Decke: Balken freilegen

20.08.2008



Hallo zusammen,

ich bin zur Zeit dabei, eine Wohnung in einem fast 300 Jahre alten Haus zu renovieren. Bei der Suche nach Infos bin auf das Forum gestoßen und war gleich begeistert. Ich habe schon eine Menge gelesen und schon einige Ideen und Anregungen gefunden. Leider bin ich nicht gerade der Heimwerkerkönig und hoffe auf ein paar Tipps.

Beginnen möchte ich mit dem Schlafzimmer. Hier ist die Decke recht niedrig (gut 1,90m) und ziemlich bauchig. Das Zimmer war komplett tapeziert. In der Mitte des Raumes ist ein Trägerbalken. Der war auch verputzt und tapeziert.

Ich habe begonnen, den Balken freizulegen und schon mal eine ganze Menge Putz abgeschlagen. Ich möchte die Balken in der Decke auch freilegen. Ich habe mich an einer Stelle durchgearbeitet. Es kommt eine ziemlich dicke Schicht Lehm, dann Bretter (siehe Foto). Wie gehe ich jetzt am Besten vor?

Meine Ideen bis jetzt: Lehm raus bis zu den Brettern.

Dann das ganze mit Schilfmatten abhängen und verputzen.

Wie stellt man sicher, daß die Decke einigermaßen gerade wird? Kann man die Schilfmatten direkt auf den Brettern befestigen oder braucht es eine Lattenkonstruktion und/oder Dämmung (darüber ist noch ein Stockwerk)?

Welchen Putz verwendet man da? Kann ich das Laie selbst machen? Gibt es evtl. auch Streichputz für Decken?

Gibt es Alternativen zu Schilf und Putz?

Vielen Dank schon mal im Voraus.



Und nochmal die Decke von unten



Und nochmal die Decke von unten



Deckenputz



Gibt es irgendeinen Grund, weshalb Sie den Deckenputz abschlagen?
Schwingt die Decke?
Haben Sie schon mal eine Decke geputzt?

Viele Grüße



Decke



Hallo Christian!
Herzlich Willkommen hier!
Schön, dass du gleich Bilder mit eingestellt hast.
Bevor unsere Experten dir hier raten können, stelle ich mal Fragen, die mir so in den Kopf geschossen sind:
Du schreibst, dass du "DIE Balken IN der Decke AUCH freilegen" willst - heißt dass, dass du dazu die auf dem 2. Bild ersichtlichen Lagerhölzchen (sogenannter Fehlboden) auch noch herausnehmen willst?
Welcher Fußboden befindet sich im Zimmer oben drüber? Wie wird dieser Raum genutzt? Hast du vor, den Boden oben drüber drin zu lassen?

Viele Grüße
Silke



Decke



Hallo!

Ich stelle nochmal ein Bild zur Erläuterung ein.

Meine Idee war: 1 ist der Balken in der Mitte des Zimmers. Der soll frei bleiben und schön gestrichen werden. Ebenso die Balken 2. 3 ist der Fehlboden, richtig? Diese Lagerhölzchen sollen bleiben, hier dachte ich an Schilfmatten und Lehmputz. So daß am Ende 1 und 2 sichtbar sind, und die Zwischenräume (3) verputzt.

Den Lehmputz möchte ich entfernen, weil die Decke sehr bauchig und niedrig ist. Ich bin relativ groß und habe Mühe in dem Raum zu stehen. Durch das entfernen des putzes würde ich 5-10 cm gewinnen. Außerdem stelle ich mir vor, daß das sehr gut aussieht wenn die Balken gestrichen sind. Aber ich bin offen für andere Vorschläge.

Ich habe noch keine Decke verputzt, würde es aber versuchen. Wenn es zu schwierig ist, würde ich es aber auch machen lassen. Vorher würde ich gerne alles so gut wie es geht vorbereiten.

Darüber befindet sich auch ein Schlafzimmer. Wie der Boden hinter (3) aufgebaut ist weiß ich nicht. Es kommt jedoch an manchen Stellen Lehm oder Sand zum Vorschein. Der Boden darüber muß unbedingt drin bleiben. Ich kann nur von unten dran.

Viele Grüße,
Christian



Brandschutz



Hallo Christian,
Achtung, beachten sie die Brandschutzvorschriften nach der Hessischen Bauordnung:
Wenn sich über der Decke Aufenthaltsräume befinden, ist die Mindestanforderung F30 B ,bis zur Gebäudeklasse 3.
Bevor sie loslegen ,lassen sie sich beraten: Bauaufsichtsamt, Architekt, Bauingenieur, Nachweisberechtigte für Brandschutz.

Wenn die Decke " bauchig " ist , liegt das nicht am Verputz, sondern an der Durchbiegung der Deckenbalken, bzw des Unterzugs. Den "Fehlboden"(3) nennt man übrigens Stakung.

viele Grüße



Erst fragen, dann klopfen.



Wenn die Wohnung zuvor auch als Wohnung genutzt wurde würde sagen, dass die Maßnahme hier wohl eher noch im Bereich des Bestandsschutzes liegt. Ob hier der nach HBO geforderte Brandschutz greift denke ich eher nicht.

Hier wird bei genehmigungsfreien Vorhaben unterschieden zwischen aktivem und passivem Bestandsschutz - also des Änderns oder des Erhaltens eines status quo. Wo fängt das an und wo endet das ... Die Grenzen sind da einzelfallabhängig schwimmend. Den Denkmalschutz nicht vergessend. Bauaufsichtliche Auflagen wie Ertüchtigung und zweiter Rettungsweg sind ohne bemerkenswerte bauliche Veränderungen eher nicht die Regel.

Ein Wohnraum mit einer Höhe von 1,90 m ist nach §42 HBO auch etwa einen halben Meter zu niedrig und niemand kann so einfach eine Erhöhung fordern.

Bei einem Haus mit einem Baujahr um 1700 (ziemlich sicher Kulturdenkmal nach §2 HdSchG) würde ich aber schon mal beim Denkmalschutzamt nachfragen bevor ich irgendwo irgendwelchen Putz abnehme. Die Leute dort sind normalerweise umgänglicher und hilfsbereiter als man glaubt.
Ich hatte da schon mal drei Tage lang einen Gutachter im Haus - auf Landeskosten. Nur wenn man zum Beispiel an einer Kölner Decke rumfummelt ohne mit den guten Leuten darüber zu sprechen können die ernsthaft ungemütlich werden.

Die hintere Zimmerecke kommt mir irgendwie bekannt vor. Steht das Haus im Rheingau-Taunus-Kreis?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer