Dampfbremse unterhalb oberster Geschossdecke (von oben gedämmt)

02.05.2018 wennderbiber



Halli Hallo,

wir haben zwar kein Fachwerkhaus, dafür allerdings zumindest einen Altbau von 1920 mit wohl ähnlichen physikalischen Fragestellungen :-) Es geht hierbei um die Position der Dampfbremse.

Folgendes: Aktuell bauen wir das 1.OG unseres Hauses aus. Dies hat eine Holzbalkendecke aus 24x14 Balken, dazwischen auf eingeschobenen Schüttungsbrettern ca. 8cm Schüttung aus Lehm/Sand/Staub. Der Bodenbelag nach oben hin sind ca. 2,5cm dicke Holzdielen. Alles, was darunter war (Putzträger, Schilfmatten, Gipsputz) ist weg.

Aktuell tackern wir von unten unter die Schüttungsbretter eine diffusionsoffene Unterspannbahn (Dörken Delta Max), damit uns nicht die Schüttung herausrieselt (entfernen war keine Option). Die Decken sind nach oben aber mit dem genannten Aufbau natürlich weder luft- noch wärmedicht, an den Kanten, an denen die Balken auflegen, sind zum Teil 4cm Breite spalten nach oben.

Über der Decke befindet sich ein (auch noch die nächsten 10 Jahre) nicht genutztes Dachgeschoss, der Dachstuhl ist frei und die Ziegel von innen sichtbar, also kräftig durchlüftet. Als Wärmedämmung zum bewohnten Bereich (1.OG) wollen wir nun 20cm Mineralwolle im Dachgeschoss auslegen.

Nun die Frage: Wir würden sehr (!) gerne die Dampfbremse NICHT auf dem Boden des Dachgeschosses unter der Mineralwolle, SONDERN unter der Decke des 1.OG verlegen.

Gegen die Verlegung direkt unter der Dämmwolle, also auf dem Boden vom Dachgeschoss, spricht für uns:
1.) sind wir ab und zu im Dachgeschoss noch am arbeiten, würden also ständig auf der Folie herumlaufen und 100%ig Löcher reintreten.
2.) würden wir gerne die gesamte Deckenkonstruktion ebenfalls vor Feuchtigkeit aus dem 1.OG schützen, nicht nur die Dämmwolle oben drauf. Und
3.) haben wir mal Marder, Eulen, Mäuse, Fledermäuse im Dach gehabt. Die könnten a) an die Folie selbst dran und b) die Dämmwolle verrutschen, dann wäre der Taupunkt direkt an der Folie oder die Folie kaputt und uns fault die Decke weg.

Der Aufbau der uns vorschwebt wäre nun von oben nach unten (Bild anbei):
--> Dielen
--> Deckenbalken mit Schüttung dazwischen und Schüttungsträger
--> Rieselschutz (Dörken Delta) die Balken/Bretter entlang
--> Dampfbremse (Pro Clima Intello Plus) waagerecht, also von Balken zu Balken
--> Kreuzrahmen mit Nageldichtband von unten auf die Tackerstreifen geschraubt
--> Konterlattung für Deckenbelag
--> Deckenbelag (Paneele oder Gipskarton)

Damit wäre die Decke winddicht, auch die Holzbalken wären geschützt und der Dampfbremsfolie kann nichts passieren.

Der UWert-Rechner sieht bei dem Aufbau auch kein Problem, auch unser Energieberater meinte, es ist eigentlich egal, solange irgendwo zwischen Dampf und Dämmung eine Bremse verbaut wird.

Aber: Unser heutiges Telefon mit dem Hersteller ergab die nunmehr 10. Meinung zu dem Thema. O-Ton: "Luftschichten zwischen Dampfbremse und Dämmung..." - gemeint ist die Luftschicht zwischen den Balken, wenn die Folie glatt darunter getackert wird - "...sollten vermieden werden." Warum, habe ich nicht verstanden, das ging irgendwie auch in Richtung "das macht man halt nicht so".

Empfohlen wurde uns nun stattdessen, pro clima DA zu verwenden und von oben auf dem Boden auszulegen, dann Dämmung drauf. Allerdings verbunden mit allen oben genannten Problemen und einen festen sd-Wert von gerade einmal 2.5.

Was machen wir denn nun? Ist das ein Missverständnis? Bislang hatten uns mehrere andere Hersteller (Isover, Doerken,...) die Freigabe gegeben, allerdings haben die entweder keine Dampfbremse mit Armierung oder die Leistungswerte sind nicht so gut wie bei der Intello Plus.

Ich bitte um Aufklärung, wie man einen Altbau denn nun vernünftig wind- und wärmedicht bekommt.



Noch einmal nachgefragt



Gibt es dazu keine Erfahrungswerte? Ist das so ungewöhnlich, wie wir das vorhaben?



Dachbodendämmung



verstehe ich richtig, dass die Miwo-Dämmung nur befristet geplant ist? Die Dörken sollte außen auf die Miwo gelegt werden und an den Seiten luftdicht angeschlossen werden, sodaß Konvektion in die Dämmungsebene unterbunden wird. Die Dampfbremse läge nach meiner Auffassung richtig, sie sollte so weit wie möglich auf die Warmseite des Bauteils gebracht werden. Stimmen die Proportionen in der Zeichnung, also ist der Einschub wirklich so weit oben in der Balkenlage angebracht? In der Tat ist es ungewöhnlich, einen so großen Hohlraum zwischen Dampfbremse und Einschub zu lassen, i.d.R. wird der mit ausgedämmt.



mehr Details



Moin Pope,

# verstehe ich richtig, dass die Miwo-Dämmung nur befristet geplant ist?
--> Ja, langfristig soll die Dämmung ins Steildach. Da wir dieses aber in ein paar (>10) Jahren noch mit Gauben aufrüsten und neu eindecken wollen, wäre es aktuell absoluter Wahnsinn, das Steildach abzudichten.

# Die Dörken sollte außen auf die Miwo gelegt werden und an den Seiten luftdicht angeschlossen werden, sodaß Konvektion in die Dämmungsebene unterbunden wird.
--> Jetzt habe ich das Problem verstanden: Es besteht die Gefahr, dass an den Außen- und Innenwänden entlang Luft strömt - an 7, 6 und Schüttung + Schalung vorbei - und dass diese Luft dann unter der Decke durch den Hohlraum 5 fließt? Und damit dann a) die Dämmung umgeht und b) die Folie auskühlt, womit wir innen auf der Folie dann Feuchtigkeitsausfall hätten? Deshalb werden solche Hohlräume ausgefüllt?

# Stimmen die Proportionen in der Zeichnung, also ist der Einschub wirklich so weit oben in der Balkenlage angebracht?
--> Ja, es sind von Unterkante Balken bis Unterseite Schüttungsträger tatsächlich 15cm "ruhende Luft".

# In der Tat ist es ungewöhnlich, einen so großen Hohlraum zwischen Dampfbremse und Einschub zu lassen, i.d.R. wird der mit ausgedämmt.
--> Ursprünglich wollten wir auch die Zwischenräume dämmen, allerdings werden die Schüttungsträger seitlich an den Balken von Kanthölzern gehalten. Und die sorgen blöderweise dafür, dass Klemmfilz-Dämmung nicht hält sondern sofort wieder runterfällt. Nachdem wir einen ganzen Tag mit der Klemm-Dämmung jongliert hatten, haben wir uns dann für die Dämmung von oben entschieden :-)

# Die Dörken sollte außen auf die Miwo gelegt werden und an den Seiten luftdicht angeschlossen werden, sodaß Konvektion in die Dämmungsebene unterbunden wird.
--> Damit haben Sie mich auf eine Idee gebracht: wir haben ja bereits eine Schicht Dörken direkt unterhalb der Schüttungsbretter und die Balken entlang, als Rieselschutz. Von oben gesehen also ZWISCHEN Außenluft --> Dämmung --> Dielung --> Schüttung --> Schüttungsbrettern und der ruhenden Luftschicht.

Wenn wir die Delta Vent nun noch mit den Wänden verkleben (das war sowieso noch geplant als erweiterten Rieselschutz), WÄRE doch die 15cm-Luftschicht winddicht von der Außenluft getrennt, oder?

Wenn wir dann noch oben die Dämmung oben drauf bis an die Außenwände ran legen und die Wand entlang noch einen Extra-Streifen mit 30cm Breite oben drauf, sollte das doch richtig sein, oder?

Wichtig wäre uns bei der ganzen Sache, dass wir oben im Dachgeschoss die Dämmung bei Bedarf raumweise beiseite räumen können, da in den nächsten Jahren dort noch ein paar Entkernungs-Arbeiten anstehen. Deshalb würden wir nur ungern oben im DG Folie drauf legen und verkleben.

Wäre das Problem denn mit der Winddicht verklebten Delta Vent gelöst und unser Aufbau so machbar?

Zum Thema "winddicht" noch eine Frage: Muss man dort genauso gründlich arbeiten wie bei Dampfbremsen? Aktuell sollte die Delta ja nur als Rieselschutz dienen, deshalb sind die Stöße auf der Fläche nur 20cm überlappt und nicht verklebt, auch sind die Tackerstreifen nicht mit Band abgedeckt. Würde das so reichen, wenn wir die sensiblen Bereiche (Wände) verkleben oder muss eine winddichte Schicht komplett dicht auf voller Fläche sein?



Bodenaufbau



Ein ziemlich komplizierter Aufbau, habe Schwierigkeiten, ihn zu verstehen. In der Zeichnung ist als Belag OSB ausgewiesen, in der Beschreibung sprechen Sie von 25 mm Dielen. Ist der Aufbau nach oben noch offen, sprich: liegt die Schüttung noch frei ? Ich verstehe auch die 4 cm breiten Spalten an der Balkenlage nicht. Vielleicht wäre hier ein Foto sinnvoll. Ich halte es für Geldverschwendung, oben die Miwo aufzulegen und in 10 Jahren wieder rauszumachen, weil Sie dann zwischen 2 beheizten Räumen keine Dämmung mehr brauchen, sondern höchstens Schallschutz und da ist Miwo zu leicht. Außerdem ist sie nicht begehbar. Wie groß ist denn die Bodenfläche ? Das Problem mit den herausfallenden Dämmplatten an der Decke läßt sich leicht mit einer Fadenbespannung an der Balkenunterseite lösen, die halten die Platten, bis die Dampfbremse druntergezogen ist. später übernimmt die nach Herstellervorschrift im System untergebrachte UK für die Gipsplatten die Haltefunktion. Welchen Endbelag haben Sie denn im späteren ausgebauten Dachgeschoß vor Ihrem Traumauge? Zum weiteren Verständnis der Sachlage empfehle ich wärmstens die Dateien von Georg Böttcher unter dem Menüpunkt "Lesestoff" oben in der Leiste.