Dämmung Fachwerkhaus - mal wieder - und Umnutzung

29.03.2006



Hallo liebe Community!
Ich weiß, ich weiß, eigentlich hängt euch allen diese Thema sicher schon zum Hals raus. SORRY! Aber ich habe ein paar Fragen, die ich so konkret noch nicht beantwortet fand.
Erstmal zu meiner Situation:
Mein Lebensgefährte und ich wollen uns evtl. einen alten Bauernhof (Bj. 1900) kaufen. Das Wohnaus hat derzeit ca. 130 qm Wohnfläche, direkt angeschlossen ist Stall und Scheune. Wir würden das Haus gerne umbauen und wie ein Doppelhaus nutzen. Die zweite Hälfte soll vermietet werden.
Nun also meine Fragen:
1.) Ich weiß dass das Thema Außendämmung mit Styropor *kreisch* hier nicht gerne gesehen wird, ich verstehe die Bedenken würde aber gerne mal eine mit Fakten untermauerte Erklärung hören, warum Styropor nicht verwendet werden soll/kann. Mein Gedanke ist der, die derzeit verputzte Außenfassade zu dämmen (kann man eigentlich den alten Putz/Farbe dran lassen? Stichwort "never change a running system) und dafür die Innenseite der Wände offen zu lassen, also das Fachwerk sichtbar zu machen. Reicht dies aus, um evtl. im Holz und den Gefachen gespeicherte Feuchtigkeit wieder abgeben zu können? Noch zur Info: das EG ist reine Steinwand, nur das 1. OG und DG des Wohnhauses sowie die Zwischendecken sind Fachwerk/Holzdecken.
2.) Kann mir jemand sagen wieviel eine Dämmung der Außenwand mit Holzweichfaserplatten pro qm kostet? Mit Dämmung, Gerüst, Arbeitszeit, Putz und Farbe und was sonst noch so dazugehört).
3.) Wenn wir die ganze Fassade dämmen wollen (Fenster sollen auch erneuert werden, Dachdämmung usw.), müssen wir dann automatisch die neue EnEv einhalten?
4.) Hat jemand Erfahrung, ob eine Umnutzung (wäre ja bei Stall und Scheune und der Remise, die ebenfalls umgebaut werden soll, nötig) im (ländlichen) Ortsgebiet in BaWü problemlos möglich ist? Der Ort ist schon Einzugsgebiet Stuttgart und daher ist Wohnraum immer gerne gesehen...

...so, das wars jetzt erstmal für den Anfang...

Vielen Dank schon mal.

Eure
Bauschnecke



Haus umbauen



Guten Morgen,

fangen wir mit dem Wichtigsten, der Genehmigungsfähigkeit an: Nach § 34 BauGB sind Vorhaben innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile genehmigungsfähig, die sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung etc...in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen.
Voraussetzung sind ein baulicher Zusammenhang und ein irgendwie geartetes Ortsbild. Das ist Bundesrecht.
Liegt Ihr Haus in einem geschlossenen Dorf und an einer Straße, kann man das meistens bejahen.

Bei allen Veränderungen, die mehr als 20% eines Außenbauteiles verändern, ist die EnEV einzuhalten. Wollen Sie ein komplettes Energiesparpaket verwirklichen, könnte es sich lohnen, ein "Niedrigenergiehaus im Bestand" hieraus zu machen, KfW-Kredit aufzunehmen und 15%-ige Restschuldbefreiung in Anspruch zu nehmen. das ist geschenktes Geld ! Sie brauchen dafür eine Sachverständigenbescheinigung.
Ein qm Außenwand, nach EnEV gedämmt, kostet 80 - 100 e/m² tutto completto.
Jetzt zum Styropor: Mögen Sie etwa den Klang beim Draufklopfen ? nein? Spechte schon. Papageien, die sich ausbreiten, wir haben schon 15.000 in Deutschland, bauen darin gerne Höhlen, weil es schön zu bearbeiten und auch warm ist. Ich weiß nicht, ob Eichhörnchen, Siebenschläfer und Marder auch schon auf die Idee gekommen sind.
Der Diffusionswiderstand der höherwertigen Sorten liegt auch schon bedenklich hoch, bei Holz in der Fassade könnte
es zu Kondensatanfall mit nachfolgendem Feuchteschaden kommen.
Brennbarbeit ist höchstens B 2, schwer entflammbar. Das reicht z.B. für Brandmauern nicht.
Dann gäbe es noch Nachteiliges zur Ökobilanz bei Lebenszyklus-Betrachtung zu sagen, im Vergleich mit Holz z.B. oder mit allen möglichen pflanzlichen und tierischen Fasern. Und als Architekt stört mich, das es einem Fachwerkhaus so wesensfremd ist wie nur denkbar, der Wert des Fachwerkes als Kulturdenkmal verschwindet bis zur Unkenntlichkeit hinter einer geschäumten Plastikhaut.

Grüße vom Niederrhein



Umbauen "Niedrigenergiehaus im Bestand"



Hallo Herr Beckmann,
vielen Dank für die schnelle Antwort.
Nachdem was ich so schon alles gelesen habe ist z.B. nur eine Dämmung der Außenwände alleine eh nicht sinnvoll. Fenster, Wände, Dach usw. müssen doch eine auf einander abgestimmte Einheit bilden um zu funktionieren (und die EnEV einzuhalten), oder hab ich da was falsch verstanden?
Da das Objekt relativ teuer ist und wir den Umbau hauptsächlich machen lassen müssen (außer Eigenleistung im Bereich Wände freiklopfen, Schlitze für Installationen klopfen und nach dem Abschluss des Umbaus Innenausbau wie streichen, Bodenlegen usw. können wir nichts selber machen, weder zeitmäßig noch kennen wir uns im Bau gut aus) wäre es natürlich auch gut, wenn es eine weniger umfangreiche Möglichkeit gäbe die funktioniert. Haben Sie hier Erfahrungen oder eine Alternative?
Wie funktioniert das mit der KfW-Förderung und 15%Restschuldbefreiung? Bekommt man da 15% (Von was? den Umbaukosten?) geschenkt? Welche Auflagen müssen dafür erfüllt werden?
Wenn der Umbau trotz der 15% Befreiung teurer wird als ein weniger umfangreicher der ebenso funktioniert ist nicht wirklich was dabei gespart...oder?
Da das Styropor durch seine Dicke eine relativ warme Oberfläche an der Wand(innen)seite hat sollte sich hier doch garkein Kondensat bilden, oder? Kann die ggf. doch anfallende Feuchtigkeit nicht nach innen abgegeben werden?

Moderne Fachwerkhäuser sind doch auch außen verputzt oder verschalt, man sieht das "Kulturdenkmal" auch nicht. Außerdem wollen wir ja dafür das Fachwerk nach innen sichtbar machen.

Was halten Sie davon?

Viele Grüße aus BaWü



Styropor



und ähnliche Materialien verhalten sich wie Plastiktüten. Unter dieser Kunststoffhaut stellt sich zwangsläufig ein anderes Feuchtegleichgewicht zwischen der Raumluft und der Wand ein. Feuchtigkeit fällt im Haus an durch Kochen, Waschen, atmen oder die Wasserschüssel auf dem Heizkörper. Über kurz oder lang kann das Fachwerk Schaden nehmen.
Bei uns im Ort hat jemand nach etwa 10 Jahren seine Dämmung wieder entfernt, weil es im Haus moderig gerochen hat. Darunter hat er auf einem Großteil der Wände Pilzmyzel vorgefunden. Ob sich die Dämmung amortisiert hat, ist nicht überliefert ...
Homogen und diffusionsfähig sind die Schlagworte. Wir haben für unser Haus folgende Lösung gefunden: Fachwerk außen sichtbar, instandgesetzt wo nötig, sonst die alte Substanz (alles!) erhalten, Gefache Balkenbündig verputzt, so das Regenwasser an der Wand herunterläuft und nicht in diese eindringt. Innen eine Leichtlehm-Vorsatzschale (100 - 150 Euro je Kubikmeter + Eigenleistung), darauf Universal-Lehmputz mit einer schönen rauhen und "lebendigen" Struktur. Die Wände sind insgesamt etwa 35 cm dick - das ist reichlich! Naja, viel hilft viel ...

Viel Grüße!



Innendämmung



Hallo Herr Hildebrandt,
vielen Dank für die Anregungen.
Das mit der Innendämmung schein mir aber ziemlich aufwändig zu sein, da sonst Wärmebrücken z.B. an den Decken entstehen, oder?
Da unser "auserkorenes" Haus Bj. 1900 ist und zu der damaligen Zeit das Fachwerk an sich nicht mehr als Sicht(zier)fachwerk gebaut wurde sondern als konstruktives Mittel und also ursprünglich auch nicht freigelegt war wollen wir dies (auch in anbetracht einer wesentlich aufwändigeren Innen- ggü. Außendämmung) nicht freilegen. Innen soll es dagegen sichtbar sein.
Haben Sie auch die Fenster erneuert? Bei uns wurde in den 1950er und 60er Jahren an und ausgebaut, die Fenster dürften auch aus der Zeit sein, müssen/sollten also raus. Was ist denn hier zu empfehlen?



Ein gebrauchtes Haus



benötigt Zeit und reichlich Zuneigung. Ich halte es stets für sinnvoll, sich umfassend zu informieren und möglichst viel selbst zu machen. Das schont Nerven und den Geldbeutel, Sie lernen die Arbeit mehr zu schätzen. Seien Sie sehr kritisch mit Handwerkern und guten Ratschlägen derselben und aus dem Freundeskreis, verwenden Sie viel Zeit für die Planung - es müssen an einen Altbau andere Maßstäbe angelegt werden, als bei einem Neubau, bedenken Sie den Zeitrahmen. Standardlösungen sind nicht das Mittel der Wahl, Sie müssen sich dem Haus anpassen.
Nach Ihrer Beschreibung würde ich sagen, daß der vorhandene Putz erst (lange) nach der Fertigstellung des Hauses aufgebracht wurde. Das Fachwerk selbst ist nicht sichtbar? Seien Sie vorsichtig: Es ist ratsam, gezielt nach (Holz)Schäden zu suchen, Riegel unter den Fenstern, Eckpfosten, Schwellen, alles was Ihnen - oder besser einem Fachmann - verdächtig erscheint.
Zum vorgeschlagenen Wandaufbau: Die beschriebene Vorsatzschale kann man natürlich nicht einfach so hinstellen, die ist Bestandteil einer guten Planung, manchmal muß auch mehr als eine Lösung gefunden werden. Zum ander bietet sich die Möglichkeit, viele der Leitungen - welcher Art auch immer - direkt mit einzubauen. Das spart richtig Arbeit. Und wenn Sie Fachwerk sehen wollen, dann legen Sie doch einfach die Innenwände frei.
Zum Fachwerk: Auch schlichtes und funktional gestaltetes Fachwerk hat seinen Reiz und sieht allemal interessanter aus als jede beliebige Wärmedämmputzfassade. Schauen Sie sich um, leihen Sie sich (geeignete!) Bücher, Sie werden einen Blick dafür bekommen, was man alles falsch machen kann, gerade auch bei den Fenstern.



Ein gebrauchtes Haus



Hallo Karsten,
vielen Dank für die Hinweise.
Wie gesagt planen wir die Freilegung des Fachwerks innen fest mit ein. Wie bzw. wo können denn Leitungen bei Sichtfachwerk innen verlegt werden?
Die Außemdämmung sollte natürlich sowohl für die Steinwände als auch für die Fachwerkwände passen, oder kann man auch zwei unterschiedliche Systeme verarbeiten?
Wir werden das Haus am Freitag das erste Mal besichtigen. Ich werde reichlich Bilder machen und habe einen befreundeten Archi der sich die Sache mal wg. Substanz anschauen wird. Hoffe die Besitzer machen keinen Aufstand wenn wir mal hier und da ein Stück putz abschlagen wollen um drunter zu schauen. Naja, vielleicht enden unsere Träum ja dann auch schon im Schimmel oder verfaulten Holz. Ob wir uns eine komplett-Sanierung mit neuen Balken usw. leisten können weiß ich nicht.



Fachlicher Rat



Wenn man Euer Anliegen liesst, wird deutlich dass Ihr doch sehr viel Vor-Ort-Rat braucht. Bei allem Wohlwollen wird das den Rahmen einer solchen Fernberatung bei weitem sprengen.
Mein Rat: Nehmt Euch einen erfahrenen praktisch veranlgten Architekten / Handwerker, der Euren Bau begleiten und ggf. Eigenarbeiten anleiten kann. Es gibt so viele konstruktive und gestalterische Tricks und so viele Fehler aus Unwissenheit mit fatalen Folgen, so viele Fragen kann man hier gar nicht stellen.
Am Ende wird so ein Honorar eine gut angelegte Investition sein.

Gutes Gelingen wünscht
jh



Fachmann? ja klar!



Hallo Herr Hülsemann,
dass wir einen Fachmann brauchen und diesen auch hinzu nehmen werden ist mir klar.
Meine ursprüngliche Frage zur Außendämmung steht noch, können Sie dazu vielleicht noch was sagen? Wäre wirklich dankbar.
Viele Grüße
Bauschnecke



Zur Dämmung mit Leichtbaustoffen



wäre aus meiner Sicht anzumerken:

Sie ist nicht speicherfähig, also kühlt sie abends schnell bei klarem Himmel unter Lufttemperatur aus (messe ich ständig mit IR-Thermometer) und nimmt dann Unmengen Kondensat aus der abkühlenden Außenluft auf. Und zwar das ganze Jahr über. Folge: Auffeuchtung des Schichtaufbaus, der mangels Kapillarsorption eingespeichert wird. Schlagwort: "Absaufende Dämmung". Der oben beschriebene Schimmelbefall wird wohl damit zusammenhängen.

Die schlauen Maler schmeißen inzwischen eklig Gift in ihre Farben, um die zwangsläufige Veralgung der Dämmfassaden erst nach der Gewährleistungszeit auffällig werden zu lassen.

Im Winter bildet sich hin und wieder (bei klarkalten Nächten) sogar ein kondensatgespeister Eispanzer auf der gedämmten Wand (habe ich diesen Winter beim frischgedämmten Nachbarn fotografiert), das schädigt bald die Beschichtung, sie wirft dann irgendwann Blasen, reißt und geht dolle kaputt.

Außerdem gibt es Materialfeuchte in der Wand und ggf. Kondensationsfeuchte von innen her. Dann staut sich bei entsprechenden klimatischen Voraussetzungen die Nässe unter der Dämmung, auch das fördert Verrottung.

Dämmung von außen schottet die Solarwärme von der speicherfähigen Wand ab, von innen die Heizwärme. Im Ergebnis trocknet die Fachwerkwand nicht mehr richtig, was ihr bestimmt nicht gut tut. Sehr wahr: Never change!

Ein weiterer Witz ist, daß Dämmstoffe die Wärmestrahlung gar nicht richtig dämmen, da das aber der maßgebliche Wärmetransport ist, wirkt Dämmung insgesamt nicht nur befeuchtend und baustoffzerrottend, sondern steigert den Energieverbrauch.

Selbst nach offizieller U-Wert-Berechnung sind Dämmstoffverkleisterungen immer unwirtschaftlich. Deswegen trifft übrigens immer (!) § 17 EnEV zu, Ausnahme! Will sagen: Keine Dämmung erforderlich.

Wichig wäre also ein Ausbau, der die Substanz nicht durch neuzeitlichen Plunder schädigt, sondern mit bewährten Methoden erhält. Entscheidend ist dabei auch die richtige Heizmethode, sie sollte als Hüllflächentemperierung konzipiert werden.

Hier finden Sie weitere Details:

Dämmstoff dämmt nicht

Dämmstoff spart keine Energie

Richtig und falsch heizen

Viel Glück!

Konrad Fischer

PS. Übrigens: Diffusion spielt baupraktisch überhaupt keine Rolle (außer daß Feuchtluft einkondensiert!), entscheidend ist die kapillare Sorption.

Merken:

1000:1=Kapillartransport:Dampfdiffusion in Baustoffen

Das muß gewußt und bei den Konstruktionsaufbauten vom Boden bis zum Dach berücksichtigt werden. Wenn nicht: Morsch.



Dammung nicht nötig?



Hallo Herr Fischer,
Ihre Ansichten und Einsichten sind sehr interessant.
Wenn ich die Grundaussage Ihres Beitrags richtig verstanden habe verbrauche ich gleich viel Heizenergie, egal ob das Haus gedämmt ist oder nicht. Nur dass die Dämmung kostet und im Endefekt nichts bringt. Verliert man aber nicht Raumwärme duch eine normale Ziegel/Fachwerkwand? Die sind doch nicht so dick, max 35 cm schätze ich, oder?
___Zitat:___
Selbst nach offizieller U-Wert-Berechnung sind Dämmstoffverkleisterungen immer unwirtschaftlich. Deswegen trifft übrigens immer (!) § 17 EnEV zu, Ausnahme! Will sagen: Keine Dämmung erforderlich.

---> wie erreiche ich eine solche Befreiung von der EnEV?

__Zitat___
Wichig wäre also ein Ausbau, der die Substanz nicht durch neuzeitlichen Plunder schädigt, sondern mit bewährten Methoden erhält.

---> Die Wand muss also noch "verdickt/verstärkt" werden, oder? Oder was meinen Sie mir Ausbau?

___Zitat___
Entscheidend ist dabei auch die richtige Heizmethode, sie sollte als Hüllflächentemperierung konzipiert werden.

---> Eine Wandheizung heitzt meiner Ansicht nach unnötig die Wand nach außen mit auf, wie steht es mit einer Sockelheizung? Hierzu habe ich hier schon ein wenig gelesen, was sind die Vor- und Nachteile und Gefahren?

Vielen Dank für den regen Austausch.

PS: Ihre Anmerkung zur Diffusionsoffenheit usw

___"Diffusion spielt baupraktisch überhaupt keine Rolle (außer daß Feuchtluft einkondensiert!), entscheidend ist die kapillare Sorption.

Merken:
1000:1=Kapillartransport:Dampfdiffusion in Baustoffen
___

habe ich (Laie) leider nicht ganz verstanden...



In aller Kürze:



1. Dämmung steigert den Energieverbrauch.
2. Keine Dämmung auf die alten Wände, keine "Verkleisterung" oder "Verstärkung".
3. Die Ausnahme muß beantragt werden, fragen Sie bei der Baubehörde. In Bayern bescheinigt ein ZVEnEV-Sachverständiger (wie ich) das Vorliegen der Ausnahmetatbestände - fertig. In anderen Budnesländern ist das auch schon anerkannt worden, in BW weiß ich nicht genau.
4. Wandheizung heizt erstmal Wand, offene Sockeltemperierleitungen gleich den Raum. Die über 100 Seiten Detailinfo dazu von meiner Homepage will ich hier wirklich nicht wiederholen (das wäre SPAM!) und Links soll ich eben moderatorengemahnt lieber bleibenlassen. Stundenlang kann ich leider noch nicht im Forum herumschreiben, bei aller Freundschaft. Nur das Ärgste der Baupropaganda vielleicht abmildern und Nachdenklichkeiten anregen, mehr will und kann ich als Profi hier nicht erreichen.
5. Dampfförmige Diffusion ist ein baupraktischer Humbug (mit dem sich auch leichtgläubige Bauleute hereinlegen lassen), die kapillar oder kondensatmäßig eingedrungene Feuchte liegt in den Baustoffporen immer (!) in flüssiger Phase vor (es bilden sich zwischen Baustoff-Sauerstoff- und Dampf-Wasserstoff-Molekülen Bindungen), deswegen dampft auch unter normalen Umständen kein Wasser aus der Wand, es muß kapillar durch die Poren bis nach außen transportiert werden, um dort dann an der Luft abzutrocknen. Genau das wird aber von allen diffusionsoffen gepriesenen, jedoch kapillarsperrend blockierenden Beschichtungsstoffen und Wandbildnern verhindert, sie werfen lieber Blasen und frosten als Feuchte rauszulassen.

Eben typische Verkaufsrhetorik: Viel Lärm um Nichts, und den Brutalmist vornehm verschweigen.



Warum kapilar nach außen



Hallo Herr Fischer,
ich bin Ihnen schon sehr dankbar für die Zeit die Sie schon geopfert haben.
Ihre Sichweise und Infos sind wirklich was ganz Neues für mich, obwohl ich schon seit Jahren intensiv im Internet recherchiere. Erst für den Neubau, nun - wg. Aussicht auf einen alten Bauernhof - auch wg. Altbau.
Sehr interessant!!!
Ich habe bisher viel auf der Bauexpertenforum-Seite gelesen. Dort sind auch wirklich viele Experten, also nicht unbeding Leute die für spezielle Produkte Werbung machen, aber Ihre These habe ich noch nirgendwo sonst gelesen...
Warum kann das (Über)flüssige Wasser das sich in den Poren der Wand absetzt nicht wieder im Raum abgegeben werden wenn die Luft trocken(er) geworden ist?
Können Sie vielleicht noch mal in aller Kürze zusammenfassen was Ihrer Ansicht nach an einem Bau Bj 1900 mit An-/Umbau 1950er udn 60er gemacht werden sollte?
Wie ist es z.B. mit Fenstern und dem Dach? Ich wohne z.Zt. in einer DG-Wohnung aus 1976, da ziehts durch ohne Ende und es sind Wärmebrücken im Bereich Balkon, so möcht ichs nachher beim Eigenen eigentlich nicht haben.
Vielen Dank!



Freilich kann Wasser aus Poren wieder an die Luft abtrocknen,



aber nur, wenn die Poren nicht kapillarsperrend versiegelt sind, Diffusionsoffenheiten hin oder her. Schauen Sie sich die beulenden Plastikanstriche oder hydrophobierungsgeschädigten Back- und Natursteinfassaden landauf und -ab mal an - alles kapillarsperrend/porenverstopfend, von industrieabhängigen/-gläubigen Handwerkern und Planern freilich wärmstens empfohlen.

Ihre sonstigen Fragen überfordern leider mein Zeitkontingent. Bauen ist zu komplex - Baukonstruktion, Haustechnik, Nutzung - alles will korrekt bedacht werden, um nicht allzusehr zu scheitern. Auf meiner Homepage habe ich zu allem über 1.500 Infoseiten angehäuft, das muß hier nicht wiederholt werden.

Besten Gruß

Konrad Fischer



1.500 Seiten !



und dann ist doch leider gar nichts klar.
Herr Fischer hat leider keine Zeit, um uns das alles zu "erklären" - bleiben sie um Gottes Willen bei einem Praktiker wie Herr Beckmann, der auch "versteht" was er schreibt und weiss was er tut, und gehen sie niemals einem Ziegelphysiker auf den Leim.