
Natürlich ist es irgendwie traurig, wenn neue Dielen - selbst verlegt - etwa das gleiche kosten wie das Aufarbeiten der alten. Aber so ist das eben.



Gedrehte Dielen,



geschliffen, sehen nicht anders aus als neue Dielen, geschliffen, nur haben sie ein paar Nagellöcher mehr. Bei älteren Dielen sind die Dickenunterschiede aber häufig so groß, daß sie mit Schleifen nicht nivelliert werden können.

Ich habe das auf 500 eigenen Quadratmetern durch, und ich würde es nicht wieder machen. Mein Votum wäre also: Drin lassen oder erneuern.

Wenn Ihr den Charakter des Bodens erhalten wollt, solltet Ihr Die Dielen nicht drehen. Das Verlegen ist schwierig, weil die Dielen ja irgendwie wieder auf ein Niveau kommen sollen. Die OSB-Platte ist da eher im Wege als hilfreich. Wenn man die Dielen vollflächig schleift, geht trotzdem der größte Teil des originalen Aussehens verloren. Konsequenter wäre es, wenn Ihr die Dielen mit Heißluft und Ablauger vom Lack befreit und gar nicht schleift. Aber auch das wäre wohl nicht das ursprüngliche Aussehen - Nadelholzdielen waren ja zumeist deckend lackiert...

Letzlich ist jede Variante in Kompromiss.

Grüße

Thomas