Isolierung



Grundsätzlich gehe ich mit dem Gedanken konform, daß man auf "Chemie" im Hausbau verzichten sollte, da es meist ökologische Varianten gibt, die wesentlich verträglicher und gesünder sind (vgl. z.B. Tapeten, Holzschutzanstriche, usw.). Dennoch möchte ich sagen, daß eine vernünftige Isolierung grundsätzlich seine Berechtigung hat, da man dadurch einerseits ein erträgliches Raumklima erzielen kann und zudem erwiesener Maßen Heizkosten spart. Gerade im Hinblick auf Schadstoffreduzierung in der Umwelt sollte man auf jeden Fall versuchen möglichst weinig zu heizen. Man sollt auch bedenken, daß es auf der von Herrn Flegel erwähnten Berghütte im Sommer und Winter durchaus angenehm ist. Dieses wohnen kann man aber denke ich nicht mit dem normalen wohnen im Einfamilienhaus vergleichen.
Ich freue mich schon auf weitere Meinungen und Infos zu diesen sehr interessanten Thema.
Viele Grüße Johann Müller





ich stimme ihnen natürlich zu - nicht alles neue ist schlecht, und ich will auch nicht die zeit zurückdrehen oder in lehmhütten mit strohdach hausen. ich hatte halt bei meiner bergtour wuderbar zeit zum sinnieren und dachte mir, wie verrückt doch der deutsche regel- und din-wahn ist, der hierzulande beim wirklich gemäßigtem Klima häuslebauer nahezu dazu zwingt, in einer luftdichten thermoskanne zu wohnen. weniger ist mehr! grundsätzlich ist aber jedes haus ein lebewesen für sich, und wenn ein mensch gerne wollpullover anzieht und der andere lieber ein leinenhemd, dann kann man weder dem einen noch dem anderen einen strick draus drehen, meine ich. es gibt andere bauforen, da hauen sich die "experten", die ziegelphysiker, die dämmskeptiker und die solarkritiker derart bösartig "argumente" um die ohren, dass der laie sich mit grausen wendet. ich baue/saniere mir ein wohlfühlhaus, und ich wünsche, dass dies auch jedem anderen so gelingt. so verstehe ich dieses schöne diskussionsforum, und ich denke, auf diesem niveau kann man auch mal trefflich streiten. die alten häuser danken es uns!
gruß günter flegel, wagenhausen



Ansichtssache



Lieber Herr Flegel,
ich denke unsere Auffassungen liegen nicht sehr weit voneinander entfernt.
Prinzipiell beeindrucken mich die Leistungen der Baukunst früherer Jahrhunderte mehr als die der heutigen Zeit. Dies gilt häufig auch für technische Details wie z.B. die Wärmedämmung.
Ich meine aber man sollte stets versuchen das gute Alte mit dem guten Neuen in Einklang zu bringen.
Viele Grüße
Johann Müller





sehr geehrter herr müller, da sind wir uns wirklich einig! letztlich zählt für mich auch irgendwo das gefühl, der maßstab für das menschliche, und da liegt mir das alte eben meistens viel näher. wenn ich an Beton oder Mineralwolle oder Styropor denke, juckt meine haut; bei lehm, Holz und Stroh ist mir das noch nie passiert ...
hoffentlich können wir viele leute zum nachdenken bringen!
viele grüße
günter flegel



Chemie oder...



Wir leben heute in einer Zivilisation (ich vermeide das Wort Kultur) in welche quantitative Werte und qualitative Werte auf einander prallen, physikalische Werte gegen biologische Werte, Technik gegen Technologie. Chemie ist überall, es hängt von der Konzentration ab, hat einmal ein bekannter Mediziner gesagt. Wir haben ein gewisses Maß verloren, alles muss perfekt, sauber, mittig, gerade und dicht sein! Sonst kommt die Norm-Keule, obwohl wir dies relativieren müssen, wenn man zwischen den Zeilen liesst. Ein interessantes Thema zum weiter philosophieren...



philosophie



das philosophiern liebe ich, deshalb ein abschweifender gedanke zur offenbaur "urdeutschen" gewohnheit, alles messen, normieren und berechnen zu müssen: Mit der heutigen analysetechnik können sie einen edlen wein bis in den kleinsten bestandteil definieren und das getränk aus der retorte erschaffen - mit allen inhaltsstoffen, allen werten. und denoch würde der retortenwein nie so schmecken wie der aus dem fass - alles lässt sich eben nicht messen. ähnlich wie den wein betrachte ich gerne auch ein haus, gerade ein altes, wie ein lebewesen, dass man fühlen, spüren, hören, riechen muss - ich denke, wenn man sich bei der Sanierung von dieser seite nähert, kommt man der "wahrheit" näher. aber natürlich muss auch die technik stimmen. es ist eine kunst, hier das rechte maß zu finden.
gruß günter flegel
wagenhausen