Die 3. Zerstörung

01.02.2015 Walter



Ein netter Artikel, den ich gerade auf Telepolis gesehen habe zum Thema Aussendämmung mit Styropor. Interessant sind weniger die mittlerweile bekannten Probleme des Stoffes in Bezug auf das Verhalten bei Bränden oder die Wirtschaftlichkeit, sondern die Auswirkungen auf die Architektur der Städte.
Die gleichen Fragen nach dem Stil bei Aussendämmung ("früher Jugendstil, heute Freistil") stellen sich auch bei einem angenommenen idealen Dämmstoff mit längerer Haltbarkeit.

Vielleicht wäre es nützlich, die im Fachwerkbereich gemachten Erfahrungen mit Innendämmungen öfters auch bei Nicht-Fachwerk einzusetzen, um das originale Aussehen zu erhalten. Wobei man dabei sofort in die Zwickmühle kommt, dass manche Häuser vielleicht gar keine erhaltenswerte Fassade besitzen. Oder sind sie auch dann historisch und authentisch?

Mir hat der Artikel inklusive Bilddokumente einfach gut gefallen, weil er zum Nachdenken nicht nur über technische Aspekte der Energiewende anregt. Anfügen möchte ich noch, dass ich selber Teile meines Hauses (Bruchstein) gedämmt und dadurch den Komfort erhöht habe (allerdings nicht die Fassade) und auch nicht der Meinung bin, dass Wirtschaftlichkeit das einzige Kriterium ist....

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43679/1.html



Über das Thema



Innendämmung wurde hier schon oft diskutiert.
Innendämmung ist eine heikle Sache, da es im Bereich der Übergänge von Wand auf Decken oft zu Kältebrücken kommt und an dieser Stelle Schimmel vorprogrammiert ist.

Eine Innendämmung ist immer ein Kompromiss und sollte nicht bei Bauten mit Betondecken durchgeführt werden.


Andreas



Brandschutz WDVS



Wie viele Fassadenbrände an WDVS- Fassaden gibt es eigentlich pro Jahr in Deutschland?
Wie groß ist diese Gefahr einzustufen?
Wieviel Prozent der gedämmten Fassaden sind mittlerweile veralgt?
Leider steht darüber nichts in dem Artikel.



Fassadenbrände



Da ich keine Antwort erhalten habe hier einige Informationen zur Relativierung des Themas:

"Von den geschätzten 180.000 bis 200.000 Gebäudebränden jährlich deutschlandweit entfallen im Schnitt vier auf Fassadenbrände, die jeweils in der Mehrzahl durch Brandstiftung (z.B. Anzünden von Mülltonnen) oder grobe Fahrlässigkeit ausgelöst worden waren." (Bundesbaublatt 10/2014 S. 44/45).
Dämmstoffdicken um 20 cm und mehr können die Brandausbreitung fördern (fehlerhafte Planung und Verarbeitung vorausgesetzt) wenn es denn einmal brennt. Dicken um 5-10 cm brennen allein nicht mehr da der Putz und die Wand soviel Wärmeenergie entziehen das keine selbstständige Feuerausbreitung mehr stattfindet und der Kamineffekt so gut wie keine Wirkung hat.

Was die Veralgung betrifft:
Sie tritt dann auf wenn eine Reihe von ungünstigen Faktoren aufeinander treffen. Das Veralgung nicht zwingend auftreten muss sieht man daran das nur einzelne Gebäude davon betroffen und nicht die Mehrzahl der mehreren hundettausend gedämmten Häuser.
Das ist keine Befürwortung für flächendeckendes zupflastern von historisch wertvollen Altbauten mit Außendämmung (Mineralwolle geht auch und die ist nicht brennbar), sondern soll zum Nachdenken anregen damit die Kirche im Dorf bleibt.
Ich kann mir nicht vorstellen das ein Abhacken von gegliederten Altbaufassaden zur Aufnahme von Außendämmung in einigen Einzelfällen ein generelles Problem oder eine ernstzunehmende Gefahr für den historischen Altbestand darstellt.
Hier wird mit ein paar wenigen Negativbeispielen eine Gefahr konstruiert die es so gar nicht gibt.
Und, wie schon gesagt: Es gibt auch Innendämmungen.