Denkmalschutz nicht um jeden Preis. Eine Empfehlung (?):

09.12.2002



Was halten Sie davon?
Wir sind eine Kulturnation, keiner bezweifelt die Notwendigkeit des Denkmalschutzes. Aber doch nicht um jeden Preis. Wir müssen doch die Kirche im Dorf lassen.
Ein Gutachter beweist, daß eh nix zu machen war:

"Rainer Gsell
Gutachten, Projektierung, Beratung und Fachreferate zu allen Themen der modernen Schädlingsbekämpfung
von der Industrie- und Handelskammer ESSEN öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung.

Fintroper Straße 359 a
45359 Essen
Tel.: 0201 869000
Fax.: 0201 605710
Sparkasse Esssen
BLZ 360 501 05
Kto.Nr.: 28 45 303

Stadt Velbert
Fachgebiet IV.1.2
Bebauungsplanung und Denkmalschutz
z.Hd. Frau Hella Naumann
Am Lindenkamp 31

42549 Velbert

RG /IK 13.Juni 2002
Objekt Hauptstrasse 23, Langenberg

Sehr geehrte Frau Naumann,

bezugnehmend auf meinen Ortstermin am 10. Juni 2002 teile ich ihnen mit,, dass die Balken des Gartenpavillons in wesentlichen Teilen durch Holz zerstörende Pilze so geschädigt sind, dass eine Sanierung der Holzteile nicht mehr möglich ist.

In einem Bereich des 8-eckigen Pavillons ist ein Querriegel durch den Echten Hausschwamm zerstört. Alle befallenen Hölzer müssen ausgetauscht werden, wobei die Fächer herausgenommen werden müssen.

Der Fußbodenbereich war nicht einzusehen, da die Lagerhölzer durch die zum Teil stark beschädigten Fußbodenbretter abgedeckt waren. hiwer ist ebenfalls davon auszugehen, dass diese Hölzer auch stark Pilz befallen sind.

Ein Sanierungsvorschlag kann meines Erachtens nicht gemacht werden, da mehr als 60% der zur Zeit sichtbaren Holzkonstruktion ausgetauscht werden müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift
(Rainer Gsell)

Anlage: 1 Rechnung"

Ausreichend als Totenschein für ein Baudenkmal in städtischem Besitz?



Totenschein für Baudenkmal



Sehr geehrter Herr Colsman,
sicherlich müssen Lösungen zum Erhalt eines Baudenkmals gefunden werden - mir persönlich liegt die Erhaltung von Denkmalsubstanz sehr am Herzen - aber wenn bereits definitiv 60 % Substanz abgängig ist wird es schwierig. Außerdem schreibt der Kollege Gsell, daß der Fußboden nicht zugänglich war, hier sind ebenfalls hohe Substanzverluste zu erwarten. Die 60 % werden wohl noch überschritten. Wenn soviel Originalsubstanz verloren ist, wäre eine Sanierung quasi ein Neubau, jedoch kein Denkmal mehr. Vielleicht ist ein "Neubau" dennoch sinnvoll um die Bauweise und Kulturgeschichte der Zeit weiter zu demonstrieren. Jede dieser Entscheidungen muß sehr genau im Einzelfall betrachtet werden. Die einzige Schlußfolgerung, die man allgemein ziehen kann, ist die, daß gerade historisch wertvolle Bauten besser gepflegt und kontrolliert werden müssen als es oft von Privat und Öffentlicher Hand getan wird.
Im geschilderten Einzelfall will ich mir ohne nähere Information kein Urteil erlauben, entscheiden tut letzlich die Denkmalbehörde, als zuständige, kompetente Stelle.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold