Dachisolierung / Schwitzwasser

19.01.2006



Sehr geehrte Kollegen,

ich hane ein etwas größeres Problem. In meinem Haus habe ich das Dach isoliert. Das Dach hat nun folgenden Aufbau:
Dachziegel, Konterlattung, Unterspannbahn (aus einen sehr starken Folie, ca 1 mm, und mit Teer getränkt?), Zwischensparren- Glaswolleisolierung 120mm, Dampfsperre (Folie) Aufsparren_ Glaswolleisolierung 50 mm.
Die Dampfsperre wurde Sommer 2005 installier jedoch in den Stoßbereichen und bei Durchdringungen (Sparren, Firstbalken, Anschlüsse an Dachfenster usw.) nicht Dicht verklebt. Im Dez. 05 stellte ich Kondenswasser innerhalb der Unterspannbahn fest. Daraufhin habe ich schnellstens die kompletten Dampfsperre verklebt. Diese Arbeit wurde äußerst sorgfältig durchgeführt. Selbst die Tackernadeln wurden abgeklebt.
Heute nun habe ich erneut Schwitzwasser an anderen Stellen festgestellt. Wobei es in Firstnähe schlimmer ist als im unteren Bereich des Daches. Ausserdem gibt es auch Bereich die trocken sind.
Meine Frage: Kann das vorhandenen Schwitzwasser noch aus der "Sommerzeit" stammen in dieser die Dampfsperre nicht verklebt war und wenn ja bestehrt die Möglichkeit, daß die Feuchtigkeit im Sommer durch die Unterspannbahn auch nach aussen gelangt oder muss ich die komplette Isolierung wieder demontieren.
Vorab vielen Dank für Ihre Antwort



Bei



einer teergetränkten 1 mm Folie wird wohl kaum das Wasser den Weg nach aussen finden. Der von ihnen beschriebene Aufbau ist zwar nach den anerkanten Regeln der Technik erstellt, allerding nach meiner Meinung ein Aufbau der von vornherrein zum Bauschaden führen wird. Über kurz oder lang wird Kondenswasser immer in der Dämmlage landen, ziemlich egal wie ich die Dämmung aufbaue. Eigentlich habe ich die Taupunktunterschreitung immer in der Dämmlage. Und bei ihrem Aufbau kann diese Feuchtigkeit nie wieder aus der Konstruktion. Sicher kann es in ihrem Fall daran liegen das die Stöße nicht verklebt waren das es so schnell zum Schaden kamm. Aus meinen Erfahrungen der letzten 24 Jahren Bautätigkeit würde ich diesen Aufbau komplett ändern. Ist natürlich eine kostenfrage.
PS: Es wird sichelich Fachmänner geben die ihnen versprechen Dampfsperren -bremsen dauerhaft sicher herstellen zu können. Ich glaube ich bin auch ein Handwerker der mit großer Sorgfalt und Fachkompetenz zu Werke geht, aber ich behaupte von mir solch eine Sperre oder Bremse nicht herstellen zu können, und ich kenne auch keinen Handwerkedr der das kann. Irgendwann wird es immer zu Beschädigungen durch das arbeiten des Dachstuhls kommen und es wird zu abrissen führen. Ich arbeite lieber mit Aufbauten, die zwar nicht den Regeln der Technilk entsprechen, aber dafüpr dauerhaft funktionieren. Lieber ohne Sperren. Mit lehmigen Grüssen Martin





Hallo Oliver

Ich denke nicht, dass diese Konstruktion nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt wurde. Es ist zu vermuten das der sd Wert (Dampfwiderstandswert) diese Unterspannbahn ein vielfaches deiner Dampfsperre darstellt. Dies bedeutet eine Umkehr der bauphysikalischen Regel, dass der sd Wert auf der Warmseite ein vielfaches des Wertes auf der Kaltseite betragen soll.

Wenn du die äußere Unterspannbahn nicht durch eine "diffusionsoffene" Folie ersetzen kannst würde der Austausch der Unterspannbahn durch eine feuchteadaptive Folie zumindest ein wenig weiterhelfen.

Mit besten Grüßen

L. Parisek



Kann



es wirklich sein das es etwas bringt, wen ich innen versuche, was höchst zweifalhaft ist das ich es auf dauer schaffe, dichter zu werden als aussen. Wo soll die Taupunkunterschreitung hin? Oder gibt es die etwa nicht? Bauen wir eine Aufdachheizung um im Winter keine Minusgrade von aussen zu bekommen? Tut mir leid aber ich kann mir nicht vorstellen das eine Verbesserung der Dichtigkeit innen auf Dauer wirklich eine Lösung ist.





Lieber Oliver

1. Ich halte es für schwierig und auch nicht für erstrebenswert den sd Wert der Dampfbremse zu erhöhen.

2. Einen Taupunkt gibt es in der Konstruktion immer, entscheident ist die Frage wo dieser liegt.

3. Was ist bitte eine Aufdachheizung ?

4. Die Verbesserung der "Luft"-Dichtigkeit(sprich Konvektionssperre)ist von herausragender Bedeutung. Mein Ratschlag mit der feuchteadaptiven Folie ist bei solchen schwierigen Situationen aus diversen Erfahrungen geboren.


Gruß

L. Parisek

PS: Bei Fragen rufe bitte an:
09549 8266 oder 0179 3953590



Es sind immer die selben Geschichten,



Wenn man die neuen Fragen im Forum liest stellt man fest, daß vieleicht 30 % der neuen Fragen mit Feuchtigkeit zu tun haben.

Egal ob Dämmung nach dem Stand der Technik eingebaut wurde oder nicht, selbst wenn es nicht zu massiven, sicht- oder spürbaren Schäden kommt, in der Realität funktioniert die Dämmung mit leichten Baustoffen eben nicht so wie vorher berechnet.
Wie bereits meine Vorschreiber beide (obwohl von verschiedenen Ufern kommend) richtig bemerkten, findet die Kondensation immer in der Dämmung statt.
Auch wenn die Dampfsperre (meinetwegen auch -bremse) fachgerecht ausgeführt wurde, es gibt trotzdem zumindest ein Minimum an Diffusion durch die Dampfbremse in die Dämmung.
Und kondensieren wird das Wasser immer in der Dämmung.
Das mindeste was passiert, ist daß der Dämmwert sinkt.
In schweren Fällen kommt es zu Bauschäden!
Die Verwendung von diffusionsoffenen Unterspannbahnen ermöglicht es der Dämmung im Sommer wieder auszutrocknen.

Toll: Wir ziehen im Winter die schon warmen Socken an, die dann im Laufe des Winters recht nass werden. Wie warm das hält weiß wohl jeder! Aber im Sommer trocknen die ja wieder!



Ich arbeite seit geraumer Zeit überhaupt nicht mehr mit leichten Baustoffen. Das Minimum beim Ausbau eines DG ist die Montage mehrer Schichten Holz und 1 - 2 Schichten Holzweichfaserplatten als wasserdichte Winddichtungsebene.
Die Erfahrungen (immer in Verbindung mit Wandheizungen(Heizleisten) sind überaus positiv und nachweisbar.


Dann noch einmal zu einem weiteren Nachteil der Luftdichtigkeit(bitte nicht mit Winddichtheit verwechseln!).

Die Existenz hoher Luftfeuchtigkeit, Ergebnis der "Konvektionssperre" ist Voraussetzung für das sichere Auftreten von Kondensationsproblemen, und damit von Schimmel.
Abgesehen von der mangelnden Behaglichkeit ist die Sporenbelastung des Wohnumfeldes ein Preis, den ich auf keinen Fall für möglicherweise geringere Heizkosten bezahlen will.

Deshalb beim Bauen immer: einfach - übersichtlich - massiv
Holz - Kalk - Ziegel und wer es mag, Lehm
Mehr braucht man nicht um Einfach gut zu bauen!

Zum Thema Dachausbau ohne Dampfsperre gab es vor einiger Zeit ein interessantes Forum:

http://www.fachwerk.de/goForum.html?id=23448


Mit den besten Grüßen von der Ostsee


Der Ingo

Foto:

Bei einem mit Holz und Holzweichfaserplatte ausgebautem Dach wurde nachträglich ein Schornstein eingezogen.



Der Schirm der dritten Haut



Hallo Ingo

Mir gefällt dein Ansatz:
1. Mehr Gewichtsmasse in der Dachschräge
2. Durchgehend geringer Dampfwiderstandswert
3. Konsequenter Schutz gegen konvergierende Luftströmungen

Genau so stelle ich mir das auch vor.

(Ich würde dies jedoch gerne erweitern durch zwei Punkte:
4. Doppelte oder gar dreifache Absicherung duch geeignete Entwässerungsebenen
5. Konsequenter Holzschutz durch Bauwerksverschluß, Hohlraumverfüllung und wenn es denn sein muß auch Holzoberflächenimpängnierung mit Borsalz.)

Unter so einem ausgebauten Dach müsste es sich doch gut leben lassen?

Mir stellt sich allerdings immer öfter die Frage: Wie sollen wir an all die verbauten Konstruktionen jemals wieder herankommen? Was passiert wenn Schäden auftreten - und Schäden kommen im Laufe der Zeit mit unerbittlicher Konsequenz.

Die Haltbarkeit ausgefeilter Konstruktionen wird bestimmt nur von einem funktionierenden nicht ausgebauten Dach übertroffen. Womit wir natürlich beim nächsten Punkt bzw. These wären:

Hölzerne Dachkonstruktionen gehören nicht ausgebaut !


Gruß

L. Parisek