stahlsteindecken sanieren

06.08.2011



hallo liebe community,
ich lese schon ein paar tage mit. jetzt stehe ich vor einem problem.

ich habe vor kurzem ein haus Baujahr 1905 gekauft. die erste etage ist massiv mit Ziegelstein gemauert, die beiden weiteren etagen bestehen aus fachwerk. die oberen etagen sind recht gut saniert und bewohnt.

nun habe ich die untere etage entkernt und die füllungen aus dem boden entfernt. dabei hat ein Architekt nun festgestellt das die stahlsteindecken fertig sind. die t-träger sind massiv durchgerostet. laut architekt hält das ganze maximal noch 5-10 jahre und er hat mir vorgeschlagen die decken komplett neu zu machen. dazu würde er laschen in die wände einarbeiten, mit Armierung versehen und darauf eine Betondecke gießen, welche sich selbst trägt wenn die unteren decken nachgeben. die neue Decke soll mindestens 16cm stark werden, somit kommt mein raum sicher 5-7cm höher als jetzt.

seht ihr noch andere möglichkeiten eine solche decke sinnvoll zu sanieren. bitte natürlich auch kosten und nutzen bedenken.

vielen dank



Kappendecken



Wo genau und wie sind die Träger durchgerostet?
Am Auflager?
Ober- oder Untergurt?
Fotos wären hilfreich!

Viele Grüße



radikal, aber wahrscheinlich das Vernünftigste.



Schade um die Kappendecke, aber wahrscheinlich in Bezug auf die Kostensicherheit das Beste.





Laut Statiker müssen Sie raus. Ich werd mir das aber rechnen lassen. Fotos lass ich gerne noch folgen. Die Träger sind hauptsächlich im mittleren Bereich durchgerostet. Einige auch an den auflagen.

Hat jemand Erfahrung mit hohlsteindecken? Ist dies statisch in Ordnung und eventuell billiger als reine betondecken?





Ps: am obergurt fehlt meist 3-5mm, unten ebenfalls. Bei 2-3 Trägern fehlt der untergurt so gut wie ganz.



Fotos



da bin ich ja mal gespannt auf die Fotos!
Ich denke, der Architekt hat Dir da einen guten Ratschlag gegeben.
Zur Veranschaulichung: die Decke hält ja nur, weil die Steine durch die Träger "eingeklemmt" sind. Werden die Träger ausgetauscht, stürzen die Deckenfelder ein.
Ist zwar bitter, aber werterhaltend für das Gebäude.

Viele Grüße





Ja das denke ich auch, nur leider habe ich keinerlei Vorstellung was der Austausch von 80m2 decken in insgesamt 4 räumen kostet.

Daher auch nochmal die frage ob hohlsteindecken eine alternative sind?



Decke



Hallo Martin,

wenn Du lieber eine andere Decke haben möchtest, dann bespreche das doch mit dem Architekten, fragen ihn nach alternativen Möglichkeiten.
Seine Gründe, Dir eine Stahlbetondecke zu empfehlen, wird sein Gründe wohl bei den Kosten und Arbeitsaufwand haben.





ich denke, dass er mir das erstmal nur vorgeschlagen hat, als er den schreck in meinen augen gesehen hat ;)

eine stahlbetondecke könnte ich ja einfach auf die bestehende decke "aufgiessen" ;)

hat jemand erfahrungen mit dem konzept der firma welz bau?
http://www.welz-bau.de/deckensanierung.html



Handarbeit



bei dem link, da fall nicht um, wenn das Angebot kommt ;-)
(war nur ein Witz)
die ganzen Teile müssen ja auch irgendwie ins Gebäude und positioniert werden. Da wir in der Zeit der Automation versuchen, körperliche Arbeit zu minimieren, würde ich zu der Lösung des Architekten tendieren.
Ein zweiter Grund wäre, dass Ortbeton sehr flexibel ist und die alte Kappendecke als verlorene Schalung funkioniert. Eine solide und einfache Lösung. Die Laschen sind nicht so doll, aber anders geht`s wohl nicht.

Viele Grüße



Würde ich genauso sehen



Bei uns wurde eine Holzbalkendecke gegen Keller ausgetauscht.
Haben uns zwischen einer Holhsteindecke und Ortbeton entschieden.
Bei 20m² wären für die Hohlsteindecke inkl. Statik ca. 2500EUR fällig geworden.
Wir haben Ortbeton gewählt. Selbst eingeschalt, Armierung selbst verlegt, Armierungsplan und Statik gabs vom Statiker, Ortbeton selbst gemischt.
Die Kosten inkl. Statik lagen unter 1000EUR, da ist natürlich die Arbeitszeit von mir und den Helfern nicht berücksichtigt.
Hohlsteindecken sind nett, die Einzelteile laufen aber auch nicht alleine ins Haus. Bei 80m² würde ich aber auf jeden Fall Lieferbeton mit Pumpe kommen lassen. Wir haben das nur "manuell" gemacht, weil wir einen 1000l Mischer haben.
Gruß
Michael



gute übersicht



danke für die beiden preise, jetzt habe ich zumindest mal ein paar anhaltspunkte was auf mich zukommt.

prinzipiell finde ich die idee mit der Betonplatte auf die alte decke ja gut. problematisch ist es eben nur, dass mein boden dann ca. 5-6 cm höher wird und ich somit alle türen nach oben versetzen muss. auch die fensterbänke hätten dann eine seltsame höhe. aus diesem grund suche ich noch nach alternativen.

sind die 16cm stärke jetzt eigentlich ein mindestmaß für freitragende decken oder ist da auch weniger möglich?



Viel weniger..



..als die 16cm wird kaum möglich sein, da die beiden Bewehrungslagen einen Abstand zueinander haben müssen, dazu die Mindestüberdeckung der Bewehrung nach außen.
Eine andere Möglichkeit wäre die alten Decken rauzunehmen, entsprechende Auflage zu schaffen, Schalung bauen und die neue Decke OK auf das Niveau der alten zu betonieren.
Neue Auflager für die Decke sind ohnehin herzustellen.

Ob das mit dem herausnehmen der alten Decken im Bestand geht und wie, weiß der Statiker.

Vielleicht gibt es aber auch noch eine Möglichkeit, die vorhandene Kappendecke zu sanieren. Ich meine es gibt hier einen älteren Thread, da wurde die Möglichkeit diskutiert, die maroden Träger von unten entsprechend zu unterstützen, um die Zug/Druckkräfte in den Gurten wegzunehmen, die Träger sind dann nur noch Abstandhalter zwischen den Kappen.

Wenn im Keller entsprechend Platz ist vll. auch möglich. Herr Böttcher wäre da sicher ein geeigneter Ansprechpartner!

Gruß



Eines



wäre mir ja bei der vorgeschlagenen Lösung höchst suspekt... auf der alten Decke liegt dann zwar keine Last mehr, aber was ist, wenn die trotzdem einstürzt?

Wir hatten mal jemand, der die Träger seiner Decke schlicht mit einer Mauer unterfangen hat und das hält jetzt seit 3 Jahren, aber wie das auf die Dauer wird ist unklar.



Kappendecke



Auf der alten Decke liegt sehr wohl eine Last; die Eigenlast der neuen Decke.
Mein erster Fall als Gutachter war so etwas ähnliches, da wurde eine vorhandene Stahlbetondecke durch aufbetonieren einer weiteren verstärkt, um schwere Maschinen (mehrere schwere Diesel- Generatorsätze) aufzunehmen. Eine Trennwand zum Nachbarraum und die Decke darin verformte sich nach den ersten Probeläufen, überall verliefen Risse. Auch hier wurde die neue Decke kraftschlüssig mit den aufgehenden Wänden verbunden.
Schadensursache: Alte und neue Decke bildeten nach dem Erhärten einen Verbund und ein scheitrechtes Stützgewölbe. Ein Widerlager war die Trennwand samt Decke zum Nachbarraum. Die Vibrationen der Diesel genügten um das Gewölbe "einstürzen" zu lassen, jetzt trug die (schlaffe)Bewehrung der neuen Decke. Der vorher sich austobende Seitenschub am Widerlager verschob die Wand und beulte die Decke nach oben.
Deshalb interessieren mich die Fotos der alten Decke.

Viele Grüße