Details Neuerrichtung Natursteinfundament

15.01.2020 Rolli



Hallo,

ich bin schon länger stiller Mitleser in diesem Forum, muss nun allerdings selbst einmal etwas erfragen. Ich beabsichtige in der Zukunft die Errichtung eines Natursteinfundaments als unregelmäßiges Schichtenmauerwerk (die 4 Ecken sollen ca. 1 meter lang in beide Richtungen gemauert werden und ca. 50 cm über Bodenkante hoch sein) aus Grauwacke für ein 4 x 5 m großes Blockhäuschen. Ich sichte dazu Informationsmaterial und bin auf das 25-seitige Dokument Herrn Böttchers gestoßen, das im Lesestoffbereich auf dieser Plattform zu finden ist. Hier zwei entnommene Grundregeln, zu denen ich Fragen habe:

1) Binder- und Läuferschichten abwechseln
2) Jeder Binder muss mindestens um die halbe Steinhöhe tiefer greifen als der Läufer, u./o. etwa das 1,5-fache der Schichthöhe, mindestens aber 30 cm tief in der Wand liegen

zu 1) Ich habe bisher noch keine mörtelgebundene Natursteinmauer gesehen, in der es überhaupt Binder gibt. Bei mir bekannten Trockenmauern werden hingegen oftmals nur ein oder zwei Schicht(en) mit Bindern ausgeführt, die in ihrer Länge mindestens der Mauerdicke entsprechen.
Gibt es Meinungen, ob das Abwechseln von Läufern und Bindern hier überhaupt notwendig ist?

zu 2) Wenn regelmäßig mit lediglich 2 nebeneinanderliegenden Läufersteinen gearbeitet wird und/oder die Wand eine Dicke < 60 cm hat UND die zur Verfügung stehenden Steine in ihrer maximalen Kantenänge nicht die gesamte Mauer abdecken, kann man Regel 2) nicht erfüllen. Gibt es alternative Mauerverbände, die für die notwendige Stabilität sorgen?

Außerdem:

3) Muss die Fundamentmauer in der frostfreien Zone beginnen oder kann man auch entsprechenden Schotter als kapillarbrechende Schicht bis in eine gewisse Höhe verfüllen, verdichten und darauf die Steine setzen?

4) Welcher Mörtel ist geeignet? Herr Böttcher beschreibt in einem anderen .pdf, dass nachträgliches Verfugen mit zementhaltigem Mörtel zu Schäden führt. Sollte zum Mauern überhaupt Zement werden, wie es scheinbar heute Standard ist? Wird ein extra Fugenmörtel benötigt? Wie sollten die Fugen ausgeformt werden? Das Häuschen wird außerhalb von Streusalzeinfluss stehen.

5) Was ist eine "zweihäuptige Mauer"?

6) Gibt es zu diesen Fragen jemandem vertraute empfehlenswerte, auch englische, Literatur?

Vielen Dank für jedwede Anregung und Hilfe im Voraus!
Rolli



Natursteinfundament errichten



Du machst dir zuviel Gedanken- du baust nur eine kleines Fundamentmauer-
kein komplettes Gebäude aus Natursteinen.

Aus dem Ziegelbau bekannte Läufer- und Binderschichten gibts in der Art bei Natursteinwänden nicht.als Läufer können allenfalls die sichtbaren Außensteine bezeichnet werden und Binder diejenigen, die tiefer in die Wand hineinragen.

Von der Funktion her ists natürlich klar, dass eine separate Innen- und Außenschale einer Natursteinmauer, deren Zwischenraum nur mit Resten gefüllt ist, nicht sehr haltbar sein kann.
Daher kommt die Regel, dass gelegentlich Steine, die dicker als die halbe Wandstärke sind, zur Verbindung beider Schalen eingesetzt werden.
Du kannst genauso einen kleinen Stein außen und innen und dazwischen einen größeren verwenden.

Ich vermute, du verwendest keine behauenen Steine
sondern nimmst das was du vorfindest- quaderförmig bearbeitete sind viel leichter zu vermauern aber auch wesentlich teurer.

Bei einer derart kleinen Wand kannst du das ganze Gebäude auch nur auf 4 große Ecksteine setzen, die bei mangelnder Höhe auf ein Schotterbett gestellt werden.

Du kannst unterhalb des Geländes auch nur einen Graben ausheben und Bruchschotter einfüllen und feststampfen. Bei loserem Erdreich kann zuerst Geotextil in den Graben gelegt werden, damit sich Erde und Schotter nicht zu sehr durchmischen.
Schotterbett auf jeden Fall breiter herstellen als die darauf stehende Mauer.

Alternativ große Steine oder Felsen ohne Mörtel in den Graben legen, Hohlräume mit kleineren Steinen auszwickeln und darauf weitermauern.

Einhäuptige Mauern sind zB Stützwände, die gegen Erdreich gesetzt werden.
Beidseitig sichtbare, schmale Mauern sind wesentlich aufwendiger zu erstellen als breite, wenn nicht Steine in Mauerstärke zur Verfügung stehen.

Die Mörtelart hängt von der Steinsorte ab. Es gibt Fertigmörtel für Natursteinmauern, reiner Kalkmörtel bindet sehr lange ab und verzögert den Baufortschrittt
( es gibt mittelalterliche Burgen, deren Mörtel in Mauermitte immer noch nicht abgebunden ist).

Da der bei uns noch vorhanden war habe ich als Mörtel für die abgebildete Mauer nur Zement mit Sand verwendet- keine Verfugung.
Die für das Mäuerchen verwendeten Granitsteine lagen bei uns im Garten herum



Danke



Danke für die Antwort! Ja, vermutlich mache ich zu viele Gedanken. Andererseits wäre es schlecht, wennn wirklich etwas erheblich absacken würde... Deine Mauer sieht gut aus. Haus und Landschaft auch ;) Ich weiß noch nicht, ob ich Bruchstein oder behauene Steine verwende. Mit einzelnen Findlingen auf den Ecken oder gegebenfalls in der Mitte wäre auch eine Idee, auch wenn es das nicht leichter und auch nicht unbedingt günstiger macht.
Die Außenwände sind zwar nicht lang, aber es werden ca. 15-20 fm ziemlich grüne Douglasie oder Fichte darauf landen, sodass zumindest in den ersten Monaten/Jahren schon ein erhebliches Gewicht darauf lasten wird.
Mal schauen wie ich es mache. Du hast mir gute Anregungen gegeben und ich werde mal schauen, ob ich noch etwas in Erfahrung bringen kann. Mich interessieren betonfreie Fundamente unabhängig von meinem Vorhaben.

Gruß, Rolli



Holzhaus-Fundament



Du kannst den Fundamentgraben wie beschrieben mit Bruchschotter auffüllen
(lagenweise, ca alle 15 cm verdichten) und darauf dann als Fundament große Steine lose auflegen. Bahntrassen liegen auch auf Schotter.
Schotter sollte verdichtet werden und gegen ausweichen gesichert sein-
besonders im oberen Bereich, wo sich losere Erde und Mutterboden befindet.

Oder auch nur im unteren Grabenbereich Schotter und wo der Boden weniger verdichtet ist größere Steine verwenden.

Alternativ sind Schraubfundamente möglich
oder dickere Eichepfosten einrammen (Splint entfernen), vorher anbrennen, damit sich eine verkohlte Schicht bildet oder wasserfest ummanteln wie bei Strommasten.
evt alte Eisenbahnschwellen nehmen, die allerdings schadstoffbelastet und u.U. verboten sind.

Zum Einrammen oder Verdichten kann ein schwerer Bohrhammer verwendet werden-
an den Meißel eine Platte schweißen.

Das Steinauflager unter den Holzbalken läßt sich mit dem Winkelschleifer einfach nivellieren-
die abgebildete Vogeltränke ist auch nur mit Winkelschleifer, Hammer und Meißel hergestellt worden