Deckenverkleidung für Waschküche bei Holzbalkendecken

24.06.2013 jh



Hallo,

wir möchten einen zuvor als "Büro" benutzten Raum, ca. 2 x 4,5 m, an der kurzen Seite ein Fenster mit ca. 0,5 qm zukünftig als Waschküche verwenden. Genauer gesagt sollen Warmwasserpuffer (700 + 250 l), Waschmaschine, Wäschetrockner und Wäscheständer hinein. Mit Feuchtigkeit ist also zu rechnen. Besonders beheizen möchten wir den Raum nicht, die Abwärme von so einem Puffer scheint ja durchaus ausreichend um Frost zu vermeiden.

Der momentane Putz an der Wand scheint uns Kalk+Zement zu sein, im 70er/80er-Jahre-Stil mit Tapete "verschönert". Die Decke ist momentan mit Holzlattung + Strohmatte + Putz verkleidet. Darüber befindet sich eine ca. 400 Jahre alte Holzbalkendecke (siehe Foto - musste geöffnet werden, um den Balkenzustand zu kontrollieren). Der Raum selbst ist im EG, und darüber ist ein Schlafzimmer.

Die Holzbalkendecke soll nun möglichst 400 weitere Jahre überleben, und dementsprechend möchte ich bei der Deckenverkleidung keinen Fehler begehen. Kann ich ganz einfach Aluprofile in die Holzbalken schrauben und die Decke dann mit Gipskarton abhängen? Das ganze ist dann ohnehin nicht diffusionsoffen - kann ich (nach dem Spachteln) dann auch gleich mit Dispersionsfarbe draufstreichen? Im restlichen Haus ist durchaus eher Kalkputz und -farbe angesagt, aber die Waschküche muss jetzt nicht unbedingt historisch aussehen...

Danke für alle Hinweise...

Grüße,
Johann



So 'ne Gipskartonplatte...



... weist in etwa den gleichen Diffusionswiderstand auf wie ein Kalkputz, insofern könntest Du auch die geöffneten Stellen wieder mit Putz "anflicken"... Wie die Feuchte-Belastung abzupuffern oder abzuwehren ist, ist ein anderes Thema...

Auch eine Wärmedämmung würde zwischen Wohnraum/Schlafzimmer und dem Wäscheraum durchaus sinnvoll sein...

Jetzt gehst Du mit mehr Fragen raus, als Du reingekommen bist...

MfG,
sh



Deckenbekleidung



Gipskarton für Feuchträume (GKI) und als Traglattung Hutdeckenprofile nehmen.
Aluprofile gibt es nicht dafür.
Wenn der Raum nur gerade so frostfrei bleiben soll wäre eine zusätzliche Deckendämmung von Vorteil. Das geht dann mit Direktabhängern, Dachlatten als Traglattung und Mineralwolle, besser flexible Weichholzfaserdämmung und GKI als Beplankung.

Viele Grüße



Danke!



Das mit dem gleichen Diffusionswiderstand wie Kalkputz verblüfft mich jetzt in der Tat. Jetzt verstehe ich nämlich nicht mehr, wieso man Fachwerk nicht mit Gipskarton verkleiden darf. Aber das ist ein anderes Thema, und ich würde es eh nicht wollen. Flicken will ich auch nicht, das wurde in diesem Haus in der Vergangenheit schon genug gemacht.

Herr Böttcher, vielen Dank für die Anleitung. Ein paar Detailfragen hätte ich da noch:
- Die Direktabhänger kommen direkt an die historischen Balken, und die Dachlattung direkt an die Direktabhänger, so dass quasi eine Konterlattung zu den historischen Balken entsteht? D.h. keine Lage mit Metallprofilen?
- Ist ein Abstand von 40 cm für die Dachlatten angemessen?
- An die Dachlatten dann die Holzfaserweichplatten schrauben, und darauf dann den Gipskarton, in der Hoffnung, dass ich auch da noch die Dachlatten treffe?
- Mit was sollte ich den Gipskarton streichen? Ist Kalkfarbe sinnvoll??

Grüße,
Johann





"Jetzt verstehe ich nämlich nicht mehr, wieso man Fachwerk nicht mit Gipskarton verkleiden darf"

weil kapillärer Transport und Diff. Widerstand zwei unterschiedliche paar Schuhe sind.

in ersten Fall wird flüssiges Wasser transportiert (z.B. von einem Löschblatt),

im zeiten Fall wird gasförmiges Wasser transportiert (z.B. bei einem Gore Tex Kleidungstück).

Kapillären Transport möchte man haben, wenn flüssiges Wasser an eine Oberfläche transportiert werden soll, wo es frei verdunsten kann,
Diffusionstransport möchte man haben, wenn Wasser schon verdunstet ist und durch irgend eine Barriere ablüften soll, z.B. eine GK Wand.

Insofern ist die Verwirrung berechtigt.

Der Unterschied besteht darin, dass eine FW Außenwand hinter einer (GK) Schale mit Luftschicht kalt ist, so dass das Wasser, das durch die GK Wand diffundieren konnte, kondensiert und nun flüssig ist.
Da die angrenzende Luftschicht zwar eine ausgezeichnete Diff. Kapazität aufweist, aber gar keinen kapillären Feuchtigkeitstransport ermöglicht, bleibt die Soße nun dort, wo sie kondensiert ist.

Das Problem ist also nicht die GK Wand, sondern die Luftschicht. Deswegen sollen Innendämmungen ja auch immer kapillaraktiv sein, aber vor allem hohlraumfrei eingebaut werden.
Sonst würde man auch mit den teursten Lehmbauplatten - auch wenn sie bei Vollmond handgeglättet wurden- den gleichen Effekt erzielen.

Die Alternative, die immer wieder versucht wird ist, die Diffusion durch die GK Platte nach außen (kalte Seite) mit einer Folie zu unterbinden. Das gelingt aber eben nicht immer.

Bei dem beschriebenen Problem ist die Decke zwischen HWR und Schlafzimmer. Solange beide Zimmer in etwa die gleiche Temperatur aufweisen und der Trockner richtig arbeitet, sollte das kein Problem werden. Der Wäschständer hat m.E. im Hause nur in Ausnahmefällen ein Wohnrecht.
Auf irgendwelche Arten von Dampfbremsen / Folien und sperrende Dispersionsfarben würde ich verzichten.
Hier geht es ja nicht um's Aussehen, sondern um die erhaltung der ehrwürdigen Deckenkonstruktion.

Gruß

G



Deckenbekleidung



Am besten sie schauen mal bei den Trockenbauherstellern nach wie Direktabhänger funktionieren, da gibt es ausführliche Bauanleitungen für Deckenbekleidungen und Unterhangdecken im Netz, mit Zeichnungen. Die Dämmung kommt auf die Traglattung, also in den Zwischenraum zur Decke.

Viele Grüße



Danke...



Vielen Dank für die anschauliche Erläuterung. Ich denke ich habs kapiert. Für die Fachwerk-Innendämmung ist ja auch Holzweichfaser mit Lehmbett angedacht.

Das mit der Temperatur lässt sich dummerweise im Voraus kaum sagen. Da, wo der Wasserpuffer jetzt steht, erzeugt er eine ganz ordentliche Abwärme. Wie sich das aber im neuen Raum und bei -20°C Außentemperatur verhält, wird sich kaum vorab berechnen lassen. Ob ich vorbeugend dämmen will, weiß ich noch nicht so recht.

Herr Böttcher, die Anleitungen für die Direktabhänger im Netz habe ich natürlich studiert, dadurch haben sich ja meine Fragen ergeben. Die Anleitungen sehen eigentlich immer vor, in die Direktabhänger Metallprofile reinzuschrauben und erst darauf dann Dachlatten (oder auch wieder Metallprofile) als Traglattung - verstehe ich Sie richtig, dass es auch in Ordnung ist, in die Direktabhänger direkt die Dachlatten reinzuschrauben?

Grüße,
Johann



Decke



Zitat: "Wir denken nicht, wir Googeln", selbst das wird wohl zu anstrengend.
In weniger als einer Minute finden Sie die Verarbeitungsrichtlinien von Decken mit Direktabhängern und Traglattung aus Holz bei Rigidur und Knauf als Pdf- Datei im Netz. Suchen und Lesen müssen Sie alleine. Die beigefügte Zeichnung war nicht für Sie gedacht.