Dämmwert Holzstaken mit Weidengeflecht

01.01.2017 Tobias88



Hallo Leute

Ich bin neu hier im Forum, heisse Tobias und komme aus der Schweiz.
Meine Frau und ich haben uns vor zwei Wochen ein Fachwerk haus aus dem 18. Jahrhundert gekauft. Das Haus ist auf der einen Seite an ein kleines gemauertes Haus angebaut, dieses gehört ebenfalls uns.

Im Wohnzimmer haben wir eine Wand rausgespitzt, die Gefache sind gefüllt mit Holzstaken und Strohlehm oder so, gemäss Foto, darüber auf beiden Seiten ein ca. 5cm dicker Putz in weiss, vermute Kalk.

Ich vermute die Aussenwände sind gleich aufgebaut?! würde ja sonst keinen Sinn ergeben?!
Die Aussenwand ist Verputzt, mit einem groben Aussenputz, evt. Kalk-Zement Putz?

Wenn man in der Schweiz umbaut/ irgendetwas an den Aussenwänden macht (wir wollen auf der Innenseite das Holztäfer demontieren und die Wände neu verkleiden) dann wird man quasi genötigt die Wand zu einem Wert von U=0.25 zu dämmen.

Nun zu meiner Frage: hat jemand eine Ahnung wie der U-Wert von meiner Wand ist?

Sorry falls die Frage schonmal behandelt wurde, aber ich habe hier im Forum nirgends was gefunden.

Jetzt schon danke für eure Hilfe und freundliche Grüsse

Tobias



Strohlehm



Moin
die Mischung die man für die erstellung solcher gefache verwenden würde hätte geschätzt so 1600 kg/m3
vielleicht hilft das ja schon weiter..
wie dick die Strohlehmfüllung ist kann man ja nur raten..
greets Flakes..



U-Wert Fachwerkwand



Ohne genaue Dimensionen, Holzsorte, Wanddicke etc läßt sich das nicht angeben.
Am besten mit dem U-Wert-Rechner alle Daten eingeben soweit bekannt- dann ergibt sich zumindest ein Anhaltswert.

Allerdings wird es schwierig werden auf den benötigten Wert zu kommen, besonders wenn die Fassadenansicht original erhalten bleiben soll.
Bei Außendämmung kann auch problemlos Passivhausniveau erreicht werden- erkennt aber leider anschließend das Haus nicht mehr, falls nicht Imitatfachwerk davor gesetzt wird.

Andreas Teich



Denkmal ?



Wenn ja, kann unter Umständen die örtliche Denkmalpflege der Dämmwut grenzen setzen.

Ansonsten steht im kleingedruckten der Dämmvorschriften (Ausgabe Zürich, sollte aber in TG ähnlich sein):

Die örtliche Baubehörde kann bei besonderen Verhältnissen die Anforderungen an Umbauten und Umnutzungen angemessen reduzieren, namentlich wenn bei schützenswerten Bauten oder aus bauphysikalischen Gründen die volle Einhaltung der System- oder Einzelanforderungen nur mit unverhältnismässigem Aufwand oder überhaupt nicht erreicht werden könnte. Der Antrag an die örtliche Baubehörde betreffend Milderung der Anforderungen hat einen
bauteilbezogenen Nachweis der Probleme bei der Einhaltung der Anforderungen und einen objektbezogenen Vorschlag über angemessene Sanierungsmassnahmen zu enthalten.

Normalerweise kann sich ein Bauphysiker darum kümmern, ich habe das aber bis auf die Rechnungen für den Systemnachweis selber gemacht.

Wenn das Haus aussen verputzt ist, würde ich den Innenausbau in Ruhe lassen, und aussen dämmen. Frisst weniger wertvollen Platz, und ist günstiger.



Danke



Erstmal danke an euch alle für die Infos

@yogumon Was z.B. waren denn bei dir der Grund weshalb du die System- oder Einzelanforderungen nicht einhalten konntest? Der Aufwand einfach Unverhältnismässig? Das reicht?

Innen muss ich sowieso etwas machen, weil die Wände mit altem Täfer verkleidet sind, darunter die "Original-Holzverkleidung" diese müssen beide weg, aufgrund der runtergehängten Decke, da wir mehr Raumhöhe wollen und die Balken sichtbar machen...
Auf alle fälle... Wenn wir jetzt einen Zimmerman damit beauftragen, die Wände neu zu beplanken und dann mit Isofloc auszublasen, kümmert der sich um den Systemnachweis?

Oder wie gehe ich jetzt am besten vor? Danke für die Infos!
Gruss Tobias



Unser Fall



Die Denkmalpflege hat keine Aussendämmung der Fassade erlaubt. Im Erdgeschoss und OG hat es teils bestehenden Holztäfer, den ich auch erhalten sollte.

Im Erdgeschoss haben wir einen 1946 ausgebauten Raum (ex Ziegenstall), der mit Multipor gedämmt wurde. Ansonsten wurden die Fassaden von EG und OG nicht gedämmt.

Die Kellerdecke wurde mit Liapor und Glaswolle gedämmt. Das Dachgeschoss und Dach wurde mit Zellulose gedämmt, ausserdem der Anbau in Holzbauweise.

Im ersten Jahr haben wir etwa 2500 m3 Gas verbraucht, was ich für ein Haus dieser Grösse in Ordnung finde.

Innendämmung hat ihre Grenzen, und ist eher teurer. Bei Fachwerk sollte man von innen nicht zu viel dämmen, da es sonst riskant wird.

Der Zimmermann wird mit dem Systemnachweis eher überfordert sein. Das macht normalerweise ein Bauphysiker, oder ein energetisch kompetenter Architekt.