Nachträgliche Zwischensparrendämmung

26.01.2009



An meinem Fachwerkhaus wurde vor einigen Jahren eine neue Deckung über einer Aufdachdämmung aufgebracht. Damit ergab sich folgender Dachaufbau: Tondachziegel, Lattung, Konterlattung, 12 cm Styrodur als Aufdachdämmung, Alte Bitumenschindeldeckung auf Bitumenbahnen, Holzschalung, ca. 16 cm Sparren mit Luftzwischenraum, Lattung, 1 cm Fermacellplatten.
Die Hälfte des Dachgeschosses wird als Kinderzimmer, die andere Hälfte als unbeheizter Bodenraum genutzt. Nachdem die Heizkosten derzeit ständig steigen, denke ich darüber nach, den Zwischenraum zwischen den Sparren in Eigenleistung nachträglich zu dämmen. Die innere Bekleidung aus Fermacell soll jedoch nicht wieder abgerissen werden. Damit entfällt Mineralwolle u. ä. Mit dem Einblasen ökologischer Dämmstoffe, wie Zellulose, Hanf usw. kann ich mich nicht so recht anfreunden, da ich mir – auch wegen der nicht vorhandenen Dampfsperre – Sorgen um spätere eventuelle Feuchtigkeitsschäden der Dämmung mache. Außerdem wäre mir eine Ausführung in Eigenleistung lieber (und billiger). Blähton oder Blähglas wären mir sympathisch, geht aber wegen des Gewichts nicht. Letzter Stand der Überlegungen: Einfüllen/Einblasen von Styropor-Kügelchen (möglichst kein geschreddertes Styropor) über mit der Lochkreissäge gebohrte Löcher mittels eines umgebauten Staubsaugers o. ä.
Ich wäre dankbar für einige Meinungen dazu bzw. Alternativvorschläge sowie ggf. Antwort auf folgende Fragen: Wo kann man Styropor-Kügelchen beziehen (eine pauschale Antwort: im Baustoffhandel/Baumarkt hilft mir nicht viel weiter – OBI z. B. hat so etwas nicht).
Danke im Voraus.



Nachträgliche Zwischensparrendämmung



Hier würde sich Thermofill oder Thermofill S von der Fa. Europerl (europerl.com)anbieten.
Diese Dämmung ist relativ leicht und kann geschüttet oder eingeblasen werden.
weitere Informationen erhalten sie bei Herr

Herr Hansjoachim Wojtko
+49 (23 32) 60 501
+49 (160) 55 26 601

der kann Ihnen auch bezüglich des einblasens weiterhelfen.

Grüsse Thomas Kehle



Nun, das klingt für mich doch etwas seltsam



"Mit dem Einblasen ökologischer Dämmstoffe, wie Zellulose, Hanf usw. kann ich mich nicht so recht anfreunden, da ich mir – auch wegen der nicht vorhandenen Dampfsperre – Sorgen um spätere eventuelle Feuchtigkeitsschäden der Dämmung mache."
Ohne Dampfbremse funktioniert die Konstruktion vielleicht (!!) noch bis 60 mm Dämmstoffstärke. Danach wird es kritisch oder eine Dampfbremse wird eingebaut. Und das hat nichts mit dem Dämmmaterial sondern ausschließlich mit dem Dämmwert zu tun.
Im Übrigen eine Feuchte Dämmung dämmt auch nicht mehr, wenn sie aus Syntetischen Stoffen ist und dann bleiben ja auch noch die Sparren, die vermutlich doch aus Holz sind.



Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht nass ...



geht bei so einem Vorhaben nicht. Es braucht eine Dampfbremse bei 16cm Innendämmung. Mit Schüttmaterial wäre ich wegen der Setzung vorsichtig. Das Ausblasen mit Zellulose ist gar nicht so abwegig. Die Fasern arbeiten bei ungewollter Feuchtebelastung immer zur trockenen Seite hin. Styroporkügelchen saufen da eher ab.

Diese Billiglösung mit umgebauten Staubsauger empfinde schon sehr auf billig. Dann lieber Bauschaumkartuschen - da werden die Bohrlöcher nicht so groß.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Danke



Ich habe nach dem guten Tip von Fred Heim eine Taupunktberechnung durchgeführt, die seine Meinung leider bestätigt hat. Hätte ich auch vorher drauf kommen können und mir damit die ganze Frage sparen. Ich werde mich dementsprechend von der zusätzlichen Dämmung verabschieden.
Zum Beitrag von Frank Lipfert: Ob Sie das Einblasen/Einfüllen in Eigenleistung und mit mir zur Verfügung stehenden Mitteln als billig empfinden, ist mir egal - ich bin mir sicher, dass ich den Hohlraum mit Perlite hätte ausfüllen können. Eine teure Firma zum Einblasen, die ebenfalls Löcher in entsprechender Größe bohren müsste, kann und will ich mir nicht leisten. Vielen Dank für den Rat, den Hohlraum einfach mit Bauschaum auszufüllen. Da Sie als Premium-Mitglied sicher mehr Erfahrung mit Lehm und Fachwerk haben, werde ich es so machen.



Perlite sind keine Styroporkügelchen...



und dazu haben Sie um eine Meinung gefragt. Styropor braucht auch chemischen Flammschutz - ohne diesen gibt es keine bauaufsichtliche Zulassung. Ein setzungsfreies Einbringen über Löcher geht nicht. Von Perlite war erst mal nicht die Rede.

Wenn Sie nun Perlite saugstauben wollen, dann ist das vom Material her schon mal die bessere Wahl. Aber Sie zahlen dann allein für das Material schon mehr, als wenn jemand Ihnen Zellulose fix fertig einbläst. Zellulose hat gegenüber Perlite einige Vorteile bei Feuchtebelastung. Perlite hat wie die Styroporkügelchen ein Setzungsverhalten und Sie müssen ein paar Löcher als Nachfüllöffnungen konstruieren. Es wird also immer wieder mal zu Wärmebrücken kommen.

Die Dampfbremse könnte man auch auf der Fermacellplatte verwirklichen.

Eine teure Firma will und kann sich keiner leisten - aber es gibt Fachkräfte die ihr Geld wert sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich davor nicht so sehr fürchten.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Gegenüberstellung Zellulose Perlite



@ Frank

Welche Vorteile hat Zellulose gegenüber Perlite?

Die richtige Wahl der Perlite bringt nur Vorteile.
Die oben genannten Perlite sind feuchtigkeitsunempfindlich, anorganisch, kraftschlüssig, diffusionsoffen, chemisch neutral und unbrennbar.
Eingblasen oder geschüttet bringen sie eine Masse von ca.80-83 kg/³ was sich nicht nur auf den winterlichen Wärmeschutz sondern auch auf den sommerlichen Hitzeschutz auswirkt.

durch die feuchtigkeits Unempfindlichkeit und die kraftschlüssige Struktur, kann es zu keinem Setzungsverhalten kommen.

Grüsse Thomas



Perlite - Zellulose



hallo Thomas Kehle,

sorry, ich bin kein Zellulose-Vertreter - da könnten andere vielleicht besser schwärmen. Für mich selbst ist das ein Material, das ich erst relativ spät in meinen Erwägungen mit einbeziehe.

Aber bei den beschriebenen Vorgaben macht es durchaus Sinn und hat Vorteile gegenüber Perlite.

1. Preis
Andreas Vollrath fragt recht kostenorientiert - Perlite kostet einfach mehr als Zellulose. Zumal "kraftschlüssig ohne Setzungsverhalten" in einer Dachschräge bei Perlite eh nur durch Fachkräfte geht - und dann wird Zellulose günstiger sein.

2. Feuchteaufnahme
Du schreibst selbst, Perlite ist feuchteunempfindlich. Genau das ist aber hier das Problem. Wir haben nach 12cm Styrodur eine relativ dampfdichte Bitumenschindelschicht. Darunter soll nun noch einmal 16cm gedämmt werden. Dadurch wird der Taupunkt nach innen verlegt. Wenn die nötige Dampfbremse nicht 100% stimmt kann es an der Bitumenschicht im ungünstigsten Fall zu Kondensat kommen. Perlite verhält sich zwar nicht ganz so schlimm wie Styropor aber es ist ganz ähnlich. Perlite nimmt Feuchtigkeit nicht auf und transportiert sie auch nicht zur trockenen Seite weiter. Zellulose als sorptive und kapillar arbeitende Faser macht das.

3. Setzungssicherheit
Lose oder mit einem umgebauten Staubsauger wie von Andreas Vollrath beschrieben (=Saugstauber) wird Perlite in einer Dachschräge nie setzungssicher eingebaut werden können. Mit den Jahren kommt es zur Setzung und es muss nachgefüllt werden. Es braucht entweder eine druckvolle Einblastechnik oder aber eine mechanische Verfestigung. Beides wird aber hier aus Kostengründen oder wegen der gewünschten Erhaltung der Fermacellplatten abgelehnt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Perlite - Zellulose



@ Frank,

sollte nicht als Rüge oder dergleichen aufgefasst werden.

zu 1. Preis: ob Zellulose nun wirklich günstiger ist, möchte ich dahingestellt sein lassen, bei Einblasdämmungen muss man von der Einblasdichte her unterscheiden.(wieviel Masse wird auf den m³ eingeblasen).
Es ist also ein Unterschied, ob nun ein Material eingeblasen wird, das eine Einblasdichte von ca.55-60 kg aufweist oder ein Material das eine Dichte von ca. 80-110 kg hat.

zu 2. Feuchteaufnahme: die feuchteunempfindlichkeit bezieht sich auf das verrotten der Dämmung und nicht auf die Speicherfähikeit oder das Verarbeiten der anfallenden Feuchtigkeit.
Lässt ein Dachaufbau, der von aussen zwar relativ Dampfdicht ist, eine Rückdiffusion in den Innenbereich zu, Funktioniert der Aufbau auch ohne Dampfbremse, wobei hier ganz klar die Wahl des Dämmstoffes ausschlaggebend ist und unbedingt eine Taupunkterechnung gemacht werden muss(nicht jeder Dämmstoff ist dazu geeignet). Das zeigen auch dieverse Taupunktberechnungen.
Thermofill ist z.B. so so ein Dämmstoff der die anfallende Feuchtikeit gut verarbeiten kann.(siehe Thermofibel europerl.com).

zu 3. Setzungssicherheit: Dass ein Staubsauger mit Sicherheit nicht die richtige Wahl zum einbauen von Styropor oder Perlite ist, steht ausser Frage.
Aber die Setzungssicherheit hängt nicht nur von der Art des Einbaus ab, sondern auch von der Materialbeschaffenheit ab.
Ist eine Perlite von der Oberfläche so beschaffen, dass es sich kraftschlüssig ineinander verkeilt, ist eine Setzungssicherheit auch gewährleistet.

Ich sehe es so, jeder Dämmstoff hat seine daseins Berechtigung und seinen Bereich in dem er eingesetzt wird.
Daher muss Baustellenbedingt unterschieden werden was gemacht wird.

Grüsse Thomas



nachträgliche Einblasdämmung



Hallo, Andreas
Ich habe mit Interesse Dein Problem zur Dämmung zwischen den Sparren verfolgt.Eine ähnliche Situation liegt bei mir vor.
Ich kann auch keine schweren Materialien einbringen und Wolle
oder wolleähnliche Dämmstoffe machen Probleme wegen vieler
in den Hohlraum ragender Nagelspitzen. Ich würde deshalb auch einer Schüttung den Vorzug geben.Wie hast Du Dich denn entschieden? Ist das Ausschäumen mit Bauschaum nicht wahnsinnig teuer? Öffnungen muss ich nicht bohren,ich kann das Material von oben einfüllen,der Spitzboden ist "nackt".
Die Dachhaut besteht aus Schindeln,darunter Bitumenbahn.
Eine Dampfsperre ist vorgesehen und wegen der völlig glatten Fläche der schrägen Wände im Obergeschoß auch kein großes Problem.Bitte schildere mir Deine Erfahrungen und welche Kosten entstanden sind. Vielen Dank, auch für andere
Hinweise von weiteren Mitgliedern der Community!



Wenn außen dampfdicht....



...dann muss man ganz genau am Objekt schauen, was ist möglich.
Lapidar zu sagen ich mache dies oder gar das, geht komplett in die Hose.
Ist das Dach außenseitig dampfdicht, so kann man zwar eine Vollsparrendämmung einblasen, muss aber gewährleisten, dass eindringende Kapillarfeuchte in den Sommermonaten problemlos wieder nach innen ablüften kann.
Wir arbeiten aber meistens so, dass die Bodenraumbereiche nicht mit in das Dämmverhalten mit einbezogen werden.
Nur die Dachabseiten und die letzte Decke.

Handwerklicher Gruß
Udo



Nun Udo



wenn dort im Hohlraum überall Nägel herausschauen, wird der Einbläser sich auch freuen - oder?
Schüttdämmungen werden nach einiger Zeit überall zu finden sein, nur nicht mehr im Dachbereich, wenn nicht alle Fugen und Ritzen dauerhaft verschlossen werden und das dürfte bei einem Altbau nicht so ganz einfach sein.
In der ein oder anderen Situation muss man auch einmal sagen, dass die Aktion nur mit größerem Aufwand zu erledigen ist. Das Heißt, das Dach muss von innen oder außen geöffnet werden.
Übre Bauschaum sollte man in deisem Zusammenhang erst gar nicht reden, egal ob er billig oder teuer ist.



Die Nägel...



...sind eher unerheblich, wenn die Einblasbreite über 12 cm hinausgeht.
Mit 50er Schläuchen kann man da bereits gut arbeiten.
Und außerdem kann man ja in die Dachebenen hineinschauen oder man sollte es auch können.

Blasender Gruß
Udo



Es sei denn man nimmt



Lehm-Hobelspan-Dämmung.
Einblasdichte ca. 110 kg/m³
sommerlicher Hitzeschutz
Phasenverschiebung raumklimatischen Verhältnisse
keine Chemie, reines Naturmaterial

Grüsse



110 kg/m³



in einen alten Dachstuhl einblasen? Das macht bei 12 cm Dämmung ein zusätzliches gewicht von 13 kg/m². Auf jeden Fall die Statik beachten.



die thermische Hülle



von einem alten Dachstuhl ist oft gar nicht so gross, so dass die Spannweiten meistens sehr kurz sind.
Bei grösseren Vorhaben, sollte von Haus aus schon in der Vorbereitungsphase der Dach- und Dämmaufbau geklärt sein.

Es wird nicht so heiss gegessen, wie gekocht wird.

Grüsse



Habe die nachträgliche Dämmung aufgegeben!



Hallo Wilfried,
wie ich am 28. Januar bereits geschrieben hatte, habe ich die Idee mit der nachträglichen Dämmung nach der Taupunktberechnung aufgegeben, da ich keine Dampfsperre eingebaut habe. Ist zwar schade um den verschenkten Raum zwischen den Sparren, aber ich möchte keine langfristigen Feuchteschäden befürchten müssen.
Das mit dem Bauschaum war von mir nicht ernst gemeint. Man bekommt den Hohlraum auf keinen Fall voll ausgeschäumt und gut für die Sparren dürfte dieses luftdichte "Einpacken" auch nicht sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass "Frank von Natural-Farben.de" als Premium-Mitglied dies tatsächlich als Alternative vorgeschlagen hat. Sollte wohl eher ein Scherz gegenüber einem Laien gewesen sein.
Holen Sie auf jeden Fall mehrere Meinungen, ggf. von Fachleuten vor Ort ein, ehe Sie sich an die Ausführung machen.
Die auf die Frage folgende Diskusssion hat sich zwischenzeitlich verselbständigt, ich hatte mit dem Thema bereits abgeschlossen.
Alles Gute.
Andreas