Dampfsperre bei Deckenisolierung (Holzbalkendecke) zum ungeheizten Dachboden?

07.07.2008



Guten Tag.

Wir haben ein Massivhaus (Winkel) mit Walmdach Bj. 1970. Dachboden ist nicht ausbaufähig und wird auch nicht genutzt. Dach nicht isoliert. Nur Vlies unter den Ziegeln. Holzbalkendecke. Darunter größtenteils Gipskarton tapeziert und zusätzlich noch einmal Holzdecken nachgerüstet. Teilweise (Flur, Küche) auch "original" nur Massivholz Nut/Feder. Oben auf den Deckenbalken (ca. 25 cm stark) liegen Spanplatten. Laut Bauunterlagen sollten sich dazwischen eigentlich 150 mm Kokosdämmung befinden. Tatsächlich sind es aber nur 50 mm vermutlich Glaswolle (gelblich) einseitig mit grau-schwarzem Papier versehen. Sonst keine Folie. Das wollen wir verbessern.

Ein Bekannter (Bauingenier) riet uns die Spanplatten abzunehmen, alte Dämmung belassen, und den Hohlraum einfach mit zusätzlichen 100 - 150 mm Mineral- oder Glaswolle aufzufüllen. Eine Folie wäre nicht erforderlich. Danach die Spanplatten einfach wieder darauf.

Der Baustoffhändler war dann anderer Ansicht. Eine Dampfsperre wäre erforderlich. Entweder unter dem Gipskarton (wäre bei uns ein Riesenaufwand), oder die alte Dämmung herausnehmen, zwischen den Balken mit Folie (Dampfsperre oder Dampfbremse???) nach unten und zu den Balken/Seiten sauber auslegen und verkleben. Dann neue Dämmung einbringen, Spanplatten wieder drauf.

Wer hat nun recht? Folie ja oder nein? Kann der Hohlraum komlett (also z.B. die "alten" 50 mm einseitig papierbeschichtet plus "neue" 200 mm praktisch bis Unterseite der Spanplatten ausgefüllt werden, oder muß nach oben noch ein Hohlraum / Luftschicht bestehen?

Oder sollte man eine ganz andere Verfahrensweise bzw. Materialien verwenden?

Wer kann mir zumindest einen kompetenten Fachmann benennen?



Dampfsperre



Da Ihr ein Kaltdach habt, ist eine Dampfsperre physikalisch gesehen nicht erforderlich, wenn die Deckenbekleidung winddicht verlegt ist. Eventuell eingedrungene Feuchte kann jederzeit in den Dachboden ablüften, wenn die Abdeckung (Spanplatten) nicht zu dicht ist.
Das ist aber Theorie.
Bei größeren Druckunterschieden kann z.B. im Winter warme, feuchte Luft durch die Anschlüsse und Fugen der Gipskartondecke in die Dämmlage dringen, dort kondensiert die überschüssige Feuchte.
Und zu gute Ablüftung heißt große Wärmeverluste durch Auskühlung der Dämmlage.
Ein Zeichen für solche Undichtigkeiten sind durch Staub schwarz verfärbte Ränder von kleinen Fugen und Rissen in der Decke und den Anschlüssen.
An Lampenauslässen, Fugen usw. können so Wasserränder entstehen, wenn das Kondenswasser an der nicht speicherfägigen Dämmwolle nach unten läuft.
Ich empfehle Euch, in hoch belasteten Räumen wie Bad und Schlafzimmer eine nachträgliche Dampfsperre einzuziehen, die Abdeckung der Dämmung winddicht, aber diffusionsoffen auszuführen und undichte Stellen in der Deckenbekleidung zu beseitigen.
Die Dampfsperre ist auch luftdicht, das ist in diesem Fall ihre wichtigste Funktion.
Bad und Schlafzimmer als Minimum immer sorgfältig lüften, falls keine Dampfsperre eingebaut wird.
Ich habe in meinem Obergeschoß über dem Wohnzimmer keine Dampfsperre eingebaut; die Dämmung besteht aus 2 x 100 mm MIWO- Dämmkeilen zwischen den Sparren. Darauf liegt eine Abbretterung aus Nut-Feder- Brettern und alter Teppich als Nutzschicht und Winddichtung.
Probleme mit Kondensat hatte ich an einem Dachflächenfenster; an einer undichten Stelle liefen im Winter Wasserfahnen aus Kondensat herunter.
Nach Behebung des Schadens habe ich keine Probleme, ich kontrolliere die Luftfeuchte regelmäßig über eine Anzeige und lüfte bei Bedarf.


Viele Grüße





Hallo Herr Wiese,

so aus der Ferne konkrete Aussagen zu machen ist immer heikel. Ich würde an Ihrer Stelle vielleicht noch einen zweiten aber unabhängigen Bauingenieur (keinen Architekten) hinzuziehen, der sich das Gesamte intensiv anschaut.

Wichtig ist wie Herr Böttcher beschreibt, ist die Luftdichtigkeit hinzubekommen, also auf dichte Durchgänge von Leitungen (Elt, Wasser, Abwasser) zu achten aber auch die Randanschlüsse. Die Flächen selbst sind meist kein Problem. Bei Dampfsperren scheiden sich schon die Meinungen. Sie können getrost darauf verzichten. Wir tun dies seit über 17 Jahren erfolgreich. Folien führen meist dazu, dass es zwischen dieser und dem Holze zu Feuchteansammlungen kommen kann, womit das Holz über die Jahre nicht umgehen kann. Ja ich weiß, es gibt die DIN-Berechnung wonach in der Winterperiode Wasser in die Dämmebene eindringen und dort das Holz durchfeuchten darf, in der rechnerischen Hoffnung, dass das gesamte Wasser wieder über den Sommer ausdiffundieren kann. Machen Sie die Probe und legen Sie ein nasses Stück Holz in eine Folietüte, Sie müssen diese ja nicht einmal fest verschließen, und schauen Sie was passiert.

Nehmen Sie unbedingt für Ihre Dämmung energiespeichernde Dämmungen wie Cellulose, Holzfasern, Hanf, Flachs etc. Diese Dämmungen können nicht nur Energie im Sommer und Winter effektiv zwischenspeichern, sondern können noch wesentlich besser als Mineralwolle mit ggf. anstehender Feuchte umgehen. Mineralwolle muss eine Dampfsperre erhalten, weil bereits bei 1 % Feuchtezufuhr die Dämmung um fast 50 % (!!) nachlässt. Zum sommerlichen Wärmeschutz trägt die Mineralwolle nicht bei.

Bei der Begutachtung durch den Bauingenieur sollte dieser auch die Aussteifung (aussteifende Ebene) der oberen Deckenbalkenlage beurteilen, ggf. ist hier nachzubessern. Die Spanplatten würde ich entfernen, da wie Herr Böttcher richtig beschreibt der obere Belag diffusionsoffen sein sollte. Es könnte sonst an der Unterseite der Spanplatten sich im Winter Kondensat bilden. Wir nehmen oft Hobelrauspund und Verlegen diesen direkt nach Einkauf. Hobelrauhspund hat meist mind. 16 % Holzfeuchte und trocknet im Dachboden so auf gute 8 – 12 % herunter. Sinnvoll ist auch die Hölzer mit einem kleinen Spalt von wenigen mm zu verlegen. Dies erhöht die Diffusionsfähigkeit enorm, aber bringt keine Einschränkung bei der Benutzung. An den Rändern sollte die Dämmung nicht verkleidet sondern nur mit Papier, Stoff oder anderem sehr offenen Materialien abgedeckt werden.

Viel Mut bei der richtigen Entscheidung, viele Grüße
Michael reisinger





wichtig ist noch, das hatte ich vergessen, das der Dachboden gut durchlüftet ist! Auch im Winter.





Hallo Herr Wiese,

auch wenn das meiste eigentlich schon gesagt ist, möchte ich mich anschließen und auch bestätigen dass - bei fortwährend gleicher Nutzung des Dachgeschosses - eine Dampfsperre nicht erforderlich sein wird.

Im Küchen- oder anders genutzten Walmdachbereich wäre dies allerdings zu überprüfen. Im Dachbereich sollte unbedingt der Zustand (Feuchte) und die Anschlüsse der vorhandenen Dämmlage in Augenschein genommen werden. Materialwahl und/oder Ertüchtigung hängt schon von Objekt und Zustand ab.

Vielleicht gehen Sie mal mit einem unabhängigen Architekten (kein Bauingenieur) vor Ort die Punkte ganz genau durch um einenachhaltige Lösung zu finden.

Mit freundlichen Grüßen aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer





Bauingenieur (keinen Architekten) - Architekten (kein Bauingenieur) :-))
bauingenieur oder Architekt hin oder her - wichtig ist, dass sich dieser umfassend mit der Bauphysik auskennen sollte. Lassen Sie sich die Formen von Wasser erklären und was eigentlich so alles passiert bei Ihrem problemfall. Um so mehr Sie hinterfragen, um so mehr werden Sie feststellen, wer von den befragten wirklich Ahnung hat. Alles muss Ihnen verständlich sein und wichtig: Sie müssen alles gut nachvollziehen können.



Könnte gut gehen



Hallo

ich habe bei mir 18 cm Isofloc einpressen lassen, ohne irgendwelche Dampfsperre, und es ist fast problemlos. Nur an 5x4 m waren die oberen Bretter nicht dampfdurchlässig,wegen Lackierung, und es kam zur Kondensation. Die lackierten Bretter musste ich auswechseln (ist hier beschrieben, mal meine Beiträge durchsehen). Seither keine Feuchte mehr feststellbar.

Die Dämmwirkung ist übrigens klasse (U-Wert < 0.2) ud billig war's auch noch (500 € bei 60 qm).

Soweit meine Erfahrungen

stt