Fachwerkhaus unter Denkmalschutz kaufen?!




Hallo,

mein Mann und ich sind während unserer Suche nach einem Haus von dem "Fachwerkfieber" angesteckt worden. Jetzt haben wir auch einen alten Bauernhof gefunden, der für uns in Frage käme. Leider sind wir (noch) total unwissend und haben gar keine Ahnung, worauf wir genau achten sollten. Das Haus wurde wohl 1999 saniert und sieht für uns so aus, als wäre es super in Schuß. Wir stellen uns auch die Frage, ob es überhaupt möglich ist bei einem unter Denkmalschutz stehenden Haus schlechte Materialien zu nehmen oder großartig zu pfuschen.

Außerdem stellen wir uns auch die Frage, was es wirklich für uns bedeuten würde, ein Haus, welches unter Denkmalschutz steht, zu kaufen. Manche schlagen die Hände übern Kopf zusammen, andere meinen, dass wäre doch toll. Ich habe mal das Denkmalschutzgesetz (oder wie das heißt) von Hessen überflogen, da stand nichts wirklich aufregendes drin. Mein Mann ist außerdem handwerklich super fit und wir würden dann gerne einiges selber machen, worüber wir auch verschiedene Informationen haben.

Gibt es denn wohl einen Fachmann/frau in unserer Region, der/die sich das Haus mit uns mal angucken könnte?

1001 Frage... ...sorry, aber das ist halt auch so ein Neuland, mit dem sich kaum einer im Bekanntenkreis auskennt...

Vielen Dank für Eure Ratschläge und Tipps!

Herzliche Grüße

Sylvie



Die Hände über dem Kopf...



...zusammenschlagen würde ich nicht bei einem Kulturdenkmal.

Für wichtig erachte ich, die eigene Einstellung zur "Kultur" und und der Umgebung in der man lebt (oder zu leben gedenkt).

Wenn das nötige Interesse am Erhalt eines Denkmals besteht, kann die Zusammenarbeit mit den Behörden sogar richtig Spass machen.
Da kann eine sehr konstruktive und auch produktive Zusammenarbeit entstehen.

Ihr solltet den "Mehraufwand" aber nicht unterschätzen.
Denn den gibt es!

Wenn man aber dahinter steht ist es halb so schlimm ;-))

Wenn euer "Favorit" 1999 saniert wurde, denke ich, das die Materialien und die Ausführung den heutigen (denkmalschutzrechtlichen) Vorgaben entsprechen sollten (Vorausgesetzt man hat sie beachtet).

Wenn ihr ein Kulturdenkmal kaufen wollt, habt ihr die Möglichkeit, für Baumaßnahmen Fördermittel zu bekommen (zu beantragen vor Baubeginn, sonst ist es hinfällig) und auch entsprechende steuerliche Abschreibungen geltend zu machen (gering zwar, aber möglich).

Wie gesagt: Hände über dem Kopf zusammenschalgen müsst ihr nicht!

Wenn euch das Haus gefällt, solltet ihr tatsächlich jemanden mit "Sachverstand" hinzuziehen und euch dann entscheiden.

fröhliches Schaffen

Gruß
Martin



Pfusch bei einem unter Denkmalschutz stehenden Haus...



...ist leider möglich.
Unser Haus steht auch unter Denkmalschutz und da wurde einiges sehr unorthodox 'saniert'. Leider konnten wir das nicht mit ungeübten Blick erkennen und der Sachverständige der das Haus bewertet hatte kennt sich - wie wir inzwischen erfahren haben - auch nicht mit Fachwerk auf.
Kurzer Rede langer Sinn, nehmen Sie lieber einen Fachmann mit, es lohnt sich.

Liebe Grüße
Fam. Kanzleiter



Guter Ratschlag...





Ein wichtiger Ratschlag...



...Fam. Kanzleiter .

Aber woran will man als "Laie" einen Fachmann erkennen?

Ein Problem welches meiner Meinung nach immer mehr an Gewichtung gewinnt.

Die Auswahl fällt schwer!

Vermutlich ist es besser gleich mehrere Fachleute an Land zu ziehen und dann, "aus dem Bauch heraus", zu beurteilen welches der bessere ist.
Welcher macht einen kompetenten Eindruck und vermittelt eine "Fachmännische Beurteilung" der Substanz?

Ich hatte auch schon einen Malermeister bei mir, der mir die entsprechenden Farben für´s Fachwerk empfohlen hat.

Nach Studium der relevanten Literatur und den Hinweisen hier im Forum (Leute ich danke euch) stellte sich heraus, das der Mann keinerlei Ahnung von Fachwerk hatte.

Aber eine "fachmännische, meisterliche Materialempfehlung" hatte ich "in der Tasche".

Gott sei Dank habe ich mich anders entschieden.

"Fachmann" ist nicht gleich "Fachmann"!

Hätte ich mich nicht selbst ein wenig informiert, hätte ich nun "den Salat"!

Grüße
Martin



Vielen Dank schon mal für Eure schnellen Reaktionen!



Eine Besichtigung mit einem Fachmann halten wir auch für eine gute Investition, aber wo finden wir den? Und woher wissen wir, dass er micht so ist wie Eurer, Familie Kanzleiter? ;-)

Unsere Einstellung zum Erhalt der Kulurdenkmäler unserer Region ist, würde ich mal behaupten, durchaus positiv. Es ist schließlich nicht ganz uneigennützig, denn wir wollen uns nicht ohne Grund gerade ein Fachwerkhaus kaufen (wobei uns für Innen eine Mischung aus erhaltenem Fachwerk und modernen Elementen reizt - ist das mit Denkmalschutz möglich?).

Martin, Du schreibst, wir sollten den Mehraufwand nicht unterschätzen, aber wie äußert sich der Mehraufwand? Ist es die Bürokratie, die jede Veränderung/Auffrischung mit sich bringt? Sind es die Vorschriften, die einem nur bestimmte Materialien/Erneuerungen erlauben? Oder dass man immer alles pflegen muss? Das ist doch aber eigentlich nur im eigenen Interesse?!

Viele Grüße!



Der Mehraufwand...



... äußert sich bei einem EINZELDENKMAL zunächst mal darin, dass jede (wirklich jede) Maßnahme am oder im Haus erstmal bei der zuständigen unteren Denkmalschutzbehörde beantragt werden muß.

Wenn man die nötige Einstellung hat, ist es in jedem Fall im eigenen Interesse. Keine Frage.
Aber das kostet eben auch ein wenig Zeit.
Anträge schreiben, inklusive Ausführungsdetails, Materialwahl etc.
Je nach Bundesland, kann man für diesen Mehraufwand auch Zuschüsse bekommen (mal mehr, mal weniger).
Oftmals ist die denkmalgerechte Ausführung der Arbeiten auch mit einem gewissen Mehraufwand, entweder in Eigenleistung oder durch den ausführenden Betrieb, verbunden.
Viele Naturbaustoffe, die aus meiner Sicht zu bevorzugen wären und dem Erhalt eines Denkmals gerecht werden, brauchen in der Regel schon mal längere Verarbeitungszeiten, bieten dafür aber eben auch deutliche Vorteile!

Dieser Mehraufwand rechnet sich aber mit den Jahren, weil es ja durchaus dem Haus angemessen und durchdacht ist.

Aber Mehraufwand ist es eben allemal.
Der Begriff "Mehraufwand" ist hier auch nicht negativ gemeint. Aber es gibt ihn eben.

Grüße
Martin



Wie erkennt man einen Fachmann...



...bevor es zu spät ist.

Herr Wittwar, Sie haben den Finger genau in die Wunde gelegt.

In Weilburg gibt es die Fa. Sartorius. Wir haben 1. nur gutes gehört und 2. auch selbst gute Erfahrungen mit der Fa. gemacht.
Ist halt nur ein ziemlicher Weg bis in den Main-Kinzig Kreis.

Viele Grüße
Fam. Kanzleiter



denkmalschutz



guten abend! keine angst vor der denkmalschutzbehörde! ich habe ausschließlich positive erfahrungen gemacht. "man" war ansprechbar und hilfsbereit, aber in fachlichen fragen oft hilflos....(die prioritäten sind anders gesetzt...): also unbedingt einen "fachmann" hinzuziehen, am besten einen/mehrere Handwerker aus den entscheidenden gewerken MIT Erfahrung (!!!) bei solchen objekten (referenzen!), leider wird oft von ebendieser seite der eindruck zu vermitteln versucht, daß das alles kein problem sei, u.u. wird´s das dann aber mit in der Sanierung unerfahrenen und/oder konventionell denkenden betrieben!das gleiche gilt für architekten!lieber längere anfahrt von guten (=erfahrenen) leuten zahlen als unbedingt mit dem nächst-BESTEN (?) arbeiten. vielleicht auch zwei, drei meinungen (und angebote) einholen bei wichtigen sachen. stellen sie sich auf einen gehörigen organisatorischen mehraufwand ein, aber -wie immer-: das ergebnis ist entscheidend, und: diese sanierung vergessen sie bestimmt so schnell nicht... viele grüße aus günzburg carmen riedl
p.s. manchmal trügt der schein leider auch bei solchen gebäuden, auch da wurde -oft mangels kenntnis und sensibilität oder weil handwerkskunst schlicht verloren ging- u.u. gehörig gepfuscht!



Fachmann finden



Hallo Sylvie,
ich habe es hier im Forum schon ein, zwei mal empfohlen und gebe auch Dir gern den Tipp, sich einen Fachmann über die Interessensgemeinschaft Bauernhaus (IGB) nennen zu lassen.
Auf der Website

http://www.igbauernhaus.de/index.php?id=234

mal eine Kontaktstelle in Deiner Nähe recherchieren und anrufen.
Uns hat das sehr geholfen.

Viele Grüße, mag



Fachleute



Hallo Sylvie ,

Hier im Forum gibt es doch einige Fachleute auf diesem Gebiet in Ihrer Region.
Einfach mal die Suchfunktion ausprobieren.

Viele Grüße



Denkmalschutz und???



Was soll daran soooo schlimm sein? ;-) Jetzt wo ich weiß wie es ist, kann ich auch sagen, dass die Schwarzmacherei eigentlich doch nur unwissenheit ist.

Ruft doch mal beim Denkmaklschutz an, sag ihr die Straße u Hausnummmer und schon verrät euch der/die Mitarbeiterin in wie weit das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Bei uns ist es zum Beispiel nur die Fassade, d. h. sie darf nicht verändert werden im Sinne von verdecken oder einreißen. Innen dürfen wir tun und lassen was wir wollen - mal pauschal gesagt.

Weitere Vorschriften, sind Holzfenster, die neue Haustür die wir haben wollen muß aus Holz sein... So Kleinigkeiten eben. Die Beratung mit u beim Denkmalschutz ist kostenfrei!!! Für die Haustür haben wir eine Skizze und genaue Beschreibung vom Tischler bekommen, diese dem Denkmalschutz vorgelegt und die haben es unterzeichnet - nach 14 Tagen.

Unsere neuen Fensteröffnungen (5 Stück) wurden uns auch genehmigt. Also bis jetzt kann ich noch nichts negatives über den Denkmalschutz berichten außer das es halt ein bißl lange dauert. ALso bringt Zeit mit bei euren anliegen. :-)

Viel Erfolg



Sorry, aber leider...



...bin ich hier wohl der erste Pessimist. Wir haben "nur" Denkmalschutz als Bestandsschutz unserer Siedlung (wird Ensemble-Schutz genannt). Im Haus dürfen wir machen was wir wollen, außen muss der Denkmalschutz gefragt werden. Das betrifft sowohl das Haus (Dach, Fassade, Fenster, Türen etc.) als auch das Grundstück (z. B. Art und Höhe der Einfriedung, Autostellplatz, Gartenhütte, Farbe des Zaunes etc.). Prinzipiell ist das sehr gut, denn so weiß ich, dass hier nichts verbaut wird und ich keine bösen Überraschungen erleben werde (z. B. Handyfunkmast oder Fabrikhalle).
ABER: Wir haben natürlich "unseren Denkmalschützer" beim Kauf geholt und der wollte uns Vorgaben machen, die sich im weiteren Gespräch eher als sein persönlicher Geschmack herausstellen, aber jeder Grundlage entbehrten. Gespräche mit Nachbarn unserer Siedlung bestätigten dies. Von Kooperationsbereitschaft war da nicht viel zu erkennen. Vielmehr schienen sich Praxis und romantische Verklärtheit zu widersprechen (z. B. Wärmedämmung Haus und Türen kontra Wunschoptik des Denkmalschützers).
Natürlich kann dies auch anders laufen, so wie man hier im Forum liest. Also würde ich den Empfehlungen folgen, zuvor mal mit dem zuständigen Denkmalschutz Kontakt aufzunehmen und Möglichkeiten/Kooperationen abzuschätzen...



denkmalschutz 2



muß herrn grüning in einem punkt recht geben: es stellt sich hin und wieder so dar, als würden die vertreter des landesdenkmalamtes am liebsten selbst einziehen und ihre persönlichen vorlieben durchsetzen, was tatsächlich oft jeder grundlage entbehrt. aber eine vernünftige/wirtschaftlich tragbare lösung findet sich dann doch, weil ja auf der anderen seite die Fördermittel ausgegangen sind...und wenn man klarstellt, daß man kein privates Museum eröffnen will oder keine filmkulisse zur verfügung stellen will sondern im Denkmal zu wohnen gedenkt, und zwar komfortabel und im hinblick auf die energiekosten auch bezahlbar, da man ja nicht subventioniert wird... das holt die herrschaften dann doch meist auf den boden zurück. wichtig ist, zu klären, ob -wie auch herr grüning schreibt- ensembleschutz besteht oder es sich um ein EINZELDENKMAL handelt (auswirkungen innenbereich/außenbereich!). am besten einen vertreter des landesdenkmalamtes hinzubitten, die vertreter der örtlichen ämter(stadtverwaltung, untere l-denkmalbehörde) leiden u.u. an profilneurose oder wollen vorzeigeobjekte auf ihrem konto verbuchen. dagegen habe ich die Erfahrung gemacht, daß die vertreter des l-denkmalamtes mit mehr augenmaß auf die bedürfnisse der eigentümer eingehen und froh sind, wenn die eigentümer selbst am erhalt eines denkmals interessiert sind und daür den ihnen schon bekannten mehraufwand zu leisten bereit sind. wichtig ist auch, abzuklären, was "bestandsschutz" hat, darauf weist herr grüning auch hin. außerdem: das Grundstück nicht vergessen im hinblick auf veränderungen dort (weitere bebauung, veränderungn von "einfriedungen", sprich: gartenzäune, nebengebäude usw.)
ist aber alles nicht so schlimm, wie sich´s vielleicht anhört! am besten ortstermin (vertreter landesdenkmalamt, stadt/gemeindevertreter, heimatpfleger etc.) und protokoll! freundlich bleiben, auch wenn´s manchmal schwerfällt (s.o.!) und nicht vergessen, nach fördermitteln zu fragen!(vorsicht: antrag vor beginn der geplanten maßnahme!) über abschreibungen bei so einem objekt braucht man ja nichts mehr zu sagen, das wissen sie bestimmt schon. für eine Bestandsaufnahme und bei der suche nach fachleuten oder handwerkern kann vielleicht der bundesverband der restauratoren (landesverbände!) weiterhelfen, außerdem gibt´s doch in hessen die bekannte propstei johannesberg bei fulda (webseiten!), vielleicht auch dort mal nachfragen. viele grüße und: nur mut, die anlaufschwierigkeiten gibt´s überall! carmen riedl





Hallo Sylvie,

wir haben ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus seit 15 Jahren und können über den hess. Denkmalschutz und dessen Auflagen nicht klagen. Wir schätzen sehr die steuerlichen Vorteile, haben bei der Komplettsanierung die fachlichen Probleme durch viel Fragen und auch Literaturstudium versucht in den Griff zu bekommen - wir denken auch mit Erfolg.
Pfusch und "schlechte" Materialien sind auch heute möglich - es kommt wirklich auf die Ausführenden und die Sanierungsphilosophie an.
Unser Haus steht südlich von Frankfurt - wir sind gerne bereit, von unserer Erfahrung zu berichten. Bei Interesse einfach melden.

Gruß

R. Lehner