Dampfsperre oberhalb der Dämmung?

15.12.2007



Liebes Forum,

bei meinem Dachaufbau stellen sich zwei Fragen, die ich Ihnen gerne stellen möchte.
Aber zuerst eine kurze Baubeschreibung:
Pultdach mit 6° Neigung mit Hinterlüftung und Dachbegrünung (15x20 m )
Ich habe folgenden Dachaufbau:
OSB Platten innen, die mit Gipsplatten verkleidet werden.
20 cm Sparren mit Zwischendämmung Holzfaser
Dampfbremse !!!
3,5 cm Holzfaser Unterdeckplatte als ganzflächige Dämmung
Auflattung für Hinterlüftung 4,5 cm
OSB-Platten und darauf die Isolierung (Polypropylen ) und die Dachbegrünung.

Mein Zimmermann verlegt die Dampfsperre über den Sparren und somit auch über der Zwischensparrendämmung. Das mit der Begründung, dass die Dampfsperre, die gleichzeitig die Luftdichtheitsebene ist, bei der Montage der Gipsplatten durchbohrt wird, wenn sie auf der Unterseite verlegt wird.- Luftdichtheit Ade
Was sagen Sie dazu?

Zweite Frage: Die Hinterlüftung ist nur 4,5 cm hoch, bei 6° Steigung und 15 m Länge.
Ist der Luftstrom ausreichend?


Vielen Dank für jede fachliche Antwort.
Herzliche Grüße
Willi Tschigg



Die Dampfsperre



oder -bremse, je nach gewählter Konstruktion gehört immer von innen gesehen vor die Dämmung, um das eindringen feuchter Raumluft zu verhindern. Aussenseitig muss die Winddichtigkeit mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn hergestellt werden. Und bei Unterseitigen Gipsplatten muss die Unterkonstruktion so gewählt werden, dass eine Beschädigung der Dampfsperre sicher vermieden wird. Und nix von wegen "wenn ich mache, dann...". Dann ist die Konstruktion falsch, und man sollte jemanden fragen, der sich damit auskennt, (Gälbä Saitän und so) Fast alle Gipsplattenhersteller bieten entsprechenden Support an und stellen Regelkonstruktionen vor, die funktionieren. Und 4,5 cm Hinterlüftung sind ausreichend, viel wichtiger sind die Zu- und Abluftöffnungen. Ohne die gehts nicht.
MfG
dasMaurer



Dampfsperre oberhalb der Dämmung?



Lieber Willi,

Dein Zimmermann hat aus seiner gutgemeinten Überzeugung gehandelt, die Dampfsperre nicht zu beschädigen, um Luftdichtheit zu gewährleisten. Das ist auch durchaus wichtig und richtig.
ABER: Dein Zimmermann hat die Funktion der Dampfbremse/-sperre leider nicht verstanden und sie deshalb an der falschen Stelle eingebaut! Wie Du richtig beschrieben hast, soll die Dampfsperre für eine sogenannte Luftdichtung sorgen. D.h. im Klartext: sie soll verhindern, daß die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit ungehindert in die Dämmung diffundieren kann und dort ggf. Bauschäden durch Feuchtekondensation anrichtet.
Mit der Platzierung der Dampfsperre auf der Kaltseite der Dämmung erreicht man genau das Gegenteil: Die Raumfeuchtigkeit kondensiert zu 100% an der Dampfsperre und führt in der Heizperiode innerhalb kürzerster Zeit in der Dämmung zu massivem Schimmelbefall und Bauschäden.
Eine Perforierung der Dampfbremse durch Klammern, Schrauben oder Nägel auf vollflächigem Untergrund (z.B. OSB) beeinträchtigt erfahrungsgemäß nicht ihre Funktionalität (Formschluß ist gewährleistet). Feuchteschäden können i.d.R. erst durch größere Löcher oder mangelhafte Verarbeitung entstehen.

Schönen Gruß an Deinen Zimmermann von einem Kollegen.

Detlef Rien



Innenseitig OSB



Wenn sich innenseitig eine OSB-Scheibe befindet bzw. eingebaut ist, so ist diese Ebene als dampfdicht zu betrachten. Sämtlich sich anschließende Dämmebenen sind somit nach außen hin betrachtet, difussionsoffen zu gestalten bzw. auszubilden.
Trotzdem ist ein gewissenhafte Abklebung sämtlicher Anschlußbereiche, Fugen und Durchdringungen erforderlich!!

@Zimmerei Vielfach

Die Situation mit Ihrer angesprochenen Perforierung bzw. Durchlöcherung durch die Befestigungselemente (Schrauben, Klammern etc.), sehen wir trotzdem kritisch an, da die Praxis erfahrungsgemäß immer anders aussieht, wie auf dem Papier!
In kleineren Bereichen, wie Andrucklatten oder Kreuzlattungssituationen sehen wir dies zwar ähnlich, doch in großflächigen Beplankungen geht dies stets nach hinten los.
Eine hundert Prozent-Lösung am Bau wird es niemals geben, aber eine hohe Annäherung an diesen Wert sollte Grundstock jeder Handwerklichkeit sein.
Wichtig ist doch zu ergründen, wie man am Bau als Handwerker (auch Angestellter!!) so viel wie möglich an Funktionalität erreichen kann. Die Schritte sollten eben vorher im Kopf durchgespielt werden.

Ihre angesprochene Hinterlüftungsebene von ca. 4,5 cm sollte im Normalfall ausreichen (3 cm!), doch dies hängt von der jeweiligen Dachneigung ab.
Für Ihre Konstruktionsvorgabe wird es aber sicherlich eine planerische Vorlage geben. Somit liegt die Gewährleistungssituation bei präziser Ausführung beim Planer (30 Jahre!).
Zu Ihrer Situation fällt mir aber gerade noch ein, daß ein hier integrierter Kollege eine Begutachtung eines eingestürzten Gründaches vornehmen durfte, weil auch konstruktive Details falsch ausgeführt wurden!

Kontakt:

Fachwerkzentrum Andreas Vollack
Andreas Vollack Fachwerkzentrum
Auf dem Eichsfeld 12
34346 Hann.Münden OT Wiershausen
Tel.: 05541/957926 D2:0172/5641202
Fax : 05541/957928
eMail: info@Fachwerkzentrum-Vollack.de
WWW: Homepage

Handwerkliche Grüße

Udo Mühle



Vielen Dank



für die detaillierten und sachlichen Ausführungen.
Ich werde ihre Stellungnahmen beherzigen.

Mit freundlichen Grüßen

willi tschigg