Dämmung beibehalten?

12.04.2007



Hallo,

ich habe mal eine Frage zur Wärmedämmung und eurer Meinung.
Habe mich hier im Forum vor einige Zeit schlau gemacht für eine Innendämmung meines 300 Jahre alten Fachwerkhauses.
Ursprünglich hatte ich vor, die dem ersten Anschein nach innen befindliche Dämmung, bisher über eine Rigipsplatte herauszunehmen und mit Lehm zu dämmen.

Letztes Wochenende habe ich die Wand geöffnet und stellte folgenden Aufbau fest.
Ziegelfachwerkwand außen, innenseitig komplett in Lehm eingebettet, ca. 2-3 cm, darauf befand sich eine Lattung. Auf dieser Lattung war eine Art Gips-Schicht oder so mit anschließender 30mm Styropordämmung und abschließend nach innen doppel beplanktes Rigips.

Hatte verfaulte Balken vermutet, aber zu meinem Erstaunen war die komplette Wand trocken und in einem sehr guten Zustand.

Da ich das Haus erst vor 2 Jahren erworben habe, nach alten Bauunterlagen die derzeit auf der Wand befindliche Dämmung aber schon aus dem Jahr 1970 ist, bin ich jetzt (außer dem Gedanken „Ökologische Dämmung gehört in ein Fachwerkhaus“) ziemlich verunsichert, ob ich die Dämmung jetzt abnehmen soll oder das Geld lieber in eine neue Heizung investiere?

Was würdet ihr machen?

Vielen Dank und Gruß Torsten



Einerseits



steht die Praxis über der Theorie, andererseits würde ich die Dämmung trotzdem ändern.

-Du hast nur einen Bereich geöffnet, anderswo können Schäden sein.
-Das Nutzungsverhalten ändert sich. Andere Heizung, andere Fenster...
-Das Raumklima wird sich verbessern, wenn die Wände besser "atmen" können

Als Dämmung vielleicht erst eine Holzweichfaserplatte und dann Lehm?

Grüße

Thomas



Dämmung



Hallo Thomas,
ich hatte zu genanntem Problem am Wochenende einen Bauphysiker vor Ort, welcher auch bei mir die Statik für eine Dachsanierung schon berechnet hatte.

Wir haben zusammen mehrere Stellen in verschiedenen Räumen aufgemacht.
Es befand sich überall dasselbe Phänomen: Trocken und sehr guter Zustand.

Gestern erhielt ich des Weiteren von ihm eine Wärmeberechnung (inkl. Feuchtigkeitsanalyse).
Das Ergebnis ergab, dass der derzeitige Aufbau in Vergleich zu meiner ursprünglichen Planung mit einer neuen Dämmung aus Lehm/Lehmsteinen, Blähton oder Silikatplatten den besten Wärmewert ergab.
Der derzeitige U-Wert der Wände liegt rechnerisch um 0,67, die U-Werte der anderen Dämmmöglichkeiten lagen zwischen 0,77 und 1,02 zzgl. eines Problems von zu hohem Tauwasseranfall, welches bislang bei mir nicht besteht.

Ziehe es deshalb jetzt wohl in Erwägung, die vorhandene Dämmung beizubehalten und das Geld in Heizung und Fenster zu investieren.
Dadurch, dass es sich bei meinem Fachwerkhaus um eine Art „Reihenhaus“ handelt, welches zwischen Größeren fest eingebettet ist, ist anscheinend der Umstand gegeben, dass im Holz selbst (wohl auch durch das hohe Alter des Hauses) keine „große“ Bewegung mehr stattfindet.
Möglicherweise sei dies wohl auch der Grund dafür, dass in den Räumen seit den 70ern keine Risse mehr aufgetreten sind, somit also die normal für Fachwerkhäuser nicht zu empfehlende Dämmung mit Styropor etc. dicht ist, auch an den Ecken.

Siehst du diese Begründung von Dritten ähnlich?

Mit Sicherheit hast du recht, dass ein gesünderes Raumklima durch eine natürliche Dämmung entstehen würde.

Gruß Torsten



Bleibt der Einwand...



...mit dem geänderten Nutzungsverhalten. Das Klima der Räume wird sich nachhaltig ändern.

Da Du Dir um die Dinge einige Gedanken gemacht hast, solltest Du auch nach der angedachten Sanierung noch ein offenes Auge für eventuelle Probleme mit dem Wandaufbau behalten. Dicht jedenfalls kann diese Styropor-Dämmung nicht sein, anfallendes Wasser ist aber bislang offensichtlich ohne Schäden entwichen.

Eigentlich wär's ja der richtige Zeitpunkt für eine Wandheizung...

Grüße

Thomas



Dämmung



Ja, da hast du recht, das Nutzungsverhalten wird sich ändern.
In welche Richtung würdest du tippen?
Ich kann es bislang noch nicht beurteilen…
Muss noch dazu sagen, dass sich in dem Haus, welches aus sehr kleinen Wohneinheiten pro Etage besteht, Gasheizungen befindlich sind, welche Luft über die Innenräume ansaugen.
Möglicherweise ist dies mit ein Grund dafür, dass bislang keine Feuchte innen an den Wänden entstanden ist, dass sie z. T. über die Heizung nach außen abgegeben werden.
Da jetzt aber neue Fenster eingebaut werden, bin ich mir nicht sicher, ob die nachströmende Luft der alten Fenster durch die Neuen noch ausreichend ist.
Wer wüsste denn da bescheid?
Der Schornsteinfeger evtl.?
Werde das Thema Wandheizung einmal mit meinem Heizungsmenschen durchsprechen, halte ich durchaus für eine gute Möglichkeit.

Gruß Thorsten



Die Gasaußenwandheizer



und die alten Fenster sorgen für Frischluft. Wenn beide Quellen wegfallen wird die Luftfeuchte in den Räumen mit Sicherheit höher.

Über Wandheizungen fändest Du im Forum viele Beiträge.

Grüße

Thomas