müssen wir alte holzdielen dämmen?

04.07.2011



Hallo!
Wir haben ein Altbau (1934) gekauft und sind nach Entfernen des alten Bodenbelages (Teppich und darunter geklebter PVC) in dem zukünftigen Kinderzimmer auf schöne, wenn auch knarrende, Holzdielen gestossen. Ich wäre ja für losschrauben und wieder anschrauben (=Knarren beseitigen), ordentlich Abschleifen und anschließend schön Ölen o.ä. Mein Mann allerdings meint, dass wir uns die Arbeit (und den ganzen Staub)besser ersparen sollten und besser Trittschalldämmung und Laminat Verlegen sollten. Sein Hauptargument: fehlende Wärmedämmung und er meint, sonst hören wir im darunter liegendem Wohnzimmer auch jeden Schritt und Tritt unseres Sohnes... Was meint Ihr denn dazu? Hat er recht oder habt Ihr Ideen, wie ich ihn ggf. umstimmen kann? Für ehrliche (und bitte kurzfristige) Antworten vielen Dank.
LG Kerstin



Fußbodenaufbau



Hallo Kerstin,
was ist daran so schlimm, wenn Sie unten im Wohnzimmer vielleicht! mal die Schritte Ihres Sohnes hören?
Da beide Zimmer innerhalb der Nutzungseinheit liegen, brauchen Sie auch keine Wärmedämmung in der Decke.
Wie Sie die Dielung nutzen, entweder aufgearbeitet direkt als Belag oder mit einer zusätzlichen Nutzschicht wie Teppich bzw. Laminat bleibt Ihnen überlassen.
Versuchen Sie Ihren Mann zu bremsen, wenn er die Dielung herausreißen will. Kann sein das dann nur noch die Balken übrigbleiben, weil:
- drinnen in der Decke so Dreck liegt,
- er statt dessen lieber Mineralwolle reinpacken will,
- bei der ganzen Bauerei dann der Deckenputz samt Putzträger in Mitleidenschaft gezogen wird und
- Ihr Mann denn vielleicht noch auf die Idee kommt, die Deckenbalken freizulegen.
Ich nenne sowas sinnlose Zerstörung eines funktionierenden Bauteils.

Viele Grüße



Dielen lassen bitte...



Hallo Kerstin,
in unserem Kinderzimmer liegen auch Dielen - leider keine schönen alten sondern neue Dielen ganz bewusst in einem Neubau eingebaut. Die schwingen herrlich ( bei zwei tobefreudigen und verletzungsanfälligen Jungs war uns das sehr wichtig), sind super angenehm an Sockenfüßen - nicht im geringsten kalt und sehen auch nach jahrelanger ( 12 ) Dauernutzung zwar genutzt aber nicht "oll" aus.
Zum Vergleich: In unserer alten Wohnung hatten wir Laminat auf Trittschalldämmung - kalt, laut ( nimm mal Stöckelschuhe oder Ledersohlen )und nach 5 Jahren nicht überarbeitbare Laufspuren....
Nimm mal ein Stück Laminat in die Hand lege Trittschalldämmung drunter und lass deinen Mann den Selbstversuch machen - ich denke, er entscheidet sich dann auch für Natur statt "Sondermüll".
Preislich:
Lag in Berlin der qm Dielenschleifen bei etwa 20 € incl Ölen - der qm besseres Lanminat +Trittschalldämmung etwa bei 14 € + Verlegung ( ca. gesamt 25 - 30 €). Hinzu kommt das Risiko, dass der Boden wellig oder schüsselig sein könnte und das dann mit dem Laminat auch nicht so ohne weiteres geht.
Genug Munition ??? ;)
unterstützende Grüße
anna



Mittelweg



Ich kenn mich zwar da nicht wirklich aus, aber es müsste doch möglich sein, wenn ihr eh die Dielen einmal abschraubt, dabei schnell unter die alten Dielen eine Trittschalldämmung und / oder Wärmedämmung drunter zu werfen? Wäre doch ein Mittelweg.



Bitte hart bleiben! ... ;)



Hallo Kerstin,

... Dein Mann hat soweit nicht recht, als daß ihr für eine innerhalb eines Gebäudes liegende Decke nicht wirklich eine Wärmedämmung braucht! Aber das hat Georg schon angesprochen.

Schalldämmung kommt zunächst erstmal von der in die Decke eingebrachten Masse. Auch sollte die Deckenfüllung dabei keine direkte Übertragung von Schall über die Luft zulassen (via große Holräume in der Deckenfüllung oder breite unbefüllte Spalten am Mauerrand). Wenn der Grundaufbau nicht stimmt ist der direkte Trittschall sogar eher das kleinere Übel. Bei der schnell geplanten schalltechnischen Entkopplung von Laufbelag und Tragkonstruktion mittels Kork oder Flachsdämmstreifen unter Dielen ist mitunter zu beachten, daß dies Einfluß auf die Gebäudestatik haben kann (Scheibenfunktion z.B. bei Fachwerk). Hier also obacht und im Zweifelsfall einen Zimmermann oder Statiker gefragt.

Das Knarren der Dielen läßt sich mitunter auch so abstellen, solange Nut und Feder (so vorhanden) noch in Takt sind. In der Regel kommt dieses von durch veränderliche Lasteinwirkung ausgelöste Bewegungen des Holzes relativ zu den Nägeln mit denen die Dielen normalerweise auf den Balken befestigt sind. ... Einfach gesagt die Dielen scheuern beim Laufen an den Nägeln und das erzeugt dann einen knarrenden Ton. Mit etwas Glück gibt sich das Geknarre durch einfaches Nachschlagen der Nägel, oder aber läßt sich zumindest so deutlich reduzieren. Eine Dauerlösung ist es allerdings nicht (bin hier ehrlich), jeh nach dem wieviel Zug der Nagel noch im Balken hat, und wie sehr insgesamt die alte Holzbalkendecke zum Schwingen neigt. Eine dauerhaftere Alternative zu den alten Nägeln wären Schrauben. Nun sind aber schon Nägel drin und ich würd jetzt nicht noch zusätzlich Schrauben reindrehen. ... Für die Einen ist das Knarren störend, für den Anderen gehört das zur Sehle des Hauses.

Lange Rede kurzer Sinn. Im dümmsten Fall werdet Ihr mit einfachem Ausrollen einer Trittschallmatte und Laminat oben drüber auch nicht wirklich vom Knarren der alten Dielen befreit sein! Das wäre also der zweite oder eher sogar dritte Punkt, über den Ihr Euch nochmal unterhalten könntet. ...

Ich wär aber auf Deiner Seite, sofern keine anderen Gründe als Staub und Arbeit dagegensprechen.

Gruß aus Berlin,



Laminat gleich Sondermüll



Laminat darf niemals als eine Alternative zu Holzdielen angesehen werden. Laminat läd sich übrigens auch schnell elektrostatisch auf und ist der Grund warum mann desöfteren an der Türklinke einen gewischt bekommt."Wir sind dann geladen!" Auch verdreckt ein Laminatboden aus diesem Grund schneller, da er Staub anzieht. Lass mal einen harten Gegenstand auf solche Böden fallen und versuch die Macke anschließend auszubessern. Viel Spaß! Von den möglichen giftigen Inhaltsstoffen möchte ich jetzt garnicht schreiben.
Dielen Schleifen und ölen. Nicht lackieren!!! Und wenn dann doch was drauf soll dann doch besser geöltes Korkpakett. Schaut mal unter www.lindenbau.de

Gruß Uwe



Trittschalldämmung drunter werfen...



@bibi - das geht so nicht und macht auch keinen Sinn. Trittschall zwischen dem Balken und der darauf verschraubten Diele würde nur noch mehr Geräusche verursachen, da die Diele sich durch Last bewegen kann - die Schraube bleibt aber stehen.

Die Dielen schnell mal abnehmen und wieder hinschrauben kann auch eine Herausforderung werden.

@Kerstin
Wenn die Dielen abgeschliffen werden sollen, dann mal prüfen, wieweit das die Dicke der Dielen noch zulässt. Das Knarren könnte ja auch davon kommen, dass der Boden schon zu oft geschliffen wurde und einfach zu schwach für die normale Belastung ist.

Sonst kann man Euch nur dazu gratulieren, dass Ihr auf die Substanz zurück geht und dann hoffentlich bei der Substanz bleibt und nicht wieder Schichten (=Laminat) aufbaut.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Auf einer unebenen (geschüsselten)



und beweglichen Altdielung kann gar kein Laminat oder Fertigparkett verlegt werden - zumindest eine 15er OSB Platte sollte in Nut und Feder verklebt draufgebracht werden als halbwegs brauchbare Verlegeebene. Viel Aufwand für eine baubiologisch katastrophale Nutzschicht.

Grüße

Thomas



VIELEN DANK



Hallo an alle!
Ich (wir :-) ) danken für die vielen, ehrlichen Antworten! Ihr (und ich) waren nun überzeugend genug :-) Mein Mann wird nun die alten Dielen zunächst vom Knarren befreien, in dem er mit dem Hammer mal ein paar Nägel nachkloppt. Mal sehen, wie viel es bringt oder besser wie lange... Anschließend will er mit einer Walzmaschine abschleifen und dann schön ölen!
Mein Sohn freut sich schon auf den tollen Holzboden, den er zukünftig haben wird! Also nochmals vielen Dank an alle!
LG Kerstin



Denn viel neue Freude...



...am alten Holz.

Nehmt ein gutes wachsfreies Fußbodenöl eines Naturfarbenherstellers, und lasst keine Überständes des Öls auf dem Boden.

Frohes Schaffen

Thomas