Dielen einbauen - vorher schon einmal ölen?

03.10.2008



Hallo,

wir renovieren gerade ein 151 Jahre altes Bauernhaus und möchten in unserer Wohnküche Massivholzdielen aus Eiche Verlegen und haben uns entschieden diese mit Hartwachsöl zu streichen/einreiben/spritzen. Man hat uns empfohlen die Dielen zweimal einzuölen, da man im Küchenbereich eher mal kleckert. Die Dielen sind rumherum mit Nut und Feder versehen und da das Holz arbeitet, gehe ich davon aus, dass auch kleinere Mengen an Flüssigkeit zwischen die Dielen kommen könnte. Deshalb dachten wir uns, wir Streichen die Dielen vor dem Einbau einmal mit dem Hartwachsöl (auch die Nut/Feder) und danach noch einmal, bzw. sogar vor dem Einbau zweimal. Jetzt habe ich aber im Internet gelesen, dass man das nach dem Einbau macht, nie das man das auch vorher machten könnte. Spricht etwas dagegen die Dielen schon vorher zu ölen?

Vielen Dank und viele Grüße aus dem hohen Norden





Übliche Reihenfolge der Arbeitsgänge:
Verlegen, Schleifen, Oberfläche behandeln. Wenn Sie nicht Schleifen wollen oder vor dem Verlegen nur die Nuten und Federn streichen, warum nicht.
Ich würde jedoch darüber nachdenken, wenigstens im unmittelbaren Bereich der Kücheneinrichtung einen Boden aus Keramikfliesen zu verlegen, da dieser viel robuster ist und sich optisch sehr gut mit Landhausdielen verträgt.
Es gibt Leute, die können jahrelang eine Küche mit Parkett oder Dielen benutzen und der Boden sieht vor der Küchenzeile genauso aus wie sonst überall. Ich kenne aber viel mehr Menschen, die das nicht können.



Eiche...



...ist das robusteste der gebräuchlichen einheimischen Hölzer und eine sehr gute Wahl für die Küche.

Hartwachsöl hingegen ist keine sonderlich gute Wahl für Ihren Boden und die Idee, Dielen vorher zu streichen, schlicht absurd. Was versprechen Sie sich davon? Durch die ungleiche Behandlung der Ober- und Unterseite können sich die uneingebauten Dielen sogar runden bzw. schüsseln. Die Dielen müssen dann luftig ohne Kontakt miteinander zum Trocknen gestapelt werden. Durch die vollgekleckerte Nut-Feder-Verbindung machen Sie sich den Einbau unnötig schwer. Beim Einbauen wird die fertige Oberfläche vielleicht noch etwas bekratzt, also noch einmal ölen? Glauben Sie mir, das ist Unsinn. Es gibt doch auch vorgeölte Böden zu kaufen? Sicher doch, aber da wird unter optimalen Bedingungen ein meist chemisch aufgepepptes Öl in aufwendigen Fertigungsstraßen verarbeitet.

Bei der unbehandelten Diele kann nach dem Einbau bei Erfordernis ein Reinigungsschliff erfolgen, mit einem 120er Gitter und Einscheibenmaschine.

Warum kein Hartwachsöl? Es dringt nicht so tief ein, weniger Öl kommt in das Holz, statt dessen eine Wachsschicht obenauf. Je nach Auftragsmenge, Nutzung und Pflege kann es zur Schmutzbindung und zu Laufstraßen durch den Wachsanteil führen. Probleme mit Wachsölen wurden auch hier im Forum wiederholt geschildert. Auch ohne diese Schadbilder gelten Hartwachsöle als weniger robust denn reine Fußbodenhartöle.

Wie wird richtig geölt? Ein harzarmes und wachsfreies Fußbodenöl, am Besten auch lösemittelfrei oder -arm, aus dem Naturfarbenbereich (Pur Solid Öle oder Heißöl, das mit einer speziellen Maschine verarbeitet werden muß) wird sehr dünn aufgetragen (z.B. Breitspachtel), je nach Herstellerempfehlung ca. 30 min einziehen lassen. Wurde das Öl sehr gut aufgenommen, dann noch einmal ca. 10 Gramm/m² auf den Boden geben und sofort mit einer Einscheibenpoliermaschine und beigem oder weißen Pad einarbeiten, bis kein Öl mehr auf der Fläche steht. Die Fläche muß gleichmäßig seidenglänzend wirken, keine Pfützen oder Tropfen mehr zeigen. Überstände ggf. mit Lappen aufnehmen, diese im Freien ausgebreitet trocknen lassen oder nass machen (Selbstentzündungsgefahr). Nach je 24h kann das Verfahren 1-2 mal wiederholt werden, mit jeweils max. 10Gramm Öl je m². Bei stark saugfähigen Holzarten (z.B. Buche) gelten abweichende Mengen.

Empfehlenswerte Hersteller für Fußbodenöle sind u.a. Natural, Naturhaus, Livos.

Auch wenn auf der Packung ggf. von einem Auftrag mit dem Läppchen geschrieben wird, das Einarbeitem mit der Einscheibenmaschine bringt bei geringfügigem Mehraufwand deutlich bessere Ergebnisse und ist unbedingt vorzuziehen.

Grüße

Thomas



ok, überzeugt



Hallo,

vielen Dank für die Beiträge. Wenn es denn so absurd ist, auch die Nut und Feder zu ölen, dann lassen wir es. Wir werden es wie alle machen: einbauen, schleifen, ölen.

Vielen Dank für die Hilfe

Gruss,
Christian



Wenn...



...Ihr so ölt, wie beschrieben, wird genug in die Nut/Federverbindung laufen (obwohl das nicht wirklich wichtig ist).

Gutes Gelingen

Thomas