rissige Decke mit Gipsfaserplatten verkleiden

29.10.2011



Hallo zusammen,

ich bin gerade beim Renovieren einer Wohnung in einem Gründerzeithaus (1912); Der Deckenaufbau: Holzbalken, Schalung, Schilf als Putzträger, Putz

Die Decken haben alle ein paar Haarrisse, die vermutlich auch nicht wegzubkommen sein werden. Zudem habe ich eine Zwischenwand entfernt, hier müsste auch der Deckenputz ausgebessert werden.

Jetz hab ich überlegt ob es nicht einfacher wäre die ganze Decke mit 10mm Fermacellplatten zu beplanken. Die Platten könnte man einfach durch den alten Putz mit der Holzschalung verschrauben, und dazwischen wäre auch noch eine Dampfsperre möglich.

Gute Idee?

Danke,
Christian



viel



zu viel Aufwand !

mit Kalkputz oder Kalkglätte Fehlstellen ausbessern und rissdeckende Farbe (alte vorher runter) drauf. Haarrisse dürften dann nicht mehr zu sehen sein. Abgesehen davon - es könnte auch zu Rissen zwischen Platten kommen - was dann ??



Deckenbekleidung



Das wäre auch meine bevorzugte Variante. Nur wenn das nicht gehen sollte, dann wäre ene abgehängte Decke die zweite Lösung, aber nicht nach ihren Vorstellungen. Die Platten direkt an die Sparschalung zu verschrauben ist nicht zulässig bzw. grober Pfusch. Ich halte es ohnehin für nicht praktikabel. Die Deckenplatten werden an ein Traggerüst geschraubt, das an die Decke gehängt wird.
Bei einer Decke zwischen Wohnungen ist keine Dampfsperre erforderlich.

Viele Grüße



Danke



für die Antworten.

Die Alternative ohne Platten sah für mich so aus:

Decke komplett abscheren (alte Farbe runter), Risse aufweiten, armieren und Rissspachtel, Decke schleifen, Fehlstellen mit neuem Putzträger neu aufbauen.

Ob das weniger Aufwand ist? Rissfüllende Farbe? Können sie ein Beispiel nennen? Ich bin skeptisch, ob Wundermittel Schwingungsrisse dauerhaft heilen...

Zur Dampfsperre: Es ist die oberste Geschossdecke, darüber ein Kaltdach mit Blechdeckung.

Direkt verschraubte Platten grober Pfusch- könne Sie das näher begründen? Knauf z.B. gibt diese Variante so in ihrer Systemanleitung an (Seite 25ff) http://www.knauf.ch/files/produkts/13_D15.pdf

Ein abgehängte Decke wäre mir wirklich zuviel Aufwand. Nachteil ist auch Raumhöhne verlust und der entfall der altbautypischen Hohlkehlen zwischen Decke und Wand.

LG
Christian



Schrauben



in die Lattung funktioniert meiner Erfahrung nach einfach nicht zuverlässig, bei mir halten nicht einmal die sehr leichten auf diese Art befestigten Ikea-Vorhänge richtig. Außerdem erfordert es enorme Fertigkeiten, solche Platten so zu spachteln, dass man bei seitlichem Lichteinfall nicht mehr jeden Stoß sieht. Auch bei Profis... in meiner Schulzeit habe ich so manche fade Stunde damit verbracht, die dick auftragenden Fugen der Gipskartondecke in der Klasse zu verfolgen.

Ich persönlich würde mit den Haarrissen schlicht leben. Breitere Risse weite ich auf und schließe sie mit Baugips (hier im Haus sind die Decken (original von 1914) mit Gipskalkputz verputzt, da finde ich das vertretbar und es hält weit besser als alle früheren Reparaturversuche, z.B. mit Spachtelmasse und Armierungsstreifen).

Mein Onkel, der etwas perfektionistischer veranlagt ist, spachtelt die komplette Decke mit Gipsspachtelmasse, legt auf die frische Schicht flächig Glasfasergewebe und spachtelt dann noch einmal. So wird es mit ziemlicher Sicherheit rissfrei.

10mm Fermacell täten den Hohlkehlen im Übrigen optisch auch nicht sonderlich gut und es wäre ein ziemlicher Aufwand, die entstehende Stufe halbwegs passend beizuspachteln (hatte teilweise eine ähnliche Situation, weil sich die durchhängende Decke stellenweise mit langen Rissen von der Wand gelöst hat, klafft bis zu 10mm auf). Sieht man zwar von unten nicht mehr unbedingt, aber es war eine extrem lästige Arbeit.



Decke verkleiden



Bei dem im Datenblatt von Knauf dargestellten System handelt es sich um eine voll verschalte Decke, also ein anderer Deckenaufbau (Seite 5). Bei Ihnen sind gespaltene Bretter oder Leisten als eine Art Sparschalung mit ca. 5 cm Zwischenraum angenagelt, darauf Schilfmatten und Putz.
1. Problem:
Solche Decken sind nicht eben- daher auch die Risse. Die Plattenstöße versetzen sich, die Stöße reißen später.
2. Problem:
Die Balken müssen erst mal gefunden und dann beim Schrauben getroffen werden.
3. Problem:
Beim Schrauben in den Zwischenräumen trifft man oft bei Sparschalung statt Holz Hohlräume. Das mutiert dann zur Schrauberorgie. Bei jedem Schraubvorgang löst sich Putz.
4. Problem:
Die Balkenlagen entsprechen normalerweise nicht den Systemmaßen der Platten, das bedeutet Verschnitt.
5. Problem
Wenn der Putz marode ist dann gibt das ein einziges Geriesele, Teile können beim Schrauben, schon beim Ansetzen abbrechen und liegen dann zwischen Platte und Decke. Das gibt Unebenheiten, Platten brechen usw.

Deshalb hat der Sanitätsgefreite Neumann nicht nur die Hosenträger, sondern auch Abhänger erfunden- siehe in die zitierte Unterlage.
Damit erspart man sich eine Menge Ärger und Arbeit.
Das mit dem Aufarbeiten sehe ich übrigens auch so.
Ein paar tote Risse lassen sich nach dem Abwaschen mit Gips verspachteln.
Wenn der ganze Putz hinüber ist, dann halte ich auch eine vollflächige Bewehrung mit Spachtellage für fragwürdig, sowohl vom Aufwand als auch vom Ergebnis her.

Viele Grüße



Wie gesagt,



ich fülle größere Risse aus und welche mit unter 1mm Breite verbuche ich unter Charme eines alten Hauses. Wie oft schaut denn jemand senkrecht nach oben und studiert die Decke ganz genau?

5cm-Spalten sind mir übrigens in Wien noch nie untergekommen, aber die üblichen 2 genügen auch schon für viel Spaß beim Schrauben. Abgesehen davon sind Leisten aus 15mm billigster Fichte auch nicht unbedingt die stabilste Grundlage für die Befestigung schwerer Gegenstände.

Allerdings würde ich ja als oberste Geschossdecke in einem österreichischen Gründerzeitbau eine Dippelbaumdecke vermuten - Tramdecken gab es zwar, zum Beispiel hier im Haus, aber selten, normalerweise nur in den unteren Stockwerken.



Gipsfaserplatten



ok, die Plattenvariante ist glaub ich doch nicht so gut.

Die Spalten zwischen den Schalungsbrettern ist 0,5-1cm Hier ein paar Bilder, damit wir wissen wovon wir reden.

http://www.bilder-hochladen.net/files/big/4h7g-ag-5ef6.jpg
http://www.bilder-hochladen.net/files/big/4h7g-ah-0504.jpg
http://www.bilder-hochladen.net/files/big/4h7g-ai-cf00.jpg

Risssanierung mit Vliestapete bzw Glasfasergewebe habe ich auch schon überlegt. Da werd ich mal mit dem Maler reden

Grüsse
Christian





"in einem österreichischen Gründerzeitbau eine Dippelbaumdecke vermuten"

was ist das?

Der Deckenaufbau bei mir ist (von unten nach oben):

Putz, Schilf, Schalung, 25cm Tram, Schalung, Schutt, Estrich

Das Haus hat 4 Geschosse und steht in Salzburg

LG
Christian



Nach dem Entfernen...



...der alten Farbschichten und dem Spachteln der Risse kann vollflächig ein Vlies aufgebracht werden, dann haben Sie eine homogene Decke.

Grüße

Thomas



Öh...



und der Rest von der alten Gipsdielenwand schwebt da jetzt einfach frei in der Luft???

Eine Dippelbaumdecke besteht aus massiven Balken, die oben rund bleiben und dicht an dicht liegend miteinander verdübelt werden. An die glatte Unterseite kommt traditionell Schilf und Putz, oben Schüttung und ein Bodenbelag (am Dachboden meistens Ziegel).
http://www.europerl.com/uploads/pics/zwg_dippelbaumdecke.jpg



Dippelbaumdecke



hab ich definitiv nicht. Tramabstand ist 60cm.

Die Zwischenwand besteht aus Hohlziegeln, die mit schwarzem Schlackenmaterial gefüllt sind. Entweder ich hau den Rest auch noch runter, oder ich lasse es so. Beidseitig von der ehemaligen Wand liegt in 5cm Abstand parallel ein Tram. Den Hohlraum ausschäumen und unten Sperrholz draufgenagelt. Pfusch?



Also



begeistert wäre ich von der Vorstellung, die nur von Bauschaum und etwas Holz gehaltenen Mauerreste über dem Kopf zu haben...



Hat sich eh erledigt



weil der Rest der Mauer von selbst runtergekommen ist, als ich sie auf der ganzen Länge abgebrochen habe