Decke abhängen

19.08.2010



Hallo,
ich bin gerade dabei unser zukünftiges Wohnzimmer auszubauen. Nun ist es so, dass die Deckenhöhe an der Aussenwand ca. 30 cm höher ist als in der Zimmermitte. Ich möchte die Deckenhöhe auf ein einigermaßen gleiches Niveau bringen und muß dazu die Decke abhängen. Jetzt stellt sich mir die Frage mit was ? Es gibt ja unzählige Möglichkeiten. Sollte ich den entstehenden Hohlraum dämmen ? Das Zimmer befindet sich im Erdgeschoß und oben drüber ist das Schlafzimmer. Die Decke ist eine Fachwerkbalkendecke mit Lehmausfachung. Das Zimmer wird komplett mit Lehm verputzt.

Gruß Uwe





Hallo,

am einfachsten sind Systemdecken, z.B. von Knauf. Holen Sie einen Mann dazu, der Ihnen zeigen kann wie es geht.
Dämmung ist überflüssig.

Grüße





Hallo Uwe,

bevor solch eine Decke "begradigt" wird solltest Du doch noch mal darüber nachdenken, ob es für die Durchbiegung von 30 cm eine Ursache gibt:

30 cm kann schon eine Menge sein – je nach Raumgröße. Interessant wäre:
- Wie groß ist der Raum?
- Biegt sich alles zentral aus allen Richtungen zur Mitte hin oder nur in Balkenrichtung?
- Wurde umgebaut, waren es mal zwei Räume ... ?
- Wurden über dem Raum Umbauten getätigt, Wände gestellt oder ggf. entfernt?
- Wie wird der Raum darüber genutzt, gibt es besondere Lasten?
- Schwingt der Boden beim Gehen?
- Gab es einen Feuchteschaden?
- Handelt es sich um ein Fachwerkgebäude oder bereichsweise um einen Mauerwerksbau mit Holzbalkendecke?
- Bilder, Bilder

Nur über die Raumgröße lässt sich eine Aussage über ein durchführbares System treffen, bei einer schwingenden Decke beispielsweise würde eine abgehängte GK-Decke bald reißen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



So eine Decke haben wir auch.



Hallo Uwe,

unsere Decke hing allerdings nur 12cm durch. Das kam wohl durch die jahrelange Lagerung von Frucht und Weizen auf dem mit Estrich bedeckten Dachboden. Die Deckenbalken aus Nadelholz (überwiegend Kiefer) haben sich durchgebogen. Wir haben den Estrich entfernt und die Balken ertüchtigt. Raumseitig haben wir zuerst die alte Lehmdecke gereinigt (losen Putz entfernen, alles absanden und losen Dreck mit Druckluft rausblasen) und dann eine 25mm starke und 18cm breite sägerauhe Schalung aus Fichte unter die Deckenbalken geschraubt (mit Spax 4,5 x 60). An den Rändern habe ich Latten 40x60 so an die Wand geschraubt, dass die Decke einigermaßen gerade ist. Wir hatten nicht den Anspruch alles waagerecht zu machen. Das muss bei einem alten Haus auch nicht sein. Den dadurch entstandenen Hohlraum habe ich mit Holzweichfaser (Steico Flex) ausgedämmt. Bei uns ist es eine Decke zum Dach und da kann ein bisschen zusätzliche Dämmung nicht schaden. Auf die sägerauhe Schalung habe ich flächendeckend 70-stängeliges Schilfrohr getackert (mit Drucklufttacker und 25mm Klammern). Das ganze dann mit Lehmschlämme streichen. Darauf dann zuerst ein grober Lehmputz. Wir haben dazu den alten ausgebauten Lehm aus dem ganzen Haus verwendet (eingesumpft und mit ordentlich Mauersand abgemagert). Darauf kommt jetzt eine Schicht neuer gekaufter Unterputz mit Stroh. In diese wird ein Gewebe eingearbeitet. Darauf dann noch eine Schicht Feinputz, den man farbig pigmentieren oder später Streichen kann.

Im Hohlraum kann man super gut die Kabel für Deckenlampen, Schalter, Lautsprecher u.ä. verstecken. In der Schalung halten Schrauben für Lampen o.ä. prima.

Die Konstruktion ist sehr einfach, preiswert und gut zum Selbermachen geeignet. Kostet halt schon ein bisschen Zeit. Hochwertiger und schneller ginge es auch mit Lehmbauplatten. Die waren mir aber zu teuer.

Zu bedenken gebe ich noch folgendes: 1) Wie Christoph schon geschrieben hat, solltest Du zuerst Deine Decke überprüfen, ggf. von einem Zimmermann und/oder Statiker mal anschauen lassen. 30cm sind schon ein Haufen Holz. Dafür muss es einen Grund geben. 2) Wir haben bei uns über der Schalung noch eine "Angstfolie" verbaut (Proclima Intello) und rundherum eingeputzt. Dazu hat mir ein Bauphysiker geraten. Damit soll verhindert werden, dass die bei uns auf der obersten Geschossdecke noch einzubauende Dämmung (24cm Zellulose) unter ungünstigen Bedingungen durch warme Raumluft durchfeuchtet wird. Wir haben aber auch alles mit Lehm verputzt und haben ein volles Lehmfachwerk. Das speichert an sich schon viel Feuchtigkeit. 3) Wenn Du auch alles mit Lehm machen willst, rate ich Dir von GK oder Fermacell ab. Das passt nicht so gut zusammen. Hier käme es auch stark auf Deinen schon vorhandenen Deckenaufbau an.

Viele Grüße vom Nachtgespenst



Danke erstmal



Erstmal schönen Dank für die Antworten !
Unser Haus ist ein Fachwerkhaus mit Starken und Lehmausfachung und gut 200 Jahre alt. In Sachen Lehm bin ich nicht ganz unbedarft. Ich habe bereits einige Gefache mit Lehm neu aufgebaut und auch bereits einiges mit Lehm verputzt. Dabei bevorzuge ich den alten abgeschlagenen Lehm und mische mir den neuen Putz selbst an, den ich von einer Ziegelei bezogen habe.
Das Haus ist an einer Aussenseite auf der Kirchmauer aufgebaut. Von dieser neigen sich die Deckenbalken in Längsrichtung zur Mitte hin. Das liegt daran, dass im Innenbereich vor diese Bruchsteinmauer eine 6er Bimssteinwand gemauert wurde und sich Feuchtigkeit im Hohlraum zwischen beiden Wänden gebildet hat. Diese Feuchtigkeit ist dann auch in eine Innenwand gezogen und die Ständerbalken waren alle im unteren Bereich verfault. Mittlerweile sind diese Schäden alle behoben und es geht nur noch um das Abhängen der Decke. In unserer Gegend war es früher so üblich, dass Decken mit einer Spalierlattung abgehängt wurden und das werde ich wohl auch wieder so machen.
Nochmals schönen Dank für die Antworten.

Gruß Uwe