Massivholzdiele (Parador) auf altem Dielenboden

29.04.2012



Hallo,

seit Wochen bin ich aktiver Leser dieses Forums und ganz begeistert...
Leider habe ich auf meine Frage(n) diesmal, nicht die Antworten gefunden, die ich tatsächlich benötige:
Wir beabsichtigen in zwei Räumen (Wohndiele ca.20 qm) und kleine Stube ( ca. 16 qm)im 1.OG den Boden zu erneuern. Z.Z. Alte Holzdielen auf Balken (noch Teppich drauf); zu den anstoßenden Räumen Türschwellen (ca. 1 cm). Sollte der alte Dielenboden drin bleiben (unser Wunsch) hätten wir eine Aufbauhöhe von ca. 2 cm.
Die alten Dielen sind fest (fast keine Knarrgeräusche), allerdings ist der Boden in sich uneben (z.T. Rundungen in den Dielen, geschätzt an einigen Stellen ca. 0,3-0,5 cm) und der Trittschall zum EG sollte in jedem Fall verbessert werden.
Da wir Vollholzfreunde sind, ist unser Wunsch neue Massivholzdielen oben drauf zu Verlegen oder die alten zu erneuern (knirsch).
Was haltet Ihr von Parador (ich weiß, sehr teuer, aber es soll ja für uns für immer sein)...habe ich im Forum nicht so viel zu gefunden? Und wäre es "ausreichend" auf die alten Dielen eine Trittschall- und Ausgleichsmatte (z.B. PlanProtect, auch von Parador) zu legen und darauf die Massivholzdielen schwimmend (Click-system) zu verlegen?
Oder ist es besser, eine gerade Zwischenschicht (z.B. Osb-Platte) zu schrauben, darauf die Trittschallmatte und dann schwimmend verlegen? Wie hoch müsste die OSB-Platte dann sein? Ab höher als Gesamtaufbau 2 cm müssten wir uns etwas Neues an unseren Türschwellen einfallen lassen.....
Und zu guter Letzt: Lieber fertig geölte Dielen oder selber Ölen mit Heißöl von Natural (es geht nicht um die Arbeit!! Nur um besser im Sinne von Haltbarkeit bzgl. Optik etc.)
Schon mal vielen Dank, Tanja



Eine massive,



d.h. unverleimt einschichtige Diele sollte nie "schwimmend" verlegt werden. Die zarten Klammern können das Arbeiten in der Breite nur unzureichend behindern, die Hirnverbindungen neigen außerdem dazu, sich zu lösen. Definitiv nix für die "Ewigkeit".

Eine Trittschalldämmung ist im EFH zumeist überflüssig.

Soll die aber gebracht werden, solltet ihr eine OSB nivelliert und darauf eine Dreischichtdiele verlegen.

Grüße

Thomas



Es ist kein EFH, sondern ein ZFH



wird zur Zeit aber nur von uns als eine Familie genutzt, ist aber jeder Zeit unten als gesonderte Wohnung wieder abtrennbar, was sicher - wenn unsere Kinder "aus dem Haus" sind - auch so sein wird, da pro Etage 140 qm und uns für "zu Zweit" zu groß ;-))). Von daher wäre ein Trittschall sinnvoll....Ich komme dann aber mit OSB und Trittschallmatte und Diele (auch bei Dreischichtdielen) auf einen Aufbau von irgendwo mind. 30 mm, oder gibt es eine niedrigere Lösung? Und Dreischichtdielen könnte ich schwimmend verlegen?
Klingt fast so, als wenn es doch sinnvoller ist, die alten Dielen raus, OSB Platte (doppelt?) rein, Trittschall, dann neue Dielen rein. Sind denn grundsätzlich Dreischichtdielen grundsätzlich sinnvoller?
Meine Frage zum Ölen/nicht-ölen bleibt trotzdem bestehen...Vielen Dank für Antworten, Gruß, Tanja



Entkopplung...



...geht über Dreischicht auf nivellierter Unterlage, also OSB in hinreichender Stärke. Welche Abstände Balkenmitte zu Balkenmitte gibt's denn?

B-Variante: siehe Skizze.

Dazu sollte aber der Statiker 'mal vor Ort drüberschauen, ob die Wirkung der Diele als statische Scheibe verzichtbar ist.

Was ist denn jetzt zwischen den Balken? Mehr Masse im Einschub wirkt schwingungsdämpfend.

Heißöl wäre eine besonders strapazierfähige und dauerhafte Geschichte.

Grüße

Thomas



Schallschutz ...



... als nachträgliche Maßnahme bei Holzbalkendecken zu erreichen, ist relativ schwierig. Sie benötigen Masse in der Decke (oder eine unterseitige Verkleidung) für den Luftschallschutz und einen vernünftig konzipierten, mehrlagigen Aufbau über den Deckenbalken für einen wirklich funktionierenden Tritschallschutz.

Wenn Sie eine Holzbalkendecke als Wohnungstrenndecke ausbauen wollen, sind bestimmte Schallschutzwerte nach der DIN 4109 definiert.

Die dazu passenden konstruktiven Lösungen bestehen z.B. aus:

- ab OK Balken: 25mm OSB-Platte, Trittschalldämmplatte nach DIN 18165, dynamische Steifigkeit s´=< 15 MN/m3 (20/18 oder 15/13), Lastverteilungsplatte OSB 25mm, 3-Schichtdiele 22-25mm.

Gesamthöhe des Aufbaues ca. 90-100mm. Ggf. kann die 1. OSB-LAge auch zwischen die Deckenbalken eingebaut werden, wenn Aufbauhöhe eingespart werden soll. Die restliche Höhe von 60-70mm bis OK Diele können sie nicht verringern, ohne das der Schallschutz darunter leidet.

Zwischen die Deckenbalken muss eine mindestens 50mm starke , weiche Dämmmatte eingebaut werden. Die Unterseite der Decke wird mit einer GK-Verkleidung an Federbügeln geschlossen.

Schallbrücken zu den angrenzenden Wände sind zu vermeiden.

Da der Schall, wie das Wasser, immer den Weg des geringsten Widerstandes wählt, sind partielle Schallschutzmaßnahmen wenig erfolgreich. Er sucht sich dann die nächste Schallbrücke oder Lücke in der Konstruktion.

Wenn Sie eine Wohnungstrenndecke mit einem wirklich nennenswerten Schallschutzmaß bauen wollen, muß die Maßnahme sich auf die gesamte Fläche der Decke beziehen und die angrenzenden Bauteile (Flankenübertragung) mit einbeziehen.

Die 3-5mm dicken sog. "Schalldämmmatten", die für die Verlegung unter ein Laminat o.ä. angeboten werden, sind keine funktionierende Trittschallverbessserung. Sie wirken eher psychologisch.



Da die ...



..."psychologischen" Schalldämmatten bei richtiger Ausführung aller Anschlüsse eine Entkopplung bringen, ist ihre Wirkung ebenso wie auch die meines Aufbauvorschlages real existent und gut nachzuvollziehen.

10cm Aufbauhöhe sind jedenfalls in vielen Altbauten indiskutabel.

Grüße

Thomas



Der Abstand



von Balken zu Balken beträgt 90 cm, dazwischen ist eine Schüttung aus Sand (?, dann kommt Lehm...und dann?), allerdings ist zwischen Sand und Dielen z.T. Luft von bis zu 5cm.
Ich habe heute mit einem Tischler gesprochen, der sagte, wenn wir eine OSB-Platte auf der vorhandenen Dielung fest(!)verschrauben, dann Trittschal (Holzfaserplatte 0,5 cm) und darauf schwimmend Dreischichtdielen (er meinte sogar normale Massivholzdielen wäre auch kein Problem)verlegen, hätten wir in jedem Fall soviel Trittschutz, wie zur Zeit mit Teppichboden (und Filzmatte dazwischen). Das würde uns reichen....



OSB25mm,



in Nut und Feder nivelliert verlegt wäre also Ihr Unterbau. Holzweichfaserplatte 5mm oder Rollkork 2mm und Dreischichtparkett /-dielung der Abschluß.

Die Einschätzung, "sogar normale Massivholzdielen wäre auch kein Problem" ist jedoch ein fachlicher Totalausfall. Das dürfen Sie dem Kollegen auch gern mitteilen und ihn fragen, wie genau er die massiven Dielen denn schwimmend verlegen will.

Grüße

Thomas



Erstmal



vielen Dank für die abschließende Zusammenfassung und Ihre Mühe. Ich kann mich mit dieser Vorstellung anfreunden.....das andere gebe ich weiter. Es ist schon erschütternd, wieviele "fachliche" Meinungen man zu einem Thema erhalten kann. Hatten wir vorletzte Woche erst zum Thema Schornsteinbau.
Also, vielen Dank, wir werden es so machen. Kommen zwar etwas höher im Vergleich zu den angrenzenden Räumen, ein Ausgleich über die Türschwellen ist aber möglich. Z.Z. haben wir auch versetzte Bodenhöhen....viele Grüße zum 1.Mai aus dem supersonnigen Elm, Tanja



Wenn...



...ihr Raum beispielweise 5m breit ist, und Sie eine schöne helle Esche verlegen wollen, würde dieser (Massiv!)Boden bei einem nicht unüblichem Feuchtespread zwischen Sommer und Winter von 5% Holzfeuchte über diese Breite gesamt 9,5cm quellen und schwinden wollen. Und wenn er schwimmend verlegt ist, wird ihn auch nichts dran hindern.

Grüße

Thomas



Fachliche Meinungen



Wenn Sie vermeiden wollen, durch eine Unzahl "fachlicher Meinungen" in diesem oder in anderen kostenlosen Foren verwirrt und erschüttert zu werden, empfehle ich Ihnen, einen Fachplaner mit der Klärung Ihrer Fachfrage zu beauftragen.

Der steht dann auch für die vorgeschlagene LÖsung gerade und erspart Ihnen das lästige -und manchmal auch unergiebige- Aussortieren gefühlter Meinungen.

Deutschland ist das Land der DIN-Normen, die unter anderem langjährige Erfahrungswerte und gezielte Forschung (Stand der Technik + Stand der Wissenschaft) berücksichtigen und konkrete Anforderungen an bauliche und technische Lösungen stellen.

Weicht man davon ab, in Unkenntnis oder Unwillen, muss man davon ausgehen, das die selbstgebastelte Lösung den Erwartungen ggf. eben nicht entspricht.



Schade nur...



daß es einen Fachplaner für Holzfußböden m.W. nicht gibt. Sowas "Banales" wie Dielen macht der Architekt mit links, und das Ergebnis sind haaresträubende Ausschreibungstexte.

Gut beraten also der Bauherr, der wie Sie selber ein wenig 'rumfragt, Fachinformationen selber sammelt und gewichtet. Ist wie in der Medizin: die beste Behandlung bekommt der, der selber weiß, was ihm fehlt :-)

Grüße

Thomas



Lieber Herr Böhme



...ich muss es einfach los werden - und bitte alle anderen Fachleute, deren Mühe ich ebenfalls sehr schätze, es zu entschuldigen : Einen schöneren Vergleich, als den medizinischen, gibts wohl kaum (im eigenen engen Familienkreis erfahren: 17 Tage Krankenhaus, zig difuse Untersuchungen-kein Ergebniss; zwei Tage intensive Internetrecherche, eine gezielte Untersuchung - Ergebnis).

Und wenn ich zwei gelernte Schornsteinbauer - mit eigenem Unternehmen - mit zwei völlig unterschiedlichen Aussagen bekomme, beruhigt mich deren Gewährleistung doch nur bedingt - und ich versuche mit meinem Verstand die zumindestens offensichtlich bessere Variante zu wählen. Also: Sie sprechen mir aus der Seele, auch wenn sicher einige jetzt sagen, dass der Vergleich hinkt, ich weiß, was Sie meinen...herzliche Grüße, Tanja