alte Dielen erhalten aber dennoch Trittschall dämmen???

29.08.2011 Al



Liebe Forumsmitglieder,

wir renovieren gerade in unserem historischen Gasthaus (Bj. 1904, Ziegelmauern, Holzdeckenbalen mit Schüttung dazwischen) zwei übereinanderliegend Wohnetagen. Mit Freude habe ich unter etlichen Lagen PVC, Teppich und Laminatdreck die originale (und gut erhaltene!) Dielung freigelegt. Nun ist aber leider, nach der Freilegung, der Trittschall von der oberen Wohnung im Stock darunter sehr laut zu hören. Vermutlich wird selbst bei vorhandener "Altbautoleranz" der Trittschall zumindest in den Schlaf- und Arbeitsräumen stören. Nun fehlt mir ein Ansatz, mit dem ich die alte Dielung belassen und Aufarbeiten kann und dennoch die Trittschalldämmung verbessere. Gibt es keine gut durchführbare und (halbwegs) bezahlbare Lösung um anstatt auf den Dielen drauf, besser unter der Decke des unteren Geschosses eine Schalldämmung zu realisieren? Sind Weichfaserplatten, Abhängungen oder anderes geeignet die Trittschalldämmung zu verbessern? Bitte verzeiht, wenn die Frage schon öfter hier geklärt wurde, ich habe bei meiner Suche leider keinen richtig passenden Beitrag gefunden. Danke für Eure Hilfe!



Moin Al,



kein Wunder dass du da nix gefunden hast...ohne Dielen raus und was drunter, oder wieder was oben drauf wirst du das Problem nicht lösen.

Was spricht dagegen die Dielen aufzunehmen, Hohlraumfrei zu verfüllen und gedämpft neu zu verlegen?

Gruss, Boris



Sockelleisten etc.



Ich denke, dass die alten eingeputzten Sockelleisten raus müssten um die Dielung zu heben. Ich stelle mir den Aufwand sehr hoch vor um die dann wieder sauber zu montieren, auszubessern und wieder beizuputzen. Daher wollte ich das nicht wirklich gerne machen. Oder ist da ein Denkfehler drin?



Moin Al,



was sind ein paar Tage Gepuhle im Vergleich zu, ich sag mal 30 Jahre Getrampel überm Hirn, nie mal lauter Musik hören können etc.?

Für die Wohnwertsteigerung kannst du dir die Sockelleisten nach Mass neu anfertigen lassen, sach' ich.

Gruss, Boris



und drüber?



Ich verstehe, die saubere Lösung wäre es, die Dielen raus und schwingungsfrei wieder reinzumachen. Da aber daran ein riesiger Rattenschwanz hängt (sind ja auch noch Heizungsrohre, die auf dem alten Boden entlang der Sockelleisten laufen etc.), werde ich es jetzt nicht umsetzen können. Also bleibt noch ein schwimmend verlegter click-Boden obendrauf, zumindest in den Zimmern, wo drunter später Ruhe gebraucht wird. Ich könnte mit ein click-Parkett vorstellen, das schwimmend auf eine Trittschalldämmung aus PE-Schaumfolie gelegt wird. Nun frage ich mich, ob unter die Schaumfolie noch eine Dampfbremse drunter sollte? Ich glaube, das wird standardmässig so gemacht, aber wofür genau dient die Dampfbremse in dem Fall? Ist es nicht potentiell gefährlich, wenn unter der Dampfbremse die Feuchte steigt und dann die alten Dielen darunter nass werden? Sollte man die Dampfbremse dann nicht besser weglassen, oder warum ist die wichtig?



Trittschall



geht NUR über Bauteiltrennung

Luftschall über Masse und teilweise Dämmstoffe.

Entweder richtig oder gar nicht.

Viel Nutzen ist immer mit Aufwand und Geld verbunden.

Biliglösung a la Baumarkt macht man mehrmals und es kann zu Misserfolg und Schäden führen.

FK



Ein Fertigparkett...



...kann auf einer unebenen Dielung ( und die Euere ist mit Sicherheit uneben) nicht sauber verlegt werden, Ihr schmeißt das beizeiten wieder 'raus. Wegen Klappern, Knarren, Fugenbildung, Durchbiegen... Also müsste erst eine wenigstens 22er OBB-Platte, in Nut und Feder verleimt, verlegt werden, und dann auf einer Entkopplungsmatte das Fertigparkett. Bisschen viel Aufwand, nicht?

Grüße

Thomas



vom Aufwand her



scheint mir aber das Legen der Platten und dann des Fertigparketts sehr viel überschaubarer als Heizungsrohre rausreissen, stehende Sockelleisten rausreissen, Dielen heben, entkoppeln/verfüllen und dann alles wieder einzubauen? Oder meint Ihr nicht? Meine Überlegung ist ja, die originale Dielung in gutem Zustand zu erhalten und ggf. zu einem späteren Zeitpunkt (wenn wieder mehr Zeit und Geld verfügbar ist) mit Entkopplung zu restaurieren. Mein Gedanke ist also, wie finde ich jetzt eine Lösung, die realisierbar ist und mir trotzdem nicht für später die Dielen versaut.
Hat denn niemand zu der Frage ob besser mit oder ohne Dampfbremse/Folie unter dem Fertigboden gearbeitet werden sollte etwas beizutragen?





Die einfachste, wenn auch zugegebener Maßen nicht unbedingt effizienteste Lösung wäre: Holzfaserdämmplatte 6mm als Unterlage und darauf den Fertigparkett. Diese Untgerlagsplatte entkoppelt und gestaltet die Gehgeräusche auf dem neuen Boden angenehmer (Klich- Klack). Sie gleicht auch minimale Unebenheiten der Dielen aus. Die Verbesserungswerte liegen dabei bis zu 17 dB. Den Dielenboden vorher nochmal abnageln, damit der nicht mehr als nötig knarrt.



Moin Al,



besorg dir doch erstmal ne 2m -2,50m Richtlatte und fahr damit über deinen Dielenboden. Wenn unter der Latte nicht mehr wie 2-3mm Luft sind, kannst du ein Fertigparkett wagen.

Wenns erstmal eine Lösung auf die Schnelle sein soll, würde ich nochmal über einen Textilbelag (z.B. Tretford) nachdenken.

Folie brauchts in den Obergeschossen nicht.

Gruss, Boris



Es entsteht...



...mit etwas geringerem Aufwand eine Lösung, die keine ist. Genau das ist der Murks, vor dem mich meine Mutter immer gewarnt hat :-)

Die Leitung ist doch dann auch dem Fertigparkett im Wege? Vermutlich sieht die Anbindung grauenhaft aus, aber da kommt ja noch eine weitere Leiste davor... Was ist mit Anbindungen wie angrenzende Räume, Treppen etc? Stolperfallen?

Solange keine anderen Mieter im Boot sind, wird Trittschall oft überbewertet. Eine Möglichkeit, die Schallübertragung zu reduzieren, wäre auch das Aufnehmen von je 2 mittigen Dielen, und Ausblasen mit Zellulose, oder das auspusten von unten.

Die Geschichte mit den 6mm Holzweichfaserplatten funktioniert nur bei sehr geringen Höhendifferenzen. Ausgelatschte Äste oder schwingende Dielen toleriert das Ganze auf Dauer nicht ohne Schäden.

Grüße

Thomas



Ausblasen?



Wenn ich die Dielung in der Mitte öffne und dann darunter ausblase, reduziert das dann wirklich nennenswert den Trittschall? Ich hätte jetzt vermutet, das die Maßnahme nur Luftschall schluckt. Kann das jemand aus Erfahrung sagen, ob Ausblasen mit Cellulose unter der originalen Dielenlage ausreicht um eine nennenswerte Besserung beim Trittschall zu haben?
Leider geht es genau darum, daß die obere der beiden Wohnungen vermietet werden soll und wir selbst darunter wohnen werden. Denke schon, daß der Trittschall da ein Thema wird, auch wenn wir nicht besonders empfindlich sind.
Finde es übrigens sehr positiv, wie hier wertvolle Tips und Anregungen ausgetauscht werden. Nochmal Danke an alle Beteiligten!



Ich habe...



...von allgemeiner Schallreduzierung geschrieben, und die ist auch gegeben, wenn der Hohlraum wegfällt. Da nun aber herauskommt, daß vermietet werden soll, reicht das natürlich nicht.

Denn würde ich die Dielen aufnehmen, den Balkenzwischenraum mit Masse (ggf. tiefergelegter Einschub) füllen und eine Montageebene aus OSB bringen, darauf nun das Parkett schwimmend.

So ist das nun 'mal, wer kassieren will, muß vorher investieren.

Oder einfach Auslegware auf die alten Dielen und ein wenig leiden.

Wer sparen will, muß mit Kompromissen leben.

Frohes Schaffen

Thomas