Fliesen auf altem Holzdielenboden

04.02.2007



Hallo und Guten Tag!

Aus dem Jahr 1906 stammt das Haus, in dem wir gerade die Eigentumswohnung im 2. OG gekauft haben. Zugegeben, es ist kein Fachwerkhaus, aber für die Fragen, um die es uns geht, ist das sicherlich nicht relevant.
In der gesamten Etage liegt noch der alte Dielenfußboden. Es handelt sich um Fichtendielen mit Nut und Feder, wahrscheinlich 9/8 Zoll stark, die direkt auf die tragenden Balken genagelt sind. Hierzu würde ich gerne zwei Fragen stellen.

I. Im Bad würden wir gerne Fliesen verlegen. Der Verkäufer hat dazu folgende Punkte in die Liste der noch zu erledigenden Arbeiten aufgenommen:

1. Die Wohnung ist bauseits mit dem ursprünglich bei der Errichtung des Gebäudes eingebrachten Holzdielenboden ausgestattet.
2. In Küche und Bad werden Bodenfliesen verlegt.
2.1 Der vorhandene Untergrund wird mit Ardex P82 Kunstharz-Voranstrich grundiert.
2.2 Anschließend wird der Boden mit Glasfasergewebe, das mit einer Überlappung von mind. 5 cm vollflächig ausgelegt wird, armiert.
2.3 Weiterhin wird er Boden mit Ardex K17 Holzboden Schnellmörtel mit einer Mindeststärke von 3 mm, ggf. in mehreren Arbeitsgängen nivelliert.
2.4 Nach ausreichender Abtrocknung werden die Fliesen in Ardex K17 Holzboden Schnellmörtel verlegt.
2.5 Vor der Verlegung wird in allen Übergängen zur Senkrechten ein Dichtband eingebaut.
2.6 Da die Fliesen indirekt auf einem zwecks Nivellierung und Festigkeit noch aufzubringenden Untergrund geklebt werden, unterliegen sie dennoch den Einflüssen der Holzbalkendecke und den darauf montierten Holzdielen. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Fliesen lösen oder Rissbildung auftritt.
2.7 Um das Risiko zu minimieren, müssen die Bodenfliesen ein möglichst kleines Format haben (20*20 cm oder kleiner)
3. Eine Gewährleistung, auch in Bezugnahme auf DIN-Vorschriften oder sonstige Regeln der Technik, gleich welcher Art, kann daher nicht übernommen werden, bzw. wird ausdrücklich ausgeschlossen!

Ist das wirklich Stand der Technik? Hat jemand Erfahrung und kann darüber berichten?

II. Der Holzdielenboden ist zwar ursprünglich rot lackiert gewesen, aber davon ist auch in den äußersten Ecken nicht mehr die geringste Spur zu sehen. Jetzt ist er einfach nur grau und starrt vor Dreck. Wie läßt sich dieser Schmutz am besten entfernen? Abschleifen oder schrubben? Was kann man bestenfalls erwarten? Läßt man einzelne Dielen mit Fehlstellen liegen, oder wechselt man sie aus, auf die Gefahr hin, dass die alten Dielen dunkler bleiben? Oder wäre die Verlegung von Parkett von vorneherein die bessere Alternative?

III. Die einzelnen Dielen sind recht stark geschwunden, läßt man die Fugen wie sie sind und kratzt sie nur sauber oder wäre eine dauerelastische Dichtungsmasse sinnvoll?

Vielen Fragen und Unsicherheiten. Wen(n) es interessiert: http://www.jugendstilhaus-coesfeld.de



Dielenboden im Bad



Hallo Herr Wiemann,

Glückwunsch zu Ihrer Wohnung in dem schönen Haus!
Dass Sie stilecht renovieren wollen, ehrt Sie und ist verständlich.

Die aufgeführten Arbeiten zum Fliesen sind umfangreich und meiner Ansicht nach überflüssig, wenn Sie einfach die Dielen aufarbeiten.

Speziell in Bürgerhäusern dieser Zeit sind keine Fliesen in Obergeschossböden verbaut worden, wenn es Holzbalkendecken waren. Warum wohl?

Ein gutgepflegter Dielenboden verträgt ohne weiteres einen Badbetrieb und sollte unbedingt diffusionsoffen angelegt sein.

Die von Ihnen geplante Totalversiegelung kann durchaus dazu führen, daß Tragbalken durch Feuchtigkeit angegriffen werden. Ganz dicht bekommen Sie so einen Aufbau nämlich nicht.

Mein Vorschlag wäre also, den Dielenboden aufzuarbeiten, dazu finden Sie massig Threads hier im Forum und etliche Spezialisten aus ganz Deutschland.

Spart Geld, sieht gut aus und wohnt sich ebenso gut.

Alles Gute



Dielenboden im Bad



Herzlichen Dank Herr Schubert!

Ihre Antwort ist sehr interessant und führte bei uns zu einer fruchtbaren Diskussion. Ihre technischen Einwände finde ich einleuchtendund billiger kann man einen fußwarmen Badezimmerboden nicht bekommen.

Danke.



Skepsis ist angebracht...



...ob die Fliesen auf Dauer auf den Dielen halten werden. Das Holz wird weiter arbeiten - auch wenn es zunächst wohl erfolgreich vom Kleber gehindert werden wird. Früher oder später versagen die Wundermittel aber. Wenn denn unbedingt Bodenfliesen kommen müssen (in der Küche wirklich verzichtbar, auch im Bad wäre eine neue Dielung ohne Fugen besser), sollten die Dielen entfernt werden (für Reparaturzwecke bei den restlichen Flächen gut brauchbar) und eine 25mm OSB-Platte verlegt werden, die arbeitet nur minimal. Das Risiko, durch einen diffusionshemmenden Aufbau Schäden zu provozieren, bleibt jedoch. Die Aufnahme der alten Dielung wäre auch ganz gut, um die Balkenlage zu begutachten. Gerade in Küchen und Bädern sind Schäden häufig.

Arbeiten, für die keine Gewährleistung gegeben wird, sollte man grundsätzlich nicht in Auftrag geben.

Ist die Dielung nur verdreckt oder sind da noch Lackreste darunter?, Wenn ja, sollte der Überschliff der Dielen erfolgen. Vorher werden die Fugen mit einer Oberfräse (Fräser Hartmetall) am Längsanschlag auf eine gleiche Breite gebracht und mit passenden, leicht konischen Leisten ausgeleimt (Leim jeweils nur an einer Seite der Fuge angeben!) Wenn die Fugenleisten aus altem Holz gemacht werden, fällt das nach dem Überschliff kaum auf. Richtiges Parkett ist mit erheblichem Aufwand verbunden, besonders auf alten und nicht geraden Dielen - besonders für die dünnen Fertigparkette muß der Boden ausgeglichen werden.

Nach dem Schleifen nur Ölen, keinesfalls Lackieren - so entsteht ein dauerhafter Boden, der immer regeneriert und nicht mehr geschliffen werden muss.

Grüße

Thomas





Hallo Herr Böhme,
herzlichen Dank für Ihre Ausführungen.

Eine Erläuterung verstehe ich allerdings nicht so ganz. Wenn ich eine kleine Dreiecksleiste einseitig an die Dielen leime, kann doch in die verbleibene offene Fuge Wasser laufen. Droht dadurch nicht die Gefahr, dass sich unter dieser Leiste Schimmel bildet oder die Dielen Faulstellen ausbilden können?