Dielenboden reparieren oder etwas darauf verlegen?

03.05.2010



Hallo, ich habe in meiner Wohnung 2 Räume mit sehr schönem, aber stark beschädigten Dielenboden (Dielen ca. 30-35 cm breit und 5-5,5 m lang/komplette Raumlänge, Material: vermutlich Fichte). Zwischen sämtlichen Dielen sind breite Spalten (zwischen 1 und 4 cm - ja, cm!). Darunter ist offenbar ein Hohlraum, der bis zu 20 cm tief ist. Worauf die Dielen dann liegen, weiß ich leider nicht, ich tippe auf eine Art Holzgerüst. Die Dielen brechen leider immer weiter an den Kanten ab. Der Vermieter würde - wenn überhaupt - den Boden rausreißen und irgendwas Billiges reinmachen. Ich finde die Dielen aber schön und möchte wissen, ob man - wenigstens für ein paar Jahre - noch eine Übergangslösung finden kann... oder kann ich auf den Dielen z.B. Parkett oder Laminat verlegen? Ach ja: Der Boden "schwingt" kräftig und senkt sich zur Mitte des Raumes ab...
Danke vorab für Tipps!



Da gibt es



sicher Lösungen. Eine die mir spontan einfiele: mit einer Oberfräse und Anschlag die Längskanten der Dielen säubern und dann Leisten einseitig(!) und nicht zu stramm in die Fugen leimen. Damit wäre dieses Problem gelöst.

Nach der Beschreibung vermute ich, daß der Boden direkt auf die tragenden Balken genagelt ist, d.h. man darf auf keinen Fall zu viel abschleifen. Das Schwingen wird wohl aus knapper Dimensionierung der Balken (kleine Balken und vor allem großer Abstand) resultieren. Oder befindet sich der Balken in einem nicht unterkellerten Erdgeschoß?

Einen Belag darüber zu verlegen ist prinzipiell möglich, auch wenn es absolut nicht ideal ist, einen alten Boden komplett abzusperren. Meiner persönlichen Erfahrung nach schadet ein schwimmender Laminat- oder Parkettboden einem trockenen(!) Dielenboden auch über viele Jahre nicht. Das Problem ist aber, daß diese Böden eine ebene Unterlage erfordern, sonst brechen sie und verkanten sich, sieht fürchterlich aus. Ich würde also dazu tendieren, den Originalboden zu sanieren. Eventuell könnte man auch über schwimmende 5mm-Hartfaserplatten mit Teppich nachdenken, sofern einem das der persönliche Geschmack nicht verbietet (mir würde er das). Ich habe schon einige Holzböden nach vielen Jahrzehnten von so verlegten Teppichböden befreit, sie waren darunter neuwertig.



Boden schwingt ?



Wie ist denn die verbliebene Stärke (= Dicke ) der Dielen?
Ich hatte auch mal einen Nadelholzboden (Fichte), der aufgrund Abnutzung von ehemals ca. 2,5 cm auf ca. 1 cm Stärke reduziert war - da hilft dann leider auch kein Ausspänen mehr. Oft auch ein Problem bei den um 1900 beliebten ( weil günstigen) Pappelhölzern - die sind oft sehr breit als Dielen aber auch sehr weich und damit verschleißfreudig.

Beste Grüße aus der Vorderpfalz



Stimmt,



das ist nicht zu vernachlässigen! Bei uns in der Küche waren noch knapp 15mm über... ich denke der Boden wurde regelmäßig mit Reibsand gesäubert. Bei einer tragenden Konstruktion ein massives Sicherheitsrisiko! (bei uns war das nur ein auf der Schüttung liegender Boden im nicht unterkellerten Bereich).



Pappel als Dielung?



Das ist mir neu. Lässt sich das regional vielleicht eingrenzen, also, wo sowas gemacht wurde?

Grüße

Thomas



Pappel-Dielen



Jedenfalls habe ich sowas öfter in der Nordwestpfalz gesehen (eher ärmere Gegenden)
Sehr breit, eher kurz, aber auch immer sehr beschädigt.



Interessant



War da vielleicht in der Nähe das Nadelholz rar geworden?

Pappel ist ohne Zweifel schön fußwarm, aber als Holzboden nicht sonderlich geeignet, die Schäden also ganz normal.

Ich hatte im Eisenacher Schloß 'mal einen Boden (Kiefer, tlw. Fichte), der war auch nur ca. 12mm stark, war aber vollflächig auf die Schüttung des Einschubes abgelegt. Nicht zu empfehlen, selbst bei geringer Belastung. Im abgedeckten Zustand hat er aber die Jahrhunderte überdauert.

Wie schon geschrieben, ein Fertigparkett kann nicht ohne weiteres auf eine Altdielung gelegt werden.

Wenn die Altdielung nur geringfügig gegeneinander schwingt, ware ein Ausleisten der Fugen möglich. Sie können auch straff ausgekeilt werden, aber die Keilleisten dürfen nur auf jeweils einer Seite mit der Dielung verleimt werden. Eine saubere Leimkante an der Diele muß mit Oberfräse oder Tauchsäge hergestellt werden.

Grüße

Thomas



Danke für Antworten - hier kommen Bilder



Hallo - vielen Dank für die vielen guten Tipps - ich bin begeistert (und ein bißchen eingeschüchtert von so viel Kompetenz)!
Ich habe mithilfe Eurer Tipps jetzt Fotos gemacht und auf "meine Bilder" gestellt (eines davon gleich hier). Ich hoffe, man kann die verschiedenen Schäden und auch das "Darunter" des Bodens einigermaßen erkennen.
Außerdem hab ich ausprobiert, wieviel der Boden "nachgibt". Das ist weniger als gedacht, nämlich jeweils am Rand der Dielen (zur Spalte hin) maximal 3-5mm (vielleicht ist das viel?). Und der Boden neigt sich insgesamt zur Mitte jedes Raumes etwas ab.
Ach ja, die Wohnung ist im 1. Stock, also kein Keller darunter.
Ich würde den Tipp mit Leisten einsetzen gerne probieren. Muß ich da die ganze Raum-/Dielenlänge mit entsprechend langen Leisten abdecken oder geht auch "stückeln" (z.B. von Balken zu Balken, falls das Darunter wirklich solche sind)?
Ich werde natürlich nix versuchen, ohne einen Profi gefragt zu haben - und den Vermieter, schon klar.
Danke schon jetzt für weitere Infos - die sind Klasse!
(Bildernamen: Bodendiele Spalte/ Bodendiele Breite/ Bodenansicht 2/ Bodenansicht/ Bodenspalte mit Maßstab/ Bodenspalte Dielen 1)



Wie dick...



...sind denn die Dielen ca.?

Grüße

Thomas



Dielendicke



Hallo, Thomas, die Info habe ich vergessen: Ich habe mindestens 3 cm Dicke gemessen. Soweit ich das als Laie beurteilen kann, sind die sogar noch dicker, 3,5 bzw. bis zu 4 cm.



Dann sind die Dielen,



nach dem Ausspanen, ohne weiteres schleifbar, und für viele weitere Jahre ein hochwertiger Fußbodenbelag. Bringt gutes Fußbodenhartöl ohne Wachsanteile auf (keinesfalls Lack), dann muß für Jahrzehnte (normale Pflege und Beanspruchung vorausgesetzt) nicht geschliffen werden, und Ihr habt einen pflegeleichten Boden, der höchstens 'mal nachgeölt werden muß.

Ihr solltet Eueren Vermieter auf den Wert eines historischen Holzbodens aufmerksam machen. Vielleicht versteht er's ja.

Grüße

Thomas