Dachdämmung Dampfbremse

02.06.2005



Hallo,

Hintergrund: Dachgeschossausbau, komplett neues Dach, incl. Gebälk. Aufbau von Aussen nach innen: Engorbierte Tonziegel, Lattung, Konterlattung, DWD-Platten, 16cm Sparren.

Diese Konstruktion soll Wärmegedämmt werden. Ich dachte an Zelluloseplatten oder Rockwool (weil kostengünstiger). Mein Baustoffhändler sagt, dass beide Materialien nicht vergleichbar sind wg. dem besseren Hitzeschutzes der Zellulose und hat mir empfohlen Flocken einblasen zu lassen. Dazu soll ich eine Dampfbremse aufbringen und alle 30 cm eine Dachlatte (zur Stabilisierung der Folie).

Die Auseinandersetzung mit der Dampfbremse stösst bei mir aber auf einen inneren Widerstand (quasi eine Bremse der Dampfbremse). Es ist ja wohl absolut notwendig, die Folie dicht zu verkleben.

1) Die Gegebenheiten (Anschluss der Folie an die Mauer bzw. das Bauwerk) würden unmengen an Kleber benötigen.

2) Wie lange hält der Kleber? 5 oder 10 Jahre ??? Was passiert danach ???

3) Woher soll überhaupt der Dampfdruck kommen? Wir haben eine Dunstabzugshaube in der Küche und 2 Kaminöfen, die einen permanente Öffnung des Gebäudes bedeuten. Ich bin der Meinung (mit meinem physikalischen Laienverstand), dass hier kein Druck aufgebaut wird, der über eine Dampfbremse reguliert werden müsste.

Ich halte die komplette Therorie zur Dampfbremse für sehr fragwürdig.

Mir schwebt vor, auf die Sparren eine dünne (4-6mm) Sperrholzplatte zu schrauben, dieser Hohlraum könnte dann ausgeblasen werden. Auf das Sperrholz dann eine Querlattung und Profilbretter o.ä.

Was sagen denn die Fachleute zu diesem unkonvtionellen Vorhaben?

Viele Grüße
Harald Krause



Dachdämmung



Das Thema Dämmung ist sehr komplex und eine der Hauptursachen für massive Bauschäden, die meistens erst entdeckt werden, wenn es zu spät und der Sparren verfault ist.
Hol Dir eine Beratung vom Spezialisten und nicht vom Baumarkt.

Mal von vorne und in Kurzform:
Die beste Methode Deinen Dachstuhl lange zu erhalten ist, ihn nicht zu dämmen.
Wenn es denn aber sein soll, dann muss man schon die physikalischen Regeln berücksichtigen, denn schliesslich veränderst Du ja die klimatischen Bedingungen im ganzen Haus.
Dampfdruck ist nicht ein etwa höherer Luftdruck im Haus, sondern meint das Feuchtigkeitsgefälle zwischen innen und aussen, das immer die Tendenz hat sich auszugleichen. Warme Innenluft trägt auch bei niedriger relativer Luftfeuchte sehr viel mehr Wasser als kalte Aussenluft. Dieses Wasser schlägt sich dann beim Abkühlen in der Dämmung nieder wenn die Raumluft frei durch die Dämmung diffudieren kann. Deswegen wird der Innenluft in Form einer Dampfbremse oder gar Dampfsperre ein Widerstand entgegengesetzt, der natürlich über die ganze Dachfläche und an den Anschlüssen dicht sein muss, denn sonst strömt die warme Luft durch die undichten Stellen. Und das tut sie auch bei bester Abzugshaube.
Wie dicht diese Dampfbremse sein muss hängt vor allem vom Dämmaterial ab und wird in equivalenter Luftschichtdicke (pa) in metern gemessen.
Dämmstoffe mit Zellstruktur (Zellulose, Wolle, Hanf ...) können sehr viel mehr Wasser speichern, bevor es sich in flüssiger Form niederschlägt als Dämmstoffe ohne Zellstruktur (Minaralwolle, Glaswolle...)
Es ist also auch bauphysikalisch ein großer Unterschied, ob Du Rockwool oder Isofloc einbaust.
Mineralwolle braucht eine dichte Dampfsperre (pa etwa 1000m), während Zellstoffdämmung mit einer Dampfbremse (pa 2-3m)auskommt. Natürlich kannst Du auch eine Sperrholzplatte einbauen, dann solltest Du aber ein Material mit geeigneten Physikalischen Kenndaten nehmen und die Stösse und Übergänge mit Klebestreifen abdichten. Es gibt auch für diesen Zweck spezielle Spanplatten mit Nut und Feder.
Bei bestimmten Dämmstoffen mit besonders hoher Speicherkapazität (Wolle) und einer wenig belastenden Nutzung (niedrige Innentemperatur, wenig Wasserdampfanfall) würde ich u.U auch ganz auf eine Dampfbremse verzichten, also auch keine Sperrholzplatte einbauen.
Mein Rat: Hol Dir keinen Sondermüll ins Haus, sondern einen Fachmann, der unbelastete Materialien in Deiner Region kennt und einen bauphysikalisch dauerhaften Aufbau gewährleisten kann.

Beste Grüße,
jan



Was soll man da noch hinzufügen...



die Theorie ist ja nun verständlich erklärt.
Vielleicht noch, dass dein Händler mit seinem Aufbauvorschalg recht hat.
Der Kleber (z.B. von proClima) ist extra für die Anschlüsse an angenzende Bauteile entwicklet und hat entsprechende Prüfungen bestanden. Es gibt aber auch z.B. ein Klebeband, das zur Hälfe aus Putzrägergewebe besteht und einfach mit eingeputzt wird.
Dann gibt es noch den Klassiker mittels Kompriband und Anpresslatte.
Ich bin so vorgegenagen:
1. die Ziegelwände im Bereich der Verklebung vorputzen - auf einmal brauchts nicht mehr soviel Kleber
2. Dampfbremse auf dem Putz mit Kleber (pro Clima Coll) angeklebt.
3. mittels Kompriband und Anschlussbrett längs des Flugsparren die Dampfbremse nochmal gesichert.

Die Hersteller der Verbindungsmittel geben in der Regel detailliere Auskunft über die Verarbeitung ihrer Produkte, da kann man sich schlau machen.



aha



Also hat Dampfdruck nichts mit Luftdruckunterschied, sondern eher was mit Temperaturunterschied zu tun? Dann würde eine Dampfsperre tatsächlich Sinn machen.

Zum Thema Fachmann:

Mein Schwiegervater war Bauleiter bei einem Architekten. Er hat seine eigene Meinung.
Ich kenne einen Planer, der hat eine andere Meinung.
Im Internet findet man 1.000 unterschiedliche Meinungen (und das ist auch gut so), Teilweise sehr radikal (Konrad Fischer etc.).

Warscheinlich bildet sich eine Meinung aus einer Menge an Vorurteilen gemischt mit den Berichten anderer und eigenen Erfahrungen. Leider ist mein Erfahrungsschatz in punkto Bauen nahezu jungfräulich, sodass ich auf externe Kompetenz angewiesen bin. Nur wie und wo finde ich einen kompetenten Fachmann?





Also hat Dampfdruck nichts mit Luftdruckunterschied, sondern eher was mit Temperaturunterschied zu tun?

Jein.
Ein Dampfdruckunterschied kann auch bei gleichen Temperaturen auftreten. Im von uns betrachteten Fall ist das jedoch belanglos da bei gleichen Temperaturen nix kondensieren kann (Dämmen braucht man dann allerdings auch nicht ...)
Das Wort Dampfdruck assoziiert im Kopf immer was mit Luftdruck. Ersetzen man es hingegen durch 'unterschiedlicher Wasserdampfgehalt der Luft' klingts es schon nicht mehr so dramatisch.
Der hohe Wasserdampfgehalt in der beheizten Raumluft will sich im Winter in Richtigung niedrigere Wasserdampfgehalt in der Aussenluft verdünnisieren. Hat man jetzt keine Grenzschicht, die das verhindert, macht er das auch. Da kalte Luft aber - wie beschrieben - nicht soviel Wasserdampf aufnehmen kann, wie warme Luft (siehe absolute und relative Luftfeuchte), wird der überschüssige Wasserdampf dann irgendwo auf seienm Weg zu Wasser auskondensiert (der Taupunkt). In der Regel passiert das innerhalb der Konstruktion (deinem Dämmaufbau). Die Dämmung wird nass, die Balken auch, es fängt an zu faulen und zu schimmeln, wenn dieses Wasser nicht weg kann.