Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen

27.07.2020 CMBArchi

Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen

Guten Tag liebe Community,

Wir sanieren derzeit in ehemaliges Kutscherhaus von 1902 ohne Keller. Die massive Außenwand im EG und Fundament sind gemauert aus rotem Ziegelstein und mit Kalkmörtel verfugt. Normalerweise gehört das Gebäude verputzt. Der Putz fehlt an vielen Stellen, insbesondere im Sockelbereich jedoch bereits seit mehreren Jahrzehnten. Eine bauzeitlich eingebaute Horizontalsperre ist nur noch als Brösel vorhanden. Weil das Gebäude lange als Werkstatt genutzt wurde ist es ringsherum entweder von gegossenen Betonplatten oder kleineren Beton-Plattenformaten umgeben. Diese sollen alle weg da es nun ein Wohnhaus wird, der Garten genutzt werden soll und die Versiegelung jenseits von Gut und Böse ist. Außerdem stellt sich diese Versiegelung im Anschlussbereich an das Gebäude als problematisch dar. In den Fugen wachsen zum Teil Planzen heraus, die auch bereits in die mittlerweile sandigen Fugen des Sockels eingedrungen sind. An den Ecken sind die Steine vollständig gelöst/ausgebrochen (siehe Foto und nachfolgend gepostete Fotos).

Wir möchten die Fehlstellen gerne ausbessern und neu ausmauern und mit Kalkmörtel (ohne Zement) verfugen. Können wir dies einfach auf sandigen Fugen aufbauen sofern die Steine nicht direkt schon locker sitzen? Ein Im unteren Bereich scheinen die Fugen fester. Brauchen wir für den Sockelbereich besonderen Kalkmörtel?

In Bereichen in denen die Steine noch fest sitzen muss teilweise auch neu verfugt werden. Sandige Fugen können wie bereits erwähnt jedoch sehr tief ausgekratzt werden. Muss alles raus? Alternativ wie verfestigen? Oder kann man sagen xcm tief auskratzen reicht und dann eben neu verfugen?

Weitere geplante Sanierungsmaßnahmen die für den Sockelbereich und eine passende Lösung relevant sein könnten: Das Gebäude erhält wegen eines Fachwerks im OG ganzheitlich eine Innendämmung aus 8cm Holzfaserdämmplatte, darauf Wandheizungsschleifen mit Lehmputz. Eine neue Horizontalsperre ist nicht vorgesehen. Das Gebäude soll von außen mit Kalkputz (ohne Zement) verputzt werden. Wir denken über eine Ton-Abdichtung außen mit Dernoton nach, da wir auf erdölbasierte Bauprodukte verzichten und auf traditionelle Bauweisen zurück greifen wollen. Auch weil sich so manch neues chemisches Bauprodukt nicht so gut mit alter Bausubstanz, Gesundheit und der Umwelt verträgt....

Eckdaten zum Grundstück: keine Hochwassergefährdung, Grundwasserspiegel sehr niedrig, überwiegend heller sandiger Boden

Vielen Dank schonmal für Anregungen und falls Fragen für eine passende Lösung offen sind bitte nachfragen.
Herzliche Grüße
Carla Braßeler



Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen


Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen

Hier ein Foto des Anschlusses Mauerwerk zu Betonplatten links von der ersten gezeigten Ecke.



Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen


Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen

Hier eine weitere Ecke.



Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen


Defektes Mauerwerk Fundament mit Wurzeleinwuchs und sandigen Fugen

...und noch eine Ecke...



Komische Eckausbildung



Ist der Mauerwerk unterschiedlich dick oder gibt es Vormauerung. Die Ausbildung der Gebäudeecken (?) sieht seltsam aus, gibt es ein Foto von weiter weg, dass man die gesamte Ausformung sieht.
Die richtigen Schritte sind hier im Forum nur auf Basis von Fotoanleitungen nicht zu leisten, da gibt es viele Details zu klären, z.B. die Feuchtesituation .
Es sollte vor Ort geklärt werden, wie tief ins Erdreich die Steine lose sind.
Ich würde (aus der Ferne gesehen) ringsum die Bodenversiegelung entfernen und 50 cm abgraben, das Mauerwerk reparieren ( säubern, lose Steine neu einmauern, die Fugen mit Zementmörtel (MG III) auswerfen und damit auch einen Sockelverputz herstellen. Dann kann je nach Wunsch eine Dernotonabdichtung eingebracht werden bevor wieder verfüllt wird.Die losen Ziegel ( weichgebrannt oder Klinker?) im Bereich über GOK mit hydraulischem kalkmörtel neu einmauern. Ich vermute, es soll neu verputzt werden? Jedenfalls sollte im Bereich um die 40- 50 cm ums Mauerwerk herum keine spritzwasserproduzierende Geländegestaltung vorgenommen werden. Gut wäre darauf zu achten ( das ist z.B. so etwas , was vor Ort entschieden werden muss), dass die Fußbodenhöhe innen ( wie sieht die Gestaltung jetzt gegen Erdreich aus?) höher liegt als Niveau Außengelände.



Fundament wird breiter


Fundament wird breiter

Also der Sockel wird zum Fundament breiter in zwei "Vorsprüngen". Und ja, bei drei der Ecken macht das Gebäude Vor-/Rücksprünge innerhalb einer Fassadenseite. Siehe nachfolgendes Bild.

Wie es scheint sind die Fugen weiter unten doch fester als gedacht. Die Steine sind weiche Ziegel, keine harten Klinker. Daher hätte ich Bedenken bei zementhaltigen Mörteln. Dieser sollte doch nicht fester sein als der Stein selbst. Sonst bricht mir dieser weg und nur die Fugen bleiben stehen? Oder soll dieser wirklich nur unterhalb GOK verwendet werden und dort ist das kein Problem?
Und würde den Sockel mit Zement zu Verputzen nicht dazu führen das Feuchtigkeit im Mauerwerk nicht mehr heraus kann und sich daher zum Abtrocknen den Weg nach oben und innen sucht? Oder ist das Abtrocknen bei Sockelputz nur mit geringem Zementanteil trotzdem möglich? Oder soll auch hiermit nur das fundament unterhalb GOK verputzt werden?
Insgesamt ja, soll und muss das Gebäude von außen neu verputzt werden. Hierzu wollen wir Kalkputz verwenden.

Im Inneren ist derzeit noch ein alter Boden aus diversen Materialien wie unbewehrtem Beton, dicke Klinker (sehen von oben aus wie Fliesen) auf Sand/Schutt (ehem. Stallboden) und ähnliches. Das soll alles raus und nach etwas Aushub ein neuer Bodenaufbau rein: mit Schaumglasschotter 15cm als kapillarbrechende Schicht auf Geotextil, Sauberkeitsschicht aus Magerbeton 3-5cm auf PE-Folie, Abdichtung, Lagerhölzer kreuzweise 2x6cm, dazwischen Holzfaserdämmung und Installationen, dann OSB und darauf Belag mit Trittschalldämmung oder direkt Dielen.
Die geplante OKFF innen soll etwas höher liegen als GOK. Welche Höhendifferenz ist hier empfehlenswert? Reichen 10-15cm?

Für die Gartengestaltung im Bereich ums Haus gibt es noch keine 100%igen Pläne. Lediglich im Südwesten soll eine Holzterrasse entstehen. Die kann aber auf Kies oder sonstigem stehen.
Alle gezeigten Problemecken befinden sich auf der (Nord-)Westseite. Dies ist die Wetterseite und hier lagen lange Haufen alter Dachziegel und Ähnliches direkt vor der Wand, sodass hier vermutlich lange nicht richtig abtrocknen konnte. Planzenbewuchs und ein defektes Regenfallrohr haben ihr Übriges dazu getan.
An dieser Hauswand jedenfalls könnte ein vollständig aus Kies bestehender Weg von ca. 1,20m Breite entlang führen, falls das als neue GOK gut ist.

Was die Feuchtigkeit angeht, so kann ich sagen, dass der Boden den ich nun ausgehoben habe sehr sandig ist. Teilweise sehr trocken, teilweise leicht feucht. Allerdings hat es hier gestern ziemlich stark geregnet...

Beste Grüße
Carla Braßeler



Zur komischen Eckausbildung


Zur komischen Eckausbildung

Das eben gesendete Foto ist von der Gebäudeecke. Die anderen drei Schadstellen an Ecken sind an Gebäudevorsprüngen auf einer Fassadenseite ((Nord-)Westen), wie auf diesem Foto zu sehen.



Außenansichten



ok, jetzt habe ich eine Vorstellung. Eigenwillige Fassade, vielleicht waren mal zwischen den säulenartigen Ecken Tore eingebaut. Innen ist die Wand aber bündig ohne Vorsprünge?
Der Zementmörtelverputz betrifft den Bereich unter GOK. Dort muss es auch nicht diffusionsoffen sein, darf es sogar nicht, denn wo soll denn die Feuchte von innen ( die ja nur aus dem Bereich unterhalb der Abdichtung innen kommen kann) hin, wenn außen Dernoton als Abdichtung oder anliegendes Erdreich ist?
Über den Fußbodenaufbau gegen Erdreich wäre nochmal nachzudenken, dazu bitte oben unter dem Menüpunkt Lesestoff die PDF-Dateien Sondersammlung von Georg Böttcher zum Fußbodenaufbau gegen Erdreich studieren. Überhaupt ist diese Sammlung für Häuslebauer ein guter Fundus um auch grundlegende Probleme wie Diffusion und Feuchteverhalten zu verstehen. Wozu braucht es z.B. im Erdgeschoß eine Trittschalldämmung? Um die Regenwürmer nicht zu stören.? Die könnt Ihr also getrost weglassen. Auch die Doppelmoppelfunktion OSB und Dielung ist rausgeworfenes Geld. Wenn Ihr Dielen wollt gockelt mal nach Doser DHD System, spart auch die Kreuzlattung. 10-15 cm Höhenunterschied ist völlig ausreichen, auch gleiche Höhe wäre ok, nur tiefer sollte es innen nicht sein als außen.



Danke...



...für die Antwort. Da wird doch nun ein Schuh draus.

Daraus verstehe ich: 50cm ausschachten, alle losen Steine und Fugen entfernen, Fugen und Steine auskratzen/bürsten und unter GOK neu Steine einsetzen und mit Zementmörtel (wie Sie geschrieben haben) verfugen und mit selben dort verputzen. Oberhalb GOK dann hydraulischen Kalkmörtel und unser Kalkputz. Zwischen Erdreich und Fundament abschließend eine Abdichtung (z.B. Dernoton)

Dazu noch folgende Fragen:
- Verwende ich nun die selben weichen Steine oder sollten besser Klinker genommen werden?
- Und was bewirkt hier ein hydraulischer Kalkmörtel bzw. wieso ist der besser als anderer Kalkmörtel für diese Situation?
- Ist eine Abdichtung zwingend erforderlich oder wäre ggf. auch eine Noppenbahn zur einfachen Trennung zwischen Gelände und Mauerwerk ausreichend?

Die Fassade hat entsprechende Vor- und Rücksprünge, da es sich um ein altes Kutscherhaus handelt was in zwei Teilbereiche gegliedert ist. Im Bild links angeschnitten ist der Gebäudeteil mit der Wagenhalle. Dieser Teil ist Breiter als der hintere Teil des ehemaligen Stalles. Und ja, dort in der Mitte war ursprünglich mal das Stalltor welches irgendwann halbhoch zugemauert wurde. Dies werden wir auch wieder öffnen und ein bodentiefes Fenster einbauen. Innen macht die Wand keinen Rücksprung. Dort ist nur die Laibung des Tores. Entsprechend ist die Mauer neben dem Tor links und rechts entsprechend dicker.

Bezüglich des Bodenaufbaus gab es wohl ein Missverständnis. Die Dielen sollen nicht auf die OSB sondern OSB mit weiterem Aufbau oder Dielen. Das steht noch nicht ganz fest. Mit der Trittschalldämmung haben Sie natürlich recht. Die benötigen wir im EG nicht. Was die Kreuzlattung betrifft so ist die Idee zwischen diesen einfach die Installationen Verlegen zu können und anschließend mit weichem Dämmstoff zu verfüllen. Wir haben große Räume und an den Außenwänden sind Wandheizungen geplant. Es müssen neben ELT eben auch diese Heizungsrohre durch den Boden. Eine Alternative wären natürlich feste Dämmplatten, welche man entsprechend der verlegten Installationen zuschneitet und die Installationskanäle werden später mit Perliten verfüllt. Die Variante scheint uns jedoch deutlich teurer.

Die genannte Lektüre von Herrn Böttcher werde ich mir heute Abend gerne zu Gemüte führen. Danke für den Hinweis.

Herzliche Grüße!
Carla Braßeler



Fragen beantworten



ich würde dieselben Steine wiederverwenden, so sie noch heile sind. Du mußt den Sockelbereich unter GOL nicht gesondert verfugen, sondern die Fugen in einem ersten Schritt gleich mit beim Verputzen ordentlich auswerfen. Wollt Ihrs selber machen oder beauftragen ? Wenn ihr eine Noppenbahn nehmen wollt, geht das auch, dann vorher aber mit Dichtschlämme streichen. Ich folgte nur Eurer öko-Idee mit dem Dernoton. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass nicht alle Produkte der Neuzeit die aus Kunststoff sind vom Teufel kommen, sondern gerade im Baubereich gibt es gute Erfindungen. Und auch nicht alle Methoden der Altvorderen haben super funtkioniert und waren z.Teil recht pflegeintensiv. Aber das ist ein weiter Feld.
Genauso wie der Unterschied zwischen hydr. Kalk und sog. Luftkalk ( ( Kalkziumhydrat). Das genau zu erläutern würde den Rahmen hier sprengen, nur soviel, dass der hydr. Kalk die Fähigkeit besitzt auch unter Wasser auszuhärten, während der Luftkalk zur Erhärtung ( genau genommen ist es eine Carbonatisierung) Kohlendioxid benötig. Daher ist seine Verwendung im Fundament bereich auch nicht möglich bzw. würde er nicht erhärten. Auch gibt es unterschiede in der Druckfestigkeit, hydr. Kalk wird härter. Aber wenn Du hier mal gockelst, gibt es genügend Abhandlungen im Netz, z.B. unter dem Stichpuntk: Reiner Kalkputz - was ist das?



nochwas zum Lesen



https://meisinger-ingenieurleistungen.de/kalkputze-und-kalkarten-kleine-feine-unterschiede/



Vielen Dank!



Klasse! Vielen Dank für die Hinweise und den Lesestoff. Das Dokument von Herrn Böttcher habe ich bereits durch. Den Schaumglasschotter lassen wir dann wohl weg. Über den Aufbau oberhalb der Abdichtung mache ich mir gerade Gedanken... Insbesondere wegen der verschiedenen Bereiche Wohnraum, Küche, Bad und den entsprechend unterschiedlichen Aufbauten, die ja auf der selben Höhe raus kommen sollen.

Beste Grüße!
Carla Braßeler