Muss es immer Plastikfolie sein?

09.10.2012



Hallo,

wir möchte/müssen in unserem Altbau (Bj. 1890) im EG den Fußboden erneuern. Im Moment sieht das so aus: Das Haus ist unterkellert (Gewölbe), darauf ist Sand, dann Balken und darauf Dielen. Nun wurden die Dielen leider mit Teppichboden und PVC überklebt, damit darunter alles fault. deshalb muss der Boden neu gemacht werden.
Wir möchten wieder Dielen und den darunter liegenden Aufbau so wie er ist wieder herstellen. Nun habe ich ein Problem damit, Unmengen Plastik zu verbauen und außerdem Bedenken, dass Feuchtigkeit, wenn sie nicht nach oben weg kann, in die Mauern zieht, an die ich meine Folie (unterhalb der Balken) ja anschließen würde.
Nun meine Frage: ist es nicht sinnvoll, offener zu bauen und die Feuchtigkeit, die anfällt durch Lüften in den Griff zu bekommen?

Schöne Grüße
Tobias



Ja!



(das bezieht sich auf den letzten Satz und nicht die Überschrift)

MfG,
sh





Hallo,

dasmit den Mauern, die nach Isolierung der Bodenplatte verstärkt Nässe ziehen würden, gehört zu den unausrottbaren Märchen.
Zu einem Holzfußboden gehört nun einmal nach Stand der Technik eine Feuchtigkeitssperre.
Ihnen als Bastler bleibt es allerdings unbenommen, im eigenen Haus anders zu verfahren.

Grüße



Diele lüften



Die alten Reichsbaumeister lösten das Problem indem sie den Luftraum unter den Dielen belüfteten : in der Außenwand fehlen innen über und unter Dielung im Lot 1/4 Stein. Über den 12 cm Fußleiste ist Zinkblech mit 10 Löchern je 5mm genagelt. Das klappt nun auch schon über 100 Jahre.



Der Schimmelreiter



Feuchte zieht in die Mauern, ob mit oder ohne Folie.
Ohne Feuchtesperre würde ich soetwas nicht machen.
Als ich es selbst ohne Sperre versucht habe, war das Ergebnis negativ: Die Unterkonstruktion ist nicht von ewig.
Der Estrich bleibt feucht, wenn auch nur in Maßen und das reicht für ein unbefriedigendes Ergebnis.
Probleme treten evtl. auf bei Fußleisten: Hier entsteht gerne Schimmel, das hat aber nichts direkt mit der Sperrschicht zu tun. Und die Luft unterhalb der Dielen ist einfach feucht und sie steht im Endeffekt. Dann lieber trocken-stehend mit Sperre als halbfeucht-feucht-stehend als angeblich offene Variante. Die Wahl der Mittel entscheidet über gutes gelingen.
Was ich gut finde, das ist Bitumen-Grundierung. Günstig und effektiv, auch im Randbereich.
Die Menschen vor 100 Jahren halten es nicht so wie heute, denn wo der Aufbau aus Sand und Bodenbalken hinüber war, so nach 50 Jahren, dann machte man ihn halt neu oder auch nicht.
Der Gedanke, man solle die Bodenfeuchte hochziehenlassen, halte ich nach eigener Erfahrung für falsch.



Bretter-Tod



Hallo

Ihre Ansicht ist m.E. richtig, denn Sie erkannten, dass die "moderne" Teppich- und oder PVC Verklebung (evtl noch ne Spanplatte) der Tod der alten Bretter und der Unterkonstruktion war.

Ich weiss jetzt nicht was noch drinn ist im Unterbau, aber ich würde wieder Diff-offen aufbauen:
Splitt - Tragbalken - Dielen - (drunter Dielenluft)

Keine Dichtereien, keine Sperren, keinen wackligen Stand der Technik …

evtl würde ein Foto oder eine Skizze die Situation etwas deutlicher machen …

bei Realbedarf - Mail

Florian Kurz
www.slow-house.de



Fußbodenaufbau



Ich schlage ihnen als Alternative folgenden Aufbau vor:
Gewölbeoberseite ausräumen,
Rücken reinigen, mit dünnflüssigem Zementmörtel einstreichen,
frisch in frisch zementgebundene Liaporschüttung im Haufwerk als Höhenausgleich und Gewölbestabilisierung mindestens bis Scheitelhöhe einbauen,
Mörtelstrich (eine Art waagerechter Putz) als Sauberkeitsschicht einbauen,damit soll eine ebene Fläche zur Aufnahme der Abdichtung geschaffen werden,
Schweißbahn einbauen,
Weichholzfaserplatten mit integrierter Traglattung als Dämmung und Höhenausgleich einbauen,
Dielung aufbringen.

Viele Grüße



Fußbodenaufbau



Hallo,
wir haben die Kappendecke freigelegt, gereinigt und dann mit Liaporestrich aufgefüllt. Auf den Estrich die Unterkonstruktion. Darauf die Dielung (Douglasie). Keine Folie. Drumherum Lehm mit Wandheizung. Funkioniert bis jetzt ohne sichtbare Schäden. Keller im Winter schön lüften.
Mit freundlichem Gruß
Uwe



Danke



Vielen Dank erstmal für die erhellenden Antworten. Nun noch eine Frage: kann ich die Gewölbeoberseiten ausräumen, ohne dass der ganze Keller einstürzt (wäre schade, ich habe einen großen Haufen Kartoffeln da unten), oder ist da was zu beachten?



Gewölbe



Das kann passieren.
Ob hängt vom aktuellen Zustand, dem Verhalten beim Umbau und der Geometrie ab.

Viele Grüße