Neue Eichedielen schwinden nach verlegen bis zu 1,5 cm in der Breite! rechtliche Schritte?

04.02.2010



Hallo, ich habe letzten Herbst in unserem Wohnhaus mit meinem Vater zusammen einen Eichendielenboden verlegt, Querschnitt war 20x250mm, teilweise 7m lang. Die Dielen sind im Wohnzimmer verlegt wo auch mit offenem Kamin geheizt wird, was aber mit dem Dielenhersteller abgesprochen und von ihm abgesegnet war. Er sagte damals da die Dielen aus der Trockenkammer kämen würden sie nichtmehr schwinden.
So, mittlerweile haben viele Dielen enorm an Breite verloren, direkt im Durchgang am schlimmsten mit tw. bis zu 15mm, wodurch riesige Fugen entstehen wo sich Dreck drinnen sammelt und es teilweise die Feder aus der Nut gezogen hat. Wie sollen wir jetz vorgehen? Der Boden war sehr teuer, das Verlegen sehr arbeitsintensiv, mit den Fugen müssen wir nun wohl leben, aber was hat man rechtlich für Ansprüche vom Dielenhersteller, wie sollte ich jetz vorgehen?





Hallo Philip,

Rechtlich wird da wohl nicht so viel zu machen sein.
In den Geschäftsbedingungen der Holzlieferanten steht in aller Regel, das die Holzfeuchte bei Lieferung, also vor dem Einbau, durch den Verarbeiter zu kontrollieren ist.

Grüße aus Schönebeck



Die Erklärung,



dass die Dielen aus der Trockenkammer kämen und nicht mehr schwinden würden,ist als Zusicherung einer Eigenschaft zu verstehen.Dem gegenüber ist ein Gewährleistungsausschluß durch Formular-Geschäftsbedingungen unbeachtlich.Es stehen Ihnen Gewährleistungsansprüche zu.Holen Sie den Lieferanten herbei oder legen Sie ihm Fotos vor und erinnern Sie ihn an seine Zusicherung.Sie werden dann schon merken,ob Ihr Gesprächspartner ein korrekter Kaufmann ist.Zu reden ist nicht nur über eine Neulieferung,sondern auch über den Arbeitsaufwand durch Verlegung,Entfernung und Neuverlegung. Dieser Arbeitsaufwand bedeutet einen Vermögensschaden,der bei Fehlen einer zugesicherten Eigenschaft zu ersetzen ist.
Die Zusicherung müssen Sie beweisen können.Insoweit kommen aber auch Ehefrau,Vater oder Kinder als Zeugen in Betracht.
Wer beweispflichtig ist und auch beweisen kann, hat immer
gute Karten.



Eichendielen



Hallo Phillip

Du hast Dich für einen Werkstoff entschieden, der idR. immer arbeiten wird: Luftfeuchte, Temperatur.

Ob Du den Lieferanten zur Verantwortung ziehen kannst, hängt davon ab, ob das Material bei der Übernahme die vereinbarte Restfeuchte hatte (Messung)und wie das Holz dann von Euch gelagert wurde.


Einzigste Lösung: Ausbauen und neu verlegen



Andreas



In der Praxis



fragt der Kunde nicht nach dem Feuchtigkeitsgrad der Dielenbretter; er vereinbart auch keinen Feuchtigkeitsgrad und kann auch nicht selbst messen.Der Kunde will in der Regel nur wissen,ob er bei den gewünschten Dielen ein Schrumpfen und Verziehen durch Austrocknung befürchten muß.Mit der Erklärung,wegen Behandlung in der Trockenkammer würden die Dielen nicht schwinden,hat sich der Lieferant die Schlinge um den Hals gelegt.Er könnte vielleicht falsche Lagerung behaupten.Dazu müßte er aber näheres vortragen,weil der Kunde selbstverständig richtig gelagert hat und auch jemanden an der Hand hat, der die richtige Lagerung bestätigt.





Hallo Hussel,

Wie der Kunde die Feuchte prüft muss den Händler nicht interessieren.
Er hat, letztendlich über seine AGB den Kunden darauf hin gewiesen das diese vor Einbau zu prüfen ist.
Das machen die Händler aus gutem Grund so, der Einbau ist in der Regel teurer als das Material.
Der Händler hätte mit Sicherheit die Dielung zurückgenommen wenn der Kunde ihm die Ware bemängelt hätte.
Ich sehe da mal schwarz

Grüße aus Schönebeck



Gegenüber irgendwelchen AGB



haben sog. Individualabreden oder Zusicherungen allemal Vorrang.Mündliche Zusicherung,wenn sie bewiesen werden kann,genügt.Genau darum geht es hier.Nur nebenbei bemerkt,werden AGB häufig falsch verwendet oder enthalten Klauseln,die per se unwirksam sind.So mancher AGB-Verwender hat sich da schon gewundert.Was nämlich durch AGB noch zumutbar ist,wird aus der Sicht des Kunden und Verbrauchers beurteilt.Über den Wert möglicherweise verwendeter AGB muß man jedoch im aktuellen Fall nicht weiter diskutieren.Der Händler sollte an seine Zusicherung erinnert werden und mag sich zu dem Thema Neulieferung und Neuverlegung äußern.Es wird sich dann schon zeigen,ob anwaltliche und gerichtliche Hilfe benötigt werden.



Eichendielen



Falsche Verlegung?

Die Frage, die sich mir zusätzlich stellt: Währe es niocht besser gewesen, die Dielung ohne Befestigung auszulegen und erst dann zu vernageln, wenn der Schwund etwas abgeklungen ist?

Schon wenn ich die Dielen draussen unter Dach lagere, hereinhole, verlege und gleich vernagle, werden sich die Hölzer durch die unterschiedlichen Temperaturen und Luftfeuchte zusammen ziehen...



Andreas



Die Frage...



...die ich mir stelle, ist die, ob der Hinweis auf Kammertrocknung wirklich ein Garant auf fehlende Schwindung sein kann.

Ich habe leider noch kein kammergetrocknetes Holz erlebt, welches sich nach dem Einbau nicht durch heftigen "Arbeitseinsatz" dagegen (gegen den Einbau) gewehrt hätte.

Wäre eine nachprüfbare Aussage über den Feuchtegehalt nicht stichfester und somit rechtssicherer gewesen?

(Ich weiß, der Beitrag hilft euch nicht weiter bei eurem Problem. Interessieren würde es mich aber schon)

Grüße
Martin



Danek für die Zahlreichen Antworten bisher...



Danke für die Zahlreichen Antworten bisher. ok, ich befürchte wir haben es selsbt zu verantworten. Ergänzend muss ich sagen, zwischen Anlieferungstermin ( wobei die Dielen in Folie verpackt waren) und Verarbeitungsdatum lagen 2 Nächte über welche die Dielen im Garten (ausgepackt aber unter Plane)gelagert wurden (wir mussten sie auspacken, es war transporttechnisch nicht anders zu machen)aber eng geschnürt als Paket. Auch war die Luftfeuchte zu dem Zeitpunkt recht hoch würde ich sagen, es war Herbst und regnerisches Wetter. Der halbe Boden wurde direkt verlegt, die andere Hälfte über nacht im Raum gelagert, also nicht viel bis keine Zeit zur Akklimatisierung.
Aber ist es möglich, dass während der Zwischenlagerung von ca 48 Std im Freien die Holzfeuchte dermaßen zunimmt, dass sich im Endeffekt 1,5cm Breitenschwund ergeben?
Habe eben mal nachgelesen, also schlimmstenfalls 0,35% Schwund (tangential bei Eiche) / 1% Feuchtigkeitsverlust, also
15mm von 250mm = 6% ; 6%/0.35%= 17,14 also mehr als 17% Holzfeuchtezunahme durch 48h Lagerung in (schlimmstenfalls nehm ich mal an) 90% Luftfeuchte, ist das möglich?



Ergänzung



wie gesagt, die Dielen waren in 2 Stapeln gelagert ohne Zwischenräume, der Luft war also im Grunde nur oberste/ unterste Diele bzw Nut und Feder der Dielen ausgesetzt.



und ich schätzt mal,



Du hattest eine relativ lange Lieferzeit, nix: heute gekauft, morgen geliefert.

Gruß...J.



Die Lagerung im Freien...



...war definitiv keine gute Idee, kann aber nicht für den überaus beträchtlichen Schwund (allein) verantwortlich sein. Jedenfalls, egal, welche Platzprobleme das mit sich bringt, Dielen müssen immer sofort unter Dach, in klimatisierte Räume.

Welche Holzfeuchte wurde denn vertraglich zugesichert? Grundsätzlich muß die Feuchte von Holzböden, einschließlich Mehrschichtprodukte, immer nach Anlieferung gemessen werden, das Barmen hinterher bringt selten noch etwas. Das Verlegen massiver Dielung ist eine qualifizierte Handwerkerleistung, die eben nicht nur aus der Bedienung von Säge und Schrauber besteht. Die Zusicherung, das Holz würde nach dem Trocknen nicht mehr schwinden, wird wohl nicht beweisbar sein. Technisch ist sie sowieso Nonsens, da das Arbeiten des Holzes nicht in der Trockenkammer endet. Hinzu kommt, daß der Hersteller nicht für die konkreten Bedingungen auf der Baustelle verantwortlich ist. Wird zum Beispiel Dielung mit korrekter HF, z.B. 9%, eingebaut, kann sich auf der Baustelle nach dem Einbau sehr schnell eine höhere HF einstellen: keine Heizung, zu hohe Baufeuchte etc. Die dicht verlegte Dielung will quellen, mangels Expansionsraum wird das Holz gequetscht. Diese Quetschungen quellen später kaum noch auf. Das bedeutet konkret, daß die ehemals bei 9% dicht verlegte Diele, die dann vielleicht auf 13 oder 15% aufgefeuchtet ist, deutliche Fugen zeigen wird, wenn die HF von 9% wieder erreicht ist.

Ob und wie der Hersteller auf dieses Phänomen wie auch auf die erforderlichen Verlegebedingungen insgesamt hinweisen muß, kann ich nicht endfällig einschätzen.

Sto djelatch?

Aufnehmen, und neu verlegen, am besten kurz vor Beginn der neuen Heizperiode. Das nächste Mal einen Dielenleger beauftragen, ist einfach billiger :-)

Grüße

Thomas



Warum so zaghaft,



wenn davon auszugehen ist,dass die beachtliche Schrumpfung der Dielen nicht alleine durch die eingestandene unsachgemäße Lagerung und Verarbeitung ohne vorherige Akklimatisierung verursacht wurde.Reden Sie mit dem Händler und erinnern Sie ihn an seine Zusicherung.Über eine anzurechnende Quote kann man durchaus diskutieren.Die Möglichkeit zur Linderung der eigenen Schmerzen sollte genutzt werden.



Sicher...



...kann man beim Händler um Kulanz anfragen.

Durchsetzbare Ansprüche sehe ich aber nicht, da gebrichts an der Beweislage. Und welcher Händler macht schon freiwillig die Kasse auf? Sein einziger Geschäftszweck ist es, ebendiese zu füllen.

Auf hoher See und vor Gericht jedoch sind wir alle in Gottes Hand, wie ein altes Sprichwort behauptet. Ich würde mich davor hüten, bei diesem Blatt hoch zu pokern - die Dielen könnten im Nachgang leicht noch teuerer werden.

@ Phillip

Wie sind die Dielen denn verlegt, d.h. auf dem Boden befestigt?

Grüße

Thomas



Wir wollen nur abwägen



in wieweit wir selbst verantwortlich sind für den Schaden, und niemand anderen für unsere Unwissenehit verantwortlich machen( wobei mehr Informationen vom Händler direkt auch nett gewesen wären, da ich 2 mal mit ihm telefonerit habe, um eben solchen Fehlern wie sie jetzts passiert sind, vorzubeugen)
Was mich noch nachdenklich stimmt, die Fugen sind teilweise nur auf einer Länge von 1,5 m, dann schließen sie sich wieder nahezu ganz, also die Dielen schwinden nicht auf gesamter länge, sondern nur in Bereichen, wieso kommt nur? Der Betonfußboden/Kellerdecke unter der Uk ist absolut trocken.

@ Thomas:

die Dielen sind auf einer Uk 6/8 bis 6/2 cm verschraubt mit (4,0*55mm Hartholzschrauben mit Bohrspitze und Teilgewinde) mit Sprungmaß der Lagerhölzer von teilweise 80cm, die Lagerhölzer liegen auf 100mm breiten doppel T Trägern, die in alle Richtungen sehr uneben verlegt waren und ein Gesamtgefälle von 15cm auf 7m Raumlänge haben ( Altbau) Zwischen den doppel-T ist Beton schlechter Qualität dies ist gleichzeitig die Kellerdecke, der Beton war einst geschalt, jetzt freigespannt, dem wollte ich keine Bodenlasten zumuten, daher waren wir mit den Lagerhölzern an die Abstände der Stahlträger gebunden.
Erste Lage der Uk quer zu den Stahlträgern war auch nicht möglich, wegen zu geringer Raumhöhe.



Gibt es...



...eine Sperrschicht auf der Kellerdecke? Absolut trocken gibt es nur im Labor. Durch Kondensatbildung z.B., aber auch einfach durch eine höhere Luftfeuchte unter der Dielung kann leicht ein zusätzliches Problem entstehen.

Das ungleichmäßige Schwinden ist eine schwer einschätzbare Problematik. Betrifft das nur einzelne Raumteile, innerhalb dieser gleichmäßig, oder sind die breiten Fugen querbeet und offenbar systemlos im Raum verteilt?

Grüße

Thomas



Luftfeuchte ?



Hallo Philipp,

wenn abends der Kamin einmal 2-3 Stunden gelaufen ist, welche Temperatur herrscht dann im Raum und welche rel. Luftfeuchte? Wird irgendwo Wasser verdunstet?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Breitenschwund



Hallo Philipp,
deine Breitenschwundberechnung stimmt nicht ganz,
weil dein Boden sicherlich nicht nur aus tangential
eingeschnittenen Brettern besteht.
Eine ideale Fußbodendiele wird radial eingescnitten
und arbeitet in der Breite nur die Hälfte gegenüber
einer tangentialen Diele.
Wie hoch war den die Endfeuchte nach der technischen
Trocknung ?

Ein Sprungmaß von 80 cm währe mir zu weit,
wie stark ist den der Boden ?

Schwund nur in Teilbereichen ist bei einer länge von
7 Metern fast normal.
Das liegt an der Abholzichkeit der Stämme

Hans-Peter Mast
Holz Pur Manufaktur