Fragwürdiger Aufbau Kellerdecke - armierte Betondecke drüberlegen?

20.02.2006



Liebe Experten, ich hätte da gerne mal ein Problem :o) Wir haben vor kurzem ein umgebautes Nebengelass eines Herrenhauses erworben. Eine der enthaltenen vier Wohneinheiten wollen wir für uns selbst ausbauen (Erdgeschoss, teilunterkellert) und sind dieses Wochenende beim Ausbrechen der Dielung (was man halt so nennen kann - lackierter Rauhspund, 19er Stärke, z.T. morsch und spärlich gelagert) auf einen interessanten Fussbodenaufbau der unterkellerten Küche gestoßen. Größe ist ca. 5,80m x 2,50m. Stahlträger aller 70-80cm spannen über die kurze Seite (also über 2,50m). Zwischen den Stahlträgern ist eine Art Mauerwerk eingebracht, allerdings nicht als Gewölbe, sondern eben. Wahrscheinlich verschalt worden von unten, Ziegel aufgelegt und mit Mörtel / Beton vergossen. So sieht es zumindest von unten aus. Obendrauf noch bissel (schlechten = bröckeligen) Beton gegossen (Steine schauen z.T. durch). Das wars. Kann es nicht soo genau messen, aber wahrscheinlihc ist es wirklich nur eine Schicht Steine, es können nicht mehr als 10cm sein. Kein Gewölbe wohlgemerkt. Mir ist nicht wohl dabei. Die Stahlträger sind auch schon anständig angerostet. Wir hatten heute eine Statikerin da, um das Gebäude mal einschätzen zu lassen. Sie hat gemeint es wäre kein Fehlkauf gewesen (alles trocken, keine Risse, Dach i.O.). Bezüglich der Kellerdeckenkonstruktion war sie kurz skeptisch. Es gibt ja immer gerne das Argument: Es hat bis jetzt gehalten (war immer bewohnt, bis deutlich vor 1950 zurück, Baujahr vielleicht 1900 oder eher) ... Sie hat folgenden Vorschlag gemacht: Aller 1m Wandumfang die inneren 12cm der untersten Schicht Ziegel ca. 20-50cm lang entfernen, so dass eine Art Zahnung im Umfang des Raumes entsteht, in diese Zähne und auf die vorhandene Decke Armierung (Matten) einbringen und Beton vergiesen (wahrscheinlich 5-10 cm). So soll eine Art selbsttragende Betondecke aufgesetzt werden. Vom Verfüllen des Kellers hat sie abgeraten, da es schwer (aufwändig) wäre, das Verfüllmaterial so zu verdichten, dass der dann aufliegende Küchenboden sich nicht später doch senken würde. Der Kellerzugang wurde verschüttet und überbaut (Zugang i.M. nur über Kellerfenster). Wir wollen den Keller nicht nutzen, ist nur ca. 1,60m hoch, umständlicher Zugang, kein Nutzwert. Trotzdem wäre es vor allem sehr sehr ärgerlich, wenn sich der Küchenboden nach einem Jahr, wenn wir vielleicht endlich mit allen Renovierungsarbeiten fertig sind, einfach mal paar cm senkt ... weswegen wir die Variante mit der Aufsatz-Betondecke leicht bevorzugen. Was würdet Ihr dazu sagen? Armierte Betondecke ausführen (welche Stärke würdet Ihr wählen) oder doch verfüllen und hoffen, dass die Verdichtung ausreicht und sich nix senkt? Vielen Dank im Voraus für ein paar Meinungen, wir sind uns nicht richtig im Klaren ... Andreas.



Wenn eine Statikerin



schon vor Ort war, kann sie die Situation natürlich besser abschätzen, wie irgendjemand hier im Forum. Bezgl. der Verfüllung gebe ich ihr auch recht. Eine Verdichtung dürfte nicht möglich sein. Ich möchte aber noch 2 Dinge zu bedenken geben:
- Der Keller, muss auch wenn er nicht genutzt wird gut belüftet sein. Es ist natürlich ungünstig, wenn man ihn nicht begehen kann, da im Sommer wenig im Winter gut gelüftet werden soll, muss man sich überlegen, wie man das gewährleisten kann.
- Soll eine Betondecke oben aufgelegt werden, sollte diese selbsttragend sein, also schon etwas 10 cm dick sein. Man weiß ja noch nicht, was weiter aus den Trägern wird. Wieviel Höhenverlust verträgt die Küche?



Verfüllen durch Zuschichten?



Herzlichen Dank schonmal für den Kommentar! Die 10cm Betondecke sind drin. Ich will wieder Balken (oder halt Lagerhölzer) + Dielung auflegen, es sind gut 20cm bis zur vormaligen Bodenhöhe frei. Das Lüften an sich wird sich eher schwer bewerkstelligen lassen, beide Kellerfenster (eines ist eher ein verdeckter Schacht) sind an der gleichen Seite des Gebäudes, in engen Schächten (Keller ist vollversenkt, also Decke = Erdbodenoberfläche), also wenig bis gar keine Zirkulation. Der Keller hat eine hohe Luftfeuchtigkeit, Wände sehen auch feucht (nicht nass) aus (Inspektion nur kurz mit Taschenlampe) ... Mir ist noch folgendes eingefallen: Ich könnte den Keller mit Ziegelsteinen zuschichten. Meiner laienhaften Meinung nach dürfte sich dann nix mehr setzen, weil sich an Steinen schlecht was verdichten kann (vorausgesetzt ich sorge dafür, dass die Bindung zur Decke vollständig und ohne Zwischenraum ist) ... Der Kellerboden ist mit Ziegelsteinen gepflastert (macht einen ordentlichen Eindruck) ... Das würde mir die (bleibende) Sorge um die schwindende Gesundheit der Träger nehmen (tragen dann ja nich mehr). Ist sicherlich eine Heidenarbeit, aber Steine habe ich ohne Ende mit rumliegen und es fallen auch noch viel mehr an, die müsste ich sonst auch nur für teuer Geld wegschaffen lassen ... würde etwas gegen das Verfüllen des Kellers durch Zuschichten sprechen (im Sinne einer tatsächlichen Abstützung der Decke)? Muss ich mir wegen der Feuchtigkeit im Keller Gedanken machen? (Horizontalsperre 2x im Mauerwerk + wahrscheinlich in der Kellerdecke, zumindest ist der Küchenboden nicht feucht ...) Ich bitte um Nachsicht falls meine Bedenken merkwürdig erscheinen, aber ich bin etwas verunsichert und ohne Erfahrung auf diesem Gebiet ...



Kellerdecke



Dachog. Ihrer Beschreibung nach handelt es sich bestimmt um die Konstruktion einer preußischen Kappendecke. Wie bei allen Gewölben und Bögen gibt es auch bei dieser Konstruktionsart eine scheitrechte Ausführung. Sie sollten also nicht zu viel Angst haben, daß alles zusammenfällt. Wie Fred Heim anmerkte, sollte die darüber gelegte Betondecke schon selbsttragend sein, also unabhängig von der Kappendecke, sonst belastet sie ja diese. Aber es ist ja nun alles erledigt. Ihrer Beschreibung nach hängt die neue Decke ja nun an den Zähnen. Meiner Meinung nach hat das nicht viel mit Statik zu tun. Mfg ut de Oltmark



Also wenn's meiner wäre



würde ich ihn nicht zuschütten. Ich würde mir von außen einen komfortableren Zugang basteln. So könnte man ihn im Sommer schließen, im Winter lüften. Vielleicht doch das ein oder andere Abstellen und hätte ständig die Kontrolle über die Situation der Decke, der Wände und der Feuchtigkeit. Im Falle eines Falles könnte man sie stellenweise untermauern, oder neue Träger unterziehen. Ein zugeschütteter oder mit Ziegeln zugestellter Keller mit Hohlräumen, die sich nicht verhindern lassen und einer entsprechenden Feuchtigkeit ist vielleicht auch die richtige Grundlage für diverse hausschädigende Pilze.