Parkett auf alten Dielen

27.12.2006



Hallo,

wir haben vor einiger Zeit eine Maisonettewohnung in einem Altbau (1908) gekauft. Diese Wohnung wurde als alter Dachboden 1992 ausgebaut, leider sind die Böden völlig uneben, was uns leider, da in der Wohnung Teppich lag, zu spät auffiel. Speziell im Flur haben wir ein Gefälle von bis zu 4 cm zur Mitte. Ich habe den Bodenbelag an einer Stelle geöffnet. Auf den alten Dielen liegen 2cm Styropor und dann 2 Platten a 15 oder 16mm, die sich wie Rigips anfühlen. Wir planen nun alles bis zu den Dielen zu entfernen und dann Parkett zu verlegen.
Welcher Aufbau ist empfehlenswert ?
Wie schafft man den Ausgleich ?
Die ürsprüngliche Höhe muss unbedingt erreicht werden.

Vielen Dank für die Antworten.
Christian



Die erste



Frage ist natürlich, warum hängt die Decke so stark durch. Dies wäre zu klären, vielleicht müssen die Deckenbalken verstärkt werden. Hier ist auf jeden Fall ein Statiker gefragt. Die Verstärkung der Decke wäre aber vielleicht die Aufgabe der Hausgemeinschaft. Hier würde ich mich noch einmal schlau machen.
Der vorhandene Bodenaufbau ist vermutlich ein Trockenestrich z.B. der Fa. Fermacell mit einer Trittschalldämmplatte. Also kann der gewünschte Aufbau nicht so wie von ihnen vorgesehen durchgeführt werden, da sich dann der Schallschutz zwischen den beiden Wohnungen verschlechtern würde. Ich gehe davon aus, dass ein Aufbau wie jetzt vorhanden wieder hergestellt werden müsste. Es ist dabei vor allem zu beachten, dass, neben dem Aufbau mit den Gipsplatten, der jetzt vorhandene Teppichboden für einen guten Schallschutz sorgt. Wird dieser entfernt könnte es sehr schnell Ärger mit den Bewohnern der darunter liegenden Wohnung geben.
Eine Veränderung des Fussbodens darf jedenfalls nicht zu einer Verschlechterung des Schallschutzes führen. rechtlich ist das eine verzwickte Situation, da bei der Berechnung nach DIN bei Wohnhäusern mit mehr als 2 Wohnungen der Teppichboden nicht mit angerechnet werden darf, bei 2 Wohnungen allerdings schon. Dann kommt aber noch dazu, dass die Damen und Herren Richter mit den Werten die die DIN her gibt häufig nicht zufrieden sind und nach dem dehnbaren Begriff "Stand der Technik" entscheiden. Ich rate ihnen jedenfalls die gesamte Massnahme nicht ohne fachliche Begleitung (Ingenieur) in Angriff zu nehmen.



Vielen Dank



für die schnelle Antwort.
In einigen anderen Räumen (u.a. großes Wohnzimmer)konnten wir Parkett mit 5mm Dämmung verlegen. Dadurch hat sich der Schallschutz verbessert (sagen die Nachbarn), insofern sehe ich grundsätzlich bei der Verlegung von Parkett auch im Flur usw. kein Problem.
Wenn ich Sie richtig verstehe, müssten also an den relevanten Stellen auch die Dielen abgetragen und die Balken geprüft und ggf. verstärkt werden.

Selbstverständlich wollen wir einen bestmöglichen Schallschutz erreichen.
Was wäre also der beste Aufbau ?
Gleiche Lösung wie vorher ? Nur wie wird der Aufbau mit Styropor als Unterschicht gerade ?
Oder jetzigen Aufbau bestehen lassen und mit einer Fließmasse ausgleichen ?



Nun



welches ist der beste Aufbau? Eine solche Frage läßt sich nur nach den örtlichen Gegebenheiten entscheiden. Höhenunterschiede lassen sich z.B. durch Schüttungen ausgleichen. Ob die Decke komplett geöffnet werden muss oder nicht, muss der Statiker vor Ort entscheiden.



Sollten die Dielen...


Entkoppelter Aufbau

...im Flur ohnehin aufgenommen werden, würde ich direkt auf den Balken ausgleichen, dann auf die Balken Streifen aus Holzweichfaserplatte in der passenden Höhe bringen. Auf diese Streifen, schwimmend verlegt, eine Eichendielung, raumlang und je nach Balkenabstand wenigstens 24mm stark. Gerade im Flur (gelegentlich ja auch "Diele" genannt) passt das doch bestens. Eine Dielung (am besten geölt) ist auch strapazierfähiger als (ganz besonders Fertig-)Parkett.

Die Dielen werden zusammengehalten durch Kanthölzer 60x40mm, die im Balkenzwischenraum frei hängen und mit denen die Dielen verschraubt sind. Verbleibende Hohlräume sollten mit Blähton o.ä. gefüllt werden.

Gut Holz

Thomas



Ein kompletter Neuaufbau



gefällt mir eigentlich am besten.
Es stellt sich dann aber die Frage, ob ein gleichwertiger Trittschallschutz erreicht wird, da das ja offensichtlich sein muss ?
Würden die Holzweichfaserplatten an sich den Höhenunterschied ausgleichen können, oder muss jede Holzweichfaserplatte angepasst werden.
Die Verbindung der Dielen erschließt sich mir allerdings noch nicht ganz. Werden die Kannthölzer vorher in die Zwischenräume gelegtund dann mit den Dielen verschraubt/genagelt, d.h. man sieht dann auf der Lauffläche die Schrauben/Nägel ?

Gruß
Christian



Der vorgeschlage Aufbau ...



...ist völlig entkoppelt und bietet somit einen sehr guten Trittschallschutz.

Ausgleichen würde ich mit Holzkeilen, die auf den Balken befestigt werden, und darauf dann HwF-Streifen gleicher Höhe. Die Nägel, mit denen die HwF-Streifen befestigt werden, gut versenken - sonst werden es Schallbrücken.

Die Befestigung der Dielen dachte ich durch Schrauben (SPAX-Dielungsschrauben) verdeckt in die Feder. Bei sehr breiten Dielen könnte man auch von oben befestigen, d.h. pro Lagerholz je 2 saubere 8 oder 10mm-Löcher ca. 10mm tief vorbohren, Schrauben, mit Längsholzscheiben schließen.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



2 Dinge zu den



Ausführungen von Herrn Böhme.
- Der Schallschutz dürfte auf diese Art dem geforderten Schallschutz nach DIN zwischen 2 Wohnungen nicht entsprechen und sollte daher zwischen den beiden Parteien abgesprochen werden, damit es nicht im Nachhinein Ärger gibt.
- Diese Art der Dielung darf natürlich nur dann ausgeführt werden, wenn die Dielung zur Aussteifung füp das Gebäude benötigt wird. Dies kann vermutlich nur ein Statiker vor Ort beurteilen. Ist die Frage nicht geklärt sollte man auf Nummer sicher gehen und die Dielung mit den Balken fest verbinden.



@ Fred Heim



Hallo Fred,

was wäre in Sachen Schall denn dagegen einzuwenden? Der Aufbau ist doch völlig entkoppelt.

Die Sache mit der Scheibenwirkung tritt bei einer kleinen Fläche eher nicht in Erscheinung. Mein Lieblingsstatiker hat mir letztens außerdem bestätigt, daß eine rechnerisch berücksichtigbare Scheibe nur bei einer 2lagigen Dielung, die jeweils diagonal und in sich um 90grad versetzt zur Balkenlage befestigt wurden, entsteht.

Was hälst Du davon?

Grüße

Thomas



@Thomas



Hallo Thomas,

grundsätzlich will ich gegen den Aufbau natürlich nichts sagen. Der Aufbau ist vom Schallschutz sicher nicht schlecht, er wird aber nicht den geltenden Grenzwerten entsprechen, aus diesem Grunde denke ich es macht Sinn diese Dinge vorab zu klären. Eine Auseinandersetzung hinterher ist halt immer teuer und muss nicht sein.

Wie groß die Fläche ist kann ich natürlich nicht wissen und wie wichtig sie bei der Betrachtung der gesamten Decke ist läßt sich ohne Grundriss und Randbedingungen nicht sagen.

Bzgl. der Scheibenwirkung muss ich deinem Lieblichsstatiker allerdings ein wenig widersprechen. Es gibt zu diesem Thema auch einige ausführliche Veröffentlichungen des Informationsdienstes Holz in Düsseldorf. Auch im Buch von Detlef Böttcher über Erhaltung und Umbau historischer Tragwerke sind ein paar Bemerkungen zu finden (ist aber nicht so ganz viel). Zugegeben, eine Deckenscheibe durch parallele Dielen ist sicherlich verhältnismäßig weich und ist in sofern mit einer diagonalen Schalung, die im übrigen auch in eine Richtung funktionieren kann (war ein Hobby meines Holzbauprofessors!) nicht vergleichbar. Es kommt auf die örtliche Situation an. Auf jeden Fall wurden solche Deckenscheiben in der Vergangenheit ausgeführt und alte Normen enthalten auch entsprechende Tabellen unter welchen Bedingungen diese ausgeführt werden können und müssen. Ich bin jedenfalls beim Entfernen solcher Dielenböden immer lieber vorsichtig, vor allem wenn keine durchgehenden Ringbalken vorhanden sind.

Beste Grüße Fred



@ Fred



Hallo Fred,

kannst Du mir eine genaue Bezeichnung der betreffenden ID-Holz Publikationen zukommen lassen? Das neue Jahr braucht neue Bücher.

Deine Bedenken in Sachen Scheibenwirkung kommen doch sicher hauptsächlich im Fachwerk zu tragen, oder?

Grüße

Thomas



Nö,



eigentlich genau so im Massivbau. Im Fachwerkbau habe ich je nach Konstruktion Ringbalken bzw. Riegel, die Horizontallasten auf aussteifende Wände weiter leiten können. Trotzdem nutze ich natürlich die Decke zusätzlich als Scheibe. die Verbindungen der Holzkonstruktion sind in vielen Fällen so weit geschädigt, dass sie Kräfte nicht mehr so weiter leiten können wie in ihrem ursprünglichen Zustand. Da bringt jedes bisschen konstruktive Unterstützung natürlich viel. In alten Mauerwerksbauten fehlen die Ringbalken, die heute in Beton gegossen werden vollständig. Man kann immer wieder auch im Massivbau bauchige Wölbungen der Außenwände sehen. Dies ist häufig zurückzuführen auf fehlende Zuganker und veränderte oder schadhafte Balkendecken.
Literatur:
1. Holzrahmenbau, Herausgeber: Bund deutscher Zimmermeister, Kapitel 8.42.01 Deckenscheiben aus Balken und Deckenschalung Seite 406-413
2. Aussteifende Holzbalkendecken im Mauerwerksbau EGH-Bericht, Herausgeber Entwicklungsgemeinschaft Holzbau in der deutschen Gesellschaft für Holzforschung München in Zusammenarbeit mit dem Bund deutscher Zimmermeister und der Arge Holz e.V. Düsseldorf.
3. Vorlesung Holzbau Sondergebiete Prof. Mistler in Aachen, meine Mitschrift. (Ob da jemand anderes durchfindet?)

Grüße Fred