Decke nach Schimmelbefall richtig sanieren - nur wie?

02.01.2010



Hallo zusammen,

leider nehmen die baulichen Mängel in unserem "Projektraum" kein Ende. Nach den Styroportapeten und dem darunteliegenden feuchten Gips bzw. teilweise schimmiligen Stromleitungen hat sich jetzt scheinbar auch ein Eigenleben hinter der mit Gipskarton abgehängten Decke entwickelt.

Die Frage nun - wie instand setzen? Ich hoffe man kann es auf dem Bild erkennen, aber die oberste Schicht ist scheinbar Lehm/Stroh das weiß gestichen oder verputzt wurde. Darauf befindet sich Schilfrohr und eine dünne Schicht Putz (grau/schwarz - sehr grob-körnig) mit einer anschließenden Schicht Farbe, die aber bereits an allen Ecken und Kanten abblättert. Auf Grund des Schimmelbefalls muss auf jeden Fall die unterste Farb-/Putzschicht runter und man müßte wohl auf den Schilfmatten weiter aufbauen oder? Ich muss die Decke nicht zwingend wieder abhängen, aber an einer Stelle senkt sich scheinbar der darüber liegende Balken (Bild in der Galerie) und ein etwaiger Putz würde wohl wieder irgendwann reißen oder?

Als Hinweis noch - darüber befindet sich ein ungenutzter, nicht gedämmter Dachboden. Auch auf der Decke ist von oben keinerlei Dämmung!

Gruss Oli





Ich würde das ganze Objekt mal von einem Fachkundigen begutachten lassen.
Offensichtlich muss noch gedämmt werden und so könnten (mindestens) zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.





Abgesehen von der Dämmung - die Bilder in der Galerie bedeuten wohl, dass man die ganze Decke rückbauen und neu machen sollte.



Hier macht nur eine



vor Ort Beratung Sinn um den Sanierungsumfang der Decke abschätzen zu können.

Grüsse Thomas



warum sollte man denn die gesamte Decke rückbauen?



Ich hätte jetzt die dünne Putzschicht bis zu zu den Schilfrohrmatten entfernt und dann den weiteren Aufbau vorgenommen. Da in einer Ecke die Decke zur Wand hin einen doch nicht unerheblichen Höhenunterschied aufweist, muss die Decke wohl doch wieder angehängt werden. Für groß angelegte Dämmungen des gesamten Hauses fehlt das Geld. Allerdings werden wir die Decke vom Dachboden (unbenutzt) wohl über kurz oder lang mit Steinwolle dämmen. Zum abhängen der Decke hatte ich an Lehmtrockenbauplatten/Holzfaserplatten gedacht. Die Frage ist eher was man im Zwischenraum sinnvollerweise einbringen sollte? Neuer Schimmel sollte ja eigentlich auf Grund des jetzt diffusionsoffenen Aufbaus nicht mehr entstehen oder?

Gruss Oli



warum sollte man denn die gesamte Decke rückbauen?



weil sie dann Nägel mit Köpfen machen können.



Was ist denn so falsch...



an dem Lehm/Stroh Fehlboden und den darunter angebrachten Schilfrohr-/Strohdämmmatten? Wat nicht eher das Problem das die Decke mit Gipskartonplatten abgehängt war? Welche Gefahren werden denn hier im aktuellen Aufbau gesehen?

Mfg Oliver





Es wird von dem Schilfrohr nicht mehr viel dran sein wenn sie den Putz ab haben.
Dann können sie die Verschalung auch noch abnehmen, dämmen, Verschalung auf eine Höhe bringen und mit Schilfrohr und Lehm neu aufbauen.





Nägel mit Köpfen eben.



Die Verschalung...



... also mittels derer die Decke abgehängt war ist bereits größtenteils ab. Oder was meinten Sie? Das vermutlich von der Matte nicht mehr viel an Decke bleiben wird ist wohl richtig. Ich hätte deshalb alles bis zu den Lehm/Stroh Fehlboden entfernt... Wie hätten Sie denn die Decke von innen gedämmt? Mit Holzfaserdämmplatten?

Mfg Oliver





Entweder sind die Schrägen und Decken lediglich auf die mit Schilfrohr bespannte Holzbretter (Verschalung) mit Lehm verputzt. So sieht das auf dem Foto aus.
Oder es sind Lehmwickel eingeschoben.
Das müssen wir jetzt erst mal wissen.
Balken



Ich gehe davon aus...



das hier Lehmwickel zwischen den Balken sitzen (von denen sich einer leicht abgesenkt hat - daher der Riss). Diese wurden abschließend verputzt (erste weiße Schicht auf dem Bild im ersten Beitrag. Darauf befinden sich dann dieses Stroh-/Schilfmatten-Drahtgeflecht, das wiederum verputzt wurde. Und zum Schluss eben diverse Farbschichten bzw. teilweise auch noch Rauhfaser.

Aber ich werden in den kommenden Tagen die unterste Putzschicht entfernen und mich wieder melden.

Vielen Dank erstmal für die Hilfe und ein schönes Restwochenende.





Hallo Oli,

ohne gute Kenntnis des/der Bauteile lässt sich da nicht wirklich etwas verbindliches sagen. Ein Ortstermin "mit unabhängigem Sachverstand" wäre wohl das hilfreichste für Dich.

Hier muss ergründet werden,
- wie der Deckenaufbau tatsächlich aussieht,
- weshalb der Schimmel aufgetreten ist
- wo genau dieser aufgetreten ist,
- ob andere, tieferliegende Bauteile geschädigt sind
- wie nach einer Schadenbeseitigung und ggf. energetischen
Ertüchtigung eine erneute Schädigung verhindert werden kann
- etc.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Um diesem Thema etwas die Dramatik zu nehmen...



Vielleicht ganz kurz ein paar weitere Worte: Der Raum befindet sich im ersten OG und wurde bisher nicht wirklich genutzt. Leider hatten wir im letzten Jahr (aus Unwissenheit) den Raum zum trocknen unserer Wäsche genutzt, da wir keinen Keller besitzen! Ein fataler Fehler... Nachdem dann relativ schnell in den Ecken und Kanten der Außenwände Schimmel zu sehen war, haben wir das dann gelassen. Ebenfalls vermute ich das der Heizkörper zu klein dimensioniert ist, bzw. mit wesentlich höheren VL-Temps. berechnet wurde. Richtig warm wird es hier, ebenso wie im gegenüberliegenden Zimmer nicht wirklich. Ich denke diese Faktoren und der falsche Innenausbau (durch den Vorbesitzer) haben zu aktuellen Problematik beigetragen. Außerdem können wir hier - denke ich - von einem leichten Schimmelbefall reden. Vor allem aber in einem Streifen entlang der Außenwände.


Zurück zum Thema: Auf dem angehängten Bild ist der Deckenaufbau ganz gut ersichtlich. Wir haben - wie im Fußboden auch - Lehmeinschübe zwischen Eichenbalken. Direkt darunter befand sich eine dünne Lehmputzschicht (mit dünnen Fasern versetzt) und darunter die verputzten Schilfmatten. Als Abschluss dann diverse Farbschichten aller Art die Teilweise abblättern! Ach ja - über den Lehmeinschüben befindet sich eine dünne Beton-/Estrichdecke (ca. 1cm dick) und das Kaltdach.

Die Putzschichten an sich und der Lehm sind staubtrocken und ich kann keinerlei Schimmel finden. Ich denke dieser war nur oberflächlich auf den abbröckelnden Farbschichten vorhanden. Allerdings werden die beiden Putzschichten nur noch von den Nägeln und dem Draht gehalten und ich werde sie entfernen. Außerdem würde ich gern, auf Grund der doch sehr unebenen Decke, diese wieder abhängen.

Auf Grund der geplanten energetischen Maßnahmen wie Lehmputz (statt der Styroportapete) in Verbindung mit einer Wandheizung, einem Dielenboden und generell keiner diffusionsdichten Tapete/Farbe mehr, wird hier wohl einiges getan werden. Einzigst bei der Decke sind wir noch unschlüssig und hoffen auf ein paar Tips zum Aufbau.


Gruss Oli



Sieht nach Lehmwickeln aus,



das Schilfrohr sollte wahrscheinlich nur als Putzträger auf den Balken dienen.
Möglichkeit.
Putzt die Felder der Decke und last die Balken sichtbar.

[pubimg 20226]



Das würde mir natürlich gefallen....



aber ich vermute mal die Balken müßten dann alle abgeschliffen werden und behandelt oder? Außerdem kommt bei dieser Variante die Deckendämmung zu kurz, oder wäre es sowieso die sinnvollste Variante die Dämmung auf die Betondecke des Dachbodens aufzubringen? Auf Grund des durchlüfteten Dachbodens dürfte dann wahrscheinlich ein diffusionsoffener Aufbau am meißten Sinn machen oder? Aber Miwo & Co wären dann ja die falsche Wahl... Was gibts denn in der Richtung noch was schnell/einfach zu Verlegen wäre? Stopf-Hanfdämmwolle? Platten & Co scheiden leider aus weil der Dachboden nicht eben ist... Oder vorher eine dünne Schicht Perlite zum Ausgleich drauf? Fragen über Fragen...

Gruss oli





Die Balken müssen natürlich sauber gemacht werden.
Die Dämmung ist von oben, physikalisch gesehen, ohnehin die bessere Wahl.



lila Schimmel...



nachdem ich die Hälfte der Decke nun von der Putzschicht befreit habe, sieht es im großen und ganzen eigentlich gang gut aus! Scheinbar ist alles relativ trocken. Die Deckenbalken sind Richtung Mauerwerk allerdings etwas feucht und einer der Balken weist eine lila Verfärbung auf! Ist das Schimmel? Außerdem ist einer der Balken scheinbar gerissen (Bild in der Galerie) - wobei man meinen könnte das wäre schon von anfang an so gewesen, da von unten Putz im Riss war! Wie weit der Riss sich durch den Balken zieht kann ich momentan nicht sagen, wil die die Lehmwickel die Sicht versperren. Ist das Ganze als kritisch zu erachten?

Gruss Oli



Riss ?!



Bedenken wegen Riss -nein ! Lila - vielleicht eher Farbe ?!

Die mögliche Ursachen der Feuchte muß man vor Ort suchen, wir hier können nur vermuten !



Na,



der Riss könnte auch ein Bruch sein.



Gibt es denn



lila Schimmel? Das Ganze wirkt schon irgendwie pelzig.. Die schwarzen Punkte sind ebenfalls Schimmel. Kann man den denn wirksam "bekämpfen"? Ich werde wohl das Holz mal abbürsten und dann beobachten... Oder muss das Holz nur wieder austrocknen? Dann wäre ja der einzig sinnvolle Deckenaufbau das sichtbare Fachwerk. Dann bleibt der Balken auf Dauer trocken.

Kann man eigentlich diese Lehmwickel instand setzen? Ich habe in der Ecke, in der beide Außenwände aufeinander treffen, ebenfalls ein Feuchteproblem! Teile des Lehmwickel kamen beim entfernen des Putz direkt mit runter. Auch das Holz im Bild fühlt sich feucht an.

Nochmal zum Balken mit dem Riss/Bruch - ab wann ist denn sowas kritisch bzw man muss der Balken getauscht werden? Mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Lehm in diesem Bereich auszusparen damit ich eine freie Sicht auf den Balken habe... Mal sehen was mich da erwartet...





Also was man da auf dem letzten Bild sieht, ist kein Holz, sondern Trockenfäule. Das hält, wenn insgesamt noch ein ausreichend tragfähiger Querschnitt vorhanden ist; manchmal auch nur aus Erinnerung, weil es schon lange da eingebaut ist.
Ob man den Balken im Kopfbereich durch Anlaschen verstärken kann oder den Balken gleich lieber tauscht, sieht man erst, wenn der Bereich grosszügig freigelegt ist.
Dazu wäre jetzt der Zeitpunkt, dann wieder ein Bild.
Wenn das im Bereich vom Kniestock ist, könnte so ein kleines unscheinbares Leck im Dach, oder ein Loch in der Wand, wo in der kalten Jahreszeit warme Raumluft ausströmt und Kondensat im Kaltbereich verursacht, dieses über die Jahre hinweg bewirkt haben.



Hab jetzt schon ewig lang google gequält...



und leider nichts brauchbares zur Trockenfäule gefunden - deshalb die Frage: Woran erkennt man das? Das weiße auf den Bildern ist definitiv Farbe. Oder weil der Balken eher grau und blass wirkt?



also



aufgrund der vielen Fragezeichen doch jemanden vor Ort holen !!

@ Oliver: sieht eher wie Drehwuchs, Schälriss oder eine alte große Harzgalle aus. Weiter hinten ist ein weiterer schräge verlaufender Riss zu erkennen und vorn ist der unterliegende Jahresring sehr dunkel. wie eine alte Harzgalle. Aber vor Ort kann man es erst richtig einschätzen.





Wissenschaftlich gibt es Trockenfäule nicht, das sind einfach Holz-, und zwar bevorzugt Zellulose, abbauende Pilze. Die erfüllen im Wald eine sehr wichtige Funktion - wer sonst räumte all das Totholz weg? - sind aber in Gebäuden fehl am Platz. Betrachte sie nicht Schädlinge, sondern als Anzeichen von Bauschäden.
Symptome: Das Holz wird braun, bröselig und die Festigkeit (wie auch der Heizwert und das Raumgewicht) lässt schnell nach. Man bricht mit einem Schraubenzieher, mit dem man das zweifelhafte Holz bestochert, sehr leicht ein.
Da diese Pilze nur mit genügend Feuchtigkeit im Holz sebst wachsen können (Ausnahme: Echter Hausschwamm), ist das Problem mit dem Auswechseln der betroffenen Teile und dem Beheben der Ursache meist behoben.

Die weissliche Farbe des Balkens rechts im Bild ist normal für altes Bauholz, das mit Kalkputz oder Gips beworfen wurde, und hat nichts zu bedeuten. Gesundes altes Bauholz lässt einen Schraubenzieher nicht eindringen, und klinkt beim Beklopfen hell.

Lass das alles wirklich mal von jemandem begucken, der was davon versteht ... Gibts auch Bilder von der Deckenoberseite?



Bilder von der Oberseite....



kann ich gern machen - allerdings ist vom Dachboden (Kaltdach) aus nur eine Betondecke zu sehen. Diese läuft kurz vor dem Mauerwerk aus und ich sehe von oben nur loses Material (Bauschutt) Da ist aber eigentlich alles trocken... Werde aber noch 2 Bilder in meiner Galerie einstellen! Gehe ich recht in der Annahme. das die Balken nicht erst in den letzten Jahren zersetzt wurden? Denn 2002 wurden vom Vorbesitzer umfangreiche Sanierungsmaßnahmen durchgeführt: ISO-Fenster, Styropotapete, Decke mit Gipskarton abgehängt usw... Bevor ich die Gipskartondecke runter gerissen habe, hatte ich den Zustand des Zwischenraumes durch ein 20cm großes Loch begutachtet und mit der Hand gefühlt war es dort spürbar kälter. Die Sinnhaftigkeit der Sanierungsmaßnahmen mal dahin gestellt - kann das die Ursache gewesen sein?

Sollte diesen Beitrag jemand aus meiner Region (55596) verfolgen, der sich die Sache mal anschauen könnte - bitte melden! Denn ich konnte bisher niemanden finden, der sich mit solchen Themen im Altbau aus kennt.





Ich verstehe die Konstruktion nicht.
Es gibt eine Betondecke und unmittelbar darunter eine alte Balkendecke mit Strohlehmeinschüben? Wenn ja, wie wurde diese Betondecke denn eingebaut? Verlorene Schalung? Und wo liegt die genau drauf, wenn nicht auf der Ausssenwand?

Es könnte eine Kältebrücke geben im Bereich, wo diese Betondecke aufliegt. Es ist auch denkbar, dass sich auf der Unterseite des Betons, besonders im Wandbereich, Kondenswasser gebildet haben könnte, das den Holzabbau begünstigt oder ermöglicht hat.



Ich muss mich korrigieren...



nachdem ich nochmal auf unserem Dachboden war und etwas genauer geschaut hatte! Das Bild zeigt die freie Sicht auf die Deckebalken von oben. Bezüglich der Btondecke muss ich mich auch korrigieren, da ich wohl im Bereich der Dachbodentreppe (hinter einer Schalung) gemessen hatte. In Wirklichkeit befindet sich eine dünne (estrich-/Betondecke auf der Balkenlage mit den Lehmeinschüben! Zur besseren Veranschaulichung habe ich mehrere Bilder in die Galerie geladen.