kann denn niemand einen alten, ausgetretenen Dielenboden quasi uneben schleifen?

23.08.2011



Hallo Fussbodenexperten!
ich habe hier in einer wiener Arbeiterwohnung von 1900 mühsam einen Dielenboden freigelegt mit teils 60 cm breiten Brettern (4,50m lang) und Ersatzbrettern aus 2 weiteren Generationen. Wäre zu schön, den erhalten zu können.
Leider gibt es zwei große Haken: er ist teils um Aststellen herum von ehemals 2 auf 1cm geschrumpft, und die Trägerhölzer (4,5 x 9,5cm; dazwischen: Schlacke, Schamott) sind in der Raummitte 130cm voneinander entfernt! Nach allem, was ich bisher verstanden habe, erscheint das Abschleifen also sinnlos, da die Bretter eh schon zu dünn sind.
Einzige Rettung: es gäbe eine Schleifmethode, die nicht begradigt (was wohl eh schon unmöglich ist), sondern quasi nur POLIERT und alle Hügel u Schluchten belässt. Das wär mir schon recht und gar ein interessanter Boden. Gibt es nicht doch ein weiches, nachgebendes Tellerschleifgerät? Zumindest ein kleines für die entsprechenden Stellen.
Dann würde der Boden zwar weiter schwingen aber nicht wesentlich schlechter tragen, als bisher.
Ansonsten weitere Dielen ersetzen.. Komplett Neue wären mir zu teuer. Oder wo gibt es einen Restposten für 26 m²?
PS: Ich hasse Laminat, Platten, Landhaus.. etc
Beste Grüße,
Sebastian



Intensivölreiniger



Wenn der Boden nicht lackiert, sondern geölt oder gewachst ist, gibt es eine Möglichkeit diesen ohne Schleifen aufzuarbeiten.
Der s. g. Intensivölreiniger wird großflächig aufgetragen und mit einem Pad aufpoliert bis sich der ganze alte Schmodder gelöst hat. Dieser wird dann aufgenommen und es kann eine neue Öl oder Wachsschicht aufgetragen werden. Das funktioniert sehr gut.
Wie gesagt, geschliffen wird dabei nicht, d. h. Kratzer, etc. bleiben erhalten, Die Oberfläche jedoch wieder schön und beständig. Sollte der Boden für eine handelsübliche Maschine (Tellerdurchmesser 406 mm) zu uneben sein, kannst Du das auch mit einem kleinen Rutscher machen. Ist dann zwar etwas mühselig, aber funktioniert auch.
PS. Größere Fugen solltest Du vorher schließen.



Das Verhältnis...



...Lagerholzabstand zu Dielendicke ist indiskutabel, ich würde den Boden erneuern.

Alles andere ist nur verschwendete Liebesmüh. Alternativ: Dielen aufnehmen, Verlegeebene aus Rauhspund 35mm herstellen, Dielen wieder verlegen. ODER: Dielen aufnehmen, Lagerholzabstände von 30cm max. herstellen, Dielen verlegen.

Schleifen dann mit Tellerschleifer 150 oder 125mm und weichem Teller.

Grüße

Thomas



Danke sehr! Wie aber alte Dielen auf Rauspund?



Danke für die interessanten Tipps! Das hilft schon weiter und macht Hoffnung. Am wahrscheinlichsten erscheint die Lösung von Thomas mit der Rauspund-Verlegeebene.
Verlege aber zum ersten Mal Dielen. Wie also die alten Dielen auf Rauspund verlegen? Nägel in die alten Löcher und vielleicht schräg hineintreiben? Oder gleich schwimmend mit Schrauben??? In jedem/keinem Fall mit dem Lagerholz unter der Verlegebene verbinden?
So richtig Dielengemäß sauber ist die Lösung ja eh nicht, darum hoffe ich auf Erfahrung.
Beste Grüße, Sebastian



Die Dielen...



werden in jedem Fall mit Nagel oder Schraube von oben mit Lagerhölzern bzw. Rauhspund verbunden. Der Höhenausgleich der unterschiedlich belatschten Dielung ist aber ein Riesenaufwand, ich rate ab. Auf jeden Fall nummerieren und Verlegereihenfolge beibehalten.

Schwimmend geht da nix.

Eine neue Dielung kostet eher weniger.

Grüße

Thomas



Danke für die Infos!



Sehr freundlich und hilfreich bei der Entscheidungsfindung!



Nicht



den Mut verlieren!
Allerdings sind die Daten wirklich "unter aller Sau"... zuerst: das ist ein Wiener ALtbau, also sind die Lagerhölzer nicht tragende Balken sondern wirklich nur Lagerhölzer, die selber nur auf der Schüttung aufliegen und sonst nirgends (offenbar sind die Böden damals so gebaut worden, daß auf die Decke ordentlich geschüttet wurde, dann die Lagerhölzer aufgelegt wurden und noch einmal ordentlich aufgefüllt bis Oberkante Lagerhölzer).

Eventuell könnte man mit einem kleinen Exzenterschleifer loslegen, wird aber ewig dauern. Ohne Schleifen geht es wenn der Boden nur gewachst sein sollte... die Firma Sixay am äußeren Währingergürtel bietet die sogenannte "Bundeskanzlermischung" an, die soll genau für den Zweck sein und hat ihren Namen von der Pflege der Parkettböden in der Hofburg.

Schlimmstenfalls kann ich eventuell alte Dielen günstig auftreiben (liegen allerdings im Raum Mistelbach und sind lackiert, man müßte sie also Ablaugen oder -brennen).

Jedenfalls ein ganz großes Daumen rauf für den Plan den Boden zu erhalten!
Ich hab im Juli bei einem Freund in Meidling mühsam den Boden von ca. 1910 unter Fertigparkett, Laminat, Teppich, SPanplatten usw. freigelegt (teilweise bis zu 6 Schichten pro Zimmer) nur um dann zu hören "Määh, der hat zu große Spalten und is schiach, da leg ma Laminat drauf!"... das war hart an der Grenze zum Ende der Freundschaft.