Kappendecke "auffrischen" - Material / Art & Weise

12.02.2009 Erik


Hallo liebe Forummitglieder!
Ein Teil unserer Kappendecke ist nun saniert bzw. ausgetauscht (siehe Thread 104312). Nun geht es an die anderen Räume und ich frage mich, ob ich den Kappen sowie den Trägern noch etwas Gutes tun kann. Drei Räume sollen wieder Dielen bekommen, in der Küche sowie im Bad sollen Fliesen verlegt werden.

Auf der Kappe war eine Art Zementschlämme (?) aufgebracht, diese ist nicht mehr vollflächig vorhanden, ich hoffe man kann den Zustand auf dem Foto erkennen.
Die Träge wollte ich etwas entrosten und dann mit Rostschutz behandeln, die Steinschicht könnte ich mit einer neue Schlämme überziehen. Primär geht es mir um die richtige Materialwahl bezüglich des Rostschutz sowie der Schlämme.

Weiterhin überlege ich die Gewölbezwickel mit Quellvergussmörtel auszugießen - bin mir aber nicht sicher, ob dies dem Prinzip der Kappendecke widerspricht. Ich habe nur gesehen, dass diese stellenweise mit "Mörtel" aufgefüllt waren und daraus geschlossen, dass es vielleicht nicht verkehrt sein könnte dem Ganzen einen festen Halt zu geben. Über Hinweise hierzu würde ich mich freuen.



Vielen Dank,
Erik



Kappendecke



Diese Art Flachgewölbe muß nicht nur im Zwickelbereich mit einem Betonverguß versehen werden.

Mein Vorschlag (Falls Ihr Statiker keinen hat):
Vergessen Sie Quellmörtel.
Befreien Sie die Träger am Obergurt von losem! Rost, keine Anstriche aufbringen!
Schließen Sie die Fugen zwischen Ziegel und Träger mit Zementmörtel, dabei sorgfältig alle Ritzen ausfüllen.
Bringen Sie einen Ausgleichsbeton C 25/30 Körnung 0/8 als Zwickel- bzw. Aufbeton bis auf Höhe von min. 2 cm über Gewölberücken ein.
Vorher die Oberseite der Ziegel gründlich von losem Staub u.ä, befreien und gründlich vornässen.
Auf gute Verdichtung achten.
Bei Dielung erfolgt der Einbau der Lagerhölzer über den Drittelpunkten der Spannweite.
Bei Fliesenboden Einbau eines Zementestrichs grün in Grün auf den Zwickelbeton.
Untergurte entrosten und mit Rostschutz behandeln.
Wärmedämmung bei Fliesenbelag bitte auf der Unterseite der Decke anordnen.
Ansonsten: Der Einbauvorschlag des Statikers hat Vorrang!

Viele Grüße



mit Estrich sah die Kappe vorher so aus:



@ Georg Böttcher

Vielen Dank für die schnelle Antwort und Infos!
Für die Bereiche, in denen später Fliesen liegen sollen, sprich Küche, Flur und Bad hat der Statiker in Richtung Trockenestrich tendiert. Dies wohl vor allem aus dem Grund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Aufbauhöhe.
Wir sind leider bei der Planung davon ausgegangen, dass vom höchsten Punkt der Kappe bis zum endgültigen Fußbodenniveau 6-7 cm zur Verfügung stünden. Bei den Seitenkappen, und nur diese hatten wir bei der Planung freigelegt, passt diese Angabe. Leider sind die mittleren Kappen viel höher (schön zu erkennen auf dem ersten Foto im vorderen Bereich der mittleren Kappe), so dass dort nur ca. 1,5 cm Luft zum Fußbodenniveau bleibt.
Die Idee war jetzt mit einer gebundenen Schüttung zu arbeiten und an diese mittlere Kappe von beiden Seiten mit Estrichelementen "heranzustoßen". Der dadurch entstehende Zwischenraum von ca. 2-3 cm sollte dann mit einer flexiblen Masse (ich habe noch keine Idee welche) ausgeglichen werden. Auf die beiden Estrichelemente sowie der dazwischenliegenden Masse sollte dann vor dem Fliesen eine Entkopplungsmatte z.B. Ditra im gesamten Raum gelegt werden. Ich hoffe, dass ich mich einigermaßen verständlich ausgedrückt habe.

Ich bin nicht auf Fertigestrich festgelegt, er wurde nur aufgrund der geringen Höhe und unter Beachtung eines geringeren Gewichtes angedacht. Im Thread (Dämmung über Preußischer Kappendecke) wurde folgende Aussage gemacht: "... auf eine Kappe kein Beton (Estrich) das statische System hält das nicht aus." Diese Aussage hatte ich im Hinterkopf, als ich mit dem Statiker / Sachverständiger durch die Wohnung ging.
Vielleicht gibt es eine sinnvollere Lösung.

Der "ursprüngliche" Estrich war einfach auf die mit Schlacke bedeckte Kappendecke gegossen worden (siehe Foto). Er war natürlich alles andere als eben und wurde ohne Randdämmstreifen eingebracht - ließ sich jedoch dank der Schlacke relativ leicht entfernen.

Mir ist klar, dass durch den C 25/30 Ausgleichsbeton von der Oberseite keine Feuchtigkeit mehr an den Träger gelangen dürfte. Gibt es einen Grund, warum Sie empfehlen keinen Rostschutz auf die Obergurte zu bringen?

Gern würde ich auch einen Experten vor Ort fragen, allerdings hatte ich bis jetzt nur "Experten" mit gefährlichem Halbwissen im Bau.



Kappendecke



Ich muß für diese Decke nicht den Kopf hinhalten, wohl aber Ihr Statiker.
Soll er Ihnen einen detaillierten Aufbau mit Materialangaben geben, dann bauen Sie es so.

Nach meinem Kenntnisstand wurden solche flachen 7 cm dicken Kappen nach dem Krieg als Fertigteile mit Transportbewehrung verlegt und dienten als verlorene Schalung für einen Betonverguß.
Man konnte Sie auch auf einer Schalung mauern.
Der Gewölbestich (Erhöhung) lag bei 1/10 der Spannweite, die Mindestdicke der Kappe bei 10 cm, daher die min. 2 cm Beton über der Kappe.
Ihre Kappe hat nur 7 cm.

Weiterhin wurden solche flachen Kappen als nicht belastbare Ausmauerung verwandt.
Die Last wurde über Holzbalken und Dielung abgetragen, die auf den Stahlträgern auflag.
Die Kappe selbst trug keine Last.
So ein System war wohl bei Ihnen vorher eingebaut.
Wenn Sie auf den Aufbeton verzichten wollen, dann muß zumindest Zwickelbeton eingebaut werden und die Belastung über Lagerhölzer über den Trägern bzw. bis max. in die Drittelpunkte erfolgen.
Die unverstärkte Kappe im Gewölbescheitel sollte keinen Lasteintrag erhalten.
Wenn Ihr Statiker das nachlesen möchte, empfehle ich ihm:
"Typische Baukonstruktionen von 1860 bis 1960", Band II, Ahnert/Krause vom Verlag Bauwesen.

Zum Rostschutz:
Der beste Rostschutz ist gut verdichteter Zementmörtel auf dem Stahl.
Etwas Anlaufrost schadet nicht.
Es bildet sich eine Passivierungsschicht, die den Stahl vor Korrosion schützt.
Oder haben Sie schon mal gesehen, das beim Betonieren (außer im Außenbereich bei Salzangriff) vorher die Bewehrung mit Rostschutz eingepinselt wurde?

Viele Grüße



bei den Dielen schaut die Kappe so aus:



Anbei ein Foto des Fußbodenaufbaus in den Räumen mit Dielen.
Die 8x10er Lagerhölzer liegen im Abstand von einem Meter (Mitte - Mitte) auf den Eisenträgern. Auf der eigentlichen Kappe liegen ca. 2-3 cm Schlacke (?).

Dieses Aufbauprinzip wollte ich eigentlich beibehalten, da mir in einem anderen Thread (Dämmung über Preußischen Kappendecke) von einer Kreuzlattung abgeraten wurde: "Verzichten Sie auf die Kreuzlattung. Einfache Lagerhölzer in passender Höhe über den Trägern sind stabiler."
Auf die Lagerhölzer sollen dann später 35mm starke Kiefer Landhausdielen geschraubt werden.



Infos



Einige allgemeine Infos zum Haus, um die Sachlage besser einordnen zu können:
- Gebäude von 1909
- unbeheizter „Lagerkeller“, ca. 1/3 oberirdisch mit ca. 10-12° C

Anbei ein Bild was beim Entfernen der Kappendecke im Flur entstand - die Kappen waren trotz sehr angegriffener Eisenträger (Mittelsteg war am Auflager nicht mehr vorhanden) noch stabil und der Anfang musste mit einem Stemmhammer gemacht werden.

@ Georg Böttcher
Das mit dem Rostschutz leuchtet ein - wo keine Luft/Wasser dran kommt... Muss der Zementmörtel hierzu nicht speziell beschaffen sein, wie z.B. der C 25/30 Beton.

Unser Statiker ist übrigens ein Sachverständiger mit Bauing. Studium und diversen Fortbildungen. Er war hier um die Tragfähigkeit der Kappendecke bzw. der Eisenträger im Flur zu begutachten, da meine Frau die Decke aus finanziellen Gründen eigentlich nicht austauschen wollte. Ich hatte ihm meine Ideen bezüglich des Trockenestrichs erläutert und er hat gesagt, dass es so in Ordnung sei.
Ich hatte seine Adresse übrigens dank Ihres Tipps aus dem: "Kappendecke - Sanierung erforderlich? Fachmann im Raum Hannover?" Thread direkt von der Handwerkskammer.

Bei den Räumen, die mit Dielen ausgestattet werden sollte meine Vorgehensweise in Ordnung sein, oder? Sie raten ja dazu, das ursprünglichen System zu "verbessern" und zumindest die ca. 4 cm zwischen Ziegel und Träger mit Zementmörtel aufzufüllen. Natürlich könnte ich dann wie Sie beschrieben haben, gleich noch etwas Höher auffüllen und meine Lagerhölzer dann auf den Beton legen.

Probleme habe ich noch mit den Räumen die mit Fliesen ausgestattet werden sollen. An der höchsten Stelle (Mitte der mittleren Kappe) bleiben mir wie bereits erwähnt nur ca. 1,5 cm bis zum endgültigen Fußbodenniveau. Das reicht gerade mal für eine Entkopplungsmatte sowie die Fliesen mit Kleber. Bei den anderen Kappen habe ich genügend Platz. Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Last besser auf der Fläche verteilt, wenn ich mit gebundener Schüttung und Trockenestrichelementen arbeite.


Vielen Dank für die Mühe!



schade



Hallo!
Leider scheint der Thread zwar aktiv gelesen, aber nicht kommentiert zu werden. Ich danke Herrn Böttcher und versuche mein Glück nun mit einem neuen Thread, in dem ich die Probleme kleinschrittiger erläutern werde.



Kappendecke



Hallo Erik,
so eine Gewölbekappe trägt mehr als man denkt ... die Zwickel auszubetonieren würde zwar die ganze Sache etwas aussteifen, aber für die Tragfähigkeit der Stahlträger nur etwas bringen wenn eine Schubübertragung gewährleistet ist - nur dann können die Zwickel als Druckgurt funktionieren. Das könnten dann z.B. aufgeschweißte Kopfbolzen sein - dann solltest du aber auch ein paar Längseisen und ein paar Bügelchen dazulegen. Beim Umbau einer Schule zu einer Bibliothek hier in Nördlingen haben wir einmal ein komplette Stahlbetonplatte mit unten und oben liegenden Baustahlmatten drüberbetoniert - geprüft vom Prüfamt für Baustatik - ausgelegt auf eine Nutzlast von 500 kg/m² - falls es unter der Decke einen Unterzug gibt müßte der dann natürlich verstärkt werden oder 1 bis 2 zusätzliche Stützen angeordnet werden ...
Gruß, Niko