Deckenbalken Eiche

02.10.2018 Dirk



Hallo Zusammen

Es gibt im Forum einen Beitrag "Holzbalkendecke Eiche" in dem unter anderem diskutiert wird ob Eiche als Deckenbalken weniger geeignet ist als andere Holzarten wie zB. Nadelholz.

Leider kann ich dort meine Frage nicht stellen, eventuell ist der Beitrag schon geschlossen. Ich bin neu hier und kenne die Details im Forum noch nicht genau. Ich frage darum hier.

Mich würde interessieren wer hier Recht hat, da ich die Aussage Eichenbalken möglichst nicht als Biegeträger zu verwenden auch kenne. Als Schwelle oder Stiel ist Eiche sicher eine gute Lösung.

Ich kenne die Aussage, Eiche ist kurzfaserig und bricht dadurch leichter bei Biegebelastung.

Vielen Dank für Eure Meinung dazu!





Hallo,

Da es in dem von dir genannten Thema schon keine Einigung gab, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es hier eine geben wird. ;)

Nach Festigkeit sortiertes Eiche-Schnittholz kann selbstverständlich als tragendes Teil im Bauwesen verwendet werden. (Genauso wie andere Holzarten auch). Selbstverständlich auch als Träger, der auf Biegung belastet wird. Wenn es richtig sortiert ist, dann ist auch keine großartige Verdrehung zu erwarten. Noch dazu muss Bauholz trocken sortiert werden. Bei einer Nasssortierung muss es nach der Trocknung nachsortiert werden.(Maßhaltigkeit, Verdrehung, Krümmung, etc.) Es muss auch trocken eingebaut werden, lass dir da nix erzählen.

Nach der Sortierung wird das Holz in eine Festigkeitsklasse eingestuft, an Hand derer der Statiker bemessen kann.

Welche Festigkeit die einzelnen Holzarten nun haben, kann man so pauschal nicht sagen. Das hängt von den jeweiligen Holzmerkmalen ab(Äste, Faserneigung, etc PP). Nach Einstufung in eine Festigkeitsklasse erfüllen sie allerdings Mindestfestigkeiten.

Laubholz ist im Bauwesen aktuell wieder im Kommen.

Schöne Grüße
Flo



Sicherheit



Die Eiche ist im e-Modul ca. 30% höher als die Fichte. Warum sollte die Eiche schlechter geeignet sein als Deckenbalken? Das Verhalten der Eiche ist sicher anders bei gleichbleibender hoher Belastung als bei Fichte. Aber bei Deckenbalken wird heute wie in der Vergangenheit mit einer so hohen statischen Sicherheit gearbeitet, das mir ein egal ob bei Eiche oder Fichte nie bange wird.
Bei uns in der Gegend findet man sehr häufig in den Decken einen bunten Mix aus Obst, Tanne und Eiche mit starker Baumkanteanteil für die Deckenbalken.
Ich denke heute ist es eher eine Frage was man an Höhe zur Verfügung hat, was für einen Balkenabstand man realisieren kann und was ich im OG machen will (Wasserbett, Aquarium und ähnliches). Dazu kommt die Frage des Geldes und der Verfügbarkeit von gutem abgelagerten Eichenholz. Da kommt man dann rasch zum KVH.

Geht es hier den um eine konkrete Anwendung oder um eine theoretische Diskussion über Sinn und Unsinn von Eiche als Deckenbalken ?



Eiche


Eiche

Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung. Wir haben hier einen Fruchtspeicher (Nebengebäude eines Schwarzwaldhofs zur Lagerung), erbaut im Jahr 1569.
Der Speicher ist teilunterkellert und es lagen und liegen nun wieder neue Eichenbalken, vermutlich auch Kastanie als Kellergebälk auf den Bruchsteinmauern. Im oberen Geschoss wird Weichholz (Tanne, Fichte) als Deckengebälk verwendet. Nebenbei noch bemerkt: Als Stützen, Eckpfösten im EG wird auch Eiche verwendet.

Jetzt nach etwa 450 Jahren war das Kellergebälk an den Auflagen durch, die darunter liegenden Mauerlatten quasi zerbröselt wenn man sie in die Hand genommen hat.
Das darüber liegende Deckengebälk aus Weichholz und der Dachstuhl dagegen wurden über die Jahrhunderte trocken gehalten und sind bis auf Ausnahmen am Walm so gut erhalten geblieben, dass wir sie problemlos erhalten konnten. Auch die Tatsache, dass vermutlich über Jahrzehnte der Unterzug gefehlt hat, haben die Balken bei 7m Länge mitgemacht aufgrund ihrer Flexibilität.
Das Eichengebälk über dem Keller war damals schon unterschiedlich dimensioniert (man hat genommen, was man im eigenen Wald hatte) und rechts und links genutet um ca. 50mm starke Bretter einzuschieben. Dadurch ist das Holz nochmal geschwächt Darauf kam eine Lehmschüttung und als Abschluss Dielen. Die Dielen liefen bis unter die Wandkonstruktion, waren also eigentlich nicht mehr zu entfernen.
Das hat jetzt wirklich Jahrhunderte gehalten aber nun war Schluss. An den Auflagen zum Erdreich nach hinten war alles verrotet, vorne teilweise auch und Insekten haben vereinzelt enorme Löcher hinterlassen.
Im Lauf des Rückbaus sind dann noch mindestens zwei der schwächeren Balken gebrochen. Man konnte die erwähnte Kurzfaserigkeit gut erkennen, denn es waren immer extrem glatte Brüche. Ich würde mal vermuten, man hat damals lediglich Eiche als Kellergebälk genommen hat, weil es einfach resistenter war gegen Feuchtigkeit von unten welche man mit den damaligen Mitteln wohl kaum zu verhindern wusste.
Wir haben jetzt wieder Eiche eingebaut und wieder genutet und Bretter eingeschoben um uns der damaligen Konstruktionsweise weitgehend anzunähern. Das wird zweifelsfrei wieder eine lange Zeit halten.