Kappendecke - Sanierung erforderlich? Fachmann im Raum Hannover?

18.11.2008 Erik



Hallo liebe Forummitglieder!
Bei der Sanierung unseres Fußboden im EG sind wir heute leider auf ein paar unliebsame Dinge gestoßen. Nachdem wir den PVC Boden des Vorbesitzers entfernt hatten kam ein teilweise rissiger und sehr unebener Estrich zum Vorschein. Anfangs dachten wir dies würde nur an dem falsch eingebrachten Estrich liegen. Als wir den Estrich an der rissigen und "ausbeulenden" Stelle entfernten, kam eine besonders stark gewölbte Kappe der Decke zum Vorschein (siehe Foto). Die Stahlträger dieser Kappe scheinen im Auflagebereich stark (?) angegriffen zu sein, wir haben teilweise 1 - 1,5 cm starke "Eisenschichten" von Hand entfernen können.

Ich habe auf meiner Homepage Bilder der vermeintlichen Katastrophe hinterlegt:

http://www.dederding.net/bau/kellerdecke/kellerdecke.htm


Es wäre nett, wenn der ein oder andere mal eine kurze Ferndiagnose bzw. Beurteilung abgeben könnte.

Da ich den Schaden selbst nicht einschätzen kann, wäre ich für Hinweise bezüglich der Wahl des richtigen Fachmanns im Raum Hannover dankbar.

Folgende Grundvoraussetzungen sind gegeben:
- Gebäude von 1909
- unbeheizter „Lagerkeller“, ca. 1/3 oberirdisch mit ca. 10-12° C
- gemauerte Kappendecke mit T-Trägern (Abstand ca. 100cm)
- Oberseite mit Schlämme (?) bestrichen

Vielen Dank,
Erik Dederding



Kappendecke



Hallo Erik,
erst mal zum Estrich:
Der Riss oberhalb des Gewölbescheitels wurde verursacht durch die Verdichtung der lockeren Auffüllung rechts und links vom Scheitel. Dort sackte auch der Estrich nach, während er im Scheitel auflag. Die Folge ist der Rissverlauf.
Was mich an den Bildern verwundert, ist die Spannrichtung der Segmentkappe, die hier anscheinend QUER zum Träger verläuft.
Ich kann mir das nur so erklären, das hier ein "kaiserlicher Heimwerker" versucht hat, Zuganker im Endfeld einzusparen und stattdessen die Gewölbespannrichtung um 90° drehte.

Aber das ist erstmal alles nicht relevant, das Hauptproblem ist der Doppel-T-Träger, der irreparabel im Auflagerbereich geschädigt ist.
Ich weiß nicht, wie der Rest der Decke aussieht und die Gesamtsituation sich darstellt, aber rein gefühlsmäßig tendiere ich zur Erneuerung der gesamten Decke.
Man kann den Träger eines Gewölbefeldes nicht so einfach Anschuhen wie einen Holzbalken.
Das ist auf jeden Fall eine Sache für einen Statiker.
Benutz die Suchfunktion hier im Forum oder frag bei der Architekten- bzw. Ingenieurkammer nach.

Viele Grüße



Sanierung der Kappendecke



Hallo Erik,

ich sehe das so wie Herr Böttcher, wenn mehr als nur der eine Träger beschädigt ist, muss man sich wirklich Gedanken über einen Totalaustausch machen. Wenn ich es richtig erkenne ist der Träger von oben und von unten bereits derart geschädigt, dass er wohl nur noch aus Gewohnheit hält und ein unterfüttern lediglich den Zeitpunkt des Austausches etwas nach hinten schieben würde.

Lege doch auch mal die anderen Träger frei und lasse einen Statiker darauf schauen. Wenn Du schon dabei ist, ebenso in den anderen Kellerräumen - zunächst von unten.
Dass die Spannrichtung quer zum Träger verläuft kann ich allerdings nicht erkennen, im Vordergrund erkenne ich lediglich ein Schwellholz unter dem Türdurchgang?

Zum Trost: der Raum wirkt jetzt nicht so groß, dass es ein Vermögen kosten wird, aber der Zeitplan wird gehörig durcheinander geschüttelt.
Bei 1909 und einer Kappendecke gehe ich von einem Massivbau aus, hier böte sich nach dem Entfernen der Decke ein Ersatz durch eine Betondecke an.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Preussische Kappendecke



Hallo,
Ich sehe das genauso wie meine beiden Kollegen.
Die Decke muss erneuert werden!
Machen Sie aber bitte den Abbruch NICHT in Eigenleistung.
Das kann gefährlich werden.
Wenn ein Feld ausgebrochen wird, kommen die anderen unkontrolliert hinterher. (weil der Gegendruck weg ist).
viele Grüße



Und bei der Gelegenheit...



...des Tausches der Decke auch mal schauen, woher die Feuchte kam. Der angegammelte Träger ist das eine, aber die leichten Anzeichen von Würfelbruch an der Schwelle, die auf den Bildern zu sehen ist, zeigt, daß es da mal feucht war oder noch ist. Einfach so bekommt ein Balken nicht so eine Struktur.

Gruß Patrick.



Keine Panik in Hanvover



Hallo Erik,
ich habe die Erfahrung gemacht dass die Eisenträger der Kappendecken üblicherweise doch relativ dickwandig gewählt sind und eine dicke Rostschicht (Rostschutz) bedeutet noch nicht dass die Träger hin sind. Auch eine Verstärkung der Konstruktion durch quer Träger und Stützen beispielsweise denkbar wäre(behaupte ich einfach). Jedenfalls sollen Sie einen in der Sanierung erfahren Statiker (Leider kenne ich in Hannover keinen- Vielleicht können Sie auch bei der IGB/Interessen Gemeinschaft Bauernhaus oder bei der Architektenkammer anfragen) heranziehen bevor sie jetzt weiter abreißen. Bei der Planung muss man darauf achten dass nicht die Kappe belastet sondern die balken. Aber dass weiß ihr Statiker besser als ich.



danke fü die raschen Antworten!



@ Georg
Die Erklärung des Risses klingt plausibel, obwohl bei den anderen Kappen (insgesamt 8 Stück) diese Rissbildung nicht zu sehen ist. Wie von Christoph angemerkt handelt es sich bei dem vermeintlichen Querträger um ein Schwellholz, welches durch Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde.

@ Christoph
Ich werde morgen mal weitere Träger an den Rändern freilegen, da der Estrich eh raus soll. Die anderen Eisenträger schauen von unten fast so aus wie der auf Bild 7 und 8 gezeigte, deren Rost wird jedoch noch von Farbe bedeckt. Der Raum, es handelt sich um den Flur, ist zwar nur 1,5 m breit, dafür aber 8 m lang. Zudem zeigt Bild 2 und 3 das angrenzende Badezimmer unter dem sich die gesamte Heizungsanlage befindet :( Meine Frau macht sich schon große Sorgen bezüglich der Kosten, denn immerhin haben wir schon die ganze Wohnung saniert (neue Elektrik, Decken und Wände). Kannst du die Kosten für eine neue Decke, sagen wir mal 21 qm, grob angeben? Da es sich um einen Massivbau handelt, kann es dann ruhig eine Betondecke werden.

@ Robert Göbel
Tja, dass mit der Eigenleistung ist so eine Sache, es kommt aber ganz drauf an… Vorerst hoffe ich aber erstmal, dass die Decke noch zu retten ist.

@ Patrick
Bei der Feuchtigkeit handelt es sich wohl um aufsteigende Feuchtigkeit. Da die Kellerinnenwand keine Horizontalsperre besitzt und komplett mir Dichtschlämme/ Sperrputz "abgedichtet" war. Wir haben Mitte des Jahres eine Drainage um das Haus gezogen und ich habe den Sperrputz teilweise entfernt. Man kann richtig sehen wie die Wand schon „abgetrocknet „ist.

@ A. R. Thams
Danke für ermutigenden Worte und die Einschätzung, ich hoffe, dass die Standfestigkeit bzw. das weitere Vorgehen nun am Donnerstag von Sachverständigen geklärt wird. Es war bzw. ist wirklich nicht einfach Experten diesbezüglich im Raum Hannover zu finden (Martklücke!) Ich habe im Forum gesucht und auch allerhand rumtelefoniert bis ich letztendlich jemanden gefunden habe.

@ all
Mich wundert es, dass diese Kappe so hoch ist - mindestens 5-6cm höher als die anderen. Es scheint als wäre der Eisenträger „abgesackt“ und dadurch die Kappe "hochgedrückt".
Am Donnerstag wird erstmal ein Sachverständiger kommen und die Sache vor Ort begutachten.


Wie hat eigentlich das "Ende" einer Kappendecke auszusehen. Bei uns sieht es wie auf dem angehängten Foto aus. An dieser Stelle wurde eine gerade Betondecke (vorne im Bild) angefügt auf der das angebaute Treppenhaus ruht.



Sachverständige war da



Heute war der Sachverständiger da und sein Fazit:
"Raus damit!"
Ich werde jetzt wohl eine Hohlsteindecke in Eigenarbeit einziehen.

Vielen Dank allen für die Infos und Anregungen!