Dampfsperre / Dampfbremse ???

09.02.2005



Ich habe nun schon viele Diskussionen im Forum durchstöbert, aber bei dem Thema Dampfsperre/-bremse scheiden sich die Geister (selbst in der Literatur!). Ich würde gerne mal erfahren, wann nun eigentlich Dampfbremse und wann Dampfsperre und wann überhaupt nichts notwendig ist. Speziell betrifft das die Themen: Innendämmung und Dämmung der Decke zum unbeheizten Dachboden. Wer hat da Erfahrungswerte vorzuweisen?



Man kann



diese Frage nicht allgemeingültig beantworten, sondern muss sich die jeweilige Konstruktion und das Umfeld ansehen. Deshalb empfehle ich auch immer eine Überprüfung am Objekt.
Pauschalisierend sagen (je nach Bauteil):
Syntetische Baustoffe benötigen eine Dampfsperre oder eine starke Dampfbremse. Natürliche Baustoffe benötigen eine leichte Dampfbremse oder gar keine.



mmpfhh.



Mit einfachen Worten (und daher leicht vereinfacht):
Die absolute Dampfsperre gibt es eigentlich gar nicht. Es gibt Materialien die einen hohen Dampfdruck aushalten aber irgendwann wird auch diese Hürde überwunden.
Aus diesen Gründen wird in älterer Literatur von Dampfsperren gesprochen, der Begriff wird in aktuellen Werken aber nur noch in Anführungszeichen gesetzt.
Statt dessen also Dampfbremse.
Im Prinzip geht es darum ein beliebiges Außenbauteil oder feuchtebelastetes Innenbauteil so aufzubauen, dass die Diffusionsoffenheit der verwendeten Materialschichten von warm in Richtung kalt zunimmt, damit der entstehende "Dampf", bzw. die Luftfeuchte durch den Diffusionsdruck nach außen geleitet wird.
Bei einer Innendämmung bleibt das außen liegende Mauerwerk kalt und Kondenswasser bildet sich an der Innenseite der Außenwand. Das ist doof.
Befindet sich die Dämmung außen, wird das Mauerwerk auf Dauer mit angewärmt und dient als Speichermasse. Das ist schon besser.
Erstelle ich einen möglichst diffusionsdichten Wand- oder Deckenaufbau, ist das im Prinzip auch funktionstüchtig, erreiche das aber nur mit Baustoffen, für die ich hier in diesem ökologisch angehauchten Forum mit harten Gegenständen beworfen werde...
Fazit: es verbleiben folgende Varianten...
1. Dämmung außen, von warm nach kalt diffusionsoffener werdend.
2. Diffusionsgebremst auf beiden Seiten, warmseitig dichter als kaltseitig, mit Bauherrnpreis von "Plaste und Elaste aus Schkopau"
3. Dämmung innen, aber nur minimal und das nur nach wegoperierten Magengeschwür des unbedindingt einzuschaltenden Bauphysikers.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri
P. S.: ... nach der gemeinsamen Anwendung von 2 Flaschen Bier und Antibiotika fallen mir immer so seltsame Vokabeln ein. Tschuldigung.



Dampfsperre und der böse Wolf …



Hallo Frau und Herr Eichberg

Die Dampfsperre ist und war ein Versuch die Feuchtigkeit, die in der Innenraumluft beinhaltet ist im Raum zu belassen; wenn die Temperatur (mit der Luft) durch die Wandkonstruktion nach aussen wandert.
Wenn es dann der Temperatur mit dem Wasser auf dem Buckel zu kalt wird lässt sie das Wasser los und es kondensiert.
Theoretisch und rechnerisch funktioniert eine Dampfsperre - hat es aber in der Praxis mitlerweile sehr schwer ausgeführt zu werden.
Wenn dann der Dampfdruck zu hoch ist/wird geht alles durch kleine Löchlein und der Efekt dreht sich ins Gegenteil - der Schaden entsteht.

Eine Dampfsperre vergleiche ich immer gerne mit einem Präservativ: Wenn da ein Löchlein drinnen ist - war wer für die Katz'

Eine Dampfbremse versucht nun nicht zu dicht zu sein und die Temperatur incl Feuchtigkeit langsam in die Konstruktion einwirken zu lassen - hier entsteht auch - aber eben auf einer grossen Fläche verteilt - das "Wasser" in der Konstruktion - das kann aber - laut Berechnung - und sollte dann wieder "ausdiffundieren" können: man sprich von einem "diffusionsoffenen Konstruktionsaufbau"
Der Lehm und das Holz, und auch der Kalk sind da ganz gute Partner, die eben in der Lage sind Feuchtigkeit aufzunehmen und es auch - schadensfrei - wieder abzugeben, da sich keine "Pfützen" bilden können.

Da ich kein Freund von Gefängnissen bin, halte ich auch nicht viel von Dampfsperren; ich versuche immer der Feuchtigkeit genügend Material zur Verfügung zu stellen um schadensfrei raus und rein gehen zu können.

Das Dachbodenprobelm kann ich nicht aus dem Bauchheraus klären; da brauche ich Fakten ....

Aber hier im Forum gibt es hierzu denke ich genügend Infos, die weiterhelfen

Ich hoffe es einigermassen verständlich gemacht zu haben ...

Florian Kurz



Auch eine frage hierzu von mir,



hallo herr kurz,

mit interesse las ich ihren beitrag, denn mich beschäftig auch so ein ähnliches problem. vieleicht können sie meine aufassung bestätigen.
ich habe einen bekannten im allgäu, der ein neues Holzständer haus baut, und mir auch die sperrenfrage stellte.
wandaufbau von ausen nach innen:
lärche verkleidung-25 oder 30mm bitumierte steico oder pavatex - 20-25mm holzbretter stumpf - 140mm Ständer - dazwischen rockwoll steinfaser!? - 30mm heraklit magnesitgebunden - 30mm Lehmputz mit 16er verbundrohre der wandheizung.
ich würde keine Folie zwischen heraklit und Dämmstoff machen, sehe ich das richtig??
danke gruß frank



Ohne Dampfbremse kann



diese Konstruktion nicht funktionieren. Die anfallende Tauwassermenge liegt weit oberhalb der nach DIN erlaubten Menge. Das Problem ist die außen liegende Bretterlage. Diese gehört hier nicht her. Nach innen verlegt macht sie keine Probleme. Der Grundsatz lautet fallender Dampfdiffusionswiderstand von innen nach außen! Dzu kommt allerdings die Forderung der Luftdichtheit. Der Putz erfüllt diese forderung, aber wie sieht es an den Anschlüssen aus, Ecken, Durchdringungen, ...?



Ohne Dampfbremse kann



diese Konstruktion nicht funktionieren. Die anfallende Tauwassermenge liegt weit oberhalb der nach DIN erlaubten Menge. Das Problem ist die außen liegende Bretterlage. Diese gehört hier nicht her. Nach innen verlegt macht sie keine Probleme. Der Grundsatz lautet fallender Dampfdiffusionswiderstand von innen nach außen! Dzu kommt allerdings die Forderung der Luftdichtheit. Der Putz erfüllt diese forderung, aber wie sieht es an den Anschlüssen aus, Ecken, Durchdringungen, ...?



DIN !?



hallo herr heim,
welche bretter meinen sie? die Lärche ausen oder die hinter der holzfaser(steico)platte?
und was ich mich noch frage, wo der enorme Wasserdampf herkommen soll , den soll doch der lehmputz regeln!
gruß frank



Ich gehe davon



aus, dass die äußere Schalung anständig hinterlüftet ist. So spielt sie bei der Berechnung keine Rolle. Das Problem ist die Bretterlage unter der Steico-Platte.
Ein Lehmputz verbessert natürlich die Situation, kann aber auch keine Wunder wirken. Die Feuchtigkeit entsteht einfach durch die Nutzung der Räume. Habe Ende der Woche noch eine Abhandlung gelesen, dass in einem 3-Personen-Haushalt pro Woche durchschnittlich 66,5 Liter Feuchte anfällt.
Die Qualität des Lehmputzes kann man nur in Simulationsberechnungen nachweisen. Ich denke, dass sich ein solcher Nachweis in diesem Falle nicht lohnt (300-500 €). Für eine Konstruktion ohne Dampfbremse ist der Aufbau falsch. Und wie schon gesagt, die Luftdichte muss auch hergestellt werden.