Boden über Stall und Keller

09.07.2012


Hallo,

Ich wollte fragen ob etwas gegen den von mir geplanten Wiederaufbau der Böden der Wohnetage über Stall, Keller, Gang und Bad spricht?

Vorgefunden hatte ich in dem
Bauernhaus von ca 1900 reine Holzdielenböden mit Zwischenboden (eingeschoben in die Balken) ohne jede Füllung. Alle Böden waren morsch oder unschön, so dass sie ausgebaut wurden. Den schlechten Zustand schiebe ich vor allem der Styroporinnendämmung der Wände und der Decke in die Schuhe, und evtl auch den Teppichen auf ansonsten ungedämmtem Boden.

Nun soll unterhalb der Balken ein Rauhspund angeschraubt werden, dieser mit einer Schicht Lehm (in der Art Unterputz) versehen werden (ca 3-4 cm), dann mit Leichtlehmschüttung aufgefüllt und ein Rauhspund schwimmend verlegt werden (Hanfbahnen auf den Balken als Trittschutz) als Auflage für einen neuen Dielenboden.

Die Innendämmung ist natürlich mitlerweile entsorgt und das Haus hat eine Hanf-Aussendämmung und erhält auf den Wänden innen einen Lehmputz.

Grüsse
Andrea



Deckenaufbau



Was spricht dagegen?
Außer Ihrem löblichen Willen alles richtig zu tun so gut wie alles.
Warum wollen sie eine Einschubdecke ändern indem sie den Einschub weglassen und stattdessen die Füllung auf die untere Deckenverkleidung legen?
Wenn das so gut wäre hätte man schon seit 200 Jahren den Einschub weggelassen und die Deckenfüllung gleich von oben auf die untere Deckenverschalung gekippt- das geht so nicht!
Falls unten Kalträume bleiben ist die Dämmung zu schwach, aber der Schallschutz könnte überflüssig sein. Liegt die Decke innerhalb der warmen Gebäudehülle dann könnte Schallschutz eine Rolle spielen, aber nicht so wie Ihre Idee.
Zum Brandschutz äußere ich mich erst gar nicht- wie auch, ich kenne die gesamten Randbedingungen nicht.
Also:
Der Aufbau so einer Decke muß geplant werden.
Ausgangslage sind die konstruktiven Anforderungen hinsichtlich Wärme- Schall- und Brandschutz, die sich aus der Nutzung der Räume oben und unten und des Gesamtgebäudes ergeben. Dazu sind noch die gesetztlichen Vorgaben und die technischen Grenzwerte einzuhalten die für solche Bauteile in Abhängigkeit von den Nutzungsbedingungen vorgegeben werden. Da sich viele Bedingungen ähneln kommen da auch ähnliche Aufbauten heraus, sozusagen praxiserprobte Konstruktionen.
Natürlich können Sie selber an Ihrer Zimmerdecke herumbasteln wie sie wollen.
Etwas anderes ist Ihre Idee nicht als nach Gefühl Baustoffe die Ihnen zusagen zu arrangieren.
Solange nichts passiert und Bauamt, Versicherung, Staatsanwalt oder zukünftige Käufer nix mitkriegen geht das auch. Wenn doch- das ist dann ihr Problem.

viele Grüße

p.s. die Ursachen für die Zerstörungen im jetzigen Fußboden vermute ich nicht im EPS an den Wänden (die werden da genug eigene Schäden abgekriegt haben) sondern in ihrem Vorgänger, der irgendwann einmal auf die Idee gekommen ist den "Dreck" aus der Decke auszuräumen und so die Konstruktion mit Kondensat auffeuchtete. Der hat diese Idee bestimmt auch ganz großartig gefunden (Unser Mitglied Florian Kurz findet übrigens so einen Fußbodenaufbau auch großartig).



Einschub



Hallo Herr Böttger,

Können Sie mir sagen welche genaue Funktion der Einschubboden hatte?
Ich habe mal gehört, dass solche Böden statischen Zweck hatten, mein Zimmermann meinte jedoch das sei bei meinem Haus nicht der Fall, das gelte eher für nördlichere Gebiete. Er gilt hier in der Gegend eigentlich so ein wenig als Altbau-Koryphäe und hatte nichts gegen den Aufbau, hat so etwas aber auch noch nicht so gemacht.
Dass kein "Dreck" im Boden war wurde mir damit erklärt, dass man früher die Stallwärme nutzen wollte. Auch falsch?


Ich wollte die Füllung gerne auf die gesamzen 18 - 20 cm Balkendicke ausdehnen, eben wegen der Dämmung.
Was gegen eine Leichtlehmschüttung sprechen sollte ist mir auch nicht klar...
Vielleicht können Sie etwas konkreter werden als "geht so nicht"?
Grüsse
Andrea



Einschubdecke



Die klassische Einschubdecke ist das Ergebnis einer langen Optimierung, entstanden im 19.Jhr. aus dem Windelboden. Nichts daran ist überflüssig.
Der Einschub trägt die Füllung der Decke. Die Füllung bringt Masse in die Decke,das mindert die Schwingungen, dämpft Schall, erhöht den Feuerwiderstand und die Wärmedämmung. Ohne Füllung wären nur 2 oder 3 cm Dielung zwischen dem feuchten Mief der Kühe und der guten Stube. Wenn jemand auf so einer Decke geht, klirren alle Tassen im Schrank. Was mit der Dielung ohne Füllung passiert, wissen sie bereits.
Die Deckenfüllung liegt auf Einschubbrettern auf, die wiederum auf seitlich an den Balken angenagelten leisten. So wird das Gewicht in die balken übertragen. Wenn sie die Füllung direkt auf die untere Deckenbekleidung (das war in der Regel eine Sparschalung aus gespaltenen Brettern, Schilfrohr als Putzträger und Deckenputz) legen dann werden sich die Nägel die die Schalung halten langsam aus der Decke ziehen da sie auf Zug belastet sind und nicht auf Abscheren wie an den Leisten. Das kann man heute mit Schrauben umgehen. Aber versuchen Sie (oder Ihr Nachfolger) mal in so eine Decke ein Loch zu bohren weil sie eine Lampe aufhängen wollen.
Ob bei Ihnen so eine Einschubdecke hinpasst, hängt wie gesagt von den konkreten Bedingungen ab und nicht von der jeweiligen Mode.

Viele Grüße



Danke



mit der Erklärung kann ich dann doch was anfangen.

Bei uns ist der Rauhspund geschraubt. Den Trittschall auf den Balken halte ich für nötig, da die Balkendurch Kinderzimmer und Elternschlafzimmer laufen. Der Bereich darunter ist ehemaliger Stall und ganzjährig Frostfrei aber ungedämmt (dicke Sandsteinmauern und Hang).
Samstag kommt der Zimmermann nochmal auf die Baustelle, dann werde ich es nochmal mit ihm durchsprechen.

Grüsse
Andrea