das Haus im berliner Umland

24.08.2003



Liebe Community!
Meine Frage ist euch bestimmt nicht neu, aber ich bin ein relatives "greenhorn". Also, eines meiner Lieblingsbeschäftigungen ist sich alte Häuser anzusehen. Die meisten sind unbezahlbar. Nun habe eines gefunden, dass nicht ganz so riesig ist (200 qm Wfl.), im Bauhausstil gebaut. Nun kommt eines meiner Lieblingswörter: Denkmalschutz. Im Register der Stadt habe ich nichts finden könen, war aber auch schon 8 Monate veraltert. Und ich weiß nicht, ob das so schlau ist dort anzurufen und zu sagen "hört mal , ich möchte das Haus gerne kaufen, wie tolerant seid ihr denn? Kann ich noch eine kleine Remise daraufbauen etc.? .."
Meine Frag: wie geht man am Besten mit denen um. Es gibt so eine Art von Denkmalschutzhirarchien. Wie finde ich heraus, wie umfanreich der auf diesem Haus drauf ist? Kann ich einen Anbau wagen, wie ist es mit einem Wintergarten. Was darf ich überhaupt.
Gibt es vielleicht irgendwo Broschüren zum Thema und bin ich denen wirklich so schutzlos auf "goodwill" ausgeliefert? Als Designerin habe ich kein Problem auch ein Haus fachgerecht zu verschönern/ verschönern zu lassen, aber ich möchte doch gerne meine Rechte und Pflichten kenn, sonst bleibe ich doch lieber zur Miete wohnen!
Wie steht es mit Förderungen? Wo muß ich mich da hinwenden?
Weiß jemand Rat?



Denkmalschutz



Hi Victoria, ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die zuständigen Personen bei der Denkmalbehörde von Anfang an mit einzubeziehen. Auf jeden fall würde ich dir eine rechtzeitige Kontaktaufnahme empfehlen da sie so oder so benachrichtigt werden. Bei uns ist es so geweden, dass der Bauantrag direkt zum Denkmalant gegangen ist. Viel Geld kannst du sparen wenn du im Vorfeld schon weißt was gemacht werden kann und was nicht. Vieles ist auch Verhandlungssache und ist es ersteinmal verbockt hat man auch schnell Probleme. Förderung sind meistens an einen Beginntermin und an einen Fertigstellungstermin gebunden. Wir wollen das meiste in Eingenleistung fertigstellen und das beißt sich mit den vorgaben die gemacht werden. (z.B. Fachwerkinstandsetzung)
Gruß Frank



Wie man in den Wald hineinruft...



Hi, Victoria! Muß mich anschließen: Binde die Jungs und Mädels so früh wie möglich ein. Es werden (wie bei uns) bestimmte Auflagen gemacht. Wenn die komplett nicht eingehalten werden, ist das i. d. R. auch nicht so toll für das Haus. Unsere "Auflagen" (Holzfenster, Dachdeckung, Art und Weise der Sanierung) erfüllen wir eigentlich alle gerne, und wir haben mit denen noch keinerlei Probleme gehabt. Wenn man mit denen vernünftig spricht, sie um Rat fragt (und ihnen so auch eine gewisse Wertschätzung ihrer Arbeit entgegenbringt), sind sie eigentlich sehr umgänglich und hilfreich. Wenn man sie (wie unsere Nachbarn) nicht informiert, vor vollendete Tatsachen stellt und einfach mal (gegen den Sinn des Denkmals/Hauses) macht, mögen die das jedoch - für mich nachvollziehbar - gar nicht und verpassen erst mal wöchentlich Baustops. Und wenn man denn selbst weiter rumzickt und nicht gesprächs- und kompromißbereit ist, warum sollten sie das dann werden?
Sprich sie auch so früh wie möglich auf mögliche Unterstützungen an, wie diese zu beantragen sind, was es für steuerliche Möglichkeiten gibt etc. Und überlege u. U., ob ggf. ein "Upgrade" von "Teil einer Gesamtanlage" (mit Auflagen, aber auch Unterstützungs- und Abschreibungsmöglichkeiten nur bei den sichtbaren Teilen, also Fassade) hin zu "Einzelkulturdenkmal" (Auflagen wie Möglichkeiten gelten für den Gesamtaufwand) sinnvoll wäre. Und falls das Objekt gar nicht in der Denkmaltopographie aufgeführt ist, geben sie trotzdem Tips und Hinweise für eine sach- und fachgerechte Sanierung.





auch ich muss hier eine lanze für den denkmalschutz brechen: was wäre noch übrig vom kulturellen erbe, wenn es das denkmalschutzgesetz und die Behörde nicht gäbe? weg mit dem alten glump! und man muss ja auch bedenken: der staat zahlt zuschüsse und gibt vergünstigungen über steuerabschreibung für ein privates anwesen - da kann man sich in deutschland wirklich nicht beklagen, und dass die z. T. wirklich erheblichen Zahlungen an bedingungen gebunden sind, versteht sich eigentlich von selbst. es gäbe sicherlich genug "sanierer", die zuschüsse einstreichen und dann machen, was sie wollen. und so geht es eben nicht. also: immer wieder fragen, fragen, fragen, fotos und pläne schicken, verhandeln, dann läuft ihr projekt bestimmt ganz toll!
günter flegel, wagenhäuschen



das Haus im berliner Umland



wollte mich bedanken für die Tipps und Anregungen. Habe heute schon die Dankbarkeit eines Herren vom Denkmalamt entgegengenommen, der froh war, dass sich endlich mal jemand meldet bevor er ein Haus kauft und sich einfach mal informieren möchte...



Bauhaus



Es gibt verschiedene Arten von Denkmalschutz. Ensembleschutz z. B. bei Wohnanlagen, Einzeldenkmale, Gestaltungssatzungen für Straßenzüge. Wenn Ihr Haus ein EINZELDENKMAL wäre, hätten Sie dies schon erfahren. Ansonsten wird bei kulturellen Besonderheiten von Häusern um die "Wahrung des Anstands" gebeten. Ob eine Remise errichtet werden darf, ist weniger Sache des Denkmalamtes als vielmehr der Stadtplanung. Üblicherweise können Sie auch an Denkmalen weiterbauen..., denn nur ein genutztes Denkmal ist auch ein Gutes. Broschüren gibt es im Stadplanungsamt, Ideen für einen Wintergartenanbau vom Architekten...