Nach 7,5 Jahren kam gestern der Lehmputz von der Decke herunter. Was bzw. wer hat schuld?

28.04.2005



Im Jahr 1998 haben wir unser EFH gebaut. Wir haben im ganzen Haus von einem "alternativen" Gipser Lehmputz auf Ziegelwände anbringen lassen. Wir haben eine Ziegeldecke auf diese wurde ebenfalls Lehmputz (mit Glasfaserammierung -großflächig sowie vorspritzen - Haftgrund?) aufgebracht. Gestern saß meine Tochter im Spielzimmer als sie ein Knacken,knirschen, krachen bemerkte. Ein Schutzengel hat Sie aus dem Zimmer rennen lassen. Die ganze Decke stürzte ein. Die Dicke des Lehmputzes in diesem Zimmer betrug ca,
15 mm. Das Material hatte der Gipser von einem Architekt der in der Gegend Lehmbauten errichtet und bei diesem hatte er auch ein Lehmseminar besucht und die Techniken erlernt.
Auf den Säcken war kein Name angegeben, das Material stammte nach den Angaben aus der Schweiz und voll ökologisch mit feinen Jutefasern. Der Feinputz wurde ebenfalls vom Gipser aufgebracht mit entsprechendem Material.
Gestrichen haben wir die Wände und die Decke in Eigenleistung mit einer Kaseingrundierung mit anschließender Marmormehlfarbe von der Fa.Kreidezeit.
In dem Zimmer hat der Gipser nochmals nacharbeiten müssen (nach der Trocknungszeit), da die Decke sehr krumm war.
Die freigelegte Ziegeldecke enthält kaum Lehmspuren, die trockenen Lehmteile zeigen den Abdruck der Ziegeldecke. Mann könnte meinen, die beiden Baustoffe sind nie eine Verbindung eingegangen.

Das Problem ist ca. 15 qm Decke liegen nun auf dem Boden. Im EG sind noch ca. 65 qm Lehmdeckputz vorhanden. Wir haben bereits die restlichen Decken abgeklopft. Im Wohnzimmer (Fläche 35 qm) klingen mehrere Stellen hohl.

Wer kann uns einen Rat geben?
Wir sind über jede Antwort dankbar. Beinahe habe ich mein
Zuversicht in Naturbaustoffe verloren und überlege nun ein Kunstharzputz aufgebracht werden soll.

Heidi Kern



Lehm haftet nur mechanisch



auf den meisten Untergründen.
Möglicherweise ist die Ziegeldecke zu glatt und hätte einen Putzträger gebraucht. Die anfängliche Haftung wird sich im Laufe der Zeit unter Temperatur - und Feuchteschwankungen verflüchtigt haben, irgendwann wurde das Gewicht der Decke zu gross.
Ich würde auf jeden Fall alles Dokumentieren und einen erfahrenen Lehmbauer und Sachverständigen befragen.



lehmdecke ursachen?



hallo
könnte man erfahren welcher Lehm von welcher Firma verwendet wurde?
ist mehrlagig gearbeitet worden?
Ich will nicht die Verputzerfirma wissen sondern den Grundmaterialproduzenten!
oder war der lehm selbstgemischt?
gibts ein foto davon - von der decke? jetztzustand - bauzustand
wann wurde geputzt (jahreszeit; bauumstände)
danke
und kopf hoch

Florian Kurz



Lehm und Ziegel



Hallo Frau Kern!
Ziegel ist nicht unbedingt der optimalste Untergrund für Lehmputz. Hier hätte man zumindest einen Putzträger anbringen sollen (z. B. Schilfrohrmatten). Glasfasergewebe ist in der Regel nur zur Armierung zwecks Vermeidung von Rissen gedacht. Die Schilfrohrmatten hätte man dann erst mit einem Lehm-Unterputz mit Stroh verputzt (1. Lage), danach je nach Oberfläche und Struktur Lehm-Oberputz grob und/oder fein als 2. und/oder 3. Lage verwendet.
Gewährleistungsfrist ist jetzt leider auch vorbei. Nach BGB ist die Frist 5 Jahre, nach VOB 2 bzw. 5 Jahre. In den seltensten Fällen wird eine Frist von 10 Jahren vereinbart.
Am besten die Schäden fotografieren. Vielleicht sollten Sie auch einen Fachmann kommen lassen. Der kann dann auch in den restlichen Räumen gleich checken was Sache ist (wenn im Wohnzimmer wohl auch schon hohle Stellen sind...)
Im übrigen empfehle ich in Sachen Lehmbau die Firma Claytec.
Nun hoffe ich für Sie nur das Beste und wünsche
Ihnen alles Gute! Viel Erfolg!

Gruß, Ariane Breitenbach
1850- historische & ökologische Baumaterialien



Deckenputz runter



Dachog. Nach Beschreibung des Schadenbildes, keine Verbindung Putzträger/Putz, ist zu schließen, daß der Deckenputz lediglich in einer Schicht aufgezogen war. Wäre der Putz zweilagig angeworfen, hätte sich die erste Lage in dem Putzgrund verkrallt. Nur mit der Kelle grob abgezogen wäre nach völliger Durchtrocknung dieses Unterputzes der Oberflächenputz aufgebracht worden. Es wird immer wieder der Fehler gemacht, den Putz in eins an die Wand und noch schlimmer an die Decke zu bringen. Bei den hohlklingenden Deckenpartien wird dasselbe Problem sein. Wohl oder übel müssen die übrigen Partien ebenfalls abgeschlagen werden. Dieses Material ist zur Wiederverwendung zu lagern. Den Unterschied der zwei Begriffe aufziehen und anwerfen sollte man nicht nur in der Schreibweise sehen. Mfg ut de ole Mark.



Ist das dann nicht,



hallo miteinander,
ein verdeckter Mangel? Dann wäre das mit der Gewährleistungszeit egal.
Grüße Lukas



Ist nicht egal,



siehe hier: www./ra.franzke.de/newsletter/news-09-03-04.html



Hallo Baufuchs



der Link funzt nicht. Bin ich nur wieder zu doof? :-)
Gruß Lukas



Stimmt,



funzt nicht.
Inhalt: Den Begriff des versteckten Mangels kennen die Juristen nicht. Ansprüche nach Ablauf der Gewährleistungszeit können nur geltend gemacht werden, wenn sog. "Organisationsverschulden" oder "Arglist" des Ausführenden vorliegt. Beides ist äußerst schweirig zu beweisen.



Hallo,



ich persönlich halte eine Ziegeldecke wie auch Hohllochziegen im Wandbereich für einen sehr guten Untergrund für einen Lehmputz. Die Befestigung eines z.B. Schilfrohrputzträger halte ich für ziehmlich schwer. Ich persönlich foge eher der Idee des ungeeigneten Material oder Verarbeitung. Die Gründe des Schadens könnten z.B. im Auftrag einer zu trockenen Mischung liegen, oder der Putz war zu mager (mangelden Bindigkeit), oder wie schon gesagt im einlagigen Aufbau. Viele Grüße Gerd Meurer



Drum würd ich sagen:



Beweissicherung. Vom Lehm an sich hab ich nicht die Ahnung. Aber ich glaub der ist schwer und wenn da kein Putzträger drin war, dann seh ich da zumindest Leichtsinn oder mangelndes Fachwissen, um nicht gleich Arglist zu unterstellen.
Vermutung: (die Fachleute mögen mich berichtigen) der Lehm verhält sich anders, als die Ziegeldecke und dadurch kommt es zum Abriß. Davon abgesehen kann man auch bei der Grundierung (nicht ausreichend verdünnt) Fehler machen. Ich weis nichtmal, ob bei Lehm überhaupt grundiert werden muß.:-) Aber sicher weis ich, daß wenn zu stark (unverdünnt) grundiert wird, das eigentlich schon wieder eine Trennschicht ist.
Grüße Lukas





Vielen Dank für Eure hilfreichen Anmerkungen.
Heute Abend war der Gipser da. Das Material hatte er von einen mittlerweile insolventen Naturbaustoffhändler, der wiederum von einem Architekten in unserer Gegend, der hier mit Lehmbau und Feng Shui wirbt.
Seine Firma für Naturbaumaterialien existiert angeblich nicht mehr.
Das Material stammt von Villingen (Schwarzwald), eine technische Beschreibung bzw. genaue Bezeichnung will er heraussuchen. (??) - Auf den weißen Säcken war keine Firmenangabe! -
Der Architekt war 2 mal bei der Verarbeitung im Haus und hat auch das mit dem Glasfasergewebe gesagt und Fotos von der Verarbeitung gemacht.
Laut seinen Angaben hat er erst vor kurzem einen Lehmputz (ca. 12 mm auf eine Betondecke ohne Probleme angebracht)
Der Gipser hat auf jeden Fall vorgespritzt (selbst gesehen)
und zwei Lagen aufgebracht (maschinell).
Für Ihn steht ebenso fest, daß keine Haftung zw. Ziegel u. Lehm vorhanden war. Er würde nie wieder Lehm auf eine Decke auftragen. Im Gegensatz dazu ist der verkaufende Architekt nach wie vor überzeugt und geht von einem Verarbeitungsfehler aus, hat jedoch bereits telefonisch jegliche Haftung ausgeschlossen. Er ist aber bereit sich die Bescherung aus informativen Gründen anzuschauen.

Der Gipser verweist auf die abgelaufene Gewährleistungspflicht. Was er jedoch auch sieht ist die Gefahr die auch für andere besteht, die ebenfalls Lehm für die Decke verwenden. Ich habe bereits gedacht in Fachzeitschriften auf dieses Problem und seine Verursacher (Material + werbender Architekt) hinzuweisen.
Wer kann mir entsprechende Adressen und Hinweise geben?

Vielen Dank Heidi



Nonsens!



Bei richtiger Vor-Ort-Betreuung ist jeder Zeit ein Lehmputz an Denken möglich!
Wer Gegenteiliges behauptet, sollte sich mit Technologien und den spezifischen Lehmbaustoffen beschäftigen.
Lehmputz gespritzt und anschließend oberflächenbearbeitet, ist kein Problem und auch kein Thema.
Sprechen Sie uns an, dann finden wir Ihre spezifische Lösung.

Grüße aus der Oberlausitz von Udo und Jens.