Sicherheit im geschädigten Haus?

06.08.2007 Paletti



Hallo zusammen

Für meine Diplomarbeit wollte ich mich auch mit einem historischen Gebäude beschäftigen. Das Objekt das unser Denkmalpfleger vorgeschlagen hat, zeigt an einigen Stellen akute Schäden durch das undichte Dach. Es hat an einigen Stellen immer wieder hereingeregnet und die Decke hängt an manchen Stellen durch oder ist an einer Stelle schon eingebrochen. Da ich ein Aufmass von den Räumen brauche, muss ich an alle Stellen hinkommen. Jetzt wollte ich euch mal fragen welche Sicherheitvorkehrungen sinnvoll sind. Bzw. was ihr beachtet wenn ihr das erste mal in so einem alten Haus zu arbeiten habt(euch also länger darin aufhaltet). Auf vielen Böden liegt Teppich oder PVC in sofern sieht man meist nicht was darunter ist.
Entschuldigt meine etwas blauäugige Frage und danke euch für eure Geduld.
Dorothée



Angst und Geld? Nie gekannt. ;-)



oder: Mutters Porzellan ist eine vorsichtige Kiste.
OK, mal Spass beiseite.
1.) Von unten nach oben mal zunächst eine vorsichtige Besichtigung durchführen. Sehen Decken von unten schon so wie auf dem Bild aus, kann es von oben nicht mehr besonders tragfähig sein.
2.) Flatterband (Rot-Weiß-Band) mitnehmen und Einsturzbereiche absperren. So laufen andere und man selber nicht versentlich in Gefahrzonen.
3.) Praktikanten oder Helfer mitnehmen und den vorschicken, hüstel, also ich meine eigentlich nie alleine in solchen Buden gehen, damit jemand da ist der Hilfe holen kann.
4.) Ohren spitzen und auf vollen Empfang schalten. In schadhaften Holzkonstruktionen bekommt man vom Werkstoff meistens akustische Vorwarnungen. Aber die Reaktionszeit kann trotzdem sehr kurz sein...
5.) In Härtefällen: Sicherungsgurt mitnehmen und lieber mal zwischendurch irgendwo festmachen.
6.) In Zweifelsfällen: Bereich für das Aufmaß weglassen und versuchen die Messungen mit Lasermessungen aus der Entfernung zu erstellen oder über unkritischere Umwege Maße ermitteln.
7.) Jemand ausserhalb Bescheid geben, dass man im Gebäude unterwegs ist, der im Zweifelsfall mal nachschauen soll.
8.) Bei richtigen Ruinen habe ich eine Taschenlampe und eine Notsignalpfeife immer am Mann.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri





Lieber mehrere Schritte zu wenig, als einen zu viel wagen. Auf Risiko gehen lohnt nicht, da helfen auch manchmal große Erfahrungen nicht. Ein Mobiltelefon sollte auch griffbereit sein, um, falls man dann noch in der Lage ist, einen Rettungswagen zu rufen.
Vor 2-3 Jahren bin ich mal durch eine Decke einer Scheune gerauscht. Mit dem Kopf bin ich zwischen Knetmaschine und Bandsäge auf dem Lehmboden aufgeschlagen. 20 cm weiter rechts oder links, wäre es wohl das wohl gewesen. Mit der Schulter habe ich jedenfalls die Bandsäge noch gestreift. Das Dach war offen, die gesamte Decke mit Folie abgedeckt. Schwachstellen hatte ich vorher von unten ausgemacht, bewegt habe ich mich nur im Randbereich, abgesichert hatte ich mich, soweit möglich, an den Stuhlgebinden bzw. der offenen FW-Konstruktion (Traufwände etc.). Geholfen hat es nichts.
Also, seien Sie bitte vorsichtig.
Grüße
Bernd Kibies



Vorsicht , Vorsicht und Hände wenn irgend möglich frei



Hallo Dorothee!
Als wir unser erstes Haus vor der Renovierung verkaufen wollten, hatten wir mit dem Makler besprochen, welche Bereiche begehbar waren und welche nicht.
Bei der Treppe nach oben (sehr steil und Stufenplatten zum Teil gerissen) haben selbst wir als Hausbesitzer immer erst mit einem Holz vorgeklopft bevor wir die nächste Stufe erklommen hatten.
Im Erdgeschoss war eine Decke durch - ich denke es hätte von unten so ähnlich ausgesehen wie auf deinem Foto (nur war da drunter ein Kriechgang und man konnte nicht allzu viel im Dunkeln sehen).
Wir hatten einen Kuhfuß dabei und den PVC bzw. Teppich hochgeklappt - so dass man die Überraschungen darunter eher erblicken konnte.
Damit Du beim gehen die Hände frei hast, fällt mir gerade noch eine Grubenlampe (solche Kopflampen, also am Band um den Kopf befestigt) ein - die gibt es mittlerweile in vielen Baumärkten.
Werkzeug lass erst mal neben der Tür / Zugsng zum Zimmer liegen, damit du beide Hände frei hast - beim Küchenmessen habe ich meine Kladde mit dem Aufmaßprotokoll neben der Tür liegen gelassen.
Wenn die Wände noch bearbeitet wurden, habe ich mit Bleistift direkt darauf die Zahlen geschrieben, ansonsten tat es notfalls auch die Hand bzw. der Arm als Gedächtnisstütze.
Schuhe: festes Schuhwerk ist ein absolutes muss - ich hatte auf unserer zweiten Baustelle grundsätzlich Arbeitsschuhe mit Stahlkappe an. Ist für uns Frauen zwar ungewohntes gehen ;-) aber man gewöhnt sich dran - damit Du damit aber sicher gehst, solltest Du schon vorher üben.

Lieben Gruß und sei vorsichtig
Silke



Das verstärkt mal wieder



die Vorurteile zu Denkmalpflegern, dich in ein baufälliges Haus zu schicken, um ein Aufmass zu machen. Echt.
Ohne durchgehende Abspriessung von unten her würde ich die Hütte nicht besteigen. Alle genannten Sicherheitsmaßnahmen sind gute Ratschläge. Aber wenn es reinregnet und schon Stellen eingebrochen sind...Manomann, sei vorsichtig, Dorothée.
Schöne Grüße Jürgen





Die Hände frei halten ist zwar gut gemeint, wenn es jedoch nach unten geht, hilft das auch wenig. Es geht wirklich so rasend schnell, da hat man auch keine Chance den Aufprall noch zu steuern.
Schicken Sie doch den Denkmalpfleger voraus......, die sind ja hier nicht so wohlgelitten.
Mein Tipp: Deckenbalkenlage besonders im Anschlußbereich von unten einsehen, bei geringsten Zweifeln Decke nicht begehen.
Grüße
Bernd Kibies





Hallo

danke erstmal für die vielen guten und schnellen Antworten.
Die Deckenbalken kann man leider nicht von unten einsehen da alles überputzt und mit wunderbarer Rauhfasertapete überklebt ist, die an den Decken seltsamerweise besser hält als an den Wänden :)
Sicherheitsschuhe habe ich eh an, an die ist man nach drei Jahren Lehrzeit auf der Baustelle gewohnt, trotzdem danke.
Wie würde eine vernünftige Abspriessung aussehen? (Quer zu Balken, Sprieße auf lastverteilendes Brett, wie viele ?)Muss die dann vom Dach bis zum Keller durchlaufen oder reicht wenn man ein bis zwei Stockwerke darunter spriesst.
Im Erdgeschoss ist noch alles in Ordnung, da ist auch ein Betonboden drin (sieht man am Kellerabgang) im ersten stock ists soweit ich das auf den ersten blick beurteilen kann auch noch eher harmlos.
Im zweiten Stock (da stammt das Bild her) der schon unter dem Dach liegt, ist die decke eingebrochen. und auf dem Dachboden darüber dürfte es am schlimmsten sein. es fehlen einige Dachziegel und die Regenrinnen sind auch eher Regenlöcher. Daher das Wasser.
Die Dreikönige haben zuletzt 1996 an die Haustür geschrieben also nehme ich mal an das das Haus seit da unbewohnt ist. Ich weiß aber nicht ob es damals schon reingeregnet hat oder ob das ein eher junger Schaden ist (was ich nicht glaube).

Ach ja wegen dem Praktikant vorschicken: deshalb darf ich ja das Aufmass machen :)
Aber ein Helfer wird schon aufzutreiben sein.

Nochmals vielen Dank ich berichte weiter falls es mit dem Projekt was wird, erstmal muss mein prof grünes Licht geben. Ich wollte mich nur schon im voraus erkundigen was da im Falle eines Falles auf mich zukommt.

Dorothée