Kellerdaemmung: Balkendecke, Lehmboden

20.03.2007



Hallo,

wie macht man richtig die Waermedaemmung zwischen Keller und Erdgeschoss? Der Keller hat derzeit recht Feuchte Natursandsteinwaende (frueher im Sommer gerne "nassgelueftet") und Naturlehmboden.

Inzwischen habe ich Empfehlungen fuer so ziemlich jede Variante. Einzig unstrittiger Punkt: Waermedaemmung muss sein.

In der Materialauswahl stehen derzeit vor allem feuchteunempfindlichere Materialien - also wohl vor allem "Styropor" oder Mineralwolle.

Folgende Meinungen habe ich inzwischen:

0) Lehrbuchmeinung: alles oben drauf kommt weg, komplett neuer Deckenaufbau. Der bisherige ist von unten nach oben: Balkendecke mit ca. 15x15 cm Balkenstaerke, Bretter, Dielen, Parkett. Etwaige Zwischenschichten (unter dem Parkett oder zwischen Brettern und Dielen) sind unbekannt.

Reisst man all das oben drauf weg, kann man eine echte Dampfsperre draufbrigen. Diese fast komplette Entkernung sollte aber vermieden werden...

1) Dampfdichte Schicht von oben: Oben ist's warm, unten ist's kalt, also darf die feuchtwarme Luft nicht von oben in der Daemmschicht kondensieren.

Abhilfe wegen Balkendecke und Parkett von oben: Die Folie wird taschenfoermig in die Balkenzwischenraeume verlegt.

Probleme: Einerseits ist das extreme Puzzlearbeit, die verwinkelten Ecken mit Folie auszukleiden. Andererseits ist die Hauptangst: Damit werden die Balken selbst die Feuchtigkeit abbekommen und weggammeln.

2) Dampfbremse von unten drauf: irgendwie soll die Feuchtigkeit draussen bleiben. Also wird die Dampfbremse erst unter die Balkenlage gesetzt. Problem: vielleicht saeuft die Daemmung ab?

3) Um das Absaufen zu verhindern wird das ganze moeglichst diffusionsoffen gehalten - also z.B. Mineralwolle zwischen die Balken, von unten dann zementgebundene Faserplatten drauf

Moeglicherweise muss man entlang des Aussenwandbereichs (Natursandsteinwaende mit einer Rauhigkeit > 5 cm) vielleicht anders arbeiten als im Bereich zwischen den Balken?

Welchen Aufbau, welches Material wuerdet ihr empfehlen?

Danke,
Martin



Deine "feuchteunempfindlichen Materialien"



sind nicht so unempfindlich wie Du denkst!
Mineralwolle verliert vollkommen die Dämmwirkung, wenn sie nass wird. Styropor wirkt praktisch wie eine Dampfbremse.
Zementgebundene Faserplatten sind auch nicht gerade der Hit.
Wir haben zwischen den Balken eine Einschubdecke, obendrauf Hanfdämmung und darauf Rauhspund ohne Dampfbremse.
Wenn Du zur richtigen Jahreszeit lüftest, dürftest Du keine Probleme bekommen.

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Eine Dämmschüttung aus Naturkorkgranulat



wäre hier zu empfehlen. Kork dämmt sehr gut (WLG 045),ist naturgemäß feuchteresistent und braucht keinerlei Dampfsperren oder Folien. Eine gute Be-und Entlüftung des Kellers möchte ich zusätzlich empfehlen.
Eine andere Variante wäre ein Kork-Kalkestrich.



Kork einblasen



Hallo,

wie kriegt man die Schüttung hinein? Von unten zunageln und einblasen?

Habe ich mich möglicherweise falsch ausgedrückt? Ich will hier nicht den Kellerboden dämmen, sondern die Decke zum Erdgeschoss nach oben.



Ja, Sie können Korkgranulat auch einblasen.



Das klappt gut mit den Einblasmaschinen der Zellulose-Fachbetriebe.



Aufbau der Kellerdämmung



Wenn ich Mineralwolle nehme - wie würdet ihr die verarbeiten?

Die Balken sind etwa 15x15 cm stark. Sollte man besser zwischen den Balken dämmen? Das wären etwa 10 cm Dämmschiht, 2 cm zementgebundene Leichtfaserplatte (wie heisst die korrekt?) und ca. 22 mm Leisten.

Oder würde man 14 cm Mineralwolle nehmen und von unten flächig verkleiden? Das geht mit weniger Puzzlearbeit, nimmt aber etwas Raumhöhe.

Welche Materialien sind überhaupt hier geeignet? (feuchter Naturkeller)



Fermacellplatten



und Mineralwolle sind für feuchte Räume denkbar ungeeignet!
Liest Du Dir Deine Einträge nicht durch?
Geeignet wären alle natürlichen Dämmstoffe wie Hanf, Kork und Holzfaserleichtplatten.
Wie Du die Dämmung anbrinst, ist relativ egal. Kommt darauf an, ob Du pusseln möchtest oder nicht. Hier braucht man keinen fachlichen Rat!
Alle Ratschläge hier sind für die Kellerdecke gedacht, auch die Variante der Einblasdämmung von Klaus Schillberg und... richtig!!!
Von unten "zunageln" und einblasen!!

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Wird Dämmung im Keller "nass"



Hallo Harald,

gelesen habe ich es wohl - verstanden aber vielleicht noch nicht.

Warum sollte nach deiner Meinung Hanf besser sein als Mineralwolle?

Was wäre an Styropor als Dampfbremse schlecht?

Dass Mineralwolle nicht mehr dämmt, wenn sie komplett durchnässt ist, das habe ich bereits verstanden. Aber warum sollte sie überhaupt so nass werden können? Es sind ja schon jetzt Balken über dem Keller, die das bisher überlebt haben. Allerdings habe ich da Bedenken, dass mir diese in dem Moment wegfaulen, wo ich sie in Dampfsperren oder auch nur -Bremsen einhülle.

Selbst wenn die Mineralwolle mal komplett durchnässst sein sollte, könnte sie ohne Schaden wieder durchtrocknen, vermute ich.

Wenn ich aber Kork verwenden würde - welche Unterkonstruktion müsste ich zwischen bzw. unter die Balken setzen? Nach deiner Aussage ist Fermacell ungeeignet - für Kork ist das sicher richtig, da der zu schwer wäre.

Kork kann ich mir übrigens gut im Randbereich mit direkten Kontakt zur Natursandsteinwand vorstellen. Ansonsten ist mir Kork schlichtweg zu teuer! Rechne ich da falsch oder spielt bei deinen Betrachtungen der Preis keine Rolle?

Hier auch mal eine Skizze, wie's an der Aussenwand aussehen kann. In dem Bereich kann ich mir eingeblasenen Kork viel besser vorstellen, weil mir noch kein besseres Material einfällt. Der Kork hätte hier direkten Kontakt zur tatsächlich feuchten Aussenwand. Ausserdem ist hier noch keine Dampfsperre oder Dampfbremse zwischen dem beheizten Wohnbereich darüber und dem Keller darunter - schlimmstenfalls pfeift da sogar der Wind durch. Bisher ist das nicht bekannt, aber blowerdoor-Tests dürften hier Schwachstellen zeigen können. Wie macht man da die Dämmung? Skizziert habe ich einen Putzauftrag an der Wand (Kalkzementputz?) als Träger für eine aufgeschraubte Leiste.



Mineralwolle



pappt bei Nässe zusammen und bekommt dann auch beim Trocknen nicht mehr das lockere Gefüge.
Hanf dagegen kann Feuchtigkeit ab und hat nach dem Trocknen die gleichen Eigenschaften wie vorher.
Bin ein Gegner von Dampfsperren oder -bremsen.
Eine weitere Möglichkeit ist, Heraklithplatten unter den Boden zu Schrauben und sie dann mit einem Kalkputz von unten zu verputzen.
Kalkzementputz würde ich nicht empfehlen, lieber einen reinen Kalkputz.

Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik