Zwischendecke

23.12.2010



Hallo hallöle,

ich würde nach totaler Enkernung, d. h. es sind nur noch die Deckenbalken vorhanden, gern die Zwischendecke zum OG herstellen.
Ich dachte mir, ich verwende 60x80er Lattung im Abstand von 20 cm und darüber 16er OSB Platten.
Von unten sollen die Balken sichtbar bleiben, eventuell die Zwischenräume mit Rigips ausgefüllt werden, damit es sauber aussieht.
Dielung geht von oben her leider nicht, da die Balken alle sehr unterschiedlich sind.
Meine Frage zielt vielmehr auf den vorhandenen Zwischenraum (OSB-Platten zu Rigips).
Sollte dieser unverfüllt bleiben, dann wäre da wohl kein Schallschutz gegeben.
Vielleicht hat jemand eine kostengünstige Idee.
Anmerkung. das OG ist ebenfalls durch uns bewohnt und beheizt.



Warum



nur werden die alten Holzbalkendecken erstmal kaputtgemacht und dann wieder für teures Geld hergerichtet, damit sie wieder halbwegs so funktionieren wie vorher???
Schalldämmung lässt sich am efektivsten durch Masse erreichen, war durch den Einschub mit Lehmschlag bestens gegeben. Auf jeden Fall muss auf den Balken ein Belag kraftschlüssig aufgebaut werden, um die statisch erforderliche Scheibenwirkung wiederherzustellen.
MfG
dasMaurer



kraftschlüssig und Scheibenwirkung



Das Lehmgefach sollte auch eigentlich drinbleiben, darüber bin ich mir wohl im Klaren.
Jedoch war es sehr unterschiedlich und somit unansehnlich verarbeitet worden, teilweise gut eingearbeitet, teilweise nur auf von unten sichtbarer Lattung aufgelegt.
Deshalb gab es keine Diskussion und es kam raus!
Mich ineressiert nunmehr Ihr Argument der Scheibenwirkung, kann das hier jemand erklären?

MfG und frohe Weihnachten



Ganz



einfach, jedes statische Konstruktion(sprich Bauwerk) muss unterschiedliche Lasten aufnehmen und benötigt deshalb Aussteifungen. Das wird entweder durch Dreiecksverbände oder durch starre Scheiben erreicht. So verhindert eine so ausgebildete Decke zum Beispiel, dass sich das Fachwerk bei Wind verdreht und wie ein Kartenhaus zusammenklappt.
MfG
dasMaurer



Deckenaufbau



"... deshalb gab es keine Dikussion und es kam raus..."

Man sollte sich vorher informieren, wozu ein Bauteil dient.
Ich schmeiße auch nicht den Beifahrerairbag aus dem Auto, nur weil mir das Handschuhfach zu klein erscheint.
Außerdem: Die Füllung einer Decke ist nicht sichtbar, da ist es egal wie sie aussieht.

"... teilweise nur auf von unten sichtbarer Lattung aufgelegt."
Das exakt ist der innere Aufbau einer klassischen Einschubdecke, eine Deckenfüllung aus Lehm, Sand, Schlacke usw. auf einem Einschub aus einfachen Brettern, meist Schwarten.
Als Rieselschutz gab es einen Lehmverstrich.
Als Nutzschicht und aussteifende Scheibe zur Aufnahme von waagerechten Lasten kam darauf oben ein Dielenbelag.
Die Untersicht so einer Decke besteht aus Spalierlatten bzw. gespaltenen Brettern, Schilfrohrmatten als Putzträger und Deckenputz.
Die Füllung sichert mit dem Putz Schalldämmung, Rauchdichtigkeit und Widerstand gegen Feuer.
Ihre Masse spannt die Decke vor und dämpft Schwingungen.

Eine Holzbalkendecke ist also eine sorgfältig durchdachte Konstruktion als Ergebnis eines langen Optimierungsprozesses, keines ihrer Bauteile ist überflüssig.
Sie versuchen ohne Wissen um die Funktionsweise die Decke so hinzubiegen wie es Ihnen passt.
Glauben Sie, das eine schlechte Kopie eines halben Windelbodens (anscheinend versuchen Sie diesen mittelalterlichen Vorgängertyp der Einschubdecke nachzuempfinden) besonders schick ist?
Mit OSB und Gipskarton aus dem Baumarkt wird das Ergebnis ziemlich gequält aussehen, abgesehen von den schlechteren Nutzungseigenschaften.

Viele Grüße



unabhängig



vom Sinn oder Unsinn der vorher ausgeführten Arbeiten - man kann es sowieso kaum ändern, es sei denn, man baut das alte System wieder auf, würde ich dann schon keine 16er OSB, sondern 28er OSB nehmen und die auf eine tragendende oder ausgleichende UK verschrauben wegen der angesprochenen Scheibenwirkung. Dielung wäre aber eine Alternative. Die Frage, ob eine Querlattung oder eine Beilage an die vorhandenen Balken sinnvoller ist, hängt von der möglichen Aufbauhöhe nach oben, der Höhendifferenz zwischen den Balken und dem Einbau der Felderfüllung ab. Denn Für die braucht man ja auch noch ein Befestigung beidseitig am Balken. Mit Beilagen am Balken wäre beide Problem geklärt. Natürlich muß noch die alte Deckenauflast wiederhergestellt werden mittels Füllung der Decke, um Schallschutzproblem zu vermeiden. Alles schon im Forum behandelt mit Fotos !
Die Frage nach einem notwendigen Feuerschutz wäre erst mit Kenntnis dder Anzahl der Wohnungen zu klären, sollte aber auch unbedingt beachtet werden.
Ich gebe also trotz meiner Anwort auf deine Frage dem Georg B. 100% Recht. Erst prüfen, dann einreißen. Ansonsten wächst Du nicht mit Deinen Aufgaben, sondern gehst daran zugrunde.

Dir und Deiner Familie ein schönes Weihnachten wünscht Dir aus dem vereisten Sachsen Olaf!



Hauseingriff



Alle Zuschriften zu Ihrer Anfrage sprechen mir aus dem Herzen und Sie sollten sie würdigen.
Sie operieren an einem Haus von gestern mit sehr aktueller Wunschvorstellung, die morgen Ihnen selbst peinlich vorkommen, zumindest aber die zukünftige Nutzung erschweren kann.
Respekt ist unsere Aufgabe, denn es sollten doch in 30-40 Jahren fern von allen Modewellen die neuen Bewohner ein Gebäude vorfinden, welches kein hohler Vogel ist, sondern funktioniert.



Klarstellung



Bevor wieder alle über mich herfallen:
Grundsätzlich hätte ich gern die Deckenbalken in voller Stärke sichtbar zuvor wollte ich jedoch überlegen, ob die Lehmdecke drinbleibt oder nicht jedoch hinderte mich Folgendes daran:Ein Teil des zu errichtenden Wohnzimmers hatte wirklich tolle Lehmeinschübe (2 Felder), ein Teil hatte die draufgelegten Lehmeinschübe, d. h. Lattung von unten sichtbar (3 Felder), der Rest hatte lediglich Spreu als Füllung (7 Felder).
So und nun macht daraus mal eine ansehnliche Decke von unten!
Hier gibt es so viele Beiträge, die immer davon ausgehen, dass der Anfragende sich das was er macht, nicht überlegt hat.
Mitlerweile haben drei Zimmerleute mir vor Ort bestätigt, dass ich bezüglich der Statik mir keine Sorgen machen sollte. Einer der guten Herren, wollte mir meinen Katen gleich abkaufen!
Ich möchte um Himmels Willen nicht arogant oder so rüberkommen, jedoch kann man doch eine Frage einfachst beantworten, oder man lässt es einfach.
Danke an Maurermeister Warnecke und Olaf aus Sachsen!!!
Schöne Weihnachten und danke für die qualifizierten Antworten.



Deckenaufbau



Anscheinend haben sich an der Decke schon andere Heimwerker versucht.
Zur Frage nach der Ansicht der Deckenunterseite:
Am einfachsten zu bewerkstelligen ist für den Heimwerker eine Trockenbau- Unterhangdecke.
Bei Ihnen wären das Direktabhänger, Traglattung, Gipsfaser- bzw. Gipskartonplatten. Damit haben Sie eine ebene Deckenuntersicht.
Die aufwändigere Variante wäre die Wiederherstellung der Decke im Ursprungszustand; vermutlich war das ein ganzer Windelboden mit Lehmwickeln. Das ist aufwändig, aber machbar.
Die ausgeräumten Balkenfelder werden mit Lehmwickeln aufgefüllt und die Deckenuntersicht anschließend wieder mit Lehm verputzt.
Das ist etwas für einen Fachbetrieb.

Viele Grüße



Zwischendecke



Wie schon gesagt, wir wollen die Deckenbalken sichtbar haben, so dass ein vollständiges Abhängen nicht sinnvoll wäre. Der Großteil des besagten Raumes war im Ursprung ein Pferdestall, d. h. das vorhandene Gebälk war wahrscheinlich offen. Erst später wurde Wohnraum daraus erbaut.
Ich gehe derzeitig davon aus, dass der jetzige Zustand der ursprüngliche war, statische Probleme mithin nicht auftreten sollten.
Trotzdem vielen Dank....wieder einmal!!!!