Dicke, braune, Bodenfarbe




Hallo, wir haben ein altes Fachwerk Haus, einige Böden sind aus Holz Dielen, und sehr alt. Die sind damals mit eine braune, dicke, Farbe gestrichen worden. Ich nehme es an das die Farbe besteht auf öl Basis. Zum Schleifen verstopft sie das Schleifpapier sehr schnell. Weis jemand was für eine Farbe, Bindemittel, Rohstoffe drin sind? ob es Blei geben könnte? Kommt es jemand bekannt vor?
Danke!



Ölbasis



Hier wurde sicherlich auf Leinolbasis grundiert, wie üblich.
Meist wurde dann im Laufe der Zeit mit verschiedenen Lacken/Ölen wieder beschichtet, was genau lässt sich so nicht sagen - wir hatten doch nichts :-)
Wenn sich diese Schichten nicht Abschleifen lassen, einfach mit einem Heißluftfön versuchen zu lösen.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt



Auf Leinöl Basis.



Hallo, Danke für die Infos. Wissen sie dann traditionell was sie als Trocknungsmittel für's Leinöl gebraucht hätten? Frage ist wenn Blei, muss ich aufpassen mit Fönen, Entfernung?
Danke



immer Belüftung



Diese Zusätze dienen nicht zum Trocknen des Öls.
Prinzipiell ist immer auf ordentliche Belüftung zu achten, egal welche Chemikalien enthalten sind.
Solche Arbeiten muss man auch nicht stundenlang am Stück erledigen.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt



Ölfarben



Bleiweiß wurde früher als Weißpigment verwendet, nicht in erster Linie als Sikkativ. Eingesetzt wird es schon seit dem 19.Jahrhundert nicht mehr.



Trocknungsmittel bei Leinöl



Hallo, es wurde lange Blei als Sikkativ zugesetzt. Erst mit Beginn der 1980 er Jahre kam es bei den Naturfarben zum Einsatz von Kobalt-Oktoat. Auch dieses Trockenmittel wird heute ersetzt, weil der Staub beim Abschleifen als gesundheitsschädlich gilt. Dies gilt grundsätzlich auch für die " alten " Ölaufträge.



Blei



Ich dachte an Bleiweiß als Pigment.



Ochsenblutfarbe



Könnte Ochsenblut sein- das ist eine sehr häufige Farbe auf alten Dielenböden.
Gute Bodenschleifmaschinen (zB die 'Hummel' von Lägler) mit entsprechend gewarteten Dichtungen und Staubsäcken
können problemlos zum Schleifen solcher Böden verwendet werden und erfüllen die MAK-Anforderungen.

Ich habe bei solchen Böden mit Körnung 12 oder 16 angefangen bis fast die gesamte Farbe entfernt war, dann mit 24 er Körnung die restliche Farbe entfernen und anschließend zB 36er, 60er,100er und je nach Ergebnis mit 120 er Körnung fertig schleifen.
Danach ölen

Andreas Teich



nicht Planschleifen



Ob es hier der richtige Weg ist, eine Walzenschleifmaschine einzusetzen und einen alten Boden Plan zu schleifen?
Alte Dielen, die mit Sicherheit nicht mit modernen Hobelmachinen gefertigt wurden, über einen langen Zeitraum im Haus gelegen und gearbeitet haben, Bewegungen aus dem Auflager, aus Nutzung und Klima mitgemacht haben, und dadurch anders liegen als ein neuer Boden.
Hier Planschleifen wird das Holz unterschiedlich stark abschleifen, mit vorhersehbaren Folgen, wie unerschiedliche Färbungen(heller in den Bergen), Resten der alten Oberflächen (in den Tälern der Dielen), Bereiche mit Insektenbefall können zu viel geschliffen werden u.a....
Solche Folgen wurden hier im Forum schon beschrieben - Holzböden: Leider nicht gut geworden - das ist so vorprogrammiert.
Hier empfehle ich das Schleifen mit einem Exzenterschleifer, ja aufwendig und mühsam, aber das Ergebnis zählt.
Und ein historischer Boden darf einfach eine gewisse Unebenheit haben.
Ich habe schon einige durchgeschliffene, schöne, alte Böden sehen müssen.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt



Boden schleifen



Hallo Holger,
Hast du tatsächlich schon solche Böden mit dem Excenterschleifer geschliffen? Bis aufs rohe Holz? Ich habe schon mehrere tausend qm Holzböden saniert- aber dazu fast immer schwere Walzenmaschinen wie die Trio von Lägler oder Tellermaschinen von Sorma verwendet- kleine Handmaschinen nur für Randbereiche oder partielle Reparaturen.

Die Sanierungsmöglichkeiten hängen sicher von der Raumgröße, der historischen Qualität der Dielen, der Holzdicke, den Unebenheiten, Schädigungsbefall, Farbdicke etc ab.

Sehr wertvolle Hozböden könnten mit der Ziehklinge vom Lack befreit oder notfalls auch von Hand abgehobelt werden- das vermeidet Schleifstaub und Ausgasungen (bei Hitzeanwendung) und evt Verfärbungen beim Abbeizen.

Letztlich sind und waren normale Holzdielen ein reiner Nutzbelag, der mit Füßen getreten wird.
Um die Funktion als praktischen, pflegeleichten Fußboden erfüllen zu können müssen die Dielen eben sein, was effektiv nur mit Walzenmaschinen ( ggf Hobelmaschinen) zu erreichen ist.

Kleine Handschleifgeräte erzeugen ein Vielfaches an Staubbelastung, benötigen eine Unmenge an viel teurerem Schleifmaterial und endlos Zeit bei manchmal schlechtem Ergebnis (runden Schleifspuren, Dellen im Boden).mit Excentermaschinen ist das Ergebnis besser-es dauert aber ewig.

Richtig geschliffene Böden werden auf jeden Fall eben und haben anschließend eine einheitliche Holzfarbe ohne Spuren alter Farben.

Wenn handgehauene, handgehobelte Oberflächen vorliegen, die erhalten werden sollen müssten notfalls diese Verfahren zur Restaurierung wieder angewendet werden.

Und wer tatsächlich das Original haben will sollte Dielen nicht schleifen, sondern nur mit Ölfarbe im Originalton nachstreichen oder - wachsen.

Andreas Teich