Staken-Decke vollflächig belastbar?

29.03.2008



Hallo,
wir haben in unserem 100-Jährigen im Dachgeschoss eine Staken-Decke (in Balken genutet), mit Strohlehm gefüllt, Balkenabstand im Bereich 50 cm, Höhendifferezen bis zu 4 cm. Darüber laufen ohne durchzukrachen kann man. Aber ist eine derartige Decke auch für einen neuen Aufbau vollflächig belastbar (z. B. Schüttung und dann weiterer Aufbau)? Oder sollte man eine neue Last nur auf die Balken verteilen (z.B. Rauspund oder Unterkontruktion).

Ich hoffe, die Leser wissen was eine Staken-Decke ist, denn im Forum habe ich den Begriff nur einmal gefunden...

Nach der Klärung der Belastbarkeit/Lastverteilung werde ich dann über den weiteren Aufbau nachdenken und dies hier natürlich zur Diskussion stellen.
Vorab danke für hilfreiche Tipps.



Belastbarkeit



Hallo Herr Grüning,
Als einfacher Mensch, der Staken sehr gut kennt, würde ich sagen : Belastbarkeit ist kein Problem.
Als Architekt sage ich aber: Lastabtragung erfolgt nur über die Deckenbalken, also erstmal eine " Scheibe" ausbilden. ZB OSB- Plattenauf die Deckenbalken ; darauf dann den Aufbau.
Schönen Sonntag



Lieber nicht



Ich würde die Lehm-Staken nicht zu sehr beanspruchen. Punktuell sich darauf stellen ist mir eigentlich zu riskant, ich hab da bei diversen Schadensbefunden und ungewollten "Einbrüchen" meine Erfahrungen gesammelt.
Prinzipiell würde ich vorschlagen die Balken oben aufzudoppeln mit z.B. 4x6-Hölzern (bzw. höher zum Ausgleichen), zwischen den Hölzern mit Estrich-Schüttung auszufüllen und darauf die von Herrn Göbel angesprochene Scheibe aus Holzplattenmaterial, N+F-Dielen bzw. Rauhspund in Diagonalverlegung auszubilden.
Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass die Decke das Mehrgewicht verträgt. Dazu sollten Sie Ihren Statiker oder Zimmermeister konsultieren.





Die Diagonalverlegung ist, was die Aussteifung angeht, sicher das Optimum, es reicht aber auch 25er OSB-Platte, die zweireihig auf jedem Balken vernagelt wird (100er Nägel).
Wenn Sie lieber Rauhspund nehmen wollen: auch gut, 2 Nägel pro Brett und Stoß.
Auf diesen Unterboden kann man nicht verzichten.
Die Traglast kann beliebig erhöht werden durch eine dickere Platte, z.B. Spanplatte 38 mm, l/300, Mehrfeldträger, Stützweite 500 mm: 4.500 kg/m !
Bei solchen Extremen ist dann der Balken darunter nachzuweisen.

Grüße vom Niederrhein





Bitte keine Stakendecke belasten!
Aufbau des neuen Fußbodens sollte immer über die Balkenlage abgeleitet werden.Wichtig bei Holzbalkendecken,zusätzliche Lasten müssen unterhalb der Decke aufgenommen werden können.
Wir haben gerade ein 400 Jahre altes Fachwerkhaus restauriert!
Zimmermeister u.staatl. gepr. Restaurator Klaus Springinsguth



und nun zum Aufbau



Schon mal 1000 Dank für die Antworten. Ich habe mir bereits gedacht, dass ich die zukünftige Last lieber abfangen sollte. Das Gutachten des Statikers drückt sich übrigens etwas komisch aus, und ich frage mich warum: zulässige Verkehrlast 200kg/qm als Dachspeicher, als Wohnraum 150kg/qm. Wieso denn als Wohnraum weniger wie als Dachspeicher? Aber dies nur nebenbei...

Der neue Aufbau ist ein (kleines?) Problem in zwei Punkten:
a) von der Höhe
b) von der Akustik

Das ist schon fast klassisch, oder? Also: die Aufbauhöhe OHNE zukünftige Massivholzdiele darf nur 6 cm sein.
Ich habe mal probeweise den Aufbau in Abwandlung von Herrn Leyh gemacht. Kanthölzer 6x4 quer auf die Balken (ins Wasser gebracht), Schüttung in die Hohlräume und die Dielen direkt aufgeschraubt. Von der Höhe ist das optimal, vom Aufwand her auch. ABER: Man hört nach unten jeden Ton Trittschall, subjektiv gefühlt sogar noch verstärkt. Die Lösung ist zumindest für uns absolut inakzeptabel!

Nach diversen Recherchen kristallisieren sich drei Ansätze heraus, die alle auf einer "Scheibe" aus OSB, Rauspund oder billigste Dielen aufbauen (dazu später mehr):
Variante a) Pavatherm-Floor-NK, dann Dielen
Variante b) Schüttung, Holzfaserdämmplatte, OSB, Dielen
Variante c) Schüttung, Fermacell-Trockenestrich mit Holzfaserdämmplatte auf Schüttungsseite, dann Dielen (sofern man Dielen überhaupt auf TE schrauben kann).

Womit habe ich nach den Kriterien Preis, Aufwand und Schallschutz den besten Kompromis?

Und nur zur "Scheibe", also die unterste Lage. Ich glaube, sogar in diesem Forum folgendes gelesen zu haben:
1. Rauspund hat zu viel Restfeuchte und sollte daher nicht sofort weiter überbaut werden
2. OSB-Platten haben vor drei, vier Jahren irgendeine Norm verloren, so dass nicht klar ist, welche Inhaltsstoffe nun drin sind. Das ist schlecht, wenn man versucht, möglichst viel ökoligisch zu bauen.
3. Deshalb wären die billigsten Vollholzdielen (B- oder C-Sortierung) das optimale Material.

Sollte die OSB-Überlegung stimmig sein, würde natürlich Aufbau-Variante B wegfallen!

So, das waren nun doch mehr Fragen und Anmerkungen, als ich geplant hatte. Aber schließlich macht man sich ja bei der eigenen Hütte und der eigenen Familie gründlich Gedanken...

Viele Grüße und guten Start in die neue Woche



Schallschutz



ist bei 6cm möglicher Aufbauhöhe eine eine Sache für sich. So richtig gute Werte sind da nicht zu erreichen. Da kann man nur in kleinem Rahmen kaschieren. Ihr Statiker sollte für Sie die möglichen Aufbauten schalltechnisch bewerten können.
Die Standsicherheit und Schadensfreiheit der vorh. Bauteile (Staken, etc.) hat aber meines Erachtens Vorrang vor dem Schallschutz.





Hallo Herr Grüning,

Es ist bei 6cm Aufbauhöhe nicht möglich über ausreichenden Schallschutz zu sprechen,der das auch noch erfüllen soll.Was ich Ihnen wegen der geringen Aufbauhöhe empfehlen würde, ist ein 1cm starker Holzfaserplattenstreifen auf der Balkenlage (lose verlegen),anschließend 3/8cm starke gehobelte Latten und Trockenschüttung zB.:Isofloc bis auf knapp unterhalb der OK-Lattung auffüllen.Darauf dann die Dielung nicht sichtbar zu verschrauben.Alles unter berücksichtigung der Abstände der Balkenlage und Lastaufnahme!

MfG Klaus Springinsguth



Umdenken



Hm, in meinem anderen Beitrag habe ich das Problem nochmal angegangen und Aufbauvorschläge diskutiert. In diesem Thread hier möchte ich auf den letzten Vorschlag nochmal eingehen: Einfach Dämmstreifen und dann Hölzer parallel auf die Dielung ist ja auf Grund der Höhenunterschiede nicht möglich! Das müßte also schon mit einer zweischichtigen Längs/Querlattung auf Dämmstreifen erfolgen, wobei ich mit der Querlattung nivelieren würde. Wenn ich auf 8 cm (statt 6cm) Aufbauhöhe gehe, sollte dies doch gehen. Mit besserer Dämmung dann sogar 2cm Dämmstreifen und 2x 3/5-Kanthölzer... (Die Kompromisse dazu sind auch in meinem anderen Beitrag genannt).

Was denken Sie darüber?