Denkmalschutz ja doer nein




Liebe Fachwerkfreunde, nach dem wir uns Anfang des Jahres ein schönes altes Fachwerkhaus in Hessen gekauft haben, stehen wir nun vor der Frage, lohnt es sich das Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen.
Es ist uns bekannt, daß das nicht so einfach ist, aber einen Versuch ist es Wert.
Hat jemand in einem ähnlichen Fall schon erfahrungen gesammelt.
Uns würde insbesondere die Frage nach den Auswirkungen auf den Gebäudewert interessieren und wie es sich beim wiederverkauf einer Denkmalgeschutzten Immobilie verhält. Ist diese leichter oder schwerer zu verkaufen.





Hallo,

wir haben das Haus unter Denkmalschutz stellen lassen. SChwer war das nicht, ganz im Gegenteil ;o).

Für uns lohnt sich das finanziell, vor allen Dingen, weil wir die Forderungen vom Denkmalamt eh alle uns auch so gedacht hatten (rote Tonziegel bei Dacheindeckung usw). Wir haben aber auch den Traum eines Denkmalschützers :o)

Na ja, ich hoffe, ich muss es nicht wieder verkaufen... aber wenn, dann kann man das dem Käufer auch schmackhaft machen. Ich lobe unser Denkmalamt immer - die haben es auch verdient, die sind uuuuuunheimlich nett und haben immer ein offenes Ohr - uns wurden kaum Vorschriften gemacht.

Grüße Annette



Also, ich würde Denkmalschutz als Vorteil sehen,



aber ich weiß, dass es da unterschiedliche Meinungen zu gibt. Ich arbeite als Maklerin in diesem Bereich und habe Kunden, die explizit auf Denkmalschutz wert legen, weil sie das Besondere suchen und andere, die sagen: Bloß nicht. Kommt halt immer auf die Einstellung an.
Für Sie kann es sich aber auf alle Fälle lohnen, wegen der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten der Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwendungen(Einkommensteuer §§ 7i, 10f, 11b)und der Möglichkeit des Grundsteuererlasses. Außerdem solls ja auch hier und da noch Fördermittel aus der öffentlichen Hand geben: Landesamt für Denkmalpflege, eventuell auch Landkreis.
Viele Grüße von der Küste
Cornelia Stoll





ja, richtig, wir hatten hier schon welche im Forum, da wollte das Denkmalamt auch den Anstrich der Innentüren usw. bestimmen.

Am besten, Sie gehen mal direkt zum Denkmalamt und fragen dort, die freuen sich immer, wenn sich einer dafür interessiert.

Wo in Hessen ist denn das?

Grüße Annette





Hallo,

danke schonmal für die verschiedenen Beiträge. Das Haus befindet sich in Hessen im Hochtaunuskreis, Nähe Bad Homburg.

Unsere Befürchtung ist, bei allen steuerlichen Vorteilen etc..., dass man, wenn man Pech hat, nicht mehr Herr im eigenen Haus ist und durch die Denkmalbehörde allerlei Vorgaben bekommt, die man nicht umsetzen kann oder will. Andererseits haben wir jetzt auch baulich nichts vor, was ganz und gar nicht zu dem Haus passen würde. Es ist eher die Sorge, dass einem permanent jemand reinreden kann. Schwierig, schwierig...



ja, das kann vorkommen...



... deshalb ist es wichtig, VORHER mit denen zu reden. Das haben wir auch gemacht. Erstmal angehört, was die für Vorstellungen haben - das Einzige, was mir anfangs nicht gepasst hat, das waren die Holzfenster, die wir einbauen sollten. Aber mittlerweile bin ich superfroh drum :o). Es gibt nix schöneres wie diese kleinen zierlichen Fensterflügel, die man öffnen kann und dabei noch dran vorbeigehen, was ja bei den einflügligen Kunststofffenstern nicht so ohne Weiteres geht, da diese riesig in den Raum reinragen.

Trauen Sie sich einfach mal, die freuen sich wirklich, wenn sich jemand für sein Haus interessiert und es nicht gleich abreißen oder sonstwie verbauen will (wie so viele andere). Sie sind dann sozusagen ein Lichtblick am dunklen Tunnel ;o). Es gibt wirklich nix zu befürchten.

Bei uns gab es KEINE Vorgaben außer roten Tonziegeln (egal, welche Art), Zahnleiste anstatt Ortgangziegeln und Holzfenster. Ansonsten können wir anstellen, was wir wollen. Wir können streichen, verputzen, lackieren wie und in welcher Farbe wir wollen.

Es muss also nicht zwangsnotwendig im Chaos enden, wenn man die Denkmalamtmenschen mal besucht ;o). - Am besten gleich Fotos vom Haus mitnehmen.

Grüße Annette



Ich würde sagen: Pro Denkmalschutz



Uns geht es ähnlich wie Annette. Allerdings wurde das Haus schon kurz vor dem Kauf in die Denkmalliste aufgenommen. Wir wussten also, dass das auf uns zu kommt. Bei der ersten Besichtigung war der Denkmalpfleger dann auch gleich dabei - ich habe ihn eingeladen um zu hören was die denn alles wollen.

Nichts, außer dass wir das Äußere nicht verschandeln, wieder Holzfenster einbauen und im ehemaligen Schulraum die Holzverkleidung erneuern (eigentlich erhalten, aber das ging nicht weil sie total zerfressen und morsch war.

Der gute Mann war begeistert dass wir gar nicht vor hatten, das Haus irgendwie zu verwandeln. Wir wollten es so wie es ist erhalten.

Das neue Dach - der Vorschlag kam vom Denkmalpfleger weil die Pfannen nicht mehr so gut lagen. In der Zwischenzeit bereue ich diese unsägliche Maßnahme, es wäre auch anders gegangen. Aber Architekt und Zimmermann waren anderer Meinung und ich Dussel hab mich bequatschen lassen.

Wir hätten neue Fenster einbauen können, das wollte ich nicht weil ich die Originalfenster erhalten wollten. In der Zwischenzeit kommen doch ein paar nachgebaute rein.

Innenaustattung - wir dürfen quasi tun was wir wollen, nur im Schulraum muss zwingend wieder ein Lambris rein.

Die alte Treppe ins OG - wir dürfen sie austauschen, wenn wir das unbedingt wollen.

Ein größeres Fenster in der Küche? Kein Problem, genehmigt.

Frage ob Kalk- oder Lehmputz? Kalk war Original, wir dürfen machen was wir wollen: größtenteils Lehmputz und -Farbe.

Bodenbelag mit Sandsteinplatten? OK, da war man etwas rigider. Aber defekte Platten müssen auch nicht wieder rein ;-)

Wirklich alles ganz easy. Aber neulich brachte es der Denkmalpfleger auf den Punkt: Es kommt darauf an, wie man denen begegnet. Eine ablehnende Haltung führt zu derselben bei diesen Herrschaften. Logisch, oder?

Ach ja, wir haben nicht mal vom Bezirkschornsteinfegermeister irgendwelche unerfüllbaren Auflagen bekommen. Im Gegenteil, bei einigen Ideen bekamen wir sogar noch Unterstützung in Form von hervorragender Beratung. Und die Baubehörde? Letztens musste ich telefonieren weil der Rohbau abgeschlossen ist und eigentlich eine Abnahme stattfinden sollte: das wollen die gar nicht weils ja eigentlich gar kein Rohbau ist ...

Fazit: Nur zu, jedes Haus das geschützt werden kann ist ein Gewinn. Steuerlich gesehen ist es für den Besitzer gleich noch mal so interessant.

Grüße
Ulrike



Für den Denkmalschutz eine Lanze brechen!



Habe ebenfalls sehr positive Erfahrungen mit dem Denkmalschutz gemacht. Wir haben gleich Infos zu Fördermöglichkeiten bekommen (steuerliche Absetzung des Erhaltungsaufwands/ Herstellungsaufwands als Sonderausgaben etc). Außerdem wurden wir bei einem Vorortermin gut über die weitere Vorgehensweise (wir stehen noch ganz am Anfang) beraten.
Und wer sich als kooperativer Partner rausstellt bekommt auch gewiss keine Steine in den Weg gelegt wenn man nicht gerade ein grellgelb glasiertes Dach mit überdimensionaler verzinkter Fledermausgaube bauen möchte ;-))
Ich empfehle einen Vororttermin mit dem Denkmalschutz bevor Sie mit den Bauplänen/ konkreten Veränderungspplänen anrücken und die Sachbearbeiter überfahren.

Alles Gute und die "richtigen" Sachbearbeiter

Sabine Gottstein