Dampfbremse im Dachgeschoss ???

27.07.2007



Hallo zusammen, ich habe einmal folgende Frage:
Aktuell bin ich am Ausbau unseres Dachgeschosses. Es wurde eine Zwischensparrendämmung (Isover 160 mm 0035) eingebracht und nun eine Dampfbremse darunter verlegt.
Nun geht es an das Abdichten mittels dem speziellen Klebeband.
Was macht das ganz genaue Abkleben eigentlich so wichtig ???
Später soll noch eine Lattung auf die Dampfbremse und eine Rigipsverkleidung darauf.
Aber irgendwie verstehen ich nicht, warum alles so sehr abgedichtete werden muss.

Vielen Dank im voraus
Alex



Dampfbremse



Hallo Alex,

warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Wenn deine Bude nun beheizt wird, hast du eine Dampfdruckgefälle von innen nach außen. Machst du nun nicht dicht, geht der Wasserdampf durch die Dämmung und kondensiert irgendwo zwischen innen und außen, also in der Dämmung. Wenn du nun Schwachstellen in der Abdichtung hast, kann sich an diesen Stellen Tauwasser bilden und im besten Fall wird nur die Wolle naß und verliert Dämmwert. Im schlechtesten Fall wird die Konstruktion durchnäßt, und daß Wasser und Holz auf Dauer nicht so gut harmonieren, kannst du dir ja denken. Weiter besteht natürlich auch an solchen Kondensstellen Schimmelgefahr. Also nicht am falschen Ende sparen und die teuren Klebebänder kaufen. Nicht zu vergessen den dichten Anschluß an den/die Giebel (da gibt es Zeug in Kartuschen, klebt wie der Teufel). Ich habe mir da viel Zeit gelassen.

Gruß Patrick.



Das wird doch nie was,



meine ich jedenfalls. Von luftdicht.de kam diese Woche folgende Meldung (Auszug):

"1. Forschung zur Dauerhaftigkeit von Klebeverbindungen
------------
Es herrscht in der Fachwelt vielfach die Meinung vor, dass
Klebeverbindungen auf ewig halten. Zur Dauerhaftigkeit von
Klebeverbindungen wurde im Rahmen der Bauforschungsförderung ein interessantes Projekt erstellt ....

Ein Ergebnis der hier vorgestellten Untersuchung ist, dass die Klebebänder von sehr unterschiedlicher Qualität sind.
Interessant ist auch, dass der Forscher (Autor ist Dipl.-Ing. Gross, ZUB-Kassel) festgestellt hat, dass die üblichen Folienmaterialien (Dampfbremsen,-sperren) sehr geringe Oberflächenspannungen aufweisen. Die
Dauerhaftigkeit von Klebeverbindungen kann bei der Wahl eines ungeeigneten Fabrikats nicht gewährleistet werden. Zudem schwanken die Oberflächenspannungen in der Fläche sehr stark."


Und wer steckt nun drin, was sich verträgt und was hält? Ich rate ab!

Außerdem - haben Sie auch bedacht, was die Materialfeuchte im abgesperrten Zwischenraum macht? Sie kondensiert im Jahresablauf in die Dämmung! Und da kommt sie nie wieder raus. Die Nässeschäden sind Legion, so geht Hausschwammzucht.

Habe z.B. letztes Jahr bei einem Beratungstermin in HH patschnasses Holz von ca. 30% Holzfeuchte im Umfeld einer gerade wenige Wochen vorschriftsmäßig fertiggestellten "danmpfgebremsten Zwischensparrendämmung" freigelegt, am Übergang Dämmung-Holz tropfbare Feuchte en masse. Bei älteren Dämmungen stellt man beim Ausbau meist fest, daß sie erheblich durchschimmelt sind. Da hilft keine Folie der Welt dagegen.

Mein Tipp: Kritisch bleiben.

Glück auf!

Konrad Fischer



Dampfbremse, Dichtheit



Hallo Alex,

wie du siehst, gehen die Meinungen auseinander. Meine Antwort beantwortet deine Frage hinsichtlich den Grund für die Sorgfältigkeit beim Thema Verkleben der Dampfbremse nach dem dir vermutlich empfohlenen Vorgehen. Konrad Fischer ist in der Hinsicht ein Vertreter einer anderen Fraktion. Seine Bedenken sind in jedem Fall gerechtfertigt, weil auch ich mir bei allen Hinweisen überlegt habe, was passiert in ein paar Jahren...Klebt das noch?...Ich habe mich für Sorgfalt beim Verkleben entschieden, wohlwissend, daß auch etwas Hoffnung mitschwebt. Lies einfach noch etwas im Forum und versuch dir deine eigene Meinung zu bilden. Hat etwas von Grundsatzentscheidung...Viel Spaß dabei, hat mich auch Nerven gekostet.

Gruß Patrick.



Warum sperren ?



Hallo,
wir benutzen für unsere Zellulosedämmung nur feuchtevariable Dampfbemsen von Pro Clima (Intello). Mit dieser Dampfbremse haben wir eine höhere Bauschadenssicherheit, da die anfallende Feuchte noch abtrocknen kann. Meiner Meinung ist eine 100% dichte Montage einer Dampfsperre im Altbau kaum möglich.

Grüße aus Rheinhessen



Zellulose säuft auch ab,



da sie keine Kapillarentfeuchtung hinkriegt. Im Gegensatz zu Massivholz beispielsweise. Und variable Dampfbremsen nutzen da nix, ihre Dauerstabilität ist übrigens auch nur eine vage Hoffnung, die ich dank Prof. Möhrings Forschung bestimmt nicht teile ...

Besten Gruß
Konrad Fischer
Dampfbremsenketzer



Dann lassen wir das mit dem Dämmen



und luftdichten verkleben am besten und heizen lustig weiter.
Die nächste Generation wir es uns danken.

Mich würde mal Ihre "Alternative" interresieren wie man seine Dämmung vor Feuchtigkeit schützt? Massivholz? Mit was dämmen und schützen Sie Ihre Dachkonstruktion. Nach Kritik bitte auch Lösung :-)

Grüße
R.M.



Gedämmt wird mit kapillaraktiven Massivbaustoffen,



also keinen trocknungsblockierenden Leichtbaustoffen (Fasergespinste, Schäume) und ohne jegliche Kondensatstauebene. Nur ein Damm kann dämmen. Und wer würde Staudämme aus Lodenmänteln oder Badeschwämmen bauen? Panta - auch Wärme - rhei! Wärmeleitung im üblichen Sinne ist zu vernachlässigen.

Außerdem Fenster ohne Lippendichtung zur stetigen Abfuhr der dauernd entstehenden Raumluftfeuchte. Das senkt dauernd die Raumluftfeuchte, entlastet die Konstruktion von Auffeuchtung und reduziert Heizkosten, da feuchte Luft mehr Heizenergie verschlingt.

Eben nahezu alles genau so wie früher. Für Fachwerkfreunde eigentlich logisch. Die alten Buden sehen nicht nur netter aus als die Modernbrutalitäten, sie waren auch besser gebaut.

Anstelle sinnloser Dämmerei dann aber Heizen ohne energieverschwendende Nachtabsenkung (als Analogie: Kein Stop-and go-Straßenverkehr, da das am meisten Sprit schluckt). Details führe ich auf Webseite aus.

Besten Gruß

Konrad Fischer



OHA,



na dann viel spass,ich kann mich Ihrer Meinung überhaupt nicht anschließen. Die Lebensgewohnheiten und Energien haben sich einfach verändert. Man sollte auch mal über neue Techniken im Altbau nachdenken. Studien über Luftdichtung und Dämmung hört man ja genügend, Ihre ist schon sehr "speziell". Es geht nicht um "besser" Aussehen und "besser" gebaut,die Häuser waren einfach ungenügend gedämmt, da man zu dieser Zeit sich um "Heizmaterial" keine Gedanken machen musste.Heute aber schon.


Grüße
R.Mahlmeister



Als EnEV-Sachverständiger



registriere ich bei der Erarbeitung von Befreiungsbescheinigungen gem EnEv § 17 ständig

1. die viel geringeren Energieverbräuche in Altbauten, als allg. angenommen und gem. U-Wert-Hypothese berechnet, und
2. die totale Unwirtschaftlichkeit von Dämmversuchen, selbst bei Anwendung der verordneten Rechenwege.

Deswegen unterscheide ich bei der Beurteilung von Energiesparmaßnahmen grundsätzlich zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Als kleines Zuckerl hat der Verordnungsgeber den EFH-Besitzern noch den Verbrauchspaß bis 10.08 zugestanden. Danach geht es für die den Bach runter, sie werden radikal schlechter bewertet, als sie sind - mittels gerechnetem "Bedarfspaß".

Das alles zeigt, daß an der Dämmtheorie mehr als genug nicht stimmen kann. Aber von mir aus glauben und meinen Sie gerne, was Sie wollen und Ihren Kunden verkaufen können. Suum cuique.



"Wahn und Wirklichkeit"



Guten Morgen, Herr Fischer. Erinnern Sie sich noch unseren freundlichen Disput mit dem
Veitshöchheimer Schloss?

Da war die verdammte U-Wert basierende EnEV-"Theorie" doch beängstigend nahe an der Praxis, Sie hatten mir das am Ende sogar selbst bestätigt. Zufall, Ausreißer in der Praxis, Spukschloss?

Zu Ihrem Einwand, das im EFH sich der Verbrauch mit dem Bedarf nicht deckt, bemerkt die EnEV doch völlig korrekt:
Insbesondere wegen standardisierter Randbedingungen erlauben die angegebenen Werte keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch
Sprich: ein nur teilweise bewohntes Haus wird weniger verbrauchen als ein dauernd auf 24°C beheiztes Haus, was irgendwo erwartet werden darf, was ist daran verwerflich?

Und auch nach Oktober 2008 darf für EFH's, die den Wärmeschutzstandard von 1977 erreichen, ein Verbrauchspass ausgestellt werden (wenn denn überhaupt je einer benötigt wird).



Eigendynamik



Hallo Alex,

liest du noch mit? Ich hoffe, deine Frage wurde beantwortet, auch wenn der Eintrag recht schnell seiner Eigendynamik zum Opfer fiel. Gib mal in der Suchoption "Gasbeton" oder "Ytong" ein, da wirst du zu einem Beitrag kommen, in dem ein Fragender mit Ytong ausgefacht hat und nun etwas wissen wollte. Da wurde es noch länger...Es geht hier halt von Mitgliedern, die sagen wir mal Baustoffe aus diesem Jahrhundert verwenden über ein Mittelfeld zu Anhängern der Methoden unserer Vorfahren und deren Art und Weise, Häuser zu bauen. Konrad Fischers Tip "kritisch bleiben" ist denke ich der richtige Weg. Als Angehöriger der ersten Fraktion (Baustoffe von heute, Herr Fischer würde vermutlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen) sind mir die Mahnungen und Hinweise aus diesem Forum aber immer wieder eine Hilfe, eben "kritisch" zu bleiben. An der einen oder anderen Stelle habe ich sicher nicht angefangen, Lehm zu verwenden oder dergleichen, aber immer wieder die Ausführung selbst hinterfragt und gegebenenfalls überdacht und geändert. Mein Tip, wenn du dich entschließt, die Glaswolle drin zu lassen, gib dir alle Mühe vor der Heizperiode, es dicht zu kriegen und spar nicht am Material (ich nahm Isover Vario KM Dampfbremse, die ist sehr stabil und Klebematerial von Siga). Ob mir jetzt der Dachstuhl abfault oder ich unter die Hersteller von Pilzrahmsuppen gehen kann, sage ich dir in ein paar Jahren...Ich hoffe, ich konnte dir helfen und wünsche dir noch viel Spaß beim Dachausbau, denn es macht trotz allem doch immer wieder Spaß, etwas entstehen zu sehen, noch dazu, wenn man es selbst macht! Gib mal bescheid, wie du weiter gemacht hast.

Gruß Patrick.





Hi Patrick, ersteinmal Danke auch für Deine Info. Ich habe für mich nun folgende Vorgehensweise überlegt:
- gedämmt ist schon mit Isover WL0035. Es wird wirklich versucht, dass kratzende Zeug in jeden Winkel zu stopfen.
Als Dampfbremse habe ich mich für eine von Pro Clima (Intello DB) entschieden. Diese Dampfbremse ist auf die Unterspannbahn abgestimmt. Zum verkleben habe ich wahrscheinlich wesentlich mehr Band gekauft als ich effektiv brauchen werde. Während ich dem Isolieren wittme darf meine Freundin abkleben (die ist da genauer).
Alles in allem werden wir versuchen alles mit viel viel Sorgfalt durchzuführen. Dann kommt noch eine 30 mm Lattung und eine Rigipsverkleidung welche mit Lehmputz (der ist idiotensicher aufzubringen)verputzt wird.

Gruß
ALex



Doch noch am Mitlesen



Hallo Alex,

die Würfel sind gefallen, wie es aussieht, freut mich. Nur kurz noch, was ich gemacht habe: Nach der Dampfbremse habe ich das komplette Dach mit 15er OSB-Platten verkleidet. Das hat finde ich drei Vorteile:
1.: gleichen die OSB-Platten leichte Wellen in der Dachfläche in weichen Bögen (mein Dachstuhl ist neu, aber zwei Zentimeter sind für Balken nichts, für Rigps aber viel) durch ihre Nut-Feder Verbindung aus und bieten damit den Rigips-Platten einen stabilen Untergrund.
2.: Rigipsplatten (12,5) mit 25er Schnellbauschrauben direkt auf die OSB geschraubt machen diese weichen Bögen super mit und werden dadurch ungemein stoßsicher (blind schrauben, jede Schraube hält) .
3.: jetzt kommt der KF-Hinweis immer kritisch bleiben, wenn jeh die Dampfbremse und ihre Verklebungen Schwachstellen aufweisen, gibt die OSB-Schicht Sicherheit bezüglich der Dampfdiffusion, die gelten nämlich als praktisch dampfdicht.

Es war eine Riesenarbeit (für mein Dach ca. 1 t OSB, koschd 800 Euronen und war echt anstrengend), aber die Nachfolgearbeit und die gefühlte Sicherheit lohnen sich.
Die Nummer mit dem Lehm, OK, mein Ding wär's nicht, aber gut. Habe ich noch nie verarbeitet. Bin eher der mit den Materialien, bei denen chemisch was passiert...allerdings wird es bei den Dachschrägen eher Raufaser, die Flieskaschierte ist einfach zu verarbeiten. Auf die Giebel kommt Filzputz.
Schreib mal wieder, wie der Lehmputz an der Schräge geworden ist.

Gruß Patrick.

P.S.: Meine Freundin habe ich auch mal Kleben lassen, da mußte ich aber immer wieder den Zeigefinger heben...





Hi Patrick, dass mit den OSB hatte ich mir auch schonmal überlegt ! Bin mir aber wegen des zusätzlichen Gewichtes nicht ganz sicher. Es belastet das Dach ja doch ganz schön.
Mit dem Lehmputz kann ich Dir nur empfehlen "versuch es mal".
Das Zeug ist klasse. Kinderleicht zu verarbeiten und wenn Du mal keinen Bock mehr hast, lass es einfach stehen, kipp bei nächsten mal wieder einen Becher Wasser rein, rühren und weiter gehts.

Gruß
Alex