Dampfsperre beheizte Dachschräge nötig oder nicht?

20.11.2019 Albert



Hallo zusammen,

Ich habe ein wohl sehr spezielles "Problem" und würde gerne Eure Meinungen hören.

Ich habe Zuhause an meinem Haus (Bungalow 70er Jahre), das ich von meinen Eltern übernommen habe, einen Zwerchgiebel gebaut. Diesen habe ich zwischen den Sparren mit Stroh isoliert (die normalen Kleinstrohballen - Sparrenabstand entspricht der Ballenbreite von 49cm). Als nächstes soll nun von unten verschalt werden (mit Schalungsbrettern) eine Flächenheizung (Aluverbundrohr zwischen den Brettern verlegt) integriert werden und abschließend mit Lehm verputzt. Es ist eine zentrale Lüftungsanlage geplant. Der Aufbau von oben nach unten ist also so geplant:

Dachplatten
Lattung
Diffusionsoffene Bahn (Siga Majcoat)
Schalungsbretter 18mm
Strohdämmung/Balken 36cm
- eventuell Dampfbremse
Schalungsbretter 24mm / Heizung (Aluverbundrohr)
Schilfmatte als Putzträger
Lehmputz ~ 1,5cm

Nun die Frage aller Fragen: Braucht es hier noch eine Dampfbremse zwischen der Strohdämmung und den Schalungsbrettern oder nicht? Habe hier jetzt schon die verschiedensten Meinungen gehört.
Ich persönlich würde gerne auf die Dampfbremse verzichten - auch weil ich Sorge habe, dass ich diese nicht komplett dicht bekomme, da das Stroh aktuell noch ein bisschen über die Sparren drübersteht und erst durch die Schalungsbretter richtig hingezogen wird. Wenn jetzt noch eine Folie dazwischen kommt habe ich bedenken, dass dies ean den Schrauben und Kanten einreißen könnte.

meine erster Gedanken
Die Wandoberfläche wird in der kalten Jahreszeit dank Heizung (fast) immer größer sein als die Raumtemperatur. Wird dann überhaupt Feuchtigkeit in die Wand einziehen - selbst wenn der Taupunkt in der Dämmung liegt?



Kapillaraktivität



die Frage wird wohl sein, wie sehr die Strohballen evtl. eindringende Feuchte wieder kapillar abgeben können. Ich mutmaße, ohne gerechnet zu haben, der Taupunkt würde im äußeren Drittel des Strohballens liegen. Da würde dann zur Trocknung eine Rolle spielen, nach welcher Himmelsrichtung der Giebel ausgerichtet ist. Außerdem ist eine Rahmenbedingung, wie der Raum genutzt wird.
Alles in allem jedoch wird wohl die Wandheizung die Feuchtesituation entschärfen.
Bloß mal nebenbei: Ihre Strohballenlösung - hätte die eine Bauzulassung, z.B. in Bezug auf Brandschutz?



Strohballen



verdichtetes Stroh brennt in etwa so gut wie Holz in Balkenform. Es gibt eine „Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung“ für den Dämmstoff.
Mit dickeren Lehmdicken wurden sogar schon F90-Werte erreicht. Bei mir ists dann eben vergleichbar mit einer normalen Holzdecke. Auch gegen die anderen Befürchtungen gibt's meistens gute Argumente dagegen, wie z.B. Schädlingsbefall.
Wichtig ist die trockene Verarbeitung, dass alles sehr dicht gepackt wird und dass man einfach gutes Material nimmt. Bei mir war es Stroh von einem Bekannten, das ich dann direkt vom Acker geholt habe und in einer Scheune zwischengelagert habe.

Einzig "großer" Nachteil ist die Verarbeitung - gerade als Zwischensparrendämmung war das eine große "schinderei". Hier würde ich - stand jetzt - wohl 50cm statt 49 lichte Weite bei den Sparren wählen um diese leichter zwischen die Sparren klemmen zu können.

ps: Der Giebel ist direkt nach Süden gerichtet, also die beiden Dachflächen dann entsprechend Ost/West



Aufbau der Dachdämmung



Ich habe meinen Aufbau mal online zusammengestellt. Nach der Berechnung würde sich Tauwasser außen im Stroh (in der simulation habe ich Holzfaserdämmung genommen - die kommt dem Stroh am nächsten) und der Brett-Schalung ansammeln. Jedoch konnte ich in der Simulation ja nicht die Heizung in der Lehmschicht berücksichtigen, und ebensowenig die Wasseraufnahme durch den Lehm und das Stroh und die Kapillarwirkung.

Online habe ich schon beide Meinungen gefunden - die einen die sagen, dass auch bei dicken Strohwänden eine Dampfbremse verbaut werden muss - und die anderen, die sagen dass es generell offen verbaut werden muss.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich auf die Folie verzichten kann - aber ich habe noch keine Anleitung gefunden wie ich diesen Spezialfall berechnen könnte



Anderes Simulationsverfahren



es gibt ein Rechenverfahren, welches die Kapillarität berücksichtigt und auch für Innendämmung geeignet ist. Es nennt sich WUFI und ist von der TU Dresden bzw. einem Institut ( genau weiß ichs nicht) entwickelt. Allerdings ist es kostenpflichtig, aber möglicherweise kann Dir ein gut sortierter Energieberater, ein Ingenieurbüro oder ähnliches gegen ein kleines Entgelt den Aufbau mal rechnen. Aber bei einer angegebenen Trocknungsdauer von 40 Tagen ohne Berücksichtigung der kapillaren Effekte sollte das gut funktionieren.