Dämmtechnische Eingriffe in Holzbalkendecke

20.08.2012



Hallo,

habe im OG meiner 100 Jahre alten Stadtvilla eine Holzbalkendecke zum Dachboden, der ein kalter Dachboden bleiben soll. Das Dach ist ein Mansarddach. Die Balken der OG-Decke enden am Übergang vom Haupt- zum Mansarddach und sind von außen mit einem Stirnbrett zwischen Haupt- und Mansarddach verkleidet.

So weit ich das vom Dachboden aus hinter dem Stirnbrett erfühlen konnte, hat die Decke folgenden Aufbau von unten nach oben: Kalk-Deckenputz, Schilfmatten als Putzträger, Schalung, Luftschicht1, Fehlboden, Lehmschicht, Luftschicht2, Bodendielen

Im Zuge der Neueindeckung des Daches, soll die Dämmung der Decke verbessert werden.
Die größten dämmtechnischen Schwachstellen werden die Luftschichten sein, die die Decke horizontal durchlüften.
D.h. eine Dämmung, lediglich durch Aufbau einer Dämmschicht auf die vorhandenen Bodendielen würde wenig bringen, so lange die Decke unterhalb der Dämmung horizontal durchlüftet ist.

Der Plan sähe so aus:

1. Verschließen von Luftschicht1 durch seitliches Hineinstopfen eines Dämmstoffes so tief wie möglich z.B. Stopfhanf

2. Aufbringen einer oberen Dämmschicht: Aufnehmen der Bodendielen, zusätzliche Lagerhölzer auf den Deckenbalken anbringen, Ausbringen von Hanf-Dämmwolle, Bodendielen wieder aufbringen. Damit entfällt dann auch Luftschicht2.

Aber? Die Luftschichten hatten wahrscheinlich ihren Sinn. Durch heutige Heizung, Bäder, dichte Fenster bringt man ja tendenziell mehr Feuchte in die Decke.

Kann man das so machen, wie ich mir das vorstelle?

Müssen beiden Maßnahmen (seitliches Verstopfen von Luftschicht1 und zusätzliche obere Dämmschicht) zwingend im Zusammenhang erfolgen oder kann man auch zuerst die Luftschicht1 Abdichten und später irgendwann die zusätzliche obere Dämmschicht aufbringen?

Muss irgendwo eine Dampfsperre hin (z.b. über dem Bad)?

Danke und Gruß
Erwin



Zwei Möglichkeiten...



... verbleiben:
A: Du machst denn doch ein Warmdach draus und fasst die Decke gar nicht erst an...
B: Du räumst das gesamte Deckengefache leer und setzt eine Zwischendämmung...

Irgendwelche horizontalen Luftschichten in einer wie auch immer gearteten Zirkulation sperren zu wollen geht wohl schief...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Moin Erwin,



guck' doch mal bei www.u-wert.net rein und spiel dort deine Möglichkeiten einmal durch. Das gibt dir zumindest mal theoretisch eine Idee bzgl. der Tauwasserproblematik und der erforderlichen Dämmstoffstärke.

Wenn du viele miese Ecken hast, wo man nicht vernünftig rankommt, würde ich zu einer Einblasdämmung raten. Du kannst dir ja mal 2-3 Angebote einholen.

Solange du oben diffusionsoffen (die alten Dielen bzw. Rauhspund) abschliesst und unten in Küche und Bad vernünftig gelüftet wird brauchst du m.E. keine Dampfsperre. Die müsste ohnehin auf die warme Seite, also unter die Deckenbalken = Decke neu verputzen.

Gruss, Boris



U-Wert Betrachtungen



Danke für den Hinweis auf U-Wert.net

Danach ergibt sich ja fast alles.
Also horizontale Luftschichten seitlich dicht machen ohne zusätzliche obere Dämmung würde nicht gehen. Je nachdem ob man die Bodendielen als halbwegs luftdichte Schicht ansieht, hat man ungedämmt den Tauwasseranfall entweder direkt unter dem Fehlboden für die Lehmschicht oder direkt unter den Bodendielen. Womit also auch klar wäre, warum genau da die horizontalen Lüftungsebenen sind.

Lässt man die Luftschicht2 und die Bodendielen weg und legt statt dessen 160mm Hanfschüttung oben drauf, dann gibt es gar keinen Tauwasseranfall in der Decke. Legt man oben 20mm Dielen drauf, dann wird Tauwasseranfall in der Dielenebene angezeigt.

Fazit: Die angedachte Dämmung müsste funktionieren. Allerdings müssen beide Maßnahmen im Zusammenhang erfolgen.

Gehe ich richtig in der Annahme, dass Tauwasseranfall an der Grenze zwischen Bodendiele und Hanfschüttung unkritisch ist, so lange man den Boden nicht abdeckt oder vollflächig mit Krimskrams vollstellt? (Holzpaletten wurden mit als Unterlage für Krimskrams empfohlen)



Belastung Fehlboden durch Dämmschüttung



Eine Frage zum Einbau der Dämmung hätte ich noch.

Die Hanf-Dämmung nennt sich zwar "Schüttdämmung" aber nach Auskunft des Baustoffhändlers, ist es mit Schütten bzw. einfach Ausbreiten nicht getan. D.h. die neue Bodendielung soll immer bis auf Armlänge auf die erhöhten Traghölzer aufgebaut werden und die Hanfdämmung soll dann in den entstandenen Hohlraum mit einer Einbaudichte von ca. 55 Kg/m³ hineingestopft werden.

Eine Schichtdicke von 20cm bringt dann ein zusätzliches Gewicht von etwa 11 Kg/m² auf den Fehlboden mit der Lehmschicht. Ob sich eine zusätzliche dauerhafte Kraft durch das Stopfen ergibt, weiß ich nicht, da ich noch kein Gefühl dafür habe, wie stark gestopft werden muss.

Muss man sich in der Größenordnung von zusätzlichen 10 bis 20 Kg/m² Gedanken über die Tragfähigkeit des Fehlbodens machen?

Gruß Erwin



Die Antwort lautet:...



... wahrscheinlich nicht.

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner





Hallo Erwin,

die untere der Luftschichten der Holzbalkendecke ist im Regelfall eine ruhende Schicht. hier würde ich gar nichts machen. Oben kannst Du die Dielen aufnehmen, Rahmenhölzer Aufdoppeln etc. wie von Dir beschrieben und eine Hanfschüttung einbringen. Zwischen Oberkante Schüttung und Unterkante Bodenbretter sollten 3 cm Luft bleiben um folgende Aufbauten zu ermöglichen:

Wegen des richtig erkannten Tauwasserproblemes ist es wichtig wie nun der Aufbau der begehbaren Schicht stattfindet: Entweder Du nagelst die alten Bretter auf Lücke wieder auf die Rahmenhölzer, dann kann etwaige Feuchtigkeit über die Spalten entweichen, oder, falls ein Neuaufbau mit einer Nut- und Feder-Schalung angedacht ist, müssen die Ränder der Deckenfelder einige Zintimeter offenbleiben um einen Luftaustausch zu ermöglichen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Ruhende Luftschicht?



So wie es bei mir aussieht, sind beide Luftschichten an den Seiten offen. Zum Boden hin sowieso und nach außen hin durch ein Stirnbrett am Ende der Deckenbalken.
Da würde ich davon ausgehen, dass bei Wind die Luftschichten gut durchlüftet werden.
Habe schon gesehen, dass die Vorbesitzer teilweise versucht haben, zusammengerollte Pappe oder Zeitungen vom Boden aus seitlich in die Luftschichten zu stopfen.

Nach Auskunft eines Hanf-Baustoffhändlers aus Prenzlau muss die Hanf-Schüttung etwas gestopft werden, so dass ich Schwierigkeiten sehe mit der Luftschicht zur Bodendielung.

Die Hanfleute geben ja an, dass es einen Tauwasseranfall im Hanf nicht wirklich gibt, da der Hanf die Feuchtigkeit bindet und sie auch gleichmäßig wieder abgeben kann, so lange es sich um normale Wasserdampfmengen handelt.

Eine Bodendielung mit Zwischenräumen ohne Nut- und Federverbindung würde wahrscheinlich eine wackelige Angelegenheit beim Begehen des Bodens zum Wäschetrocknen.



Tauwasseranfall



So, habe mich noch einmal mit den Leuten vom Naturbauhof Prenzlau unterhalten. Nach ihren Erfahrungen stellt der obere Abschluss der Hanfdämmung mit einer Rauspunddielung kein Problem dar, so lange der Dachboden nicht vollgestellt oder mit einem Belag oder einem Anstrich versehen wird.
Die Hanffaser hat ein relativ breites Spektrum von Gleichgewichtsfeuchte in dem keine Schäden auftreten. D.h. Tauwasser, das in der kalten Jahreszeit anfällt, nehmen die Hanffaser und ein wenig wahrscheinlich auch die Dielen auf und geben das wieder ab, wenn es wärmer wird.

Laut u-wert.net fallen bei meiner geplanten Deckenkonstruktion ca. 500ml Tauwasser je m² und Winterperiode an. Bei einer Einbaumenge von ca. 10 Kg Hanf je m² (20cm Schichtdicke mit 50Kg/m³) würde das 5 Gewichtsprozent des Hanfes ausmachen, wen das gesamte Tauwasser nur im Hanf gebunden würde. Das ist eine Menge, die in der natürlichen Schwankungsbreite der Gleichgewichtsfeuchte von Hanffasern nicht besonders ins Gewicht fällt.
http://www.bauhanf.de/downloads/pdf/HE_Feuchtigkeit.pdf