Schilfrohr-Decke / -Fussboden wie sanieren

23.07.2013


Hallo,

meine Partnerin und ich suchen uns gerade ein Haus.
Da sind wir nun auf eines gestoßen, in dem wohl die Decke vom EG zum OG erneuert werden soll (lt. dem Makler).
Durch ein Loch in der Decke konnte ich Schilfrohr sehen, nun habe ich aber keine Ahnung, wie (oder vielmehr ob) man so etwas sanieren kann.
Auf dem Boden im OG sollen verschiedene Beläge (Fliesen, Teppich, vllt. Kork) zum Einsatz kommen, je nach Raum.
Auch wenn wir noch nicht in dem Haus wohnen, ist es für uns wichtig zu wissen, was an Arbeit und Aufwendungen auf uns zu kommt, damit man sich für oder gegen das Haus entscheiden kann.
Das Haus ist aus den 60er Jahren, im Fussboden des EG liegen auch Dielen, diese liegen aber nicht auf Schilfrohr, sondern dort ist eine Betondecke zum Keller vorhanden.

Können Sie mir helfen, diese Arbeit einzuschätzen, bzw. uns überhaupt zu erklären ob so etwas zu sanieren ist?
Danke schon einmal im Voraus!



Kostenschätzung



Grundsätzlich - finde ich - ist es einfacher an einem alten unsanierten Haus die Kosten zu schätzen, da es früher kaum versteckte Hohlräume gab, in welchen sich Schimmel und Pilze unbemerkt ausbreiten können.
Ausnahme bietet hier die Holzbalkendecke und ein ggf. schon ausgebautes Dachgeschoss.
Vorsicht bei alten Fertighäusern in Holzständerbauweise!

Die Holzbalkendecke lässt sich kontrollieren, indem man die äußeren Dielen (am Außenmauerwerk) hochnimmt und mit der Taschenlampe und einem Holzfeuchtemeßgerät mal genau die Balkenköpfe (soweit sichtbar) inspiziert. Müssen Holzbalken ersetzt werden, wird es schnell teuer.

In der Regel, kann das Dach auch noch von unten begutachtet werden. Ist die Dachhaut dicht, finden sich selten Schädlinge im Holz. Wenn man mit Tapetenleim Papier auf eine verdächtige Holzstelle klebt, sieht man nach kurzer Zeit, ob noch Insekten aktiv sind (Löcher im Papier). Vorbeugend kann das Holz giftfrei mit Kaliwasserglas getränkt werden. Die Holzoberfläche "versteinert" und Insekten erkennen es nicht mehr als Holz und verschonen es. Sind Folien verbaut, können diese ggf. als Kondensationsebene für einen Feuchtestau und entsprechende Schäden sorgen.

Ein kleines Loch in der Schilfrohrdecke ist schnell mit Kalkputz (1Teil Kalkhydrat+3Teile Sand) verschlossen.

Sanierbar ist grundsätzlich fast alles, die Frage ist, wie viel man selbst machen kann und möchte und wie viel man in Hände von Fachleuten geben muss.
Selber machen kostet zwar mehr Zeit, spart nach eigenen Erfahrungen 50-70% der Kosten und man wächst mit seinen Aufgaben. ;-)

Gruss Sascha

PS:
Alte Häuser haben auf Grund massiver und dicker Außenwände oft einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz. So wird heute kaum noch gebaut. Warm bekommt man es im Winter sowieso.



RE: Kosteneinschätzung



Guten Morgen :)
Danke dir für deine Antwort!

Ich finde eine Holzdecke prinzipiell auch irgendwie sympathischer, keine Ahnung warum ;)

Unser Problem ist, wir sind noch ein wenig unbedarft. Jedenfalls was Hauskauf angeht.
Ich kann doch nicht in einem Haus, das mir nicht gehört die Dielen abschrauben um mir die Balken und Taschen anzuschauen, oder doch?

Der Makler hat nicht direkt gemeint, dass die Balken ersetzt werden müssen, sondern vielmehr, dass wenn man die Böden macht (also Dielen aufarbeitet, Kork verlegt, etc.), gleich das Schilfrohr rausholt und "richtig" dämmt.

Das Holz für das Dach schaut gut aus. Das DG ist noch nicht ausgebaut, daher konnte ich das glaube ich ganz gut einschätzen.

Die Decke (also vom EG zum OG) macht mir eigentlich keinen großen Kopf, jedenfalls nicht solange sie hält. Die kann auch grob so bleiben. Wird vllt gestrichen (muss man da etwas bei Kalkputz beachten?).
Vielmehr wissen wir nicht, wie man auf so einem Fussboden (jetzt vom OG aus) z.B. Fliesen verlegt? Wahrscheinlich nicht direkt auf die Dielen... :D

Entschuldige die vielen Fragen, eine Holzdecke ist irgendwie Neuland :)



Viele Fragezeichen.....



Hallo Marcel,

für mich liest sich Dein Beitrag so, als ob Du dringend jemanden mit echter Erfahrung mit zu dem Haus schleppen solltest :)
Das Haus ist ja nun nicht sooo alt , aber auch in solch einem Jung-Altbau lauern viele Fallstricke und für den Hausanfänger nicht erkennbare Probleme.
Mir fallen dort ein:
Dachboden noch unausgebaut soll aber jetzt zu Wohnraum werden. Da hast Du mit den Fragen von Nutzungsumwidmung, über Statik, Belichtung und Belüftung, Wärmebedarfsberechnung, Dämmung und Abdichtung bis hin zur EnEv schon viele Baustellen, bei denen ein Fachmann weiterhelfen sollte.
Dazu noch die altbautypischen Fragen nach: veralteter Elektrik, alten Wasserrohren, Heizung, wie sieht der Keller aus.....
Investiere hier lieber einige hundert Euro in einen guten und vor Allem unabhängigen und altbauerfahrenen Bauberater, der euch auch sagt, was in etwa an Kosten auf euch zukommt, dann noch mal einen Puffer von 20 % für Unwägbarkeiten dazu rechnen und dann erst nach einem Blick aufs Konto überlegen, ob das euer Traumhaus ist.
So manches Schnäppchenhaus hat sich hinterher leider schon als Geldvernichtungsmaschine erwiesen und seinen Besitzer an den Rand des Wahnsinns getrieben.
LG
anna



Ja, wirklich viele Fragezeichen



Hallo,

ja es sind wirklich viele Fragen.

Der Dachboden soll später mal ausgebaut werden, falls man doch mal über Nachwuchs nachdenkt. Erstmal soll der Dachboden "nur" gedämmt werden.

Eletrik wurde Ende der 90er komplett erneuert. Wasserrohre werden erneuert und die Heizung muss getauscht werden (ist von 1983; Gas-Heizung), dazu auch einige Heizkörper / Radiatoren.
Der Keller sieht gut aus, ist komplett geflieset, trocken und der Putz fällt nicht ab oder so.

Ist Bauberater der richtige Begriff? Genau so jemanden hatten wir auch in Betracht gezogen mal mit in das Haus zu nehmen.



FRag mal bei der Gemeinde nach einem Bausachverständigen



Hallo Marcel,

ich habe im Ende 2008 vor dem gleichen Problem gestanden, hatte aber ein Holzfeuchtemessgerät mitgenommen und mich auf meine "Nase" verlassen (muffiger Geruch, ect.) und muss sage: ich habe es bis heute nicht bereut :-) Allerdings hatte ich auch eine Portion Glück mit dabei. Sei immer Kritisch, dass schadet nie. Sind die Fenster in Feuchräumen offen, wenn ja, warum? Stehen großflächige Sachen, und sei es nur eine Holzplatte im Keller vor der Wand, guck dahinter, befindet sich dort Schimmel usw. Glaube dem Makler nicht alles, was er sagt. Die wollen nur Geld verdienen, denk daran. Auf deiner Seite sind die nicht! Das ist nicht böse gemeint, sondern leider Erfahrung. Ich habe nämlich hinter solch einer besagten Holzplatte damals Schimmel entdeckt.... Kniehoch....!!!

Wenn Du Dir da aber so unsicher bist, frag mal auf der zuständigen Gemeinde nach, ob Dir da ein Bausachverständiger an die Hand gegeben wird.
Ich bin damals in ein "Dorf" gezogen, wo viele alte Häuser stehen. Um die Leute wieder aufs Land zu holen und die Dörfer attraktiver zu machen, haben die dir dort einen Bausachverständigen für Denkmalschutz mit an die Hand gegeben, der mit dir zusammen das Haus besichtigt hat und dir eben auch ganz unparteiisch gesagt hat, was da auf dich zu kommt. Fragen kostet ja nichts :-) Ansonsten mach ein paar BIlder und poste sie hier mal. Auch hier kostet Fragen ja nichts :-)

Ich wünsche Dir viel Glück auf Deiner Suche.




Holz-Webinar Auszug


Zu den Webinaren